Kurtz & Knapp

Dog Bite Dog (HK 2006):

Ein geradezu apokalyptisch düsterer Thriller, dessen Protagonisten sich wie tollwütige Hunde durch die dreckigen Straßen Hongkongs jagen, ohne Rücksicht auf Verluste oder unsere Sympathie. Brutal, pessimistisch, handwerklich perfekt. Eine ausführliche Kritik wird folgen.

Die Spielwütigen (D 2004):

Eine Doku, die den Weg von vier Menschen zur Schauspielerei verfolgt. Von der Bewerbung an der Schauspielschule bis zum Abschluss. Ganz nah ist die Kamera dran am Geschehen, stets haben wir die Frage auf den Lippen: Werden auch die vier gebrochen werden? Seltsam nur, dass sie selbst bei den Interviews zu spielen scheinen, besonders wenn die Kamera minutenlang auf den Gesichtern verweilt, nachdem alles gesagt ist. Das tut sie leider viel zu oft.

Just One Look (HK 2002):

Oberflächlich gesehen ein Vehikel für Teenie-Idole, wie die Twins und Shawn Yue (Infernal Affairs I + II) ist Just One Look in Wirklichkeit eine Liebeserklärung des Regisseurs Riley Yip (Metade Fumaca) an das Hongkong Kino der 70er Jahre. Eine Coming-of-Age-Ballade, die mit dramatischen ebenso wie surrealistischen Zügen glänzt, in der die Realtität bald von der Filmwelt nicht mehr zu unterscheiden ist. Auch hier wird’s eine ordentliche Kritik geben.

Ravenous (CZ/GB/USA 1999):

Gott, was war das denn? Ein Kannibalenfilm mit schwarzhumorigen Elementen, der im Amerika des 19. Jahrhunderts spielt und uns irgendwas über die Natur des Menschen, des amerikanischen Staates oder die stärkende Kraft von Menschenfleisch erzählen will. Neben Guy Pearce zeigt Robert Carlyle mal wieder sein schrecklichstes Overacting. So ein Müll!

Ebola Syndrome (HK 1996):

Ok, dieser Film ist eigentlich auch Müll, aber da Anthony Wong mitspielt kriegt er von mir schon mal eine Trillion mehr Punkte als Ravenous. Ein fieses, ekelhaftes Arschloch namens Kai (Mr. Wong) wird nach der Vergewaltigung einer sterbenden Afrikanerin (!) zum Träger des Ebola-Viruses. Was nun folgt, darf sich getrost als Klassiker des schlechten Geschmacks bezeichnen. Kai verbreitet nämlich fröhlich das Virus in Hongkong und überall brechen wild zuckend Menschen zusammen. Dieser Film nimmt sich überhaupt nicht ernst – und macht deswegen einen Heidenspaß. (Auch für den wird es natürlich eine Kritik geben)

Red Cliff – Der neue Film von John Woo

Der Brain Drain, der Mitte der Neunziger Jahre einen nicht geringen Teil des künstlerischen Talents der Hongkonger Filmindustrie ausgesaugt und gen Hollywood transportiert hat, erfährt ja glücklicherweise in den letzten Jahren seine Umkehr.

Ringo Lam (Full Contact, City on Fire) dreht zwar immer noch Filme mit Jean-Claude Van Damme, wechselt diese in letzter Zeit aber wieder mit Filmen in seiner Heimat ab (Triangle). Tsui Hark (Once upon a Time in China, A Chinese Ghost Story) ist auch wieder da – nach dem seine Van Damme-Filme in den USA floppten.

Zeitlupenliebhaber John Woo (The Killer, Hard Boiled, Face/Off), der von allen migrierten HK-Regisseuren noch am kommerziell erfolgreichsten in den USA abschnitt (trotz einer Zusammenarbeit mit Jean-Claude), hat auch endlich den Weg zurück nach China gefunden. Sicher nicht unbeeinflusst von der erfolgreichen Welle chinesischer Historienepen liefert Woo mit Red Cliff sein erstes eigenes Schlachtenepos mit Starbesetzung ab.

Hier eine kurze Inhaltsangabe von Filmstarts.de:

Basierend auf dem im 14. Jahrhundert entstandenen Abenteuer-Epos “Geschichte der drei Reiche” von Luo Guanzhong erzählt John Woo von einem großen Krieg im 3. Jahrhundert. Das Land Wu wird angegriffen vom mächtigen Kriegsfürsten Cao Cao und dessen millionenstarker Truppe. In seiner Verzweiflung bittet Sun Quan, König von Wu, den Erzfeind Liu Bei um Hilfe. Der gewährt sie ihm, wohlwissend, dass er nächste Opfer von Cao Cao wäre. Doch auch zu zweit sind ihre Armeen in der Zahl den Gegnern deutlich unterlegen. Da hat der Stratege Zhou Yu eine Idee…

Tony Leung (Infernal Affairs, Hero) und Takeshi Kaneshiro (House of Flying Daggers, Chungking Express) sind unter den Stars des Historienschinkens, der angeblich der teuerste asiatisch finanzierte Film aller Zeiten sein soll.

Der erste Trailer ist zwar in Chinesisch, aber geredet wird nur am Anfang. Man sollte ihn allerdings bis zum Schluss anschauen, da er ein Markenzeichen von John Woo präsentiert, auf das man als Kenner bei diesem Regisseur einfach wartet – ob man will oder nicht.

UPDATE: Zur Kritik folgt man bitte diesem Link.

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=VgOD04m8qDM]
Bei Twitch.com gibts auch noch einen japanischen Teaser in – man glaubt es kaum – Japanisch.
Ein deutscher Starttermin für Red Cliff scheint noch nicht festzustehen.

Son of Rambow Trailer

Wer sich wundert, dass hier in letzter Zeit so wenig passiert ist, dem kann ich eine wasserdichte Ausrede präsentieren: Eine Hausarbeit über die Geschichte des DDR-Fernsehens (Ja, ab und zu muss selbst ein Student studieren). An der Arbeit sitz ich noch immer, danach kommt noch eine zum Thema Infernal Affairs vs. The Departed, also wird die Postgeschwindigkeit in den nächsten Wochen noch etwas moderat bleiben.

Das soll mich aber nicht davon abhalten, auf die neue britische Komödie Son of Rambow hinzuweisen, deren Trailer unten zu sehen ist.

Garth Jennings, der vor drei Jahren “Per Anhalter durch die Galaxis” mit viel Fantasie auf die große Leinwand gebracht hat, begibt sich in Son of Rambow zurück in die 80er und erzählt die Geschichte zweier Jungen, die inspiriert von Rambo: First Blood einen Film drehen.

Die Filmzeitschrift Empire hat passenderweise geschrieben:

“If you only see one Rambo movie this year, make sure it’s this one.”

Der deutsche Starttermin liegt laut der IMDB im August. Wir müssen uns also noch etwas gedulden.

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=jDFNLHH_D2M]

Lars und die Frauen (USA 2007)

Der Hausarbeitenstress nimmt nicht ab, daher nur ein paar Worte zum aktuellen Indiestreifen Lars und die Frauen:

Indiefilme sind ja das Salz in der Suppe der amerikanischen Filmindustrie. Ob es nun um das Image geht (“Wow, es gibt doch noch amerikanische Filme, die keine Sequels, Remakes oder Comicverfilmungen sind!“) oder die Kasse (“Wow, Juno hat 6,5 Mille gekostet und weltweit 200 eingespielt!“), unabhängige Filmemacher würzen mit ihren oft abwegigen Storylines, die das Schicksal ihrer aus dem Leben gegriffenen Charaktere beuteln, auch die deutschen Kino- und DVD-Veröffentlichungen jedes Jahr wieder, tragen damit zur Schmackhaftigkeit des Cineastenlebens beträchtlich bei.

Lars and the Real Girl (so der Originaltitel) ist so eine Tragikomödie, die trotz ihrer Mängel einfach – nehmen wir die leere Worthülse – sympathisch ist. Ein nettes Ehepaar wird eines Abends in einer winterlichen Kleinstadt mit der neuen Freundin des vereinsamten Bruders des Ehemannes konfrontiert: Einer lebensechten Plastiksexpuppe namens Bianca. Schnell ist klar: Lars (Ryan Gosling) leidet an Wahnvorstellungen, schließlich behandelt er Bianca wie ein echtes menschliches Wesen. Die Psychologin rät natürlich dazu, dass Spiel mitzumachen, sonst würde der Film womöglich in der Nervenheilanstalt enden. So utopisch abstrus, wie das ganze Werk ist, erfreut sich stattdessen bald die ganze Gemeinde an der Bekanntschaft mit Bianca.

Die hausgemachte Psychologie, die die finalen Wendungen des Films herbeiführt, wird wahrscheinlich einzig dadurch gerettet, dass wir nie genau wissen, warum Lars so ein einsamer Einzelgänger in extremo ist. Gleichzeitig gerät dies zum Nachteil, muss der Zuschauer doch die absurde Grundkonstellation der Geschichte erst einmal akzeptieren.

Was Samuel Taylor Coleridge für die Kunstrezeption als Suspension of Disbelief bezeichnet hat, gerät beim Ansehen von Lars und die Frauen zum Scheideweg des Zuschauers: Nimmt man Lars’ nicht nachvollziehbare Damenwahl in Kauf, wird man trotz bedenklicher Längen dank der unweigerlich entstehenden Situationskomik gut unterhalten werden. Verweigert man das Verständnis für seine Entscheidung, so lässt der Film höchstens ein gelangweiltes Stirnrunzeln zurück. An der Tatsache, dass Ryan Gosling sich wiedermal als bester Schauspieler seiner Generation empfiehlt, ändert das allerdings wenig.

Tropic Thunder Trailer

I know who I am! I’m a dude playin’ a dude disguised as another dude!” schreit Robert Downey Jr. im aktuellen Trailer von Tropic Thunder. Seine Rolle in dieser Komödie von Ben Stiller ist eines der am heißesten diskutierten Themen im Internet. Der Iron Man Star spielt nämlich einen Schauspieler, der wiederum einen Schwarzen spielt. Vor dreißig Jahren war das noch normal, heute gibt es einen Aufschrei nach political correctness. Der Trailer ist jedenfalls extrem lustig und einem Mann mit dem Talent eines Robert Downey Jr. kann man zutrauen, dass die gewagte Drehbuchidee nicht in die Hose geht.

Neben Ben Stiller, Robert Downey Jr. und Jack Black treten noch Steve Coogan und Nick Nolte auf in dieser Parodie auf Vietnamkriegsfilme.

Außerdem gilt es Cameos von Tom Cruise, Toby Maguire und Matthew McConaughey zu erwarten.

[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=m5H2ftE3jN8]
Tropic Thunder startet am 11. September 2008 in den deutschen Kinos.