Kontrapunkt: Über Listen

Ja, eigentlich hatte ich nicht vor, auf den Zug aufzuspringen, da das am Ende eines Kinojahres jeder tut und die Deutsche Bahn dann wegen Überladung wieder Unglücke zu vermelden hat. Aber egal, ich bin wankelmütig, was das angeht und auch ich will mal wieder total subjektiv 10 Zahlen untereinander schreiben. Und da the gaffer mir mit der „Bestenliste 2008″ schon den undankbarsten Job abnahm, werde ich jetzt dem dankbarsten nachgehen und so richtig schön meckern.

Hier also das Pendant:

Meine Top Ten-Liste der schlechtesten Filme 2008.

10. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (USA 2008)

Indiana Jones kämpft gegen Aliens. Das sagt eigentlich schon genug zum Verrat an der etablierten Film-Reihe, der hier passiert ist. Und Steven Spielberg kann noch so lange sagen, dass sein postmoderner Indy ein Zugeständnis an die Science-Fiction-Filme der 50er Jahre ist.

Meine Ausführungen zum Film findet man hier.

09. Der unglaubliche Hulk (USA 2008)

Keine Ahnung, warum alle Ang Lees Hulk von 2003 als so scheiße beurteilten. Ich fand Eric Bana seinerzeit in der Titelrolle als grünes Monster irgendwie glaubwürdiger als den stets harmlos wirkenden Edward Norton. Bezogen ist dieser 9. Platz übrigens in erster Linie auf die mies zusammen geschnippelte Kinofassung, die so echt nicht geht/ging.

08. Get Smart (USA 2008)

Der Steve Carrell-Film hat nur einen Pluspunkt: Steve Carrell. Ansonsten haben anscheinend kaum Leute gemerkt, dass es sich bei dieser Agentenfilmparodie um ein dümmliches, seelenloses Wiederaufbereiten der Kultserie aus den 60er Jahren mit einer hanebüchen konstruierten Story und omplett überkonstruierten Actionsequenzen handelt.

07. Shutter – Sie sehen dich (USA 2008)

Hollywood drehte mal wieder ein Remake eines Geisterfilms aus Fernost. Das ist mittlerweile eigentlich nicht mehr der Erwähnung wert – nur wenn es schlecht ausfällt.

So wie hier, als ein Fotograf (schlecht gespielt von Joshua Jackson) von einem Geist verfolgt wird. Unter anderem am Nacken… nun ja.

06. Wanted (USA/D 2008)

Ich mag diese seltsame Videoclip-schnell-schnell-düster-weils-geil-aussieht-Inszenierung von Timur Bekmambetov, für mich einer der meistüberschätzten Hollywoodimport-Regisseure der letzten Jahre, schlicht und einfach nicht. Warum? Weil schon die Wächter-Filme keine sinnvolle Handlung dazu aufwiesen und mich auch Angelina Jolies entblößter Arsch und die mäßigen Effekte nicht davon ablenken konnten. Weiteres dazu hier.

05. Jumper (USA 2008)

Auch fähige Leute wie Doug Liman (“Mr. & Mrs. Smith”, “Die Bourne-Identität”) drehen einmal Crap wie diesen. Die blödsinnige Handlung um Teleportation usw. wird von Nebendarsteller Jamie Bell solide getragen, nicht jedoch von den öfter präsenten Hayden Christensen und Samuel L. Jackson, die bei ihrer Reise von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit der Welt mal besser bei ihren Laserschwertern geblieben wären.

04. Ich weiß, wer mich getötet hat (USA 2007)

Lindsay Lohan ist über ein Jahr jünger als ich und hat schon ein paar mehr Höhe- und viel mehr Tiefpunkte inklusive Drogensumpf durchlebt als ich. Dieser Film, 8-facher Abräumer bei der Verleihung der „Goldenen Himbeere” 2008, gehört zweifelsohne auch in letztere Kategorie, wenn sie in einem hirnrissigen Plot um eineiige Zwillinge und einen ultrabrutalen Serienkiller der Gliedmaßen amputiert, erneut beweist, dass sie keine wirklich gute Schauspielerin ist.

03. Superhero Movie (USA 2008)

Ein Film, an den ich mich gerade nicht mehr wirklich erinnern kann. Aber Fakt ist: Ich war zu dieser Superheldenfilm-Parodie, die sich eher grob als subtil an der Story von “Spider-Man” orientiert, im Kino! Leslie Nielsen ist neben “Star Trek”-Data Brent Spiner einer der wenigen bekannten Namen im Cast und zeigt, dass er auch immer noch hin und wieder lustig sein kann. Zum Beispiel, wenn sein eher kleinerer Auftritt als komischer Onkel endlich vorüber ist.

02. Meine Frau, die Spartaner und ich (USA 2008)

… oder: „Wie parodiere ich in 62 Minuten Filmlaufzeit sämtliche Blockbuster des vergangenen Jahres auf extrem dümmlichem Wege”. Ja, der Schmu ist nach 62 Minuten vorbei, dann folgt noch ein Gag-Best Of, dass noch einmal die besten Gags des Films variiert: also zwei oder drei. Ja, man lacht darüber, aber nur, weil es so dumm ist. Ja, “300” liefert reichlich Verarsche-Potenzial, das hier aber nicht genutzt wird. Nein, ich höre jetzt auf mit „Ja, …” und verweise auf meine weiter ausufernden Ergüsse zum Film.

01. Saw IV (USA 2007)

Systematischer Verkauf der Intelligenz des Kinozuschauers, erste Runde. Bis “Saw III” waren die Morde des dahinsiechen Jigsaw wenigstens noch logisch, aber ab hier soll der geneigte Zuschauer mit einer endgültig extrem verärgernden Pointe zum Konsum vom bald anlaufenden Saw V animiert werden. Selten so einen extrem misanthropischen Dreck im Kino gesehen und selten einen Film, der so deutlich beim miesesten Filmmüll des Jahres vorne lag! Hier die ausführliche Kritik zum filmischen Untergang des Abendlandes.


Im “Verfolgerfeld”:

“Der rote Baron”
“The Eye” sowie
“Eagle Eye – Außer Kontrolle”
Noch ein paar Hinweise zur Liste: Sie bezieht sich nur auf die Filme, die 2008 einen deutschen Kinostart hatten und die ich selbst im Kino gesehen habe. Folgende potenzielle „Perlen” sind mir dabei leider (?) entgangen:

“Die wilden Kerle 5”
“Speed Racer”
“Prom Night”
“The Happening”
“Far Cry”

(Zumindest letzteren hätte ich gern im Kino gesehen, doch er kam in Jena leider nicht.)

Soviel dazu. Ich betone: Ein Teil der Filme lief in einer Sneak Preview, die ich bis Mitte vergangenen Jahres noch besuchen konnte, weswegen ich in den „Genuss” der Filme kam. Nicht dass jemand außer the gaffer noch auf den abwegigen Gedanken kommt, ich würde mein Geld freiwillig für irgendwelchen Crap ausgeben…

Übrigens: Gesundes Neues noch!

Der unglaubliche Hulk [FSK 12] (USA 2008)

Sicher, man kann eine herkömmliche Kritik über den aktuellen Leinwandauftritt des grünen Monsters schreiben. Nach den unvermeidlichen zwei oder drei Sätzen zum Inhalt, ginge es dann um die Fehlbesetzung, die Liv Tyler in der Rolle einer Wissenschaftlerin darstellt. Daran anknüpfend könnte man darüber sinnieren, dass Jennifer Connelly in Ang Lees Version nicht nur intelligenter, sondern auch stärker gewirkt hatte als eine Betty Ross, die nicht nur durch ihre Liebe zum Helden definiert wird.

Dann würde man wahrscheinlich zum Held selbst kommen, dessen Darsteller Edward Norton zwar nicht fehl am Platz ist, der aber größtenteils zuviel leidet, um wirklich für Unterhaltung zu sorgen. Diesem Argumentationsstrang folgend, würde nach einer schwerfälligen Überleitung ausgeführt werden, dass die Problematik unterdrückter Aggressionen, welche das (oliv-)grüne Monster eigentlich verkörpert, ausgehöhlt wird durch die Reduktion der Gründe für die Verwandlung auf einen steigenden Puls.

Das alles ist natürlich hoch interessant, doch die Existenzberechtigung einer solchen Kritik wird an dieser Stelle in Frage gestellt, wenn das Filmerlebnis durch die Willkür des Verleihs (Concorde, Asche auf dein Haupt!) ruiniert wird. Eine Kritik zum ebenfalls geschnittenen Iron Man war noch möglich gewesen, da die Schnitte mir nicht mal aufgefallen waren. Die Unglaublichkeit des Kinoerlebnisses Hulk besteht jedoch im Grade der Beleidigung eines jeden mit einem Sehsinn gesegneten Zuschauers.

Nachdem dieser das rasante, an die Bourne-Trilogie erinnernde erste Drittel in den Favelas Brasiliens gegen einen zähen, langweiligen Mittelteil eintauschen muss, bleibt nur noch das “großes grünes Monster kämpft gegen hässliches braunes Monster”- Finale, um den Film zu retten.

Doch nichts da! Ungeachtet überflüssiger Worte wie Spannung oder Continuity wurde der Climax des Films dermaßen massakriert, dass man glaubt, er habe seine Ferien in einer slowakischen Jugendherberge verbracht. Als hätte der verantwortliche Concorde-Schnittmeister das Hackebeil genommen und die angesammelte Wut über sein 200€ -Praktikum am Film ausgelassen.

Vielleicht wollte er auch nur in die Fußstapfen Jean-Luc Godards treten. Wie sonst sind all die Jump Cuts zu erklären? Der Hulk nimmt eine Kette in die Hand, im nächsten Moment würgt er seinen Gegner. Wie er dorthin gekommen ist, muss der Zuschauer sich dazu denken. Hat er eben Pech gehabt.

Da die Orientierung der Concorde-Mitarbeiter wohl eher zum Kommerz, nicht zur Avantgarde, neigt, muss man die Schnitte am ganz und gar nicht Unglaublichen Hulk schlicht als das ansehen, was sie sind: Ein kläglicher Versuch, die Kinokassen durch eine niedrige Altersfreigabe klingeln zu lassen. Nicht nur ist dies eine offenkundige Missachtung der Intelligenz der zahlenden Zuschauer, sondern ein Schlag ins Gesicht all derer, die den Kinobesuch als einzig wahres Filmerlebnis anpreisen.

Zugegeben, man ist selbst schuld, gibt man wissentlich Geld für einen geschnittenen Film aus. Und dennoch, der Hulk hat in der ersten Woche nur 100.000 Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt. Angesichts dieser kommerziellen Enttäuschung, kann the gaffer nur noch die weisen Worte des unvergleichlich eloquenteren Nelson M. zitieren und aus vollem Herzen sagen: HA! HA!

Achja, und Ang Lees Hulk war sowieso viel besser…


Zum Weiterlesen:

Was the gaffer über den wesentlich besseren Iron Man zu sagen hat.

Ein Artikel über den geschnittenen Hulk bei CineKie, der u.a. Kinos auflistet, welche die 16er Fassung zeigen.