Kontrapunkt: Flop Five 2012

Das Jahresende naht und nach der ganzen Besinnlichkeit in den letzten Tagen erinnert man sich des Kontrastprogramms. Besonders im Gedächtnis bleiben dabei schlechte Kinofilme, von denen man mal wieder viel zu wenig gesehen hat. Leider. Oder: zum Glück? Wie dem auch sei, wer zu faul ist zum Lesen, bekommt eine Kurz-Zusammenfassung.

Platz 5: Wir kaufen einen Zoo (USA 2011) – Familien-Kitsch mit fettem Matt Damon zum Abgewöhnen

Ja, Schicksalsschläge können echt schlimm sein. Da stirbt die Frau, der sich sorgende Familienvater Banjamin (Matt Damon) sucht nach einem Neuanfang – und kauft einen Zoo. Soweit zur Handlung. Natürlich gibt’s noch ne schnuckelige Tierpflegerin (Scarlett Johansson) – die Romanze zwischen Pummelchen Määäät Deeeeemen und ihr bleibt uns jedoch erspart. Nicht so jedoch alle anderen Zutaten des Alles-wird-gut-Kitschs, bei dem selbst ein Unwetter, die harten Auflagen eines Prüfers und Finanzierungsprobleme nicht davon abhalten, dass die Anwohner prompt den aufgemotzten Tierpark frequentieren. Regisseur Cameron Crowe hat mit „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (1996) bewiesen, dass er die Unwägbarkeiten eines Lebens in eine überzeugende Story übersetzen kann, die selbst Tom Cruise menschliche Züge abringt. In dem tränenziehenden Melodram „Wir kaufen einen Zoo“ sucht man dies fernab kalkulierter Kulleraugen und dramaturgischen Stereotypen vergeblich. Weitere Details von mir auf MovieMaze.de.

Platz 4: Resident Evil: Retribution (D/CDN 2012) – Bernd Eichingers Rache aus dem Jenseits

Der fünfte Teil der Reihe ist der teuerste (Budget: 65 Mio. Dollar) und gleichzeitig der uninspirierteste. So muss sich die gegen das gefährliche T-Virus resistente Alice (Milla Jovovich) hier gegen die Schergen der Umbrella Corporation erwehren – dieses Mal in einem Unterwasser-Labor in Kamtschatka (!), wo sie ohne Erinnerung aufwacht (Wie sie dahin kommt? Who cares!). Zusammen mit einem Stoßtrupp zu ihrer Rettung muss sie sich den Weg durch Nachbildungen verschiedener Städte wie Moskau und Tokio freiprügeln und -ballern, geschaffen als Testareal für Bio-Waffen. Das Effektgewitter kann sich sehen lassen, die Logik weniger, wenn die Retter im tiefstem Winter und meterhohem Schnee im Muskelshirt anrücken oder Alice ganz Ripley-like ein geklontes, verschlepptes Kind trotz Zeitnot vor einem bösen Monster rettet, die in der Inflation ihres Auftretens auf Dauer ebenso ermüden wie dümmliche Seiltricks und schnell geschnittene, schlecht choreografierte Fights. Videogame-Filmer Paul W.S. Anderson sollte Timing endlich mal im Filmhandbuch nachschlagen.

Platz 3: Black Gold (F/IT/QU/TUN 2011) – Episches Gedöse

David, Robert und ich sind irgendwann im Februar 2012 nach Leipzig gefahren für ein PV-Double Feature. Zuerst war „Shame“ von Steve McQueen dran – welch großartige Schauspielkunst von Michael Fassbender! Das musste man erst einmal verdauen. Dazu kam „Black Gold“ gerade recht. Der erbarmungswürdige „Lawrence von Arabien“-Verschnitt löste diesen Zweck allerdings etwas zu sehr ein. Arabien, Anfang der 30er Jahre: Antonio Banderas spielt Schmierentheater als garstiger Fürst Nessib, der die Kinder des verfeindeten Fürsten Amar (Mark Strong) in seine Obhut nimmt, um den Frieden zu sichern. Doch als auf neutralem Gebiet Öl gefunden wird und ein Kind bei einem Fluchtversuch umkommt, droht Krieg. Das Epos ist aufgeblasen, hohl, liefert nur Klischees und Kitschbilder um Erotik und Exotik aus 1000 und einer Nacht, Jean-Jacques Annaud hat seine Ethno-Filme seit „Seine Majestät das Schwein“ nicht mehr so stumpf heruntergekurbelt. Dann fuhren wir wieder zurück. Genau da setzt meine Erinnerung an einen gelungenen Filmwandertag wieder ein.

Vous n'avez encore rien vuPlatz 2: Ihr werdet euch noch wundern (F/D 2012) Der garstige Film-Opa schlägt wieder zu

Ein 90-jähriger Regisseur, der munter weiterdreht. Alain Resnais ist schon etwas Besonderes, genau wie seine sperrigen, experimentierfreudigen Filme, die immer wieder auf internationalen Filmfestivals vertreten sind (u.a. „Vorsicht Sehnsucht, 2010). So ist auch „Vous n’avez encore rien vu“ schlimmste kopflastige Arthouse-Gülle, die sich mit einer Reihe Stars (u.a. Mathieu Amalric, Michel Piccoli) anschickt, die Grenzen zwischen Film und Theater aufzulösen und die Spezifika der Medien herauszustellen. So eignet sich dieses zähe, in seinen ausufernden Dialogen geschwollene und in ihrem fließenden Übergang zwischen profilmischer Wirklichkeit und Diegese wirre Werk zwar hervorragend als Anschauungsobjekt in filmtheoretischen Vorlesungen, aber „echte Zuschauer“ rennen bei dieser selbstverliebten Fingerübung mit pochenden Kopfschmerzen davon. Resnais erinnert über 50 Jahre nach „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) noch an die Nouvelle Vague – doch eigentlich vermisst die schon seit über 40 Jahren keiner mehr. Ihr werdet euch noch wundern, wenn mal wieder zurecht keine Sau ins Kino geht!

Platz 1: Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab (USA 2012) – Nervensägen aus der Filmhölle

Dass die Reaktivierung traditionsreicher Comedy-Formate nur bedingt ein Garant für einen guten Film ist, beweist diese unterirdische Gurke der in ihrem Humor ohnehin tiefergelegten Farrelly-Brüder, deren Protagonisten erstmals 1925 in Erscheinung traten. Darin werden drei grenzdebile Vollidioten von Brüdern, die sich ständig Streiche spielen, in einem Waisenhaus aufgenommen. Als das 40 Jahre später vor den finanziellen Ruin steht – und die drei Stooges-Brüder immer noch dort wohnen – ziehen sie los, um das Geld aufzutreiben, welches die Schulden tilgen soll. Wären nicht alle Wortwitze albern, alle „witzigen“ Slapstick-Szenen überkonstruiert, durch penetrantes Mickey-Mousing unterlegt und in ihrer Durchführung selten dämlich – ja, dann wäre das hier eine gelungene Referenz an die (zumindest in den USA) bekannten Stummfilm-Komödianten. So ist diese nervtötende Klamotte mit einer Szenenregie und ohne Sinn und Verstand ein cineastischer Pflegefall, der die Palliativabteilung anachronistischer Formate, die heute untauglich sind, nicht mehr verlassen sollte.

Im Verfolgerfeld: Total Recall (mit schnellen Schnitten und Wackelkamera überfrachtetes, größtenteils ideenfreies Remake des Schwarzenegger-Films), Schilf (wirr und halbgar zusammengeschnittener Physik-Thriller mit Stipe Erceg als der Fehlbesetzung des Jahres) und Iron Sky (allzu gewollter Nazi-Trash, dem mittendrin in Story und Sarkasmus zwischen Mond und Erde die Puste ausgeht).

Potenzielle Kandidaten, aber nicht gesehen: Battleship, Ghost Rider 2, Jack & Jill, LOL, Red Dawn, jeglicher Twilight-Shit und Zettl.

Public Enemy No. 1 – Todestrieb (F/CDN 2008)

Public Enemy No. 1 - TodestriebEin bisschen stieg das Gefühl eines Déjà-vu-Erlebnisses in mir auf, als ich letzte Woche in der Spätvorstellung des zweiten Teils der Biografie von Jacques Mesrine saß. Oder war es ein Fehler in der Matrix? Wohl kaum, denn da war er wieder, der Verbrecher gespielt von Vincent Cassel, der in Frankreich Banken ausraubt, ins Gefängnis kommt, ausbricht, einen neuen Kompagnon trifft, der von einem französischen Star gespielt wird (Mathieu Amalric), sich mit ihm überwirft, eine hübsche Freundin findet, die von einem französischen Star (Ludivine Sagnier) gespielt wird, sich mit ihr streitet, ein Casino ausraubt, jemanden entführt usw. Natürlich läuft das alles nicht in dieser Reihenfolge ab und ich kann Regisseur Jean-François Richet nicht vorwerfen, einzig die Handlungsstationen des Vorgängers noch einmal mit anderen Frisuren zu wiederholen. Doch da saß ich eben im Kino und wunderte mich, warum in „Mordinstinkt“ all die obigen Elemente noch relativ frisch gewirkt hatten und das vergleichbar flotte Tempo von „Todestrieb“ im Gegensatz dazu hin und wieder zur Ermüdung führte. Plötzlich nervten etwa die verwackelten Actionszenen, welche in der ersten halben Stunde die Exposition ersetzen und damit den Einstieg in den Film auch nicht gerade erleichtern.

Das soll nicht heißen, Public Enemy No. 1 – Todestrieb leide im Vergleich zum Vorgänger an einem rapiden Qualitätsverlust. Beauftragt, die hohe Ereignisdichte von Mesrines Biografie als homogene, zweiteilige Erzählung auf die Leinwand zu bringen, versuchen Richet und sein Drehbuchpartner Abdel Raouf Dafri alles, um sowohl erzählerische Motive aus dem Vorgänger im zweiten Teil zu variieren, als auch Mesrines Transformation zum Public Enemy No. 1, den Wandel vom Mordinstinkt zum Todestrieb des gewalttätigen Robin Hood-Verschnitts glaubhaft zu machen. Im Zusammenspiel mit den Medien kommt Mesrines eitle Großmannssucht zum Tragen. So entführt er einen Journalisten, der ihn in einem Artikel beleidigt hat, prahlt in seiner Autobiografie mit Morden, welche er nicht begannen hat und führt, wenn er gerade nicht irgendetwas ausraubt, Interviews wie jeder andere Celebrity.

War Mordinstinkt noch vom Hintergrund des Algerienkriegs und dem Niedergang der französischen Kolonialmacht in den Anfangsjahren der Fünften Republik geprägt, macht der Terror in den Nachbarländern Mesrine in den Medien nun Konkurrenz. In demselben Maße wie es in den Siebzigern zur Radikalisierung von Teilen der Linken kommt, scheint Mesrine selbst zum verzerrten Spiegelbild seiner Außenwelt zu werden. Richets ambivalente Herangehensweise schwankt hierbei jedoch immer wieder zwischen der Entlarvung seiner grenzenlosen Brutalität und der Bewunderung des schelmischen Banditen, stets erfolgreich in seinen Versuchen, der Staatsmacht ein Schnippchen zu schlagen. Bis diese selbst alle Zügel der Legalität fahren lässt.

Das Leben Jacques Mesrines als Allegorie auf RAF, Rote Brigaden und Co.? Nur stellenweise wird diese Deutung dem Film gerecht, sind doch seine schon im Vorgänger angedeuteten, rar gesäten Motive  – z.B. die Schließung von Hochsicherheitsgefängnissen – einigermaßen halbgar aufbereitet, kaum ernst zu nehmen und meistens in der irrationalen Blase gefangen, in der sich auch der Instinktmensch Mesrine bewegt. Todestrieb ist in erster Linie die Charakterstudie eines sich zunehmend in seinen Taten verlierenden Raubtieres, welches recht früh erkennt, dass es aus der Falle, die sein Leben ist, kein Entkommen gibt und sich daraufhin immer tiefer in ihr verfängt.

Trotz der in der zweiten Hälfte überaus spannenden Kost bleibt die Frage im Raum stehen, ob dem Leben und Sterben des Jacques Mesrine nicht auch ein einziger Film gerecht geworden wäre. Ein bisschen weniger Déjà-vu, ein Tick mehr Mut zur erzählerischen Lücke, überhaupt die Fähigkeit eine Lebensstation wegzulassen, wenn sie dem Bild Mesrines nichts neues hinzufügen kann – die Erfüllung dieser Wünsche verweigern uns die Macher. Da beide Teile, „Mordinstinkt“ und „Todestrieb“, sich in Ton und Atmosphäre nicht  – wie etwa „Kill Bill 1+2“ – fundamental voneinander unterscheiden, vielmehr an ihren Enden einander überlappen, hätte ein beherzter Cutter dem Ganzen durchaus gut getan. Abgesehen davon hat ein Film William Wellman, Howard Hawks und deren Kollegen doch auch gereicht.


Zum Weiterlesen:

Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt

Trailer: Public Enemy No. 1 – Todestrieb

Bei Filmstarts.de wird der erste Teil – Mordinstinkt – des Zweiteilers über den französischen Gangster Jacques Mesrine sinnigerweise als „Biopic-Drama“ bezeichnet, dabei ist der Film voll von Action Setpieces. Anscheinend schraubt Regisseur Jean-François Richet im Nachfolger „Todestrieb“ das Tempo noch einmal an, schließlich wird der dann schon als „Actionthriller-Biopic“ gebrandmarkt.

Ungeachtet tendenziell verkrampfter Genre-Neuerfindungen auf deutschsprachigen Filmseiten, hat der erste Ausflug in das Leben Mesrines ungeheuer Lust und Vorfreude auf den Nachfolger gemacht. Public Enemy No. 1 – Todestrieb läuft am 21. Mai in deutschen Landen an.

Neben Vincent Cassel werden diesmal u.a. Mathieu Amalric („Ein Quantum Trost“) und Ludivine Sagnier („Swimming Pool“) zu sehen sein.

http://www.youtube.com/watch?v=qcqBZkjFUSg

Ein Quantum Trost (USA/GB 2008)

Unmittelbar an „Casino Royale“ anschließend wirft uns Marc Forster zu Beginn von Ein Quantum Trost direkt in eine Verfolgungsjagd und damit ist eigentlich schon alles über diesen Film gesagt. Rasante Action dominiert das Geschehen, während emotionales Drama und selbst die ironischen Dialoge hintenangestellt werden bzw. stellenweise ganz verschwinden. Wer den ersten Re-Boot mit Daniel Craig nicht gesehen hat, wird sich kaum zurecht finden in dieser Story. Aber auch für die Nicht-Kenner gibt es einen Trost: Allen anderen ergeht es nicht einfacher.

Das Konzept einer Entwicklung vom Agenten Bond zu „Bond, James Bond“ wird also weitergeführt. So läuft die eindrucksvolle Titelsequenz tatsächlich diesmal zu Beginn des Films und umgehend erbringt sie den Beweis, dass Jack White noch ein paar weitere Bondsongs schreiben sollte. Die Entstehungsgeschichte auf zwei Filme auszuweiten, ist dennoch ein gewagtes Konzept. Anders als der Vorgänger es zunächst vermuten ließ, ist die „Bondwerdung“ noch immer nicht abgeschlossen. Es fehlen die Markenzeichen, die Eckpunkte, die das Stereotyp „Bond“ von Film zu Film trotz wechselnder Besetzung erkennbar machen. Es sind Kleinigkeiten, die das Fanherz enttäuschen, ob es sich nun um den Vodkamartini, die technischen Spielereien eines Q oder Miss Monneypenny handelt. Eine mehr platte als liebevolle Goldfinger-Referenz erfüllt die Sehnsucht nicht.

Schwerwiegender und für das Gelingen des Films folgenreicher ist die Konzentration auf jene Elemente aus Casino Royale, welche diesen Film als Reaktion auf moderne Agenten-Actionfilme wie die Bourne-Trilogie erscheinen ließen. Anscheinend mit der Mission betraut, Bond im 21. Jahrhundert überlebensfähig zu halten, geraten die Actionszenen in der Fortsetzung ähnlich körperbetont. Daniel Craig musste nicht umsonst einige Stunts selbst machen. Anders als der vom Bond-erfahrenen Martin Campbell gedrehte Vorgänger wirkt Ein Quantum Trost jedoch wesentlich nervöser. Marc Forster inszeniert nicht ganz so orientierungslos wie ein Paul Greengrass, kann zuweilen aber eine extreme Verwirrung beim Zuschauer bezüglich der Ursache-Wirkungs-Beziehungen nicht vermeiden. Bestes Beispiel dafür ist die viel zu lang geratene Verfolgungsjagd zu Wasser. Inwiefern das in diesem Film eingesetzte Stammpersonal der Bourne-Filme dafür verantwortlich ist, gehört ins Reich der Spekulation. Da sowohl der Stunt Coordinator als auch der Second Unit Director dazu zählen, darf ihr stilistischer Einfluss  sicherlich nicht unterschätzt werden.

Die Actionszenen, von denen nicht eine einzige an die Qualität etwa der Parcours-Verfolgung in „Casino Royale“ herankommt, müssen als Ergebnis einer realistischeren Bearbeitung des Bond-Stoffes betrachtet werden. Weiteres Element dieser Herangehensweise ist die bereits erwähnte Fortsetzungsgeschichte, der direkte Bezug auf den Neuanfang. James Bond muss schließlich den Tod Vesper Lynds rächen, für den die Verbrecherorganisation Quantum verantwortlich zeichnet. Dabei entfernt er sich zusehends von den Direktiven seiner MI-6-Vorgesetzten, speziell Ms (Judi Dench). Während seines Rachefeldzuges gerät Bond jedenfalls auf die Spur des Quantum-Mitgliedes Dominic Greene (Mathieu Amalric). Akzeptiert man den Ansatz der Weitererzählung – für einen Bond-Fan ist das kein leichtes Unterfangen – muss dennoch festgestellt werden, dass „Ein Quantum Trost“ dem neuerfundenen Charakter der Ikone nicht viel neues hinzuzufügen in der Lage ist. Bond wirkt, im Gegenteil, unfreiwillig dumm, wenn er jeden potenziellen Informanten tötet, ohne auch nur eine Frage zu stellen. Verantwortlich dafür zeichnet wohl das schwache Drehbuch, welches sich primär um die Aneinanderreihung von Actionsequenzen zu sorgen scheint.

Einem Regisseur wie Marc Forster war gerade eine solche Schwäche nicht unbedingt zuzutrauen gewesen. Zog sich Casino Royale gerade in der letzten halben Stunde noch unangenehm lang hin, gerät die Gegenbewegung hin zu einem möglichst großen Maß an Verkürzung nun zum gravierenden Mangel. So fällt auch die Gestaltung des Bösewichts traurig flach aus. Der dennoch überzeugende Amalric tut sein bestes, seine viel zu nichtssagende Vorlage mit einer ungewöhnlichen Mischung aus großäugiger Unschuld und innerer Kaltblütigkeit umzusetzen. Schlussendlich vermisst man allerdings die große Konfrontation der Kontrahenten, welche in „Casino Royale“ noch soviel Raum zur Verfügung hatte. Man denke nur an den genervten Mads Mikkelsen am Spieltisch oder die ziemlich unangenehme Folterszene gegen Ende.

Wirkt die Auflösung des geheimen Plots der Bösen diesmal im direkten Vergleich mit den Gigantomanien anderer Bond-Bösewichte auch einigermaßen belanglos, kann wenigstens Olga Kuryenko als Bond-Girl die durch Eva Green recht hoch gelegte Latte problemlos aufrecht erhalten (und das ist nicht zweideutig gemeint). Unabhängig von den oben aufgezählten Schwächen des Films ist die Freude am neuesten Bond-Abenteuer eine Frage der Einstellung. Wer die Reihe primär in Erwartung des wiederkehrenden Schemas verfolgt, also  der Kombination einiger Gadgets, eines überdimensionalen Bösewichts, eines geschüttelten, nicht gerührten Vodkamartinis oder auch nur des Auftritts eines intelligenten, sich am Rande des Anachronismus bewegenden britischen Spions; wer sich darauf freut, wird wohl oder übel enttäuscht werden. Daran ändert auch das vor dem Abspann erneuerte Versprechen nichts, dass Bond als Figur nun endlich komplett ist. Als Actionfilm, der seine Hauptfigur über mehrere Kontinente jagt, wird Ein Quantum Trost wenigstens bedingt seinem Unterhaltungsanspruch gerecht. Die Frage ist nur, ob die Verwendung des  James Bond-Labels dafür überhaupt gerechtfertigt ist.


Zum Weiterlesen:

Meinungen zum Film aus der Blogosphäre von Lalia, Isinesunshine, Symparanekronemoi und Kino, TV und Co.