Wollmilchcast #60 – Aquaman und Shoplifters

Aquaman

Wie konnte Aquaman so ein großer Erfolg für das DC Extended Universe werden und was bringt Conjuring-Regisseur James Wan auf kreativer Seite in das Franchise ein? Das diskutiere ich mit Wollmilchcaster Matthias von Das Filmfeuilleton im neuen Podcast. Außerdem stellen wir den Cannes-Gewinner Shoplifters von Hirokazu Kore-eda vor und diskutieren die bewegenden und perfiden Seiten des Films. Garniert wird der Wollmilchcast von Matthias‘ Beitrag über Drei Gesichter von Jafar Panahi, der ebenfalls im Dezember 2018 in den deutschen Kinos startete, und meinem Vergleich von Leo McCareys Love Affair (1939) und An Affair to Remember (1957) – Original und Remake, in denen sich Irene Dunne und Charles Boyer sowie Cary Grant und Deborah Kerr auf der Spitze des Empire State Buildings verabreden.

Schreibt euer Feedback und Vorschläge für den Podcast in Zukunft an: feedback[ät]wollmilchcast[punkt]de

Shownotes:

  • 00:00:54 – Aquaman von James Wan (Spoiler!)
  • 00:36:34 – Shoplifters von Hirokazu Kore-eda (Spoiler!)
  • 00:48:54 – Drei Gesichter von Jafar Panahi
  • 00:58:32 – Love Affair (1939) und An Affair to Remember (1957) von Leo McCarey
  • 01:09:07 – Verabschiedung

Der Wollmilchcast bei Twitter: @Beeeblebrox + @gafferlein.
Der Wollmilchcast als Feed und bei iTunes.


Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)

Copyright Titelbild: Warner Bros.

Drei Übergänge in History Is Made at Night von Frank Borzage (USA 1937)

History Is Made At Night
History Is Made at Night

Das Tor zu den Vereinigten Staaten von Amerika ragt hinter dem  Rumänen Georges in Hold Back the Dawn (1941) auf. Er sucht nach einer willigen Amerikanerin auf trunkenem Feiertagsausflug in Mexiko, um sich in die Staaten einzuheiraten. Im Film des ehemaligen Art Directors von De Mille, Regisseur Mitchell Leisen, hat dieses Tor etwas von der verheißungsvollen Schwelle eines Filmstudios, Warner Bros. in Burbank oder M.G.M. in Culver City. Weiße Lettern auf schwarzem Grund, im Bogen lautet das Versprechen: U-N-I-T-E-D-S-T-A-T-E-S. Die Bühne, um sich selbst neu zu erfinden, oder wenigstens den Pass. In der Rahmenhandlung von Ketti Frings, adaptiert von Billy Wilder und Charles Brackett, schleicht sich Georges tatsächlich in ein Filmstudio, um einem Regisseur (gespielt von Leisen) seine wahre Geschichte zu verhökern, die wir danach in einem langen Flashback sehen werden.
Gesegnet mit einem dieser redundanten Wilder-Off-Kommentare, ohne die viele Filme leben könnten, genießt Hold Back the Dawn den Ruf, der Film zu sein, nachdem Wilder genug hatte, der also, nach dem er entschied, seine Drehbücher selbst zu verfilmen. Weil Leisen sich bei der Diskussion über Sinn und Unsinn einer Szene auf die Seite des Stars Charles Boyer geschlagen hatte (er war #TeamUnsinn). Aus dem deutschen Ex-Boxer Kurt Frings, auf dessen wahrer Geschichte die „wahre Geschichte“ basiert, war im Verlauf der Adaption ein rumänischer Gigolo geworden, der mit einem französischen Akzent spricht, ein Hollywood-Migrant. Charles Boyer spielt diesen Rumänen, der in der blutjungen Lehrerin Olivia de Havilland seine Einreisegenehmigung in die U-N-I-T-E-D-S-T-A-T-E-S erkennt und zur Tat schreitet. Eine Rasur, ein sauberer Anzug, der melancholische Hundeblick, eine frühmorgendliche Überrumpelung, in der er ihr erst beim Schlaf zuschaut, um ihr nach Erwachen als romantischer Rattenfänger den Weg zum Standesamt zu säuseln – Georges legt für seine Einreiseerlaubnis seinen besten Charles Boyer auf, wie er in History Is Made at Night, Algiers und Love Affair zum Matinée Idol aufstieg. Bis zur schurkischen Metamorphose dieses Typs des Continental Lovers in Gaslight (1944) sollte es noch dauern.
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