Wollmilchcast #82 – Die Filme von Quentin Tarantino, von Reservoir Dogs bis The Hateful Eight

Vor dem Kinostart von Once Upon a Time in Hollywood widmen wir uns in einem neuen Podcast Quentin Tarantinos Regiearbeiten von Reservoir Dogs (1992) bis The Hateful Eight (2015). Der neue Film Tarantinos spielt also keine Rolle, dafür blicken wir zurück auf seine Wandlung, die entscheidenden Phasen seiner Karriere und finden unterschiedliche Ansichten zu Filmen wie Pulp Fiction oder Kill Bill, zu Tarantinos ästhetischen Qualitäten und mehr. Über Once Upon a Time … wird es noch eine ausführliche Episode geben, doch zunächst fragen wir, was eine Tarantino-Rente nach seinem 9. oder 10. Film für uns bedeuten würde. Viel Spaß!

Shownotes:

  • 00:01:40 – Was macht Quentin Tarantino als Filmemacher aus?
    • Spoiler von Reservoir Dogs bis The Hateful Eight im ganzen Podcast!
  • 00:33:26 – Die drei Phasen der Karriere von Quentin Tarantino
  • 01:25:32 – Der Regisseur als Frührentner

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Wollmilchcast #64 – Alita: Battle Angel

Alita: Battle Angel

Ob Ghost in the Shell oder Ready Player One, Rollerball oder Elysium – die Liste der Filme ist lang, an die uns Alita: Battle Angel erinnert. Das gemeinsame Sci-Fi-Baby von Robert Rodriguez und James Cameron hat einige Verteidiger gefunden. Im Podcast zum Film gehen die Meinungen so weit auseinander wie lange nicht mehr. Warum Orangen und Schokotafeln die großen Stars des Films sind und was die Actionszenen des Films auszeichnet kommt dabei zur Sprache. Außerdem im Podcast: Der von Franchise-Müdigkeit geplagte The Lego Movie 2 und die erweiterte Fassung von Dominik Grafs Thriller Die Sieger, die auf der Berlinale vorgestellt wurde.

Shownotes:

  • 00:00:52 – Alita: Battle Angel (Spoiler!)
  • 00:43:45 – The Lego Movie 2 (Spoiler!)
  • 00:57:07 – Die Sieger (Director’s Cut) (1994)
  • 01:06:53 – Verabschiedung

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Wehe, wenn sie losgelassen – Django Unchained (USA 2012)

Nach dem Abspann werden drei Sklaven in einem Käfig zu sehen sein, die vollkommen perplex einem längst verschwundenen Reiter nachschauen und sich auf das eben Geschehene keinen Reim machen können. Sinnbildlich stehen sie für all die Menschen in Django Unchained, die Dinge sehen, die in ihre Welt einfach nicht zu passen scheinen. Zu Beginn tötet Django (Jamie Foxx) drei Plantagenaufseher unter den Augen verwunderter Sklaven und unter den verträumten Zweigen von wunderschönen Weiden. Wie aus einem Traum scheinen die Umstehenden aufzuwachen und ihre Möglichkeiten zu erkennen, die Welt nicht einfach nur hinzunehmen, wie sie sie kennen.

Vielleicht ist es dieses Bild, welches Django Unchained am besten zusammenfasst, denn es handelt sich um einen Film, der jedem freiwilligen Kinogänger in manchen Teilen der USA vor nicht mal 50 Jahren ein brennendes Kreuz vor der Haustür beschert hätte – bestenfalls. Während fast alle amerikanischen Western das Thema der Sklaverei ausblenden, legt Quentin Tarantino den Finger in eine Wunde. Eine Wunde die gerne unter den Tisch gekehrt wird, weil sie auch nach 150 Jahren seit offizieller Abschaffung der Sklaverei in den USA noch tief sitzt. Alleine die Debatte, dass zu oft das Wort „Nigger“ im Film falle, spricht Bände. Manch einer könnte wohl besser schlafen, wenn weiße Sklavenhalter im 19. Jahrhundert immer respektvoll Afroamerikaner gesagt hätten.

Tarantino gehört aber zu der Sorte, die quälende Geister der Vergangenheit (und Gegenwart) nicht verdrängen wollen, sondern der sie mit comichaft überzogener Gewalt und coolem, dreckigen Witz exorzieren möchte. Django Unchained ist so gesehen der letzte Teil einer Trilogie, in der er vorzugsweise kaukasischen Männern dafür Absolution verspricht, dass sie Teil der über Leichen gehenden männlichen, weißen Vorherrschaft des Westens sind. Konnte man(n) sich bei Death Proof noch an Frauen erfreuen, die einem Frauenmörder zusammenschlugen, so waren es bei Inglourious Basterds Juden, denen man bei der freudigen Abschlachtung von Nazis zusehen konnte. Nun ist es eben ein Afroamerikaner, der Sklavenhältern und –händlern vorführt und in einen brutalen, verdienten Tod schickt. Ich möchte niemanden, keiner Frau, keinem Juden und keinem Schwarzen ihren Spaß an den Filmen von Tarantino absprechen. Sie sind vieldimensional genug, dass sie jedem etwas bieten können. Aber aus Sicht dieser Reihe von Filmen ist klar, was Tarantino macht. Gelassen lässt er die mythisch überhöhten Bösewichte der Welt ihren genüsslich gefeierten Tod finden. Wenigstens in der Phantasie soll die Welt gerecht sein. Er gewährt sich und seinesgleichen (wozu ich mich wohl auch zählen muss) einen kunstvoll inszenierten Ablass. Und damit bewegt er mehr auf einem Weg zu einem offenen Dialog auf Augenhöhe, als alle Verbote unangenehme Dinge an- und auszusprechen.

Django wird von Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) „freigekauft“ und zu seinem Partner gemacht. Sie schließen einen Pakt. Hilft Django Schultz bei der Ergreifung dreier Ganoven, hilft der deutschstämmige Ex-Zahnarzt ihm bei der Befreiung seiner Verlobten. Einziges Problem ist Großplantagenbetreiber Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), der nicht daran interessiert ist, Broomhilda (Kerry Washington) gehen zu lassen. So simpel der Plot auch ist, so sehr schmückt ihn Tarantino aus. Manchmal ist zu spüren, dass er 10 Jahre an dem Drehbuch gearbeitet hat. So schlägt die Handlung mitunter orientierungslose Haken, die krampfhaft nach einem passenden Ende suchen und Django Unchained mitunter recht fahrig machen. Gleichzeitig ist Tarantino aber auch auf dem Höhepunkt seiner Dekadenz angelangt. Kein Einschub, kein Umweg scheint ihm zu weit, um nicht noch rassistische Südstaatler der Lächerlichkeit preiszugeben. Mit Eleganz und Selbstvertrauen baut er auch so überflüssige wie witzige Szenen ein, wie die Diskussion eines Ku-Klux-Klan-Mobs, der fast das Lynchen über das Rumgezicke über die Qualität der Kapuzen zu vergessen droht.

Wer also einen klassischen Italo-Western erwartet, wird enttäuscht werden. Es ist ein typisches Tarantino-Conversation-Piece mit Gewaltausbrüchen geworden, das häufig und gerne die Filmgeschichte zitiert. So prahlt Django, der auch eher an Terence Hill als an Franco Nero angelehnt scheint, vor seiner Geliebten mit seinen Reitkünsten, wie es schon ein anderer in Vier Fäuste für ein Hallelujah tat, nur das diesmal das Titellied von Die rechte und die linke Hand des Teufels läuft. Django Unchained gleicht so vielmehr einem Film wie Inglourious Basterds, auch wenn die Menschen diesmal etwas andere Hüte tragen. Aber wer braucht schon aufgewärmte Filmstile, wenn er einen Tarantino in Erzähllaune auf dem Weg in eine gerechte Welt haben kann?

Kontrapunkt: Vergessene Filme – TV in den 90ern

Bei einigem nostalgischen Stöbern in den unermesslichen Hallen meines Videoarchivs kam mir der Gedanke, eine Reihe mit „vergessenen Filmen“ zu starten. Nicht einmal 500 Menschen haben diese Produktionen in der IMDb bewertet, sie sind einem breiten Publikumskreis bisher nicht bekannt? Super, dann schaue ich sie mir an! Zunächst habe ich TV-Produktionen der 90er Jahre (wieder-)entdeckt.

Der Todesplanet – New Eden (USA 1994)

Stephen Baldwin gibt im 23. Jahrhundert als zu einer Haftstrafe verurteilter Ingenieur auf einem Wüstenplaneten den Öko-Messias und kämpft mit einem friedliebenden Völkchen nach moralischen Bedenken dann doch gegen brandschatzende und mordende „Sand-Piraten“. Tobin Bell, bekannt als Mastermind aus den „Saw“-Filmen, unterrichtet ihn vorher in der Kampfkunst und noch weiter vorher kriegt er die heißeste Ische im Trümmerdorf (Lisa Bonet) ab, deren Haar trotz permanentem Wassermangels und Übergriffen stets perfekt frisiert ist. In einer dürftigen Story werden viel „Dune“, ein bisschen „Mad Max“ und ein Hauch von „Star Wars“ (Söhnchen heißt schließlich Luke) zu einem unentschlossenem, aber immerhin leidlich unterhaltenden SciFi-Liebesdrama-Action-Brei gemixt, dessen Finale (ein Zweikampf!) leider mangels Budget ziemlich enttäuscht. Originell: die häufig eingesetzte Blockflöte beim angedeuteten Ethno-Score. Doch insgesamt regiert neben großartig schlechten Papier-Monologen wie „Tut es nicht, weil es moralisch ist. Tut es, weil es vernünftig ist!“ das Mittelmaß.

Night of the Running Man (USA 1995)

Las Vegas – die Stadt der zerplatzenden Träume: Taxifahrer Jerry (Andrew McCarthy) findet auf dem Rücksitz einen Koffer voller Geld. Der Dieb kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Dumm nur, dass es der eigentliche Besitzer zurückhaben möchte und der gewiefte Killer Eckhart (Scott Glenn) auf ihn angesetzt wird, der Jerry quer durch die USA verfolgt. Dieser virile Geselle wird treffend eingeführt mit einer Sex-Szene und einem Dialog mit einem alten Freund, bei dem Eckhart ihn zuerst fragt, wie es um sein Sexleben bestellt ist. Potenz ist ein zentrales Motiv bei dieser Hatz, da auch dem von der Pussy zum Mann mutierenden Jerry nach diversen Drangsalierungen nur mit Hilfe einer gerade kennengelernten und schon begatteten Krankenschwester die Flucht gelingt. Kein Wunder eigentlich, denn Mark L. Lester saß auf dem Regiestuhl, der ja schon in „Phantom-Kommando“ Action und die männliche Sexualität miteinander verband und verhandelte. Ein kleiner, spannender und handwerklich solider Actionthriller, der jedoch im Verlauf zunehmend mit einigen Konstruiertheiten und logischen Schwächen zu kämpfen hat und zwei auffällige Untersichten rätselhafter Bedeutung als auffälligstes Stilmittel in einer ansonsten konventionellen Inszenierung aufweist.

Das Finale (D 1998)

Während des DFB-Pokalfinals zwischen Hertha BSC und Hansa Rostock dringt eine Bande von Terroristen ins Berliner Olympiastadion ein, erbeutet die Ticketeinnahmen und verschanzt sich in der Überwachungszentrale. Einzig der Ex-Polizist und jetzige Chef der Sicherheitsfirma Tobias Bender kann da noch helfen. In dieser deutschen Antwort auf „Sudden Death“  gibt Francis Fulton-Smith den Möchtegern-Bruce Willis mit dem Charisma eines quietschgelben Auswärtstrikots. Der wie eh und je trockene und coole Christoph Waltz mit Rollennamen Kant spielt ihn als Ober-Bösewicht lässig an die Wand und Armin Rohde als der wohl schlechteste, da analysefreiste Fußball-Kommentator schlechthin, bleibt eine unnötige Witzfigur. Überraschende Wendungen, Archivaufnahmen eines echten Fußballspiels und eine zumindest gegen Ende ordentlich kleckernde Pyrotechnik sorgen in dieser stark auf amerikanische Vorbilder schielende ProSieben-Produktion trotz einiger tiefer Griffe in die Klischeekiste (traumatische Vergangenheit des Protagonisten, arg dick aufgetragene Love interest) für Abwechslung.

Inglourious Basterds (USA/D/F 2009)

„Die Ode an das Kino“ wird auch hier gern herangezogen, wenn alle anderen Worte zu versiegen beginnen, weshalb dieses Qualitätssiegel schnell Gefahr läuft, zur einfallslosen Platitüde zu verkommen. Doch wie soll man Quentin Tarantinos neuen Film anders umschreiben, wenn nicht mit diesen fünf Worten, die zumeist mehr von der Überwältigung des Kritikers berichten, als von den Eigenschaften des betreffenden Films. Inglourious Basterds ist leider ein Werk, mit dessen Genuss diese adrenalingeladene Überwältigung einhergeht, weshalb hier auf eine einfallsreiche Umschreibung verzichtet und erneut auf obiges Klischee zurückgegriffen wird: „Basterds“ ist nicht nur eine Ode an das Kino, er ist pures Kino.
Den Filmen des Ex-Videothekars – das scheint Konsens der meisten Rezensenten – liegt es nicht im Sinn, sich der Realität anzunähern. Tarantino dreht Filme über Genres, kreiert eigene Popkulturuniversen, schreibt ausschließlich in eben solchen stattfindende Dialoge, welche nicht von Menschen, sondern figurativen Skizzen vorgetragen werden. Seine Filme strotzen vor Gewalt, doch führt er keinen Diskurs über diese. Das Blut ist da, die abgetrennten Gliedmaßen, doch in wessen Hand auch immer sie liegt, die Gewalt bleibt meist ohne Ambivalenz. Wenn Vic Vega einem Polizisten ein Ohr abtrennt, dann ist das vielleicht schockierend, aber zu solchen Mitteln greifen soziopathische Anzugträger im „Reservoir Dogs“-Universum nun einmal. Schlachtet Beatrix Kiddo dutzende ihrer Gegner auf ihrem Weg zu Bill ab, ist es ein Zeichen ihrer Meisterschaft mit dem Schwert oder einfach so cool, wie es die Inszenierung verlangt. Tarantino fordert uns nicht auf, unser Sehverhalten zu hinterfragen, vielmehr ringt er Bewunderung ab, ein Oh und ein Ah und ein paar Lacher. Es ist jedoch stets die distanzierte Betrachtung eines virtuos gewebten Netzes der Referenzen und überraschenden Verzweigungen.

Ja, mit „Basterds“ hat er sich in den oben beschriebenen Punkten gewandelt. Nein, es ist ihm nicht plötzlich aufgegangen, dass er sein soziales Gewissen auf Zelluloid bannen muss. Inglourious Basterds ist kein Film über den Zweiten Weltkrieg und auch keiner über die Shoah. Hier soll daher nicht spekuliert werden, ob und inwiefern Tarantinos  oftmals unterstellte Annäherung an dieses dunkle Kapitel menschlicher Geschichte nun die richtige, mögliche oder schlichtweg falsche Darstellung der Ereignisse in sich trägt. „Basterds“ ist ganz offensichtlich eine Fiktion und zieht durch seine Natur höchstens die uns in Erinnerung gebliebenen Bilder anderer Darstellungen von Nazis, G.I.’s und Juden in anderen Filmen hervor. Wir gleichen ab und erkennen Unterschiede, sind zufrieden oder nicht. Zwar mag der Film eine Rachefantasie sein, die nur im Kontext des Wissens um das Grauen der tatsächlich geschehenen Verbrechen ihre volle Kraft entfaltet, doch es ist und bleibt eine Fantasie, in ihrem Kern enthoben jeglicher Verankerung in historischen Ereignissen abseits der Filmgeschichte. So bemüht sich Tarantino nicht, mit Hilfe unzähliger Quellen das Eigenschaften- und Manierismenbündel Hitler darzustellen, wie es andere Filme vor ihm getan haben. Vielmehr zeichnet Schauspieler Martin Wuttke, ebenso wie Sylvester Groth mit seinem Goebbels, eine lächerliche Karikatur einer Filminterpretation einer historischen Persönlichkeit namens Adolf Hitler. Ähnlich „grob“ arbeiten häufig Satiren, doch Tarantinos in „Basterds“ geschaffene Welt entbehrt ansonsten der ironischen oder auch nur kritischen Überzeichnung. Sein Europa vor der Kulisse des Zweiten Weltkriegs ist hingegen ein kinematografisch zusammengesetzter Märchenschauplatz. Da spazieren französische Bauern durch die Westernlandschaft eines John Ford, wird ausgerechnet ein Filmkritiker für einen Geheimauftrag ins Feindesland geschickt und David Bowies „Putting out Fire“ aus Paul Schraders „Cat People“ begleitet Racheengel und Kinobesitzerin Shosanna (eine Entdeckung: Mélanie Laurent) bei den Vorbereitungen zu ihrer tödlichen Mission. Häufig fehlen Verbindungsstellen einzelner Handlungsstationen, es ist eben nicht nötig, zu erklären, wie eine dem Tode entronnene Jüdin im besetzten Frankreich zu einem Lichtspielhaus kommt. In diesem Universum ist es denkbar, filmbar, machbar.

Keine Apologie des Werkes eines filmbegeisterten Jungen, der nur spielen will, soll das hier jedoch sein. Tarantino bringt mehr als nur ein Genre-Pastiche. Zugegeben, ein paar seiner eher überflüssigen Markenzeichen hat er auch hier untergebracht. Das Hugo Stieglitz-Zwischenspiel sticht beispielsweise im falschen Moment äußerst unangenehm hervor. Was in seinen anderen Filmen aber clever ist, erscheint in „Basterds“ plötzlich schlau. Todernst ist die in fünf Kapitel unterteilte Geschichte trotz aller Lacher, welche überdimensionierte Pfeifen und hysterische Bingos hervorrufen. Über Christoph Waltz und seinen Hans Landa wurde viel geschrieben. Soviel sei gesagt: Er ist so brillant, wie die Vorschusslorbeeren es verheißen, doch wird seine Leistung keinesfalls von diesen erdrückt. Der SS-Mann Landa ist wohl zum einen Tarantinos größte Schöpfung, auf der anderen Seite aber die Personifizierung des gesamten Films. Ein Mann, der genüsslich und ein bisschen ulkig übertrieben seinen Strudel mampft, um dann lieblos seine Zigarette darin zu versenken. Einer, der im selben Atemzug mit Worten betört und bedroht. „Basterds“ ist schließlich kein cooler Actionfilm und das nicht nur auf Grund der zahlreichen Verhörsituationen, welche Tarantinos Sunspense-Qualitäten in Wort wie Bild zum Vorschein bringen. Vollzogen wird die Rache, wird das groß angekündigte „Nazis töten“ in einem ambivalenten Gewand. Für die von Aldo Raine (Brad Pitt) angeführten Basterds sind alle deutschen Soldaten Schergen Hitlers, würdig einzig der Bestrafung. Anders wäre ihr brutaler Schlachtzug kaum zu begründen. Aber wenn Tarantino sie nicht darzustellen versucht, so weiß er doch, dass sie existiert, die Wirklichkeit.

Deshalb ist die Rache der Basterds kein Spaß, deshalb zeigt er die Skalpierungen, die hemmungslos orgiastischen Bleigewitter, die Verstümmlungen, die ohne Rücksicht auf Schuld oder Unschuld der Opfer vor sich gehen. Deshalb macht er keine Gefangenen. Inglourious Basterds preist die Macht der Fiktion, die Macht der Bilder, ist Kino durch und durch. Gereift, wie der Regisseur und Autor nunmehr ist, führt die Blutspur der Basterds durch Frankreich bis ins Fegefeuer eines Pariser Kinos, in dem der Jubel des Publikums alsbald von unserem abgelöst wird, um schlussendlich im Schock zu ersterben. Das sich rächende Riesengesicht, es schaut auch auf uns.