Saw IV (USA 2007)

[Warnung: Diese Kritik könnte mittlere Spoiler enthalten für Saw III und IV. Wer letzteren noch nicht gesehen hat, sollte sich glücklich schätzen.]

Vielleicht kann man die abnehmende Qualität einer Filmreihe an der abnehmenden Qualität der dahinsterbenden Castmitglieder erkennen.

Nehmen wir Saw I aus dem Jahre ’04: Danny Glover (Lethal Weapon), Cary Elwes (Dracula, Mel Brooks‘ Robin Hood), Monica Potter (Con Air, Im Netz der Spinne).

Nehmen wir Saw IV aus dem Jahre ’07: Costas Mandylor (hä?), Scott Patterson (ah, der Typ aus Gilmore Girls!), Lyriq Bent (wow, Lyriq ist ein cooler Name).

Zugegeben, Horrorfilme leben oftmals davon, dass wir die Schauspieler nicht kennen, also nicht einschätzen können, wer auf Grund seiner Popularität den Fängen des Killers entkommt und sich seiner verbliebenen Gliedmaßen erfreuen kann. Das kann in seelenlose Teenagermetzeleien ausarten oder in atmosphärisch dichte, weil gut gespielte, Gruselfilmchen.

Ich sage gleich vorweg: Saw I hat mir nie besonders gefallen. Der Film von James Wan wirkte auf mich wie ein für Epileptiker nicht geeigneter Abklatsch von Sieben. Spannend war der Film, weil fähige Charakterdarsteller uns am grausamen Schicksal ihrer Figuren haben mitfühlen lassen.

An dieser Stelle fangen die Probleme von Saw IV an. Die Liste ist endlos…

Was tun, wenn der Killer im vorherigen Teil stirbt?

Keine weitere Fortsetzung drehen? Nein, wir sind in Hollywood, wir brauchen die Eintrittsgelder gewaltversessener Teenies und Mittzwanziger!

Ein Prequel drehen? Nein, wir haben Star Wars: Die Dunkle Bedrohung gesehen!

Drehen wir doch ein Sequel, rekrutieren ein paar TV-Stars und montieren parallel zu unserem Storypuzzle, das so kompliziert ist, dass wir selbst während des Drehbuchschreibens bei Wikipedia die Inhalte der anderen Teile nachschlagen müssen, noch Flashbacks aus der Frühphase unseres Killers ein, die zwar die Story nicht voranbringen, aber eben unser Trademark, unseren Killer, zeigen!

So funktioniert Saw IV, denn der Jigsaw Killer a.k.a. John Kramer (Tobin Bell) hat Teil Drei nicht lebend überstanden. Eine Filmreihe, die stetig ihre Hauptfiguren tötet, hat irgendwann ein Problem. Glücklicherweise hat Jigsaw anscheinend so viele Azubis, dass die Reihe für die nächsten zwei, drei Teile ausgesorgt hat.

Polizist Rigg will nun seinen Kollegen aus den Händen eines solchen Lehrlings befreien, muss dabei aber eine kranke Prüfung nach der anderen überstehen. Meist geschehen diese in Form der Entscheidung über Leben und Tod irgendeines fremden Opfers, das mit irgendeinem tödlichen Mechanismus verbunden ist und sich nur durch eine recht unsentimentale Haltung gegenüber den eigenen Körperteilen/ Gesichtspartien/ Teilen der Kopfhaut befreien kann.

Diese Folterapparate sind die Hauptattraktion der Saw-Reihe, da der Zuschauer sich an Blut und Tränen erfreuen und gleichzeitig beim Gedanken, was er in dieser oder jener Situation tun würde, erschaudern kann. Der Begriff „Gewaltporno“ wurde u.a. durch diese Filme geprägt, auch Teil IV weiß ganz genau, was er ist.

So beginnt er mit einer genussvoll gefilmten Obduktionsszene, deren Relevanz für die Story keine solche Ausführlichkeit der Darstellung rechtfertigt. Wen interessiert’s? Wir wollen sehen, wie einer Leiche die Kopfhaut abgezogen wird!

Andere Splatterfilme unterhalten mit solchen Szenen durch ihre Selbstironie, ihr Bewusstsein für die eigene Übertreibung. Saw IV ist todernst, langweilt aber auf Dauer durch die hanebüchen konstruierte Aneinanderreihung von Extremsituationen.

Einziger Lichtblick der miserabel geschnittenen Zwickmühlen des Grauens sind die Flashbacks, ist die Erzählung, wie aus dem perfektionistischen John Kramer der menschenfeindliche Jigsaw Killer geworden ist. Bell ist eben der einzige im Cast, der durch sein Charisma so etwas wie Sympathie bei uns erzwingt. Wir verstehen nun seine Motivation. Mit dem Restfilm hat das allerdings wenig zu tun.

Saw IV leidet erheblich unter der uninspirierten CSI-Optik. Hier haben wir mal wieder einen Film, der die Unfähigkeit seiner Macher, eine gruselige Atmosphäre aufzubauen, geschweige denn, nervenaufreibende Schockmomente zu liefern, mit einem undurchdachten Staccatoschnitt überdecken will. Das hält zwar wach im Kinosaal, so wie eine grelle Neonröhre an der Bushaltestelle wachhält. Mit Spannung hat das aber nichts zu tun.

Warum vergleiche ich nun ständig Saw I und IV? Ich habe die anderen beiden Teile nicht gesehen. Das ist ein Grund. Die neue Ausgeburt der Saw-Schmiede lädt durch sein hemmungslos von Teil Eins abgekupferten Twist am Ende aber auch zum Vergleich ein. Der qualitative Abstieg der Reihe ist nun unaufhaltsam.

Saw IV ist nur noch für Kenner – nicht Gelegenheitsgucker – der ersten drei Teile empfehlenswert. Das wussten die Macher auch und haben ihren Film für die Stammzuschauer inszeniert, so dass alle anderen angesichts der fehlenden Erklärungen der diversen Handlungsstränge einen Großteil des Geschehens nicht einordnen können. Wer die Vorgeschichte von Rigg und Co. herbeten kann, also im Stoff steht, wird sich auch Saw V, Saw VI usw. anschauen. Für alle anderen ist der langweilige, blutige Müll, der sich Saw IV nennt, Verschwendung wertvoller Lebenszeit. Als würde man auf einen Bus warten, der nicht kommen wird.

Lost in Space (USA 1998)

Wenn die Filmografie eines Regisseurs einen Film wie A Nightmare on Elm Street 5 enthält, mag man glauben, dass dieser Tiefpunkt einer jeden Karriere in seiner Qualitätslosigkeit gar nicht mehr zu toppen ist.

Falsch gedacht! Gebt dem Mann 80 Mio. Dollar, den rudimentären Plot einer TV-Serie aus den 60ern und zwei hochkarätige Schauspieler und er schafft es, einen der miesesten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre daraus zu basteln. Der „Plot“ dreht sich um die Familie Robinson, die sich auf den Weg macht, die Welt zu retten, in dem sie sich per Raumschiff auf eine zehnjährige Reise zu einem fremden Planeten macht. Leider hat sich der böse Dr. Smith (Gary Oldman) auf das Raumschiff verirrt, um böse Zeilen, wie „Evil knows evil“ und „Never fear, Smith is here“ von sich zu geben.

Kein Wunder, dass der Schiffsroboter alle umbringen will…

Wem es nach dem Namen des unglaublich kreativen Drehbuchautors lechzt, dem sei gesagt, dass es sich um Akiva Goldsman handelt, der verantwortlich für ein anderes Meisterwerk der späten Neunziger zeichnete: Joel Schumachers Batman and Robin.

Bei einer solchen Konzentration künstlerischen Könnens darf es einen nicht verwundern, dass neben Heather Graham und Matt LeBlanc mit William Hurt und Gary Oldman auch richtige Schauspieler am Set anwesend waren. Hurts Mimik im Angesicht beige-düsterer special effects variiert zwischen „verbissen“ und „angestrengt“. Vielleicht war ja sein Scheck noch nicht eingetroffen. Vielleicht erinnerte er sich aber auch an den unheilvollen Moment, als er für zwei (zu unserem Glück nicht realisierte) Fortsetzungen für dieses Machwerk unterschrieb.

Gary Oldman ist das Highlight dieses Films, knapp vor dem nervigen Chamälionaffen namens Blarb. Nach abwechslungsreichen Rollen in True Romance, Léon, Das Fünfte Element und Air Force One dachte er wohl an einen Imagewechsel, als er die Rolle des Bösewichts in Lost in Space annahm.

Oder er dachte an gar nichts, was angesichts des Migräneanfälle hervorrufenden Endprodukts wahrscheinlicher ist. Das verführerische Wort typecast liegt einem hier auf der Zunge, wenn man sein wohl aus zuviel Kaffeekonsum resultierendes overacting betrachtet. Vielleicht wollte er auch nur einmal in seinem Leben die folgenden zwei Sätze flüstern: „I am a god. Within these eggsacks lives a monster race of spiders.

Etwas nützliches habe ich durch diesen Film jedoch gelernt:

Ist mein Raumschiff jemals unfähig, einen sich auf meine körperliche Gesundheit womöglich negativ auswirkenden Himmelkörper zu verlassen, so fliege ich es einfach durch ihn hindurch und all meine Probleme sind gelöst.