Wollmilchcast #81 – Fast & Furious: Hobbs & Shaw und die Zukunft des Franchise

La Familia steckt in der Krise. Hinter den Kulissen geht ein Bruch durch die Fast & Furious-Reihe, können Vin Diesel und Dwayne Johnson offenbar nicht mehr am selben Set arbeiten. Nun läuft der erste Spin-off der Reihe in den deutschen Kinos. Mit Fast & Furious: Hobbs & Shaw spalten sich The Rock und Jason Statham von der Hauptreihe ab und treten zusammen mit Vanessa Kirby gegen Idris „Black Superman“ Elba an. Inszeniert wird der filmische Seitensprung von David Leitch (Atomic Blonde). Was bleibt von Fast & Furious, wenn man Vin Diesel subtrahiert, wie wird das essenzielle Motiv der Reihe, die Familie, im Spin-off verhandelt und was verrät uns Hobbs & Shaw über die Zukunft einer der letzten Franchise-Bastionen gegen die Disney-Allmacht? Im Podcast sprechen wir darüber. Viel Spaß!

Shownotes:

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Wollmilchcast #48 – The Meg mit Jason Statham

Das Mädchen und der Hai

Wurde Jason Statham fürs Schauspiel im nassen Medium geboren und haben wir es in dem Hai-Blockbuster The Meg bzw. Meg mit Chinese-Baiting zu tun? Das besprechen Matthias von Das Filmfeuilleton und ich im neuen Wollmilchcast. Besonderen Wert legen wir dabei auf die Vita von Hauptdarsteller Statham. Außerdem stellt Matthias den Sundance-Erfolg Thoroughbreds aka Vollblüter mit Anya Taylor-Joy und Olivia Cooke vor und ich wage mich schwachen Herzens an Frank Borzages cinecardiologisches TNT namens History Is Made At Night, in dem sich Charles Boyer als bester Oberkellner der Welt (!) in Jean Arthur verliebt. Kann passieren.
Shownotes:

Hört euch die Wollmilchcast-Folge an:


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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)
Copyright Titelbild: Warner Bros.

Sly, Stath und alle, die wir kennen

Aus Gründen, die für das Fortbestehen der Menschheit unerheblich sind, konnte ich die dreiminütige Promo für Sylvester Stallones The Expendables zwar noch nicht mit Ton sehen. Aber an der Vorfreude auf den Allstar-B-Movie-Action-Reisser ändert das wenig. Am 2. September 2010 werden wir neben Stallone Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Mickey Rourke, Bruce Willis und viele andere im Kino bewundern dürfen, sofern die Leinwände dieser Welt im Stande sind, soviel Testosteron ertragen zu können, ohne vor Scham in sich zusammen zu fallen. Die Promo gibt’s unten zu sehen oder aber bei The Playlist und Twitch.

Bis zum Kinostart kann man sich die Zeit ja damit vertreiben, Tipps für den höchstwahrscheinlich depperten deutschen Titel des Films abzugeben.

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Kontrapunkt: Martialisch

Im Duden steht zu martialisch: „(bildungsspr.): kriegerisch, Furcht einflößend, grimmig“. Also nix für Pussies, die kommenden Filme, sondern nur für die ganz Harten, die auch die Arschlöcher ficken, da die sonst auf Alles scheißen, ne? Hat jemand den entsprechenden Film gesehen, aus dem ich frei zitiert habe? Nee? Auch gut.

Fight Club (USA/D 1999)

Ein Film, der schon totrezensiert und –interpretiert wurde, aber dennoch immer wieder Spaß macht. Kritik an der modernen Lifestylegesellschaft und Konsum wurden selten so dreckig serviert wie hier, als ein namenloser Schreibtischsklave (Edward Norton) sich aufmacht, den Kapitalismus und dessen pervertiertes Menschen- und Männlichkeitsideal mit der Gründung einer Untergrundorganisation subversiv zu Grabe zu tragen. Spätestens, wenn man mehr als vier Monologe von Tyler Durden mitsprechen kann, sollte man sich übrigens evtl. mal von einem Psychologen auf Depressionen oder Schizophrenie untersuchen lassen.

In diesem Sinne (eher frei): „Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute.“ – „Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist der spirituelle. Unsere große Depression ist unser Leben.“ – „Die erste Regel des Fight Club lautet…“… Aua… Lass das… Ja, du… Du auch… Mann!

Die Jugger – Kampf der Besten (AUS/USA 1989)

Jugger ist eine Sportart, die Rugby-Elemente mit Nahkampf verbindet. Im postapokalyptischen 23. Jahrhundert zieht Sallow (Rutger Hauer) mit einigen Kameraden durch die kargen Landschaften, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdingen. Denn den Gewinnern eines jeden brutalen Jugger-Spiels, wo Platzwunden und Knochenbrüchen noch zu den harmloseren Dingen gehören, die einem beim Einsatz von zahlreichen metallischen und hölzernen Hieb- und Stichwerkzeugen sowie purer Muskelkraft zustoßen können, winken Sex, Alkohol und Geld. Der Traum eines jeden Spielers ist es, in die „rote Stadt“ unter die Erde vorzudringen, wo professionelle Jugger in Saus und Braus leben, doch bis dahin ist es ein langer Weg.

Reich an Action, teilweise etwas zu platt, aber mit gelungener Endzeit-Atmosphäre vermag „Die Jugger“ dabei fast als Ode an die männliche Ehre und Freundschaft durchzugehen, da es dem Film gelingt, auch in seinen ruhigen Momenten nie peinlich oder unfreiwillig komisch zu wirken. Da verzeiht man die arg eindimensionalen Charakterzeichnungen (abgehalfterter Held, aufstrebender Neuling etc.) nach Schema F und einige Brutalitäten auch gern.

Crank (GB/USA 2006)

Ein ziemlich dynamischer 85-minütiger Brutalo-Videoclip, der so durchgeknallt ist, dass man über Logiklöcher und ein gewisses Maß an Frauenfeindlichkeit (Amy Smart ist schon eine Süße, obwohl sie das Dummchen spielt, das auf offener Straße von Jason penetriert wird) gar nicht nachdenkt. Untertitel werden eingesetzt, kehren sich verkehrt herum, Split Screens, eine Eröffnung des Films mit subjektivem Point of View, ungewöhnliche Kamerapositionen: für Filmanalysten ein inszenatorisch sehr interessantes und explosives Action-Bonbon in einem.

Der simple wie absurde Vorwand, Jason Statham als Gangster Chev Chelios angelegt an ein Computerspiel der Marke „GTA“ auf einen den gesamten Film dauernden Rachefeldzug für seine Vergiftung zu schicken, der er mit Adrenalinstößen begegnen muss, reicht aus, um viele Stunts, Crashs und Shoot-Outs aneinander zu reihen. Nicht gehaltvoll, aber schnell und laut. Chuck Norris schaut seit dem Kinostart dieses Films jedenfalls vorm Schlafengehen immer unters Bett, ob nicht die garstige Bulldogge Jason Statham drunter ist.

Crank 2: High Voltage (USA 2009)

„Crank 2“ ringt den drei Buchstaben O-M-G ganz neue Bedeutungen ab. Man könnte glatt sagen, dass das Sequel von Neveldine/Taylor so etwas wie der ultimative OMG-Film ist, zumindest im Bereich der Multiplex-Verwertung. Eine differenziertere Reaktion, die über „Oh mein Gott!“ oder ähnliche Ausstöße hinaus geht, konnte der Film zumindest mir als „Crank“-Neuling nicht entlocken. Und das ist vielleicht auch gut so.

Denkt man nämlich zuviel über die neuen Eskapaden des Chev Chelios (Jason Statham) nach, so würde einem zwangsläufig die Frauenfeindlichkeit – „latent“ ist hier das falsche Wort – und der seltsame Ansatz, einen white anglo-saxon male auf sämtliche in den USA zu findende Minderheiten loszulassen, auffallen. Crank 2: High Voltage kommt schließlich eher wie eine Parodie auf all die Stereotypen des Action-A- und B-Films daher, nur werden diese hier eben auf eine geradezu unerträgliche Spitze getrieben. Gibt man sich mit diesem „Interpretationsweg“  zufrieden, so wird der Film womöglich gerade so ein akzeptabler Spaß.

Ist das Gehirn also auf Standby gestellt, erfreuen Neveldine/Taylor mit einem politisch höchst unkorrekten Jump ’n‘ Run-Film, der die offensichtliche intermediale Inspiration auch visuell umzusetzen weiß. Unkonventionell ist die Variation von Point of View-Shots, extremen Kamerawinkeln und manischen Schnitten, aber nicht desorientierend. Crank 2 ist ein Actionfilm, der ohne die konsequente Videospielästhetik und der scheinbar angeborenen B-Film-Ironie des Jason Statham nur eine unansehnliche Ansammlung von Geschmacklosigkeiten wäre. Wie anders soll man es auch bezeichnen, wenn Chev und seine Liebste (in unterschiedlichen Stadien von Nacktheit: Amy Smart) freudig auf einer Rennbahn vor Tausenden von Zuschauern kopulieren oder die dauer-nervende Bai Ling recht unfreiwillig Feuer fängt? Überhaupt wirkt die ausufernde Gewalt, die diversen Frauen im Film angetan wird wie der perverse Traum eines buckligen, misogynistischen Stubenhockers. Doch wo war gleich nochmal der Standby-Knopf? Ach hier.

Das Unterhaltungspotential beschränkt sich jedoch all zu stark auf die Zurschaustellung von allerhand Extremsituationen. An sich komisch sind diese Momente nämlich eher selten, so etwa im Falle des Ganzkörper-Tourette-Sidekicks. Vielmehr regt die Suche Chevs nach seinem geklauten Herzen (da war er auch schon, der Inhalt) die meiste Zeit zum Kopfschütteln an. D.h. man kann in diesem Fall wohl zwei Sorten Zuschauer unterscheiden: Die, welche kopfschüttelnd und berechtigterweise angewidert den Saal verlassen und die, die kopfschüttelnd in ihren Sesseln verbleiben, alles nicht so ernst nehmen und über die Schocks lachen. Da ich zu letzteren gehört habe, ist es mir unmöglich, hier einen knallharten Verriss zu schreiben, der all die oben erwähnten Kritikpunkte seziert und mit wütenden Ausrufezeichen darlegt.

Crank 2: High Voltage ist also ein innovativ inszenierter Film, von dem so mancher amerkanischer Actioner rein visuell gesehen etwas lernen könnte. Für Fans von The Stath ist er außerdem nicht nur hinsichtlich der Action das, was „Death Race“ sein wollte, aber nicht war. Während ähnlich auf die Zerstörung des Körpers bedachte Gewaltpornos wie die „Saw“- oder „Hostel“-Reihen auf Grund ihrer übertriebenen Ernsthaftigkeit eine harte Kritik ihrer Subtexte verdient haben, kann und will ich eine filmische Hyperbel wie „Crank 2“  nicht damit abwatschen. Dazu hat der Film mich zu gut unterhalten. „Crank 2“ ist nämlich mal ‚was anderes‘.