Oscar 2011: Die Gewinner

Die Sieger sind rot markiert.

Nachtrag: Meine ausführliche Einschätzung der Veranstaltung findet ihr bei moviepilot.

Bester Film
Black Swan
The Fighter
Inception
The Kids Are All Right
The King’s Speech
127 Hours
The Social Network
Toy Story 3
True Grit
Winter’s Bone
Beste Regie
Darren Aronofsky – Black Swan
David O. Russell – The Fighter
Tom Hooper – The King’s Speech
David Fincher – The Social Network
Joel Coen und Ethan Coen – True Grit
Bester Hauptdarsteller
Javier Bardem – Biutiful
Jeff Bridges – True Grit
Jesse Eisenberg – The Social Network
Colin Firth – The King’s Speech
James Franco – 127 Hours
Beste Hauptdarstellerin
Annette Bening – The Kids Are All Right
Nicole Kidman – Rabbit Hole
Jennifer Lawrence – Winter’s Bone
Natalie Portman – Black Swan
Michelle Williams – Blue Valentine
Bester Nebendarsteller
Christian Bale – The Fighter
John Hawkes – Winter’s Bone
Mark Ruffalo – The Kids Are All Right
Jeremy Renner – The Town
Geoffrey Rush – The King’s Speech
Beste Nebendarstellerin
Amy Adams – The Fighter
Helena Bonham Carter – The King’s Speech
Melissa Leo – The Fighter
Hailee Steinfeld – True Grit
Jacki Weaver – Animal Kingdom
Bestes Originaldrehbuch
Another Year – Mike Leigh
The Fighter – Scott Silver and Paul Tamasy & Eric Johnson
Inception – Christopher Nolan
The Kids Are All Right – Lisa Cholodenko & Stuart Blumberg
The King’s Speech – David Seidler
Bestes adaptiertes Drehbuch
127 Hours – Danny Boyle & Simon Beaufoy
The Social Network – Aaron Sorkin
Toy Story 3 – Michael Arndt
True Grit – Joel Coen & Ethan Coen
Winter’s Bone – Debra Granik & Anne Rosellini
Bester Animationsfilm
Drachenzähmen leicht gemacht
The Illusionist
Toy Story 3
Bester fremdsprachiger Film
Biutiful (Mexiko)
Dogtooth (Griechenland)
In einer besseren Welt (Dänemark)
Incendies (Kanada)
Outside the Law (Algerien)
Bester Dokumentarfilm
Banksy – Exit Through the Gift Shop
Gasland
Inside Job
Restrepo
Waste Land
Beste Filmmusik
Drachenzähmen leicht gemacht – John Powell
Inception – Hans Zimmer
The King’s Speech – Alexandre Desplat
127 Hours – A.R. Rahman
The Social Network – Trent Reznor and Atticus Ross
Beste Kamera
Black Swan – Matthew Libatique
Inception – Wally Pfister
The King’s Speech – Danny Cohen
The Social Network – Jeff Cronenweth
True Grit – Roger Deakins
Bestes Szenenbild
Alice im Wunderland – Robert Stromberg (Production Design), Karen O’Hara (Set Decoration)
HP 7: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 – Stuart Craig (Production Design), Stephenie McMillan (Set Decoration)
Inception – Guy Hendrix Dyas (Production Design), Larry Dias and Doug Mowat (Set Decoration)
The King’s Speech – Eve Stewart (Production Design), Judy Farr (Set Decoration)
True Grit – Jess Gonchor (Production Design), Nancy Haigh (Set Decoration)
Bestes Kostümdesign
Alice im Wunderland – Colleen Atwood
I am Love – Antonella Cannarozzi
The King’s Speech – Jenny Beavan
The Tempest – Sandy Powell
True Grit – Mary Zophres
Bester Dokumentar-Kurzfilm
Killing in the Name – Nominees to be determined
Poster Girl – Nominees to be determined (A Portrayal Films Production)
Strangers No More – Karen Goodman and Kirk Simon (A Simon & Goodman Picture Company Production)
Sun Come Up – Jennifer Redfearn and Tim Metzger (A Sun Come Up Production)
The Warriors of Qiugang – Ruby Yang and Thomas Lennon (A Thomas Lennon Films Production)
Bester Schnitt
Black Swan – Andrew Weisblum
The Fighter – Pamela Martin
The King’s Speech – Tariq Anwar
127 Hours – Jon Harris
The Social Network – Angus Wall and Kirk Baxter
Bestes Make-Up
Barney’s Version – Adrien Morot
The Way Back – Edouard F. Henriques, Gregory Funk and Yolanda Toussieng
Wolfman – Rick Baker and Dave Elsey
Beste Filmmusik
Drachenzähmen leicht gemacht – John Powell
Inception – Hans Zimmer
The King’s Speech – Alexandre Desplat
127 Hours – A.R. Rahman
The Social Network – Trent Reznor and Atticus Ross
Bester Filmsong
“Coming Home” from Country Strong – Music and Lyric by Tom Douglas, Troy Verges and Hillary Lindsey
“I See the Light” from Rapunzel – Neu verföhnt – Music by Alan Menken Lyric by Glenn Slater
“If I Rise” from 127 Hours – Music by A.R. Rahman Lyric by Dido and Rollo Armstrong
“We Belong Together” from Toy Story 3 – Music and Lyric by Randy Newman
Bester animierter Kurzfilm
Day & Night – Teddy Newton
The Gruffalo – Jakob Schuh and Max Lang
Let’s Pollute – Geefwee Boedoe
The Lost Thing – Shaun Tan and Andrew Ruhemann
Madagascar, carnet de voyage (Madagascar, a Journey Diary) – Bastien Dubois
Bester Kurzfilm
The Confession – Tanel Toom
The Crush – Michael Creagh
God of Love – Luke Matheny
Na Wewe – Ivan Goldschmidt
Wish 143 – Ian Barnes and Samantha Waite
Bester Tonschnitt
Inception – Richard King
Toy Story 3 – Tom Myers and Michael Silvers
Tron Legacy – Gwendolyn Yates Whittle and Addison Teague
True Grit – Skip Lievsay and Craig Berkey
Unstoppable – Ausser Kontrolle – Mark P. Stoeckinger
Bester Ton
Inception – Lora Hirschberg, Gary A. Rizzo and Ed Novick
The King’s Speech – Paul Hamblin, Martin Jensen and John Midgley
Salt – Jeffrey J. Haboush, Greg P. Russell, Scott Millan and William Sarokin
The Social Network – Ren Klyce, David Parker, Michael Semanick and Mark Weingarten
True Grit – Skip Lievsay, Craig Berkey, Greg Orloff and Peter F. Kurland
Beste visuelle Effekte
Alice im Wunderland Ken Ralston, David Schaub, Carey Villegas and Sean Phillips
HP 7: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 – Tim Burke, John Richardson, Christian Manz and Nicolas Aithadi
Hereafter – Das Leben danach – Michael Owens, Bryan Grill, Stephan Trojanski and Joe Farrell
Inception – Paul Franklin, Chris Corbould, Andrew Lockley and Peter Bebb
Iron Man 2 – Janek Sirrs, Ben Snow, Ged Wright and Daniel Sudick

Oscar-Material: Incendies Trailer

Incendies ist der kanadische Beitrag, der es dieses Jahr unter die fünf Nominierten für den Auslandsoscar geschafft hat. Denis Villeneuve (Polytechnique) erzählt darin, wie zwei Geschwister, um den letzten Wunsch ihrer Mutter zu erfüllen, in den Nahen Osten reisen und allerhand düstere Geheimnisse ausgraben. Oder so ähnlich. Die Kritiken sind jedenfalls sehr gut und der Trailer – obwohl überdramatisch – auch. Alle Nominierten könnt ihr hier einsehen.

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The King’s Speech (GB/AUS 2010)

Mein Mitleid für millionenschwere Monarchen ist begrenzt, aber wenn The King’s Speech von Tom Hooper eines gelingt, dann ist es eine Nachsichtigkeit für die gekrönten Häupter dieser Welt zu stimulieren. Der ganze Film ist auf das Verständnis einer Situation ausgerichtet, die wohl kaum ein nicht-blaublütiger Mensch tatsächlich verstehen kann (und andersherum verhält es sich wohl ähnlich). Das mag für nicht wenige ideologisch befremdlich sein und ideologisch befremdliche Momente bietet der Film ein paar. Andererseits bezweckt „The King’s Speech“ zu keiner Zeit die Darstellung einer gesellschaftlichen Epoche, sondern beschränkt sich größtenteils auf einen winzigen Teil der Gesellschaft, auf ein Millionstel eines Landes, auf einen Prinzen und dessen Sprachprobleme. Anders gesagt: Wenn sich The King’s Speech um den eigentlichen Thronfolger, Edward VIII (Guy Pearce), oder ganz allgemein um das Großbritannien der Vorkriegsjahre drehen würde, sähe die Bildsprache womöglich ganz anders aus. Denn Tom Hoopers Film kehrt ganz klassisch das Innerste nach außen, tapeziert die Wände und Möbel, die Straßen und Wiesen mit dem seelischen Gefängnis, in dem sich Prinz Albert (Colin Firth) seit seiner Kindheit befindet. Deswegen verzichtet „The King’s Speech“ auf jeden monarchischen Prunk. Vielmehr wirken die Räume der (symbolischen) Macht erdrückend, die Insignien überlebensgroß. Zwischen all dem steht der zukünftige stotternde König, ein seelisches Wrack, jahrelang verkrüppelt von der Macht, die aus jeder Pore seiner Umgebung tropft. Es ist nach A Single Man erneut eine perfekte Rolle für Colin Firth.

Der stotternde Prinz, der unwillig zum König wird und über sich hinauswachsen muss. Was für eine Story! Sie wäre wohl für das Merchant Ivory-Kino der 90er Jahre zu platt gewesen. Damals wurde die britische Oberschicht noch in kühlen, distanzierten Bildern seziert. In den Literaturverfilmungen saß jedes Kleid perfekt, hing kein Bild schief. Alles schien so glatt, dass es schon wieder steril war und genau davon profitierte ein Film wie „Was vom Tage übrig blieb“. Doch diese Zeit ist längst vorbei. „The King’s Speech“ ist zwar kein kitchen sink-Drama, erteilt aber dennoch der Ästhetik der 90er Jahre – die feinen Leute in feinen Bildern einzufangen – eine Absage. Statt auf den Handkamera-Realismus der kleine Leute-Filme zu setzen, kehrt Tom Hooper die Subjektivität nach außen. Ein realistisches Porträt einer Königswerdung ist der Film deswegen weniger. Eher der subjektive Blick eines Mannes auf seine ihn zu erdrücken drohende Umwelt, auf die gesichtslosen Massen (das Volk), die ihn so einschüchtern, zu denen zu sprechen er erst lernen muss.

Und dann ist da noch dieser Australier, Lionel (Geoffrey Rush), einer von den Kleinen, ein vormals Gesichtsloser, der gerne vor den anderen sprechen würde als großer Schauspieler, aber in seinen Bemühungen scheitert. Ausgerechnet der flappsige Australier muss den zukünftigen König von seinem Stottern befreien und ist damit natürlich automatisch der Psychiater und Freund aus dem Volk. Aber auch Lionel ist ein Außenseiter aus den fernen Regionen des Commonwealth und seine Praxis zugleich neutraler Boden, auf dem Albert weder Prinz noch Bettelmann ist. Dass das in der zweiten Hälfte konstruiert wirkende Drehbuch – eine große Rede steht an, es wird geübt, es wird geredet, eine größere Rede steht an  – nicht die Nerven strapaziert, liegt an Lionel und „Bertie“, an Geoffrey Rush und Colin Firth, die beide das tun, was sie am besten können, es aber ganz und gar nicht abgenutzt aussehen lassen. Rush ist der Exzentriker, ein Guter, ein Liebevoller, aber eben auch irgendwie ein seltsamer Kerl, der sich nicht um Konventionen schert. Colin Firth wiederum ist die wandelnde offene Wunde, eine Figur, der man das Leid in den Augen, den Falten, dem Zittern der Mundwinkel anmerkt. Keiner gibt die gescheiterte stiff upper lip momentan so gut wie Colin Firth und wieder einmal trägt er einen Film über die Ziellinie.

Dabei sind sich A Single Man und The King’s Speech gar nicht mal so unähnlich, wenn es um die Ästhetisierung seelischer Pein geht. Nur ist in Tom Hoopers Film die Oberfläche, unter der es brodelt, nicht hübsch, nicht stylish, sondern kahl, kalt und in entsättigtem, gräulichen Pastell gehalten. Die Schauspieler, von Firth über Rush bis hin zu Helena Bonham Carter in einer ihrer besten Rollen der letzten Jahre und dem kaum wieder zu erkennenden Guy Pearce, bringen Leben in das ästhetische, weil seelische Gefängnis, das Bertie umgibt. „The King’s Speech“ ist nicht die Geschichte eines Königs, der mit Hilfe eines kleinen Mannes zu seiner Größe findet. Er hätte das sein können, geht man vom Drehbuch aus. Doch stattdessen ist Tom Hooper ein extrem unterhaltsamer Film über einen Mann namens Albert gelungen, der mühsam eine Verbindung zu seiner Umwelt aufbaut, gewissermaßen einen Tunnel gräbt, um endlich einen Blick auf’s Tageslicht zu erhaschen.


Zum Weiterlesen:
Überblick über die Kritiken bei Film-Zeit.de