Wollmilchcast #24 – Blade Runner 2049

Blade Runner 2049
(c) Sony

Im 24. Wollmilchcast reisen wir ins Los Angeles des Jahres 2049, in dem Denis Villeneuve den Replikanten Ryan Gosling auf die Suche nach seinen Ursprüngen schickt. Achtung, wir spoilern sowohl Blade Runner 2049 als auch Blade Runner (und Drive, warum auch immer).  Darüber hinaus reden Matthias von Das Filmfeuilleton und ich über die Netflix-Serie Mindhunter von Joe Penhall und David Fincher, Frederick Wisemans Dokumentation Ex Libris über die New York Public Library (in der man manchmal eine Gutenberg-Bibel sehen kann) und xXx The Return of Xander Cage, in dem Leute mit Motorrädern k.o. geschlagen werden.  Zwischendurch kommen außerdem Paul Blart: Mall Cop und The Snowman zur Sprache, die beide irgendwie blart sind. Viel Spaß!
Shownotes:

  • 00:01:00 – Blade Runner 2049 (Spoiler!)
  • 00:42:00 – Blade Runner 2049 und Ghost in the Shell (2017) (Spoiler!)
  • 00:49:00 – Abstecher zu The Snowman
  • 00:51:00 – Blade Runner 2049 und Alien Covenant & Quo Vadis, Denis Villeneuve?
  • 01:01:00 – Mindhunter
  • 01:17:00 – Ex Libris: New York Public Library
  • 01:30:50 – xXx The Return of Xander Cage

Wollmilchcast
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Kurtz & Knapp: Young Adult, Verblendung & Ghost Rider 2

Young Adult Poster
Young Adult (USA 2011)

Wenn einem Frank Capra nicht besonders liegt, dann müssen die Filme von Jason Reitman wie die schale, weil abgestandene und noch dazu schwarz gebrannte Kopie eines mittelmäßigen Schnapses vorkommen. Gab es in Thank You for Smoking zumindest noch einen Ansatz von eigensinnigem Biss zu spüren, versandeten Juno und Up in the Air in der so gar nicht schmerzenden Durchschnittlichkeit. Mit seinem neuen Diablo Cody-Projekt Young Adult macht Jason Reitman auf halber Strecke kehrt, um kurz vor Schluss doch noch in den kreativen Sonnenuntergang zu lenken. Charlize Theron spielt sich die Seele aus dem Leib, ohne dass sie einem diese Tatsache zwei Stunden auf die Nase bindet. Vielleicht hat die Schauspielerin des Jahres 2012™ deswegen keine Oscar-Nominierung bekommen. Wie ihre vom gewöhnlichen Leben gebeutelte Kinderbuchautorin mit dem Alkohol- und Schimpfwortproblem wider besseren Wissens versucht, ihre mittlerweile verheiratete Jugendliebe für sich zu gewinnen, gehört zu den tragischsten Selbsterfahrungstrips, die einem dieses Jahr abseits Dschungelcamp’scher Erniedrigungen unter die Augen kommen werden. Und das ist kein willkürlich gewählter Vergleich. Der beste Reitman bisher und ein Film zum Wiedererkennen.

Verblendung Poster
Verblendung (USA/UK/S/D 2011)

Von der positiven Überraschung ob der niedrigen Erwartungen hin zur negativen Überraschung trotz der niedrigen Erwartungen. Ich mag David Fincher. Sehr. Das liegt vor allem an „Sieben“ und „Zodiac“ und The Social Network. Der Rest ist Hit & Miss, für jedes straighte Genre-Werk wie „Panic Room“ gibt’s eine überkandidelte Egotour á la „Benjamin Button“. Aber selbst in seinen enttäuschendsten Momenten hat David Fincher für gewöhnlich etwas zu zeigen und wenn es nur seine elegante filmische Erzählweise ist, der im zeitgenössischen amerikanischen Mainstreamkino niemand das Wasser reichen kann. Verblendung jedoch wirkt wie die gelangweilte Auftragsarbeit eines satten Regisseurs, der seinem Vertrag mit Sony nachommen muss. Viel wurde über die mainstreamtaugliche Lisbeth Salander-Interpretation geschrieben, doch auch ohne die aufgestülpte Beziehung zu Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hätte Lisbeth, pardon, Rooney [Mara] dank ihres seltsam gestelzten Dialekts deplatziert gewirkt. Die Vorhersehbarkeit der Story nagte schon an der Kinotauglichkeit der schwedischen Verfilmung, bei Fincher schlägt sie umso mehr ein. Trotz der vielversprechenden Kombination Hacker- meets Serienkillerfilm gleicht das Feelbadmovie dem solala-Aufsatz eines Spitzenschülers. In seinen Einzelteilen stilistisch schön zu lesen, insgesamt aber verschenktes Potenzial. Hoffen wir, dass der nächste wieder ein Hit ist.

Ghost Rider 2 Spirit of Vengeance
Ghost Rider 2 – Spirit of Vengeance (USA/UAE 2011)

… and now for something completely fucking different! Neveldine/Taylor in ihrer ersten Mainstream-Franchise. Was daraus werden würde, war imVorfeld weniger unklar als die Frage, wie weit sie ihren Stil im Mantel einer Comic-Verfilmung überhaupt erhalten. Die Antwort: Ein bisschen mehr Neveldine/Taylor, ein bisschen weniger Plotitis, hätten  Ghost Rider 2 in den notwendigen Adrenalinstoß mitten ins Herz eines Genres verwandelt, das es sich größtenteils in maximal selbstironischer Langeweile gemütlich gemacht hat. Tatsächlich ist Ghost Rider 2 „nur“ ein Multiplex-B-Movie, das in der Mitte kräftig durchhängt, wenn der Zwang der Erzählung wie eine schwere Kette an den Bildern hängt. Davor und mit Abstrichen auch danach drehen Neveldine/Taylor dafür ordentlich auf, lassen den Rider (Nicolas Cage) einen riesigen entflammten Schaufelbagger reiten, seinen Kumpel (Idris Elba) in Zeitlupe von einer Klippe stürzen und jagen mit ihren Kameras über die menschenleeren Landstraßen Osteuropas. Der eigentliche Schauwert des Films ist naturgemäß Nicolas Cage, der in den Händen der beiden Extrem-Filmer die Gewöhnlichkeit des Begriffs Overacting transzendiert und neue Höhen erklimmt, wenn es um die Verschmelzung von Rolle und Star Persona geht. Eine Szene, in der sich Johnny Blaze gefühlte zehn Minuten in einem Schwebezustand der Verwandlung in den Rider befindet, wird so erbarmungslos stur verfolgt, dass allein Cages Spiel genügt, um die Verwandlung physisch, quälend, im Sitz windend, spürbar zu machen.

Endloser neuer Trailer für Finchers The Girl With The Dragon Tattoo

So wie sich damals alle Welt (inkl. mir) gewundert hat, warum David Fincher diesen Facebook-Film dreht, geht bei jeder Neuigkeit zu The Girl With The Dragon Tattoo (Verblendung) ein Raunen durch die Kommentare. Unnötig sei das nach der schwedischen Verfilmung der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson. Und warum macht ausgerechnet Fincher die Remake-Adaption? Vielleicht kann man an diese Problematik auch anders herangehen: Wenn einer das Projekt interessant machen kann, dann ist es David Fincher. Der erste Teaser Trailer hat das bewiesen.

Für die amerikanischen Zuschauer gibt es nun einen ersten langen Trailer, der sich v.a. damit beschäftigt, die Story um Lisbeth Salander (Rooney Mara) und Mikael Blomkvist (Daniel Craig) zu erläutern. Schließlich erregten die schwedischen Filme auf der anderen Seite des großen Teichs nicht so ein großes Aufsehen wie hier.

(via filmbeef)

Oscar Nominierungen 2011 – falls es jemanden interessiert

Alles in allem halten sich die Überraschungen in Grenzen.  Die Existenzberechtigung von zehn Nominierungen im Bereich bester Film sehe ich immer noch nicht ein. Alle „Inception2-Fans dürfen da zumindest die Daumen drücken, was bei den technischen Kategorien wohl weniger spannend ist. Die Führung für „The King’s Speech“ freut mich persönlich, aber da liegt weniger am Film selbst, als an der Tatsache, dass das Oscar-Rennen ohne den kleinen Film von Tom Hooper ziemlich langweilig wäre. Zu „The King’s Speech“ wird es diese Woche noch eine Kritik von mir geben.

Deadline Hollywood hat folgendes ausgezählt:
The King’s Speech 12
True Grit 10
Inception 8
The Social Network 8
The Fighter 7
Eine Auswahl aus den Nominierungen, die vorhin bekanntgegeben wurden:
Bester Film
Black Swan
The Fighter
Inception
The Kids Are All Right
The King’s Speech
127 Hours
The Social Network
Toy Story 3
True Grit
Winter’s Bone
Beste Regie
Darren Aronofsky – Black Swan
David O. Russell – The Fighter
Tom Hooper – The King’s Speech
David Fincher – The Social Network
Joel Coen und Ethan Coen – True Grit
Bester Hauptdarsteller
Javier Bardem – Biutiful
Jeff Bridges – True Grit
Jesse Eisenberg – The Social Network
Colin Firth – The King’s Speech
James Franco – 127 Hours
Beste Hauptdarstellerin
Annette Bening – The Kids Are All Right
Nicole Kidman – Rabbit Hole
Jennifer Lawrence – Winter’s Bone
Natalie Portman – Black Swan
Michelle Williams – Blue Valentine
Bester Nebendarsteller
Christian Bale – The Fighter
John Hawkes – Winter’s Bone
Mark Ruffalo – The Kids Are All Right
Jeremy Renner – The Town
Geoffrey Rush – The King’s Speech
Beste Nebendarstellerin
Amy Adams – The Fighter
Helena Bonham Carter – The King’s Speech
Melissa Leo – The Fighter
Hailee Steinfeld – True Grit
Jacki Weaver – Animal Kingdom
Bestes Originaldrehbuch
Another Year – Mike Leigh
The Fighter – Scott Silver and Paul Tamasy & Eric Johnson
Inception – Christopher Nolan
The Kids Are All Right – Lisa Cholodenko & Stuart Blumberg
The King’s Speech – David Seidler
Bestes adaptiertes Drehbuch
127 Hours – Danny Boyle & Simon Beaufoy
The Social Network – Aaron Sorkin
Toy Story 3 – Michael Arndt
True Grit – Joel Coen & Ethan Coen
Winter’s Bone – Debra Granik & Anne Rosellini
Bester Animationsfilm
Drachenzähmen leicht gemacht
The Illusionist
Toy Story 3
Bester fremdsprachiger Film
Biutiful (Mexiko)
Dogtooth (Griechenland)
In einer besseren Welt (Dänemark)
Incendies (Kanada)
Outside the Law (Algerien)
Bester Dokumentarfilm
Banksy – Exit Through the Gift Shop
Gasland
Inside Job
Restrepo
Waste Land
Beste Filmmusik
Drachenzähmen leicht gemacht – John Powell
Inception – Hans Zimmer
The King’s Speech – Alexandre Desplat
127 Hours – A.R. Rahman
The Social Network – Trent Reznor and Atticus Ross
Beste Kamera
Black Swan – Matthew Libatique
Inception – Wally Pfister
The King’s Speech – Danny Cohen
The Social Network – Jeff Cronenweth
True Grit – Roger Deakins
(Der Rest)