Diary of the Dave #3

Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich eine große Hitchcock-Reihe durchgeführt. Ich habe wohl zwischen Februar und April/Mai 2008 etwa ein Dutzend Hitchcocks geschaut: „Vertigo“, „Shadows of a Doubt“, „North by Northwest“, „Stage Fright“, „I Confess“, „Rebecca“, „Psycho“, „Rear Window“, „Dial M for Murder“, „Rope“, und vielleicht noch ein paar andere. 2008 war an sich nicht gerade ein sehr gutes Jahr, aber diese Filmreihe war durchaus gelungen. Nun, 2010, mache ich eine etwas bescheidenere, aber nicht uninteressante Reihe japanischer Samurai-Filme durch: „Die sieben Samurai“, „Samurai in der Dämmerung“, „Tabu“, „Ichi“, „Yojimbo“, der erste Teil von „Lone Wolf and Cub“.

Nun… letzterer muss wohl nicht besprochen werden: einfach zu schlecht. Samurai in der Dämmerung und Tabu passen durchaus miteinander auf die gleiche VHS-Kassette (nebenbei: vielen Dank arte). Beide sind sehr langsame, fast meditative, kontemplative Filme. Aus der Reihe wohl auch die Filme, bei denen Action die kleinste Rolle spielt. Der langsamere von beiden ist aber trotzdem ,,Samurai in der Dämmerung“, der auch eine Reflexion über ein (sehr ruhiges) Familienleben (zudem eines „Büroangestellten“). Die etwas bittere Note ist, dass bei beiden Filmen das Ende nicht gerade perfekt ist. „Tabu“ bringt keine „große Offenbarung“, wie man sie vielleicht erwartet hätte. Und bei „Samurai in der Dämmerung“ wird das voice-over am Schluss im engeren Sinne narrativ gebraucht: er gewinnt zwar den Kampf, hat seinen Auftrag ausgefüllt, stirbt aber trotzdem durch die Erzählung seiner Tochter. Die ästhetischen Leistungen beider Filme bleiben jedoch davon VÖLLIG unberührt… UMWERFEND schön!

„Die Sieben Samurai“ und „Yojimbo“ gehören wohl auch zusammen: beide von Kurosawa und beide… schwarz-weiß. Aber zuvor: Ichi war wohl der konventionellste unter diesen Filmen, nichtsdestotrotz ein sehr schöner und unterhaltsamer Film, der alles hat, was man sich wünschen kann: eine wunderschöne Heldin, ein sympathischer Held (wenngleich mit einem dunklen Geheimnis), blutströmende Kampfszenen, schräger und teilweise leicht grotesker, überzogener Humor, eine zärtliche Liebesgeschichte… und kein Happy-End. Muss aber auch nicht, denn sooo konventionell ist der Film auch nicht. Nun ja, ein weiblicher Zatoichi.

Die sieben Samurai und Yojimbo haben wieder gezeigt, dass Schwarz-Weiß kein Handicap ist… nicht die Abwesenheit von Farbe, sondern eine eigene ästhetische Gestaltungsperspektive. Auch hier, wie bei „Samurai in der Dämmerung“ und „Tabu“ gilt: die Ästhetik ist sehr viel wichtiger als der Plot! Die Grundzüge des Plots sind allgemein bekannt, was bleibt, sind seine Bilder. Der verliebte Samurai mit der Bäuerin im Wald, der Rücken des Samurais im Vorspann, der Kampf im Regen (überhaupt die Nutzung von Regen), die beiden Horden, die sich angreifen wollen, ohne sich wirklich zu trauen. Nun also… großer Filmkritiker werde ich wohl nicht! Für Akrützel-Niveau würde es aber reichen.