Krieg der Welten (USA 2005)

Terror

Als Krieg der Welten vor rund fünf Jahren in die Kinos kam, habe ich ihn bewusst boykottiert. Der Held meiner Jugend, der mich einst mit abenteuerlichen Archäologen und majestätischen Urtieren zur Filmkunst bekehrt hatte, war nicht mehr der Alte und diesen Tom Cruise-Streifen hatte Steven Spielberg sowieso nur gemacht, um einen Freifahrtschein für “München” zu erhalten. So wie damals sein Kollege Martin Scorsese seinen ersten Blockbuster “Kap der Angst” gedreht hatte, um den  Studiobossen den Skandalstoff “Die Letzte Versuchung Christi” abzuringen. Dass ein Spielberg so einfach nicht unter den Tisch zu kehren ist, zeigte sich drei Jahre nach Kinostart an einem Sonntag im Februar. Da erlebte das alien invasion flick seine von allerlei Werbung unterbrochene Free TV-Premiere und aus irgendeinem Grund – lief nichts besseres bei Arte? – habe ich den Film gesehen. “München” hatte mir den Glauben an die grundsätzliche Möglichkeit herausragender Spielberg-Filme im neuen Jahrtausend wiedergegeben. Er hatte eingeschlagen damals in dem fast leeren Kinosaal, wie ein Film eben einschlägt, den man allein sehen muss. Diese Wellen wogen bis heute und jener Sonntagabend brachte sie erneut in Unordnung.

Die Erwartung: Ein besserer Emmerich. So tief war der Stern des einst Unantastbaren schon gesunken. Stattdessen bekam ich ein schwer verdauliches disaster movie voll von 9/11-Referenzen und aus dem Nichts kommenden Bildern des Horrors zu sehen, in ihrer Surrealität erinnernd an einen anderen Film des New Hollywood-Kollegen Scorsese – “Shutter Island”. Als Reaktion auf die Terroranschläge an jenem Dienstag im Jahr 2001 wurde “Krieg der Welten” von der Kritik sofort verstanden, gescholten oder gelobt. Allzu offensichtlich scheinen die Analogien, derer sich Spielberg, ein selten durch Subtilität auffallender Regisseur, bedient. Jenseits der visuellen Gestaltung, über die noch zu sprechen sein wird, ist da natürlich das Motiv des Angriffs; des Angriffs auf eine sich in Sicherheit wiegende Zivilisation. “Krieg der Welten” ist zunächst einmal die Film gewordene Erschütterung, der schmerzhafte Weckruf aus einem sanften Schlaf. Tom Cruise, der unwahrscheinlichste aller Schauspieler für solch eine Rolle, ist der Surrogat nicht nur schockierter Amerikaner, sondern all jener Millionen, die damals vor dem Fernseher saßen, ihren Augen nicht trauen konnten.

Krieg der Welten
Abseits der narrativen Parallelen, die dem Genre eben zu eigen sind, besticht “Krieg der Welten” jedoch durch seine Bildsprache und findet gerade in dieser zu seiner leicht zu übersehenden Größe. Spielberg, das zeigt auch dieser Film, ist ein Mann für’s Grobe, einer, der keine verkopften Metaphern aufbaut, sondern seine Kunst stets im Affekt ausübt und seine Bilder entsprechend wählt. So muss das erste Gebäude, welches der Alien-Invasion zum Opfer fällt, natürlich eine Kirche sein. So muss Tom Cruise nach dem ersten Angriff nach Hause kommen, voller Staub auf Körper und Gesicht in den Spiegel blicken, dem Staub verbrannter Mitmenschen, gleich jenem, der sich nach dem Zusammensturz der zwei Türme über Manhattan legte. Doch “Krieg der Welten” ist nicht nur ein Film über eine Invasion, ein Film über den Terror, der ins beschauliche Heim einbricht. Im Mantel des disaster movies wird hier ein Trauma erneut durchlebt. Es ist, als würde man mit den Augen eines Menschen sehen, der die Bilder nicht vergessen kann, dem sich das Grauen unwiderruflich eingebrannt hat.

Zuschauen

“Krieg der Welten” ist ein Film über das Zuschauen und den Versuch, es zu unterbinden. Mehrmals – und hier sind wir wieder bei den berüchtigten Analogien – wird verwiesen auf die mediale Wiedergabe der Katastrophe. Zunächst im Hintergrund als Fernsehnachricht über mysteriöse Magnetstürme wandert das Geschehen Schritt für Schritt in den Bereich der Wahrnehmung, bis hin zur fallen gelassenen Videokamera, welche die Angriffe unbekümmert weiter aufzeichnet und dem Fernsehteam von CBS, auf welches Ray (Tom Cruise) schließlich neben einem Flugzeugwrack im Vorgarten seiner Ex-Frau trifft. Die Reporterin zeigt ihm Bilder der Invasion, die er längst kennt. Er hat schließlich alles mit eigenen Augen gesehen. Und wie er es gesehen hat! Über weite Strecken des Films macht Tom Cruise nichts anderes, als zuzusehen. Gefesselt von der Zerstörung, gefesselt vom grauenhaften Anblick, kann er seine Augen nicht abwenden, muss sehen, auch wenn die Folgen desaströs sind. Dementsprechend hängt sich Janusz Kaminskis Kamera in der ersten Hälfte des Films an seine Fersen und wiederholt mit ihm immer wieder die hin- und hergerissene Bewegung zwischen Hinschauen und Abwenden.

Als Ray nach Beginn der Invasion verstaubt nach Hause kommt, steht ihm der Schock ins Gesicht geschrieben und fortan zählt nur eines: Seine Kinder nicht dieselben Dinge sehen zu lassen. Ebenso wie Cruise, von jeher eher passiven Gefäß als Emotionsbündel, überzeugt Dakota Fanning aus heutiger Sicht in der ihr zugewiesenen Rolle. Ohne kleine Kinder aus gescheiterten Ehen kommen Spielbergs Filme sowieso selten aus. Mit ihren großen runden Augen und den stets emotionalisierten Gesichtszügen hat Fanning nicht zuletzt nach diesem Film viel unverdienten Zuschauerhass auf sich gezogen. Zugleich bildet sie in ihrer Zerbrechlichkeit ein notwendiges Gegengewicht zum versteinert wirkendem Superstar. So sehr dieser als Vater Ray es jedoch zu verhindern sucht, so unausweichlich ist das Sehen auch für ihre unschuldigen Augen. Mehrmals weist er sie an, nicht hinzuschauen, als um sie herum die Welt sprichwörtlich in Flammen aufgeht, hält ihr die Augen zu, verbindet sie an einer entscheidenden Stelle sogar. Doch es ist ein vergeblicher Kampf. Nachdem sein Sohn angezogen vom Unheil (“Ich muss das sehen!”) verloren geht, verliert im blutigen Finale des Films auch Tochter Rachel den unschuldigen Blick, ist fortan gezeichnet.

Wurden die Augen und das Sehen bereits in “Minority Report” zur Gefahr, welche den Held (wiederum Tom Cruise) sogar dazu brachte, sich andere einsetzen zu lassen, zeugt “Krieg der Welten” von den Wunden, die das Gesehene in der Psyche eines Menschen schlagen kann. Wie kaum einem anderen Mainstream-Regisseur gelingt es Spielberg hier, der (Schau-)Lust an der Katastrophe die Folgen derselben gegenüber zu stellen. Anders als etwa in “Independence Day”, indem eine gute Zigarre alle Toten vergessen macht, ist “Krieg der Welten” in jeder Einstellung Zeugnis einer nachhaltigen Verstörung. In dem Moment, in dem der erwachende väterliche Beschützerinstinkt ihn zum Mord treibt, versucht Ray, seiner kleinen Tochter das Schrecklichste zu ersparen. Er bindet ihr die Augen zu. Trotzdem steht im Nachhinein fest: Nichts wird mehr so sein, wie es war.  Während das amerikanische Disasterkino stetig darum bemüht ist, dem Zuschauer diese Wahrheit aus der Erinnerung zu löschen – nur so macht Zuschauen Spaß – treibt Spielberg das Genre mit Hilfe des gebrochenen Helden Tom Cruise und der kleinen, großäugigen Dakota Fanning an die Grenzen der Massentauglichkeit.Trauma

Man könnte meinen, dass dem Motiv der Alien-Invasion nach so vielen Jahren Filmgeschichte nicht mehr viel neues hinzuzufügen ist. Zweifellos ist “Krieg der Welten” auch ein Versuch eines Meisters, das ihm aus der Hand genommene Zepter mit einer Klassikerverfilmung zurück zu gewinnen. Zur Erfassung der visuellen Komponente von “Krieg der Welten” reicht dieses Argument allein dennoch nicht aus. Hilfreich ist dafür u.a. ein kurzer Blick auf Spielbergs andere Auseinandersetzung mit dem Terror, den bereits erwähnten “München”. Dieser beginnt mit und wird eingerahmt von einem Anschlag und erzählt parallel vom Preis der Vergeltung desselben. Betrachtet man nun den teuren Blockbuster und das kleine Herzensprojekt als filmisches Paar unabhängig von den genannten pragmatischen Beweggründen ihrer Entstehung, stellen beide sinnige Ergänzungen des jeweils anderen dar. Kurz gefasst: “Krieg der Welten” bebildert ein Trauma, “München” befasst sich mit dem Danach. Zu betonen ist hierbei, dass ersterer bereits von einer Verinnerlichung der Schreckensbilder ausgeht. Die oben angesprochene Surrealität einiger Situationen spricht für eine Stellung  der Geschehnisse an der Grenze zwischen Traum und Realität.

Verdunkelt in “Independence Day” das gigantische Alien-Schiff den kalifornischen Himmel, wird die Bedrohung in “Krieg der Welten” ausgerechnet mit dem Licht assoziiert. Die Macht über das Licht, dieses stets übersteuert und unwirklich glänzend, wird mit Beginn des Angriffs den Invasoren zugewiesen. Auf Blitze folgen die schrecklichen Strahlen, welche Menschen sprichwörtlich zu Staub zerfallen lassen und auch nachts ist Rays Familie vor den Scheinwerfern der Tripods nicht sicher. Das Spiel mit dem Licht – naturgemäß untrennbar mit dem Sehen verbunden – verleiht dem Film in einem ersten Schritt seine verträumte Atmosphäre. Kombiniert mit den surrealistischen Bildern des massenhaften Sterbens erzeugt “Krieg der Welten” eine Ästhetik, die sich weniger dem wirklichen Erleben annähert. Vielmehr gleicht sie der  schweißgebadeten Gefangenschaft in einem Albtraum. Wenn Dakota Fanning, vom Glitzern der Wasseroberfläche beleuchtet, an einem Fluss steht, auf dem zahllose Leichen vorbei treiben oder die Familie durch einen Wald läuft und plötzlich die Kleidung Getöteter auf sie herab regnet, verlässt der Film das gewohnte Terrain des Genres.
Seinen Höhepunkt erreicht Spielbergs “9/11-Albtraum” mit der visuellen Offenlegung der hinterlassenen Wunde (griech.: Trauma) und dem abschließenden Verlust jeglicher Unschuld. Auf mit Blut gedüngte Felder blickt Ray in einem Moment. Das Motiv selbst geht auf die Vorlage von H.G. Wells zurück. Als Metapher für den Kolonialismus des britischen Empires gedacht, erlangen die Blutpflanzen im Kontext der Spielberg’schen Adaption eine ganz neue, emotionale, geradezu apolitische Konnotation. Zugleich sind sie die Verkörperung eines einschneidenden Traumas, aus dem in “München”  gewissermaßen der Drang nach Rache geschöpft werden wird. Rachel, auf einer blutigen Wiese stehend (ein grausam schönes Bild!), kann nicht anders, sie muss ins Licht blicken, in das Licht des Tripods. Zwar wird Ray in einem letzten Akt des Erwachsenwerdens (es ist ein Spielberg-Film!) seine Tochter aus den Fangbeuteln des Tripods befreien und diesen gar zur Strecke bringen. Das Gesehene zu verarbeiten, bleibt für alle Beteiligten eine Aufgabe, die Offscreen erfüllt werden muss.

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Jenny Jecke (28) hat Medienwissenschaften in Jena studiert. 2007 gründete sie das Blog „the gaffer“, um ihre Besserwisserei in Sachen Film auch im Internet auszuleben. Jenny ist bei Twitter zu finden und arbeitet als Redakteurin bei moviepilot.

15 comments to Krieg der Welten (USA 2005)

  • Mann, ich glaub, da interpretierst du am Ende mehr rein, als Spielberg selber. Gute Ansätze aber, ich find den Film von der Machart und dem Look her auch recht super, besser als die meisten immer meinen. Das Ende störrt mich auch nicht so, wie den Rest der Menschheit, wenngleich es etwas spontan um die Ecke kommt. Das größte Hindernis bleiben aber Tom Cruise (dem ich seine Schauspielerei noch nie abgenommen hab) und Dakota Fenning (bei welcher ich mir bei jedem Auftauchen wünschte, die Aliens würden mich oder sie pulverisieren). Ungeachtet dessen aber ein guter Blockbuster und ich hoffe dass das Genre “Aliens greifen Menschen an” in Zukunft mal wieder etwas öfters bedient wird.

  • avatar jenny

    @Norman: Wenn das ein Michael Bay- oder meinetwegen ein Tony Scott-Film wäre, hätte ich zweifellos zuviel hinein interpretiert. Spielberg aber arbeitet dermaßen an der Oberfläche, was seine Metaphern angeht, dass die Interpretationen naheliegen. Zum Look des Films: Simply awesome!^^ Zum Film: Das Ende hat mich beim zweiten Mal nicht mehr so gestört. Es ist eben ein Spielberg-Ende. Dasselbe gilt für Dakota Fanning. Aber vielleicht bin ich mittlerweile ihr und ihrem Gekreische gegenüber auch taub geworden. ;) Tom Cruise… reden wir nicht drüber.

  • Ich habe mir den am Sonntag zum ersten Mal gegeben. Freilich nicht im Fernsehen, sondern auf DVD. In diesem Sinne also die TV-Ausstrahlung genutzt, um die Scheibe in den Player zu schieben. Verquere Logik, ich weiß. :) Anyway: Schöner Text mit interessanten Thesen. Ich selbst, ohne mir jetzt so viele Gedanken zu dem Film gemacht zu haben, empfand den ebenfalls als ziemlich gelungen. Erstaunlich düster, optisch durchaus gelungen, gefällt mir in “Krieg der Welten” vor allem der weitestgehende Verzicht auf den sonst im Genre ja durchaus typischen Überhelden (womit Cruise ja in diesem Fall durchaus gegen den Strich besetzt ist).

  • Ich kann das diese allzu positive Kritik auch nicht nachvollziehen. Die Darsteller: geschenkt. Die Fanning nervt einfach und Cruise spielt auf remote. es mangelt dem Film einfach an einem guten Drehbuch, das ist so voller Lücken und unausgereiftheiten. Gerade Robbins’ Figur wird locker flockig und schnell abgefrühstückt. Das oder besser die Traumata die du beschreibst bleiben eben genau an der Oberfläche, als dass sie wirklich Bedeutung gewinnen. Auch sollte sich Spielberg durchaus mal von Kaminski trennen, die zwei bieten zusammen nichts neues, wird auf Dauer ein wenig öde.

  • Grauenhafter Film. Sogar nocht fürchterlicher als es MINORITY REPORT schon war.

  • Aber nett geschriebene Analyse, derem Inhalt ich jedoch nicht zustimmen würde (wobei mich ja das intellektuelle Einbetten des “die Grippe hat sie dahingerafft”-Endes in deinen 9/11-Kontext interessieren würde).

  • Sehr hellsichtige Beobachtungen und Einschätzungen zu Spielberg, die trotz ihrer Ausführlichkeit dann aber an einem bestimmten Punkt nicht weiter gehen oder weiter wollen. Ein Umstand, der mich angesichts der Genauigkeit deiner Sichtung und ihrer sprachlichen Fassung etwas irritiert hat. Völlig zu Recht hast du aber Bedenken gegen die Lesart hier nur oberflächliches Blockbusterkino zu sehen. Das hat Spielberg nie, selbst in seinen schwächsten Momenten nicht, geliefert, auch wenn das viele seiner Freunde und Feinde so gesehen haben.

    Die ja offensichtlichen Verknüpfungen zum Nach-9/11-Klima, die unterirdischen Stränge zu „München“, zum „eigentlichen“ Spielberg-Projekt jener Jahre: alles gut beschrieben. Nur: Mir scheint es ebenso offensichtlich, dass Spielberg viel weiter historisch ausgreift und das ewige Trauma vom Nazi-Reich und seiner Ausrottungspolitik hier einflicht. Dafür eignet sich Wells’ Kolonialismusparabel hervorragend. Spielberg holt sie in die Gegenwart, in dem er Menschen zeigt, denen die geschichtlichen Gewalterfahrungen des 20. und 21. Jahrhunderts, kondensiert im Symbol der Alieninvasion, buchstäblich am eigenen Leibe widerfahren. Mir scheint, die historische Dimension war ihm sogar wichtiger als die vermeintlich drängende 9/11 Problematik

    Noch ein Wort zur Familiendarstellung. Auch hier zeigt sich Spielberg als Zeitgenosse. Nicht mehr die heile Familie der fünfziger Jahre steht den Aliens gegenüber, sondern die fragmentierte, teils dysfunktionale Patchworkfamilie der Gegenwart. Cruise spielt ja einen symptomatisch überforderten Vater, der während des ganzen Films vor allem versucht, seiner Vaterrolle gerecht zu werden.

    Die große Stärke des Films besteht darin, diesen ebenso staats- wie gesellschaftspolitischen Entwurf, der durch die Echos aus den Tiefen von Spielbergs schöpferischem Energiezentrum zu einer ganz persönlichen Angelegenheit wird, vollkommen selbstverständlich in die Form eines Kawumm-Sommerblockbusters zu gießen.

    Die große Schwäche des Films resultiert aus der peinlich offensichtlichen Feigheit Spielbergs, auch nur eine dieser Leitlinien weiter zu denken, geschweige denn, zu Ende zu denken. Sowohl die politische wie gesellschaftliche Sprengwirkung implodiert regelrecht, in dem Spielberg wirklich alles auf schematischte und hölzernste Art in Wohlgefallen auflöst. Wie gesagt: Die Ebene eines Blockbusters hätte er für ein sehr viel besseres Ergebnis gar nicht verlassen müssen.

  • avatar jenny

    @C.H.: Die Besetzung von Cruise ist zweifellos treffend, bedenkt man seinen früheren Status als All American Hero. Gleichzeitig geht mir sein steinernes Starren sehr schnell auf die Nerven. ;)

    @JMK: Spielberg darf sich bloß nicht von Kaminski trennen. Die beiden haben einem ausgelutschten Genre einen tollen look geschenkt (ohne sich einfach auf die Wackelkamera zu verlassen wie viele Kollegen). Man kann über den Film sagen was man will, aber die Zusammenarbeit zwischen den beiden kann IMO immer noch überwältigende Früchte tragen.
    Die Einfachheit des Drehbuchs hat mir wiederum zugesagt, da sich Spielberg so nicht mit der Narration herumschlagen muss und sich (fast) ganz auf seine Bildsprache verlässt.

    @Flo Lieb: Hätte mich auch gewundert, wenn unsere Meinungen zu diesem Filme ähnlich wären. Was das Ende angeht: s.u.

    @Sieben Berge: Die historische Dimension ist mir auch in den Sinn gekommen und liegt bei Spielberg nahe. Im Moment des Schreibens hatte ich allerdings das Gefühl, dass eine Beschränkung auf die unmittelbare Vergangenheit dem Text zu Gute kommt. Da ich den Film bisher nur zweimal gesehen habe, wollte ich meinen Beweisbogen nicht überspannen. Andererseits sehe ich bei KRIEG DER WELTEN eine Ähnlichkeit zu SHUTTER ISLAND, nämlich in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und persönlichen Traumata (hier verschwimmt die Trennlinie) und ihren Nachwirkungen. Beide Filme (und das ist ihre Stärke) lassen die Tür auf für weitreichende Interpretationen.
    Das Familienbild würde ich als typisch für Spielberg bezeichnen. Cruise als überforderten Dad zu casten, ist wiederum eine tolle Idee.
    Im Rahmen des Blockbusterkinos hat Spielberg hier zweifellos ein ungeheures Potential aufgezeigt. Dagegen kann INCEPTION beispielsweise nicht ankommen. ;)

    Das Ende ist natürlich schwierig und hat mir nach der ersten Sichtung fast den Film ruiniert. Zugleich verweist die Inszenierung und auch Cruise’ Spiel meiner Meinung nach auf ein nur scheinbares happy end. Natürlich ist es hanebüchen und ein wenig feige, dass der Sohn überlebt. Spielberg will hier unbedingt Rays Hereinwachsen in die Vaterrolle belohnen, was mit einem toten Sohn nur schwer möglich gewesen wäre. Trotzdem glaube ich, dass den letzten Minuten ein gewisser Zwiespalt zu Grunde liegt, der durch die auf Wells basierende plötzliche Lösung des Alienproblems verstärkt wird. Spielberg verlegt sich auf die Devise “Das Leben findet einen Weg”, unterwirft die Menschen aber im selben Moment einem Schicksal, dessen Herr sie niemals sein können. Er stutzt ihren Größenwahn sozusagen zurecht; nach 9/11 ein ungewöhnlicher Schritt für einen Invasionsblockbuster.

  • Was JMK und Flo sagen.

  • Hätte ja nicht gedacht, das man bei dem Film soviel interpretieren kann, die Mühe hätte ich mir jedenfalls nicht gemacht. Wobei die 9/11-Parallelen schon auffallen, spätestens wenn Cruise staubbedeckt nach Hause kommt.
    Trotz dessen aber Popcornkino mit Tom Cruise, den ich nicht mag und Dakota Fenning, die ich entgegen der Masse schon mag. Aber nur wegen “Mann unter Feuer”.

  • avatar jenny

    @Xander: In “Mann unter Feuer” ist sie toll. Das muss ich zugeben. Ist aber auch ein gar nicht mal schlechter Film mit einem gar nicht mal schlechten Denzel W.

  • avatar Marlies

    bin wirklich positiv überrascht über jenny’s und sieben berge’s analyse: in folge erscheint mir das postNazi traume doch etwas glaubhafter, weil spielberg das aus nächste nähe erlebt hat.
    die gesamte stimmung geht doch eher in die richtung

  • Super Text, Jenny!

    Stimme sieben Berges Einschätzung zu, würde aber hinsichtlich des Endes widersprechen. Das war mir doch zu deutlich als traumähnliche Vision inszeniert, um Spielberg eine Auflösung in Wohlgefallen vorwerfen zu wollen.

    Der Film hat seit der Erstsichtung im Kino, wo er mich umgehauen hat, mittlerweile abgebaut, was vor allem an der unglücklichen Tim-Robbins-Episode und Cruises Spiel liegt.

  • avatar jenny

    @Mr. Vincent Vega: Vielen Dank für das Lob! :)
    Ich habe den Film erst zweimal gesehen. Bisher hat er noch nicht an Qualität eingebüßt. Ich stimme dir allerdings zu, was das Ende betrifft: Ausgehend von der Inszenierung gleicht das Ende in seiner Unwirklichkeit eher der von dir gescholtenen Tim Robbins-Sequenz (die zu lang ist und ein reiner plot point, aber mir trotzdem gefällt). Selbst die Spielerei mit dem Cruise-Schemen im Hintergrund und Tim Robbins/dem Sohn im Vordergrund wird wieder aufgenommen.

  • avatar Pantalaimon

    Abgesehen von den tollen Bildern und dem Design der Alien-Maschinen hat mich der Aspekt der Traumatisierung durch den erlebten Terror am meisten interessiert. Die eindrucksvollste Szene des ganzen Films ist meiner Meinung nach gerade in der vielgeschmähten „Tim Robbins“-Sequenz anzutreffen, als Dakota Fanning ein Kinderlied singt, während Tom Cruises Charakter einen verzweifelten Mord begeht. Die verzweifelten Versuche des Vaters, sein Kind vor Traumata zu bewahren, fand ich besonders eindrucksvoll, und es wäre für das Ende konsequenter gewesen, die psychischen Schäden während der Familienzusammenführung in den Mittelpunkt zu stellen. Leider wird das Thema an dieser Stelle vernachlässigt und weicht einem Happy-End, bei dem anscheinend „alles wieder gut“ geworden ist. Auch ein möglicher Tod des Sohnes hätte die Wunde, die in diese Familie gerissen wurde, stärker hervortreten lassen und zu einem stärkeren Finale beigetragen.

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