2014 – Jahresrückblick in 30 Filmen

Um bloß nicht in den Verdacht relevanter Filmdiskussion zu geraten, verzichte ich dieses Jahr auf eine Top-Liste der 2014 veröffentlichten Filme. Wenigstens hier im Blog. Wer über meine Top-Filme mit deutschem Veröffentlichungstermin die Stirn runzeln will, kann dies bei moviepilot tun. Stattdessen habe ich meine IMDb-Sichtungsliste durchforstet, 30 meiner liebsten Erstsichtungen 2014 herausgesucht und ungeordnet hier herein geklatscht. Mit Bild. Ohne Ton.

Wichtige Quellen cineastischer Freuden bildeten die Retrospektive „Aesthetics of Shadow“ bei der Berlinale, das 1. Festival des italienischen Genrefilms „Terza Visione“ in Nürnberg, das wie immer wundervolle Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna, insbesondere dessen Werkschau zu William A. Wellman,die Pre-Code-Reihe im Arsenal Berlin und mein Netflix-Account. Wie wenig (bzw. gar kein) Hongkong in dieser Liste zu finden ist, fällt mir persönlich mit leichtem Schaudern auf. Andererseits gehörte das Hong Kong Film Festival im Arsenal zu meinen besten Film-Erinnerungen des Jahres, nur eben so gut wie ohne Erstsichtungen (dafür Dante Lams Unbeatable und Johnnie Tos Blind Detective im Kino. Ein Traum!). Wenn ich irgendeine Linie in meinem Sehverhalten 2014 erkennen kann, dann eine ziemlich große Präsenz von Dokumentationen, was in den vergangenen Jahren nicht der Fall war. Neben den hier genannten vor allem die Projekte von Ken Burns: Prohibition, The Central Park Five, Jazz, The Civil War, The West und der schönste Schnipsel aus Christopher Nolans im Übrigen durchaus ansehbaren Interstellar, The Dust Bowl. Nur Baseball habe ich nach 30 Minuten aufgegeben. Weil Baseball.

At Berkeley (2013) Regie: Frederick Wiseman

At Berkeley

Epilog: Das Geheimnis der Orplid (1950) Regie: Helmut Käutner

Epilog: Das Geheimnis der Orplid

A Touch of Sin (2013) Regie: Jia Zhangke

A Touch of Sin

Die geliebten Schwestern (2014) Regie: Dominik Graf

Die Geliebten Schwestern

Singing Lovebirds (1939) Regie: Masahiro Makino

Singing Lovebirds

Pompeii (2014) Regie: Paul W.S. Anderson

Pompeii 3D

Devils on the Doorstep (2000) Regie: Jiang Wen

Devils at the Doorstep

Beggars of Life (1928) Regie: William A. Wellman

Beggars of Life

Teodora, Slave Empress (1954) Regie: Riccardo Freda

Theodora, Slave Empress

Pyaasa (1957) Regie: Guru Dutt

Pyaasa

Yellow Sky (1948) Regie: William A. Wellman

Yellow Sky

Razzia in St. Pauli (1932) Regie: Werner Hochbaum (Bild via Cargo)

Razzia in St. Pauli

Phoenix (2014) Regie: Christian Petzold

Phoenix

Lucy (2014) Regie: Luc Besson

Lucy

Three on a Match (1932) Regie: Mervyn LeRoy

Three on a Match

Design for Living (1933) Regie: Ernst Lubitsch

Design for Living

Zombi 2 (1979) Regie: Lucio Fulci

Zombi 2

And Everything is Going Fine (2010) Regie: Steven Soderbergh

And Everything is Going Fine

Raw Deal (1948) Regie: Anthony Mann

Raw Deal

Clouds of Sils Maria (2014) Regie: Olivier Assayas

Clouds of Sils Maria

Manakamana (2013) Regie: Stephanie Spray und Pacho Velez

Manakamana

Stuck on You (2003) Regie: Bobby Farrelly und Peter Farrelly

Stuck on You

John Wick (2014) Regie: Chad Stahelski

John Wick

We are the best! (2013) Regie: Lukas Moodysson

We are the best!

Los Angeles Plays Itself (2003) Regie: Thom Andersen

Los Angeles Plays itself

The Tale of the Princess Kaguya (2013) Regie: Isao Takahata

The Tale of the Princess Kaguya

Man Hunt (1941) Regie: Fritz Lang

Man Hunt

Under the Skin (2013) Regie: Jonathan Glazer

Under the Skin

Mr. Turner (2014) Regie: Mike Leigh

Mr. Turner

The Missing Picture (2013) Regie: Rithy Panh

The Missing Picture

 

Wollmilchcast #16 – Jahresrückblick 2013

Elysium
(c) Sony

Mit etwas Verspätung wegen diverser technischer Hindernisse gibt es nun endlich den Jahresrückblick im Wollmilchcast, leider ohne den versprochenen Käutner-Content (hier ein Ersatz). Matthias und ich sprechen über unsere jeweilige Top 10 des Jahres 2013, unabhängig von deutschen Kinostarts. Wer unsere Top-Listen nach Kinostarts sehen will, findet sie hier.

Shownotes:

00:00:00 – Trailer-Rückblick

00:10:00 – Vorfreude 2014

00:14:40 – Flops

00:28:50 – Lieblingsszenen

00:39:40 – Tierszenen

00:50:50 – Tanz- und Musikszenen

01:02:00 – Kinowhatever 2013

01:14:00 – Serie

01:19:47 – Top 10 2013

01:55:50 – Verabschiedung

Wollmilchcast

Der Wollmilchcast bei Twitter:

@Beeeblebrox

@gafferlein

Der Wollmilchast als Feed und bei iTunes.

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Kontrapunkt: Flop Five 2013

Das Filmjahr ist vorbei – Zeit, einmal Bilanz zu ziehen. Nicht die Meisterwerke sollen aus meinen gesehenen 89 Filmen mit Kinostart 2013 herausdestilliert werden, sondern die schlechtesten Filme des Jahres. Also seid bei folgender Auflistung gewarnt.

Rush - Alles für den Sieg Ron Howard Daniel BrühlPlatz 5: Rush – Alles für den Sieg (USA/D/GB 2013)
Die Formel 1 hat zahlreiche spannende Geschichten zu erzählen, besonders, wenn es auf der Strecke nicht um die Dauerweltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel geht. Die Rivalität zwischen James Hunt und Niki Lauda in den 70er Jahren wäre so eine, doch Pathoskeulenschwinger Ron Howard inszenierte sie als stumpfes Buddy Movie-Melodram trotz eines überraschend starken Daniel Brühl mit unsympathischen Charakteren, das kalt lässt. Mit hoher Farbsättigung und minimaler Übersichtlichkeit nahm Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für „Slumdog Millionär“) den Rennszenen die letzte Spannung und dem „Drama“ durch Reißbrettpsychologisierungen seine Intensität. Ein Kratzen an der geschniegelten Lackoberfläche – mehr ist die überschätzte Gurke „Rush“ nicht.

Wir sind die Millers Jennifer AnistonPlatz 4: Wir sind die Millers (USA 2013)
Rawson Marshall Thurber lieferte 2004 mit „Dodgeball“ ein großartiges Kino-Regiedebüt, das gekonnt den Fitnesswahn auf die Schippe nahm. Der Humor ging – wie es der deutsche Titel versprach – voll auf die Nüsse und versprühte das lockerleichte Anarcho-Feeling der frühen Farrelly-Brüder. Davon ist nach fünf Jahren Regiepause in dieser spießigen 08/15-Klamotte mit absehbaren Wendungen nichts mehr zu spüren, in dem eine wild zusammengewürfelte Patchwork-Familie auf Zeit Drogen über die Grenze schmuggeln soll. Die Figuren sind Klischees, Jennifer Aniston zieht trotz ihrer Rolle als Stripperin aus Rating-Gründen nie blank und die Gags strotzen vor der infantilen Peinlichkeit eines verklemmten Teenagers, der am Strand beim Blick auf vollbusige Frauen unter Beifallklatschen seinen ersten Ständer bekommt. Eine Komödie aus der Retorte ohne Mut, Hintersinn oder Niveau.

Tore tanzt ZDF kleines FernsehspielPlatz 3: Tore tanzt (D 2013)
Jesus hatte es schon nicht leicht während seines Martyriums – der Zuschauer bei „Tore tanzt“ auch nicht. Die titelgebende Hauptfigur (Julius Feldmaier) ist ein friedliebender Jesus-Freak, der seine Nemesis in dem die Stieftochter missbrauchenden Familienvater Benno (Sascha Alexander Gersak) findet. Dieser Despot lässt ihn unter zunehmender Unterstützung seiner Frau vergammeltes Fleisch essen, schickt ihn auf den Schwulenstrich und sorgt schließlich für seinen Tod. Doch selbst als der Punk die Möglichkeit hat, zu gehen, steht er der Stieftochter bei. Moralische Botschaft? Fehlanzeige. Nachvollziehbare Handlungsmotivation? Nicht vorhanden. Persönliches Ärgern beim Anschauen? Maximum. Eine stumpfe, unnötig drastische und sinnfreie Nachhilfe in Sachen Gottvertrauen, die ungefähr so viel Spaß und Unterhaltung bereitet wie die eigene Kreuzigung.

Ohne Gnade - Birgit Stein Helge SchneiderPlatz 2: Ohne Gnade! (D 2013)
Boing, quietsch, bumm: „Mickey-Mousing“ ist eine Filmmusiktechnik, bei der gezeigte Geschehen auf den Punkt mit Geräuschen unterlegt werden. Auch „Ohne Gnade“, ein selten dümmliche Ausgeburt teutonischen Klamauks, bedient sich dieses Stilmittels – und sämtlicher Plattitüden, die man sich in Dialogen, Figurenzeichnung und Handlungsentwicklung vorstellen kann. Da soll sich Biene (Sylta Fee Wegmann) nicht „in den Schlüpfer puschen“, wenn ihre jüngere Schwester Püppi (Sina Tkotsch) versucht, Ronzo, den Stecher ihrer Mutter Hilde (Catrin Striebeck), eine Affäre mit einer Minderjährigen anzuhängen. Der Beginn eines lukrativen Geschäftsmodells. Mein lieber Scholli, wie eindimensional in diesem pseudo-emanzipierten Szenario die Männer als notgeile Pädophile gezeichnet werden, die – anstatt mal ordentlich das Ding reinzustecken – mit dümmlichem Hampeln lieber alberne Balztänze aufführen. Fremdschämalarm im lautesten und beklopptesten deutschen Film des Jahres – trotz Helge Schneider in einer Nebenrolle.

G.I. Joe - Die Abrechnung Bruce Willis Dwayne Johnson Channing TatumPlatz 1: G.I. Joe – Die Abrechnung (USA 2013)
Modernes Actionkino, besonders wenn es besonders viel gekostet hat, bedeutet auch massig CGI-Effekte und Epilepsie hinter der Kamera. Bei Pseudo-3D mit digitaler Hochrechnung verursacht das abartig schnell Augenkrebs und Verärgerung. Ungleich des ebenfalls nervigen „The Rock“-Vehikels „Fast & Furios 6“ gesellen sich in „G.I. Joe – Die Abrechnung“ auch noch ein sinnfreier Nebenplot mit Ninjas hinzu und eine Figur, die seit dem ersten Teil tot ist. Mit den Actionfiguren der Spielzeugreihe infantile Feuergefechte aufzuführen wäre dramaturgisch komplexer als dieses Sammelsurium betont extrovertierter Kampfanzüge mit Schauspielergesichtern. Wahrlich ein „lärmender Kindergarten ohne Erziehungsberechtigte“ von dem nur Channing Tatum gecheckt hat, dass es eigentlich große promilitaristische Scheiße ist, in der er gerade mitspielt, und mal schnell weg musste.

Im Verfolgerfeld:
Die seeeehr spezielle 60er Jahre-Krimihommage 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse, die blutige Grimm-Verhunzung Hänsel & Gretel: Hexenjäger, die faule Zaubershow Now You See Me – Die Unfassbaren, Ridley Scotts gelangweilt inszenierter Thrillertorso The Counselor, die nichtssagende Komödie Hasta la Vista, Sister sowie der feuchte Heimchentraum Austenland.

Nicht gesehen, aber mit Potenzial:
Das pathetische Betroffenheitskino The Impossible, das grenzdebile Parodie-Duo Ghost Movie und Scary Movie 5, den Scientology-Werbespot After Earth sowie den Meyer-Fantasieschinken Seelen.

12 Monate ohne Kopf – Die Top 15 des Jahres 2012

Jedes Jahr bekomme ich weniger Lust auf die Erstellung einer Top-Liste, aber diese Luxus-Meckerei findet sich freilich auch an anderen Orten. Obwohl so eine Liste schon mit der nächsten Sichtung überholt sein könnte (und das wird sie garantiert bald), bildet das Ranking immerhin einen schönen Anlass, um zurückzublicken. Das werde ich wie immer in verschiedenen Kategorien tun.

Auch dieses Jahr lag mein Fokus eher auf dem Nachholen, als dem Verfolgen aktueller Kinostarts. Meine Top 7 2012 mit deutschen Kino- und DVD-Starts findet sich bei moviepilot. Die folgende exklusiv für diesen auch im Jahr 2012 etwas vor sich hin röchelnden Blog zusammengestellte Top 15 basiert auf einer willkürlichen Mischung deutscher, amerikanischer  und Hongkonger Kino- und DVD-Starts des Jahres. Warum? Weil ich es kann. Viel Spaß damit!

Bonus Features:

Dank der Arbeit bei moviepilot bin ich nach all den Jahren dem Tatort-Wahn erlegen. Ergebnis der sonntäglichen Kritiken ist dieses Ranking aller Tatort- und Polizeiruf 110-Episoden des Jahres. Einen Text über die Enttäuschungen 2012 habe ich dieses Jahr nicht geschrieben. Stattdessen gibt’s eine Lobpreisung von Prometheus im Mantel einer Ridley Scott-Hymne.

7 Serien, die Jahre retten:

The Wire Staffel 1-5

Veep Staffel 1

Battlestar Galactica Staffel 1-4

Girls Staffel 1

Downton Abbey Staffel 1

Arrested Development Staffel 1-3 (dritter Durchlauf)

Louie Staffel 1

7 Lieblingsszenen 2012:

Ma-Ma versinkt ein letztes Mal im Rausch in Dredd.

Das Foto-Shooting auf dem Friedhof in Holy Motors.

Pat erklärt seinen Eltern in Silver Linings Playbook Hemingway.

Freddie Quell rast mit dem Motorrad davon und verschwindet in The Master am Horizont.

Looper fasst ein Leben in einer Sequenz zusammen.

Eugene Domingo führt in The Woman in the Septic Tank ihre verschiedenen Schauspielstile vor (und macht damit Derek Zoolander Konkurrenz).

Hall Baltimore unternimmt einen Spaziergang mit V durch den Wald in Twixt.

Die 7 besten Filme, die ich 2012 zum ersten Mal gesehen habe:

Große Freiheit Nr. 7

Westfront 1918

Das Ende von St. Petersburg

Maldone

The Big Trail

Slumming

Eight Diagram Pole Fighter

Meine Wiederentdeckung des Jahres:

Jackie Chan – damals.

Meine Enttäuschung des Jahres:

Jackie Chan – heute.

5 Trailer des Jahres:

The Master:

The Lords of Salem:

http://www.youtube.com/watch?v=JEV-I_JWwqU

Zero Dark Thirty:

Saving General Yang (a.k.a. The Return of Ronny Yu, was Grund genug ist, diesen Trailer hier aufzuführen):

http://www.youtube.com/watch?v=2xPvdmrIcqk

Pacific Rim:


Meine persönliche Top 15 des Jahres 2012:

Platz 15: 21 Jump Street

21 Jump Street

Platz 14: Life Without Principle

Platz 13: Jack Reacher

Jack Reacher

Platz 12: Prometheus

Prometheus

Platz 11: Motorway

Motorway

Platz 10: The Raid

The Raid

Platz 9: Looper

Looper

Platz 8: Take Shelter

Take Shelter

Platz 7: The Flying Swords of Dragon Gate

The Flying Swords of Dragon Gate

Platz 6: In Another Country

In Another Country

Platz 5: Barbara

Barbara

Platz 4: War Horse

Platz 3: Life of Pi

Life of Pi

Platz 2: Hugo

Hugo

Platz 1: Haywire

Haywire

Kontrapunkt: Flop Five 2012

Das Jahresende naht und nach der ganzen Besinnlichkeit in den letzten Tagen erinnert man sich des Kontrastprogramms. Besonders im Gedächtnis bleiben dabei schlechte Kinofilme, von denen man mal wieder viel zu wenig gesehen hat. Leider. Oder: zum Glück? Wie dem auch sei, wer zu faul ist zum Lesen, bekommt eine Kurz-Zusammenfassung.

Platz 5: Wir kaufen einen Zoo (USA 2011) – Familien-Kitsch mit fettem Matt Damon zum Abgewöhnen

Ja, Schicksalsschläge können echt schlimm sein. Da stirbt die Frau, der sich sorgende Familienvater Banjamin (Matt Damon) sucht nach einem Neuanfang – und kauft einen Zoo. Soweit zur Handlung. Natürlich gibt’s noch ne schnuckelige Tierpflegerin (Scarlett Johansson) – die Romanze zwischen Pummelchen Määäät Deeeeemen und ihr bleibt uns jedoch erspart. Nicht so jedoch alle anderen Zutaten des Alles-wird-gut-Kitschs, bei dem selbst ein Unwetter, die harten Auflagen eines Prüfers und Finanzierungsprobleme nicht davon abhalten, dass die Anwohner prompt den aufgemotzten Tierpark frequentieren. Regisseur Cameron Crowe hat mit „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (1996) bewiesen, dass er die Unwägbarkeiten eines Lebens in eine überzeugende Story übersetzen kann, die selbst Tom Cruise menschliche Züge abringt. In dem tränenziehenden Melodram „Wir kaufen einen Zoo“ sucht man dies fernab kalkulierter Kulleraugen und dramaturgischen Stereotypen vergeblich. Weitere Details von mir auf MovieMaze.de.

Platz 4: Resident Evil: Retribution (D/CDN 2012) – Bernd Eichingers Rache aus dem Jenseits

Der fünfte Teil der Reihe ist der teuerste (Budget: 65 Mio. Dollar) und gleichzeitig der uninspirierteste. So muss sich die gegen das gefährliche T-Virus resistente Alice (Milla Jovovich) hier gegen die Schergen der Umbrella Corporation erwehren – dieses Mal in einem Unterwasser-Labor in Kamtschatka (!), wo sie ohne Erinnerung aufwacht (Wie sie dahin kommt? Who cares!). Zusammen mit einem Stoßtrupp zu ihrer Rettung muss sie sich den Weg durch Nachbildungen verschiedener Städte wie Moskau und Tokio freiprügeln und -ballern, geschaffen als Testareal für Bio-Waffen. Das Effektgewitter kann sich sehen lassen, die Logik weniger, wenn die Retter im tiefstem Winter und meterhohem Schnee im Muskelshirt anrücken oder Alice ganz Ripley-like ein geklontes, verschlepptes Kind trotz Zeitnot vor einem bösen Monster rettet, die in der Inflation ihres Auftretens auf Dauer ebenso ermüden wie dümmliche Seiltricks und schnell geschnittene, schlecht choreografierte Fights. Videogame-Filmer Paul W.S. Anderson sollte Timing endlich mal im Filmhandbuch nachschlagen.

Platz 3: Black Gold (F/IT/QU/TUN 2011) – Episches Gedöse

David, Robert und ich sind irgendwann im Februar 2012 nach Leipzig gefahren für ein PV-Double Feature. Zuerst war „Shame“ von Steve McQueen dran – welch großartige Schauspielkunst von Michael Fassbender! Das musste man erst einmal verdauen. Dazu kam „Black Gold“ gerade recht. Der erbarmungswürdige „Lawrence von Arabien“-Verschnitt löste diesen Zweck allerdings etwas zu sehr ein. Arabien, Anfang der 30er Jahre: Antonio Banderas spielt Schmierentheater als garstiger Fürst Nessib, der die Kinder des verfeindeten Fürsten Amar (Mark Strong) in seine Obhut nimmt, um den Frieden zu sichern. Doch als auf neutralem Gebiet Öl gefunden wird und ein Kind bei einem Fluchtversuch umkommt, droht Krieg. Das Epos ist aufgeblasen, hohl, liefert nur Klischees und Kitschbilder um Erotik und Exotik aus 1000 und einer Nacht, Jean-Jacques Annaud hat seine Ethno-Filme seit „Seine Majestät das Schwein“ nicht mehr so stumpf heruntergekurbelt. Dann fuhren wir wieder zurück. Genau da setzt meine Erinnerung an einen gelungenen Filmwandertag wieder ein.

Vous n'avez encore rien vuPlatz 2: Ihr werdet euch noch wundern (F/D 2012) Der garstige Film-Opa schlägt wieder zu

Ein 90-jähriger Regisseur, der munter weiterdreht. Alain Resnais ist schon etwas Besonderes, genau wie seine sperrigen, experimentierfreudigen Filme, die immer wieder auf internationalen Filmfestivals vertreten sind (u.a. „Vorsicht Sehnsucht, 2010). So ist auch „Vous n’avez encore rien vu“ schlimmste kopflastige Arthouse-Gülle, die sich mit einer Reihe Stars (u.a. Mathieu Amalric, Michel Piccoli) anschickt, die Grenzen zwischen Film und Theater aufzulösen und die Spezifika der Medien herauszustellen. So eignet sich dieses zähe, in seinen ausufernden Dialogen geschwollene und in ihrem fließenden Übergang zwischen profilmischer Wirklichkeit und Diegese wirre Werk zwar hervorragend als Anschauungsobjekt in filmtheoretischen Vorlesungen, aber „echte Zuschauer“ rennen bei dieser selbstverliebten Fingerübung mit pochenden Kopfschmerzen davon. Resnais erinnert über 50 Jahre nach „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) noch an die Nouvelle Vague – doch eigentlich vermisst die schon seit über 40 Jahren keiner mehr. Ihr werdet euch noch wundern, wenn mal wieder zurecht keine Sau ins Kino geht!

Platz 1: Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab (USA 2012) – Nervensägen aus der Filmhölle

Dass die Reaktivierung traditionsreicher Comedy-Formate nur bedingt ein Garant für einen guten Film ist, beweist diese unterirdische Gurke der in ihrem Humor ohnehin tiefergelegten Farrelly-Brüder, deren Protagonisten erstmals 1925 in Erscheinung traten. Darin werden drei grenzdebile Vollidioten von Brüdern, die sich ständig Streiche spielen, in einem Waisenhaus aufgenommen. Als das 40 Jahre später vor den finanziellen Ruin steht – und die drei Stooges-Brüder immer noch dort wohnen – ziehen sie los, um das Geld aufzutreiben, welches die Schulden tilgen soll. Wären nicht alle Wortwitze albern, alle „witzigen“ Slapstick-Szenen überkonstruiert, durch penetrantes Mickey-Mousing unterlegt und in ihrer Durchführung selten dämlich – ja, dann wäre das hier eine gelungene Referenz an die (zumindest in den USA) bekannten Stummfilm-Komödianten. So ist diese nervtötende Klamotte mit einer Szenenregie und ohne Sinn und Verstand ein cineastischer Pflegefall, der die Palliativabteilung anachronistischer Formate, die heute untauglich sind, nicht mehr verlassen sollte.

Im Verfolgerfeld: Total Recall (mit schnellen Schnitten und Wackelkamera überfrachtetes, größtenteils ideenfreies Remake des Schwarzenegger-Films), Schilf (wirr und halbgar zusammengeschnittener Physik-Thriller mit Stipe Erceg als der Fehlbesetzung des Jahres) und Iron Sky (allzu gewollter Nazi-Trash, dem mittendrin in Story und Sarkasmus zwischen Mond und Erde die Puste ausgeht).

Potenzielle Kandidaten, aber nicht gesehen: Battleship, Ghost Rider 2, Jack & Jill, LOL, Red Dawn, jeglicher Twilight-Shit und Zettl.