Red Cliff I (VRC 2008)

Um die wichtigste Frage gleich vorweg zu beantworten: Ja, in John Woos neuem Film Red Cliff tauchen strahlend weiße Tauben auf. Es sind mindestens vier oder fünf, um genau zu sein. Die Entwicklung von Woos Filmografie könnte man glatt mit der hochinteressanten Evolution seines Taubeneinsatzes gleichsetzen. Aus dem spirituellen (christlichen) Symbol  (etwa in The Killer) wurde noch zu Hongkonger Zeiten das Markenzeichen des Regisseurs; gleichberechtigt neben dem Mexican Standoff und Chow Yun-Fat, der in Zeitlupe mit zwei Knarren über den Boden schlittert oder durch die Luft fliegt. Schießend natürlich.

In Hollywood schließlich wandelte sich das von Woo in Interviews so oft verteidigte Symbol zum rein ästhetischen Beiwerk. So mögen in Face/Off, seinem einzigen US-„Klassiker“, die umher flatternden Tauben in einer (katholischen) Kirche auftauchen, doch letztendlich wird ihre Funktion darauf reduziert, Nicolas Cage zum Sterben cool aussehen zu lassen. Anders als noch Chow Yun-Fat darf Cage in diesem Film aber nicht das Zeitliche segnen. Er ist der (amerikanische) Held, auch wenn er das falsche Gesicht trägt. Die Emotionalität, der Fatalismus und die damit verbundene latente Homoerotik, die in beträchtlichem Maße zum Kultstatus seiner Hongkonger Filme beigetragen hatten, mussten in einem anderen kulturellen Kontext zwangsläufig reduziert werden. Woos stilbildende Symbolwelt litt darunter, wurde ausgehöhlt und bedeutungslos.

Was in „Face/Off“ noch den Coolness-Faktor wie ein explodierendes Motorboot in die Höhe schießen lässt, verdeutlicht  wenig später die Traurigkeit der Selbstparodie, die sich Mission: Impossible II nennt. Als hätte Tom Cruise als der auf dieser Erdkugel am wenigsten für eine Woo-Zeitlupe geeignete Schauspieler nicht gereicht. Die Fans wandten sich gepeinigt ab. Und recht bald auch das amerikanische Publikum.

Woo war anders als seine Regiekollegen, die sich ebenfalls auf amerikanischem Parkett versucht haben, dort zumindest zeitweise künstlerisch und kommerziell erfolgreich. Tsui Hark („Once upon a Time in China“) dagegen gab nur ein kurzes Gastspiel für zwei Van Damme-Filme (u.a. „Knock Off“), hat seitdem allerdings selbst in seiner Heimat nicht mehr zu alter Form oder auch nur Kohärenz zurück gefunden. Ringo Lam („City on Fire“) entkam der Van Damme-Falle nicht so schnell und vergeudete sein Talent in diversen Direct-To-Video-Produktionen.

Anno 2008 befand sich die Hongkonger Actiontrias der glorreichen 80er Jahre offensichtlich in einem erbärmlichen Zustand. Fünf Jahre nach seinem letzten Spielfilm packte Woo entweder diese Erkenntnis oder die pure Nostalgie. Den wirtschaftlichen Bedingungen der Gegenwart entsprechend, zog es ihn in die Volksrepublik China, um sein gigantisches  zweiteiliges Epos Red Cliff zu drehen. Mit Chow Yun-Fat wollte er wieder arbeiten und mit Tony Leung Chiu-Wai; das Hard-Boiled-Dream Team wieder vereint. Ersterer sagte kurz vor Drehbeginn ab. Leung wollte zunächst nicht, übernahm in letzter Minute jedoch die für seinen Kollegen vorgesehene Rolle.

Um v.a. das ostasiatische Publikum endgültig für das teuerste chinesische Filmprojekt aller Zeiten zu gewinnen, wurden außerdem Kassenmagneten wie Takeshi Kaneshiro („Chungking Express“), Chang Chen („Tiger and Dragon“) und Vicki Zhao Wei („Shaolin Soccer“) verpflichtet. Red Cliff ist allein dank der Besetzung der feuchte Traum aller Asia-Film-Fans. Schöne Gesichter in schönen Kostümen dabei zu beobachten, wie sie sich durch tragische historische Stoffe quälen – das kommt zur Zeit auch sehr gut an in den stetig zunehmenden Kinos der Volksrepublik.

Wie andere chinesische Historienepen der letzten Jahre dreht sich Woos Ausflug in die Geschichte um ein in der Bevölkerung höchst populäres, reichlich sagenumwobenes Ereignis: Der Schlacht am Roten Felsen. Im Jahr 208 (das riecht nach einem Jubiläum) hatte diese stattgefunden und für allerhand Wirbel in der chinesischen Geschichtsschreibung gesorgt. Für den in fernöstlicher Historiographie unbewanderten Cineasten genügt eine kurze Zusammenfassung:

Der mächtige Premierminister der Han, Cao Cao (Zhang Fengyi), überredet den schwächlichen Kaiser zu einem Kriegszug gegen zwei Kriegsherren im Süden, um China zu vereinigen. Davon Nachricht erhaltend verbünden sich die beiden Widerständler Liu Bei und Sun Quan dank der Vermittlungversuche von Liu Beis taktischem Berater (Takeshi Kaneshiro) und Sun Quans General (Tony Leung). Mit mehreren hunderttausend Mann bestückt, segelt Cao Caos Flotte auf dem Jangtse südwärts, um die zahlenmäßig unterlegenen Kriegsherren zu zermalmen.

Da ein Film nicht nur aus einer Schlacht bestehen sollte (siehe „300“), aber die vielen in die Vorgeschichte verstrickten Figuren den Zuschauer innerhalb der Laufzeit von zwei Stunden womöglich überfordern würden, entschied sich Woo für eine Zweiteilung des Films. Vielleicht wollte er auch nur sicher gehen, dass die Produktionskosten unabhängig von der Vermarktung im Westen wieder eingespielt werden. Wie dem auch sei, den Figuren – eigentlich nicht gerade die Stärke des Regisseurs – konnte es nur zu Gute kommen.

Im hier besprochenen ersten Teil wird die Vorgeschichte der berühmten Schlacht erzählt. Von der Kriegserklärung Cao Caos über die Verhandlungen zwischen den Verbündeten und einer ersten Schlacht zu Lande. Die große Dramatik ist also noch nicht zu erwarten. Dennoch ist der Film mehr als nur ein fader Prolog.

Wie bei Woo nicht anders zu erwarten, ist der Auftakt von „Red Cliff“ eine Schlacht, die hier sozusagen den Shootout ersetzt. Eine handfeste sogar mit reichlich Dreck und fetten Blutspritzern. Sofort fühlt man sich an seine ganz und gar nicht zahmen Heroic Bloodshed-Filme erinnert, die ihrer Genrebezeichnung ja in jeder Hinsicht gerecht werden. Wenn Hu Jun („Infernal Affairs II“) zuerst mit einer Lanze dutzende gegnerische Kämpfer durchbohrt, während sein ehemals weißer, nun blutbespritzter Mantel in Zeitlupe durch das Bild flattert und er wenig später selbst mit einem Baby im Arm die Body Count in die Höhe treibt, ist das John Woo-Action in ihrer Reinform.

In den Achtzigern wurden die Kung Fu-Helden der Shaw-Filme durch Regisseure wie Woo mitsamt ihrer Ehrenkodizes in moderne Großstädte verfrachtet, um fortan ihre blutigen Tänze mit Schusswaffen und Armani-Anzügen auszuüben. Nun, nachdem die heimische Zuschauergunst für das Gangstergenre geschwunden ist, katapultiert Woo seine heroischen Kämpfer in die frühe chinesische Geschichte. Und sich selbst zurück in die erste Riege internationaler Actionregisseure.

In dem hierzulande eher unbekannten Hu Jun, der nicht einmal zu den Protagonisten gehört, hat Woo gleich noch einen hochkarätigen Ersatz für Chow Yun-Fat gefunden. Nach dieser ersten Schlacht keimt schon die Hoffnung auf, dass Hu, dem Chows Bodenständigkeit und physische Präsenz zu eigen sind, eine größere Rolle im Film spielen wird. Sehr bald wendet sich Woo allerdings den eigentlichen Stars des Films zu: Tony Leung und Takeshi Kaneshiro. Dass ausgerechnet diese beiden im Vergleich zum Rest der Schauspielergarde etwas enttäuschen, bleibt ein unbedeutender Wermutstropfen, da ihre „Chemie“ durchaus genügt, wenn auch ihr Auftritt nicht gerade nach Preisen schreit.

Woos Vorliebe für die komplizierte Freundschaft zweier ehrenvoller Männer findet in der Beziehung Leungs und Kaneshiros ihren Ausdruck. Teil 1 von Red Cliff erzählt daher vom Entstehen ihrer Freundschaft mit Hilfe einer ausgedehnten „Musiziersequenz“, in der beide einander die Meisterschaft in ihrem Hobby beweisen (das sieht genauso homoerotisch aus, wie es klingt). Einigermaßen selbstverliebt ist das alles und der Charakterisierung der Figuren fügt  das Duell an der Zither nichts neues hinzu. Es ist aber auch typisch für den Regisseur, das Anbändeln der beiden Helden dermaßen offensichtlich auszubreiten, weshalb es ihm an dieser Stelle nachgesehen wird. Was tut man nicht alles, um einen 100%igen John Woo-Film zu bewundern?

„Red Cliff“ ist genau das und noch vielmehr. Auch wenn die Freundschaft noch durch eine extrem kitschige Pferdegeburt (!) gefestigt werden muss, Tony Leung erschöpft und gelangweilt daher kommt und Takeshi Kaneshiro zweieinhalb Stunden lang nur amüsiert lächelt oder konzentriert nachdenkt. Vielmehr drücken seine hübschen Gesichtszüge in diesem Film leider nicht aus.

Über das Zitat seiner eigenen Markenzeichen in der Figureneinführung hinaus, fesselt Woo den Zuschauer durch das, was er am besten kann: Die extrem abwechslungsreiche Inszenierung komplizierter Actionsequenzen. Ein Film, der mit einer Schlacht beginnt, mit einer Schlacht endet und nur die Vorgeschichte eines Filmes erzählt, der sich um eine Schlacht drehen wird, könnte auf Dauer langweilig sein. Was Woo in „Red Cliff“ abzieht ist glücklicherweise alles andere als das.

Vorbereitet durch eine brillante Parallelmontage der taktischen Diskussionen auf beiden Seiten, welche die Spannungsschraube noch einmal anzieht, schafft der Film es durch die Betonung einzelner Elemente der Taktik, einer fast zwanzigminütigen Schlachtensequenz die drohende Routine zu nehmen. Schon die Idee, drei große Krieger (einer davon Hu Jun) nacheinander allein auf die feindliche Armee loszulassen, um ihre Kampfkraft unter Beweis zu stellen macht Spaß. Ein wenig erinnert es an den Wettkampf des Zwergen Gimli mit dem Elben Legolas in Der Herr der Ringe: Die Zwei Türme. Eine humoristische Auflockerung des Geschehens ist es in jedem Fall.

Dass die geschilderte Schlacht den Handlungsverlauf nicht weiter beeinflusst und eher wie ein erzwungener Klimax wirkt, ist völlig egal. Schließlich reißt Tony Leung mit einem Pfeil einen gegnerischen Soldat vom Pferd. Mit einem Pfeil, den er sich gerade aus der Schulter gezogen hat. Ohne Bogen! Das Bild sollte man sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen (sofern das physisch möglich ist).

Wie diese nicht enden wollende Kritik schon andeutet, hat Woo in Red Cliff auf bekanntem Terrain zu alter Stärke zurück gefunden. Die Selbstsicherheit merkt man ihm auch in den unblutigen Handlungsabschnitten an, etwa bei der Einführung von Tony Leungs Figur. Ganze drei Minuten lang neckt Woo den Zuschauer mit Leungs Hinterkopf, seiner Hand, seinen Augen, bevor er endlich das Gesicht seines Stars präsentiert und alle weiblichen Fans verzückt aufseufzen.

Überraschend ist Woos Sicherheit bei der Inszenierung des wichtigsten Elementes der Vorgeschichte: der Figurencharakterisierung. Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass er sich auf die hochkarätige Riege der Nebendarsteller verlassen kann. Andererseits ist die vielleicht beste Szene des Films gerade nicht blutgetränkt. Der durchaus charismatische „Bösewicht“ Cao Cao lässt sich Tee servieren. Das war es auch schon. Trotzdem genügen die wenigen Minuten, um dem Geisteszustand und den damit verbundenen Motiven der von Zhang Fengyi porträtierten Figur habhaft zu werden. Zhang („Der Kaiser und sein Attentäter“) sticht deutlich, aber auf eine erfreulich subtile Weise aus dem an Konkurrenz nicht armen Ensemble heraus.

Bei all den positiven Worten, bleibt abzuwarten, ob Woo seiner gereiften Herangehensweise auch im zweiten „Red Cliff“-Teil treu bleibt. Ob seine Rückkehr nach China auch eine Rückkehr zur Hyperemotionalität seiner Hongkonger Tage bedeutet, die Filme wie „The Killer“ unfreiwillig komisch wirken ließ. Ob Takeshi Kaneshiro seinen verlorenen dritten Gesichtsausdruck wiederentdeckt. Ob eine weiße Taube das zu erwartende Flammenmeer zieren wird. Nach Sichtung der ersten Hälfte von Red Cliff darf äußerst befriedigt festgestellt werden: Willkommen zurück, Herr Woo!


Weitere Infos:

Red Cliff, der gewaltigen Schlacht erster Teil, ist in Hongkong als 2-Disc Edition im Mandarin-Original mit englischen Untertiteln erschienen. U.a. bei YesAsia.com kann man diese All Region-DVD bestellen.

Ob „Red Cliff“ als Zweiteiler oder in einer zusammengeschnittenen, kürzeren Version in Deutschland anlaufen wird, scheint bisher nicht klar zu sein. Ich prophezeie schon mal letzteres. Laut Constantin wird der Film im ersten Quartal 2009 hierzulande die Kinos erobern.

In China startet der zweite Teil im Januar.

Infernal Affairs III – Director's Cut (HK 2003)

[Wer Infernal Affairs I nicht gesehen hat und Wert auf ein ungespoilertes Filmerlebnis legt, sollte die folgende Kritik überspringen und stattdessen die letzten Sätze als Fazit ansehen. Alle anderen: Sport frei!]

Der Tod von 80% der Hauptfiguren könnte den ein oder anderen Produzenten abschrecken, ein Sequel zu drehen, nicht jedoch die gewitzten Filmschaffenden der Sonderverwaltungszone (SAR) Hongkong. Nachdem ein Prequel von Infernal Affairs dieses Problem bereits erfolgreich gelöst hatte, stand man erwartungsgemäß beim dritten Teil vor der Frage, bei der sich selbst Lenin schon den Kopf gekratzt hatte: Was tun?

Sollte man die Geschichte des Triadenspitzels Lau (Andy Lau) weitererzählen, der bekanntlich den ersten Teil überlebt hatte. Sollte man in einem Prequel auch noch die Kindheit der Helden inspizieren? Leider stellte man sich bei Media Asia nicht die Frage, ob überhaupt ein Sequel sinnvoll wäre, sonst hätte die Reihe in Form von Teil Zwei einen würdigen Abschluss erhalten.

Andy Lau in Infernal Affairs III

Infernal Affairs III ist ein Zeugnis der Unentschiedenheit, der großen Ambitionen und des Wunsches nach viel, viel Geld. Um noch einmal alles aus der geplagten Box Office der Heimat herauszuholen, haben die Drehbuchautoren Alan Mak und Felix Chong ein für einen Thriller viel zu kompliziertes Mischmasch aus Prequel und Sequel entworfen.

Der Grund: Irgendwie mussten die Superstars Andy Lau (House of Flying Daggers) und Tony Leung (Gefahr und Begierde) ein weiteres Mal in einen Film gequetscht werden, obwohl die Figur des letzteren bereits verschieden war. Folglich erzählt der dritte Teil der infernalischen Saga den weiteren Werdegang Laus in den Reihen der Polizei und schneidet diesen munter mit dem Geschehen in den Monaten vor Yans (Leung) Tod zusammen.

Die Geschichte des Triaden Lau, der – in die Polizei eingeschleust – eigentlich nur ein guter Cop und Mensch sein will, gibt noch am ehesten die Story für ein Sequel her, schließlich ist sein weiterer Weg nach dem ersten Teil offen. Die Regisseure Andrew Lau und Alan Mak gestalten diese Zeitebene in unterkühlten, abweisenden Interieurs, die Laus in die Brüche gehenden Geisteszustand entsprechen.

Leon Lai in Infernal Affairs III

Von Schuldgefühlen für Yans Tod getrieben, stürzt er sich in die Suche nach weiteren Spitzeln in den Reihen der Polizei und stößt auf den zwielichtigen Yeung (Leon Lai, neben Andy Lau einer der erfolgreichsten Cantopopsänger). Bald liefern sich beide ein Katz und Maus- Spiel ausgeklügelter Überwachung.

Auf psychologischer Ebene gehen die Macher einen nachvollziehbaren Weg. Je länger er Yeung überwacht, desto mehr identifiziert sich Lau mit dem toten Yan, darauf hoffend, dass auch er durch seine Taten Vergebung finden kann. Eine spannende Atmosphäre kommt deswegen nur schwer auf, schließlich nehmen wir die meiste Zeit Platz in Laus Kopf, in seiner Psyche und beobachten deren Kollaps in Zeitlupe.

Leon Lai bringt eine akzeptable Mischung aus Berechnung und Undurchsichtigkeit in seine Rolle des geheimnisvollen Gegenspielers. Sein stets mit einem überlegenen Lächeln verziertes Spiel ruft Francis Ng aus Infernal Affairs II in Erinnerung, doch Lais Methode ist oft nur schwer vom hölzernen Spiel eines ganz einfach schlechten Schauspielers zu unterscheiden. Die Persönlichkeit einer Figur, die Ng durch ein paar Blicke präsent zu machen in der Lage war, bleibt bei Lais Polizist nur ein blasser Schatten.

Andy Lau in Infernal Affairs III

Andy Lau dagegen hat selten so überzeugen können, ist bei vielen seiner Rollen doch der Vorwurf gerechtfertigt, er sei mehr Steinblock als Mime. Schade nur, dass die Macher sich nicht auf sein Starcharisma allein verlassen haben und die bedrückende Stimmung dieser Zeitebene immer wieder aufbrechen durch Rückblicke in das Leben des toten Yan. Würden interessante Facetten zu Yans Persönlichkeit durch einen ansprechenden Plot hinzugefügt werden, so wäre das noch akzeptabel. Ein Großteil des Films wird aber durch seine Flirts mit einer Psychologin (Kelly Chen) verplempert.

Chen übertrifft leider selbst Lai in der Kunst, einen flachen Charakter schlecht gespielt auf die Leinwand zu klatschen, so dass am Ende nur der Schluss bleibt, dass die Autoren verzweifelt versucht haben, ein Romantic Interest in den Film einzubauen. Bedenkt man, dass die zwei ersten Teile Aktricen, wie Carina Lau und Sammi Cheng, präsentieren konnten, kann man sich im Grunde nur noch an der eigenen Enttäuschung erfreuen.

Tony Leung in Infernal Affairs III

Sind die letzten Bilder des Films zwar ein treffender Abschluss der Saga, können diese leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass die 100 Minuten davor schlicht zu konfus, um zu unterhalten, zwei Geschichten präsentieren, die zwanghaft in das Infernal Affairs-Schema gepresst wurden und an keiner Stelle die perfekt konstruierte Brillanz der Vorgänger erreichen. Die großen dramatischen Gesten, die in diesen Teilen dank der routiniert gezeichneten Figuren noch die Tränendrüse in Anspruch nehmen konnten, verdampfen in Infernal Affairs III durch ihre unglaubwürdige Künstlichkeit in kürzester Zeit.

In den Extras der deutschen DVD hat Schauspieler Anthony Wong das zentrale Problem von Infernal Affairs III mit gewohnter Ehrlichkeit formuliert:

„Müde bin ich. Da wird ständig nachgeschoben. Was soll das noch? Ohne würde es auch gehen. Ich verstehe wirklich nicht, was das alles soll. Das wäre auch ohne meinen Charakter gegangen.“

Was soll man da noch sagen?

Chen Daoming in Infernal Affairs III


Zum Weiterlesen:
Infernal Affairs
Infernal Affairs II
The Departed