Der unglaubliche Hulk [FSK 12] (USA 2008)

Sicher, man kann eine herkömmliche Kritik über den aktuellen Leinwandauftritt des grünen Monsters schreiben. Nach den unvermeidlichen zwei oder drei Sätzen zum Inhalt, ginge es dann um die Fehlbesetzung, die Liv Tyler in der Rolle einer Wissenschaftlerin darstellt. Daran anknüpfend könnte man darüber sinnieren, dass Jennifer Connelly in Ang Lees Version nicht nur intelligenter, sondern auch stärker gewirkt hatte als eine Betty Ross, die nicht nur durch ihre Liebe zum Helden definiert wird.

Dann würde man wahrscheinlich zum Held selbst kommen, dessen Darsteller Edward Norton zwar nicht fehl am Platz ist, der aber größtenteils zuviel leidet, um wirklich für Unterhaltung zu sorgen. Diesem Argumentationsstrang folgend, würde nach einer schwerfälligen Überleitung ausgeführt werden, dass die Problematik unterdrückter Aggressionen, welche das (oliv-)grüne Monster eigentlich verkörpert, ausgehöhlt wird durch die Reduktion der Gründe für die Verwandlung auf einen steigenden Puls.

Das alles ist natürlich hoch interessant, doch die Existenzberechtigung einer solchen Kritik wird an dieser Stelle in Frage gestellt, wenn das Filmerlebnis durch die Willkür des Verleihs (Concorde, Asche auf dein Haupt!) ruiniert wird. Eine Kritik zum ebenfalls geschnittenen Iron Man war noch möglich gewesen, da die Schnitte mir nicht mal aufgefallen waren. Die Unglaublichkeit des Kinoerlebnisses Hulk besteht jedoch im Grade der Beleidigung eines jeden mit einem Sehsinn gesegneten Zuschauers.

Nachdem dieser das rasante, an die Bourne-Trilogie erinnernde erste Drittel in den Favelas Brasiliens gegen einen zähen, langweiligen Mittelteil eintauschen muss, bleibt nur noch das „großes grünes Monster kämpft gegen hässliches braunes Monster“- Finale, um den Film zu retten.

Doch nichts da! Ungeachtet überflüssiger Worte wie Spannung oder Continuity wurde der Climax des Films dermaßen massakriert, dass man glaubt, er habe seine Ferien in einer slowakischen Jugendherberge verbracht. Als hätte der verantwortliche Concorde-Schnittmeister das Hackebeil genommen und die angesammelte Wut über sein 200€ -Praktikum am Film ausgelassen.

Vielleicht wollte er auch nur in die Fußstapfen Jean-Luc Godards treten. Wie sonst sind all die Jump Cuts zu erklären? Der Hulk nimmt eine Kette in die Hand, im nächsten Moment würgt er seinen Gegner. Wie er dorthin gekommen ist, muss der Zuschauer sich dazu denken. Hat er eben Pech gehabt.

Da die Orientierung der Concorde-Mitarbeiter wohl eher zum Kommerz, nicht zur Avantgarde, neigt, muss man die Schnitte am ganz und gar nicht Unglaublichen Hulk schlicht als das ansehen, was sie sind: Ein kläglicher Versuch, die Kinokassen durch eine niedrige Altersfreigabe klingeln zu lassen. Nicht nur ist dies eine offenkundige Missachtung der Intelligenz der zahlenden Zuschauer, sondern ein Schlag ins Gesicht all derer, die den Kinobesuch als einzig wahres Filmerlebnis anpreisen.

Zugegeben, man ist selbst schuld, gibt man wissentlich Geld für einen geschnittenen Film aus. Und dennoch, der Hulk hat in der ersten Woche nur 100.000 Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt. Angesichts dieser kommerziellen Enttäuschung, kann the gaffer nur noch die weisen Worte des unvergleichlich eloquenteren Nelson M. zitieren und aus vollem Herzen sagen: HA! HA!

Achja, und Ang Lees Hulk war sowieso viel besser…


Zum Weiterlesen:

Was the gaffer über den wesentlich besseren Iron Man zu sagen hat.

Ein Artikel über den geschnittenen Hulk bei CineKie, der u.a. Kinos auflistet, welche die 16er Fassung zeigen.

6 Antworten auf „Der unglaubliche Hulk [FSK 12] (USA 2008)“

  1. Ich mal wieder!

    Erst einmal kann ich dir nur beipflichten: Deutsche Praktikanten werden unterbezahlt und frustriert, was du süffisant mit einem Querverweis auf „Hostel“ untermalst. Wie meist kann ich dir auch dieses Mal zustimmen, allerdings (mal wieder) ein paar Dinge, die mich an deiner Kritik gestört haben:
    1.) Das Erwähnen deiner eigenen Person (?) als „the gaffer“ erinnert in der 3. Person Singulär augenfällig an Lothar Matthäus, was jegliche ernsthaften Intentionen von dir konterkariert. Also bitte austauschen.
    2.) Und was in deinem letzten Absatz passiert ist mit dem Satzbau (da scheint irgendetwas schief gelaufen zu sein, zudem ist es unglücklich im Ausdruck, zweimal „angesichts“ zu verwenden. War da auch der Concorde-Praktikant am Werk? ;-P
    3.) War in selbigem Absatz eine Referenz an „Die Simpsons“ zu erkennen? Originell, muss man dir lassen (ich kann in keinster Weise nachvollziehen, wie man in dem Kontext darauf kommen kann…)

    Bei der Avantgarde-Geschichte kommst du meiner Meinung nach etwas zu weit vom Thema und vom gegenstand deiner Kritik ab (in der du aber ja bewusst das Geschnippel breit ausgewalzt thematisierst). Dazu fällt mir aber dann ab einem bestimmten Punkt nur noch das Wort „prätenziös“ ein. Apropos: Hab mir gestern mal aus der THULb „Sans Soleil“ und „La jetée“ von Chris Marker ausgeliehen…

  2. (1)da diese „Kritik“ keine ernsthafteren Intentionen verfolgt, sondern die rein subjektive Verlautbarung des angewachsenen Ärgers darstellt, werde ich das gafferlein nicht austauschen. Der obige Text kann ja kaum anhand der Kriterien einer seriösen Kritik beurteilt werden, schließlich ist er schlicht ein polemischer Blogeintrag. Abgesehen davon bin ich hier der Boss und kann schreiben, was ich will! ;)
    (2)Danke für den Hinweis! Wird korrigiert.
    (3)Tja, 15 Jahre Simpsons-Konsum zahlen sich auf Dauer eben aus! ;)
    bzgl. des Avantgarde-Verweises: Noch einmal, das da oben ist keine Kritik, sondern eine Ausgeburt des Ärgers über den zerschnippelten Film. Daher der kleine Exkurs.

    Wenn du die DVD hast, denkst du an den von mir geäußerten Wunsch hinsichtlich einer, äh, privaten Kopie der beiden Filme?

  3. Hallo Jenny!

    Das macht irgendwie Spaß mit dieser Sache wie von wegen „zu 1.)“ (erinnert mich nämlich an Schule), weswegen ich damit jetzt mal weitermache:
    1.) Jaja, du bist der Boss. Allerdings solltest du die ganze Sache mit Erwähnung des Selbst und obskuren Verweisen auf „Simpsons“ nicht allzu oft auf andere Kritiken zu Filmen ausweiten, die dir nicht gefallen haben. Ich glaube nämlich, wenn du das in der OFDb machen würdest, wärst du schnell unten durch… aber Moment mal: Ich vergaß kurz meinen ersten Satz nach 1.) – sorry. Auf 3.) muss ich ja dann nicht mehr eingehen, nur noch so viel: Wie es der Zufall so will, habe ich meine Privatkopie heute zufällig mitgenommen nach Jena (mein Vater hat noch eine 2. angefertigt [bei der allerdings unsicher ist, ob die läuft] aber ich habe deine Antwort gerade eben erst gelesen, sorry…). Also geb ich dir gern mal… Morgen beim Bolzen? :-)

    2.) Hast du ja korrigiert. THX

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