Wollmilchcast #10 – The Bling Ring und Pain & Gain

The Bling Ring
(c) Tobis Film

Der erste Jubiläums-Wollmilchcast ist da und zur Feier unserer zehnten Ausgabe sprechen Matthias von Das Filmfeuilleton und ich heute über insgesamt sieben Filme, Trailer nicht mitgezählt. Im Hauptteil des zehnten Wollmilchcasts™ dreht sich alles um die zwei seelenverwandten Filmemacher Sofia Coppola und Michael Bay, deren neue Werke The Bling Ring und Pain & Gain ein kinematografisches Double Date der überhaupt nicht awkwarden Sorte abgeben.

Danach werden die verhängnisvollen Tier-Metaphern von Elysium abgehakt und der ultimative Vergleich zwischen Feuchtgebiete und Only God Forgives gezogen, bevor der zehnte Wollmilchcast™ mit einer Lobpreisung der über alle Maßen fantastischen Polanski-Retro im über alle Maßen fantastischen Kino Babylon (Mitte) mit seiner über alle Maßen fantastischen Silberscheibenkompetenz sowie einer tiermetapherlastigen Käutner-Besprechung abgerundet wird.

Shownotes:

00:00:00 – Trailer für Paul W.S. Andersons Pompeii
00:04:00 – Trailer Spike Jonzes Her
00:07:40 – The Bling Ring
00:27:35 – 3 Typen, bei denen wir einbrechen (würden)
00:30:55 – Pain & Gain
00:49:30 – Ellipsium
00:58:45 – Feuchtgebiete
01:06:00 – Der Mieter oder die Retro des Gemetzels
01:13:50 – Die Zürcher Verlobung oder was Helmut Käutner mit Österreich zu tun hat
01:23:13 – Kick-Ass 2 in ca. einem Satz
Wollmilchcast
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Transformers 3 (USA 2011)

Eine Fahrt in das Auge des Maschinenwesens. Aus den filigranen Innereien setzt sich die breitschultrige Ansage zusammen: Transformers 3. Das dreifache Ausrufezeichen muss mitgedacht werden. Dann beginnt das Aerosmith-Video. Wir folgen dem Hintern des unzureichenden Megan Fox-Ersatzes Rosie Huntington-Whiteley (ein Name, nicht für Filmposter gemacht, aber die brauchen keine Menschen) die Treppe hinauf. Das ist Michael Bay. Das ist ein Regisseur, der Filme aus Money Shots zusammensetzt, nicht aus Geschichten, nicht aus Emotionen. Ein Hintern mit nichtssagendem Gedudel unterlegt, ein Auto, das sich im Flug in einen Roboter verwandelt, eine Gruppe von schwitzenden Soldaten vor der amerikanischen Flagge. Das ist der Stoff, aus dem Michael Bay-Filme gewoben sind, oder sagen wir lieber: das sind die Fetzen, aus denen Transformers 3 besteht, denn ein homogenes Gewebe mit nahtlosen Übergängen kommt nicht zu Stande.

Der Hintern von Rosie Huntington-Whiteley also führt uns in die übersexualisierte Gegenwart, deren Frauenmode eher an 80er Jahre, an schlechte Miami Vice-Verschnitte erinnert. Räkelte sich Megan Fox noch verführerisch auf einem Motorrad und gebar so eine Symbiose von Männerträumen, wird ihre Nachfolgerin gänzlich mit einem Auto gleichgesetzt, wenn die Kurven eines Gefährts beschrieben werden, während die Kamera lasziv über die ihren gleitet. Doch Frau Huntington-Whiteley muss sich keine Sorgen machen, als einzige im Film zum Gegenstand herabgestuft zu werden. Vielmehr befindet sie sich in bester Gesellschaft mit einer Bay’schen Weltbevölkerung, die höchstens aus Attributen zusammengesetzt ist, wenn sie überhaupt ins Scheinwerferlicht darf. Denn menschliches Leid oder auch nur die Tatsache, dass im Laufe des Films mindestens Tausende von Menschen sterben, interessiert Transformers 3 nicht im Geringsten. Da steht die Frage tatsächlich im Raum, warum die Autobots gegen die bösen Decepticons überhaupt vorgehen. Fürchten sie die Materialschäden? Für die nimmt sich der Film umso mehr Zeit, wenn sich etwa ein durchaus beeindruckender Decepticon wie eine Krake um ein Hochhaus windet, es zerdrückt, dessen Innereien nach außen presst. Ein Augenschmaus ist die Sequenz in Einzelmomenten. Einer, den man als teure Powerpoint-Präsentation wahrnimmt, nur eben von der hintersten Bank des Klassenzimmers aus.

Michael Bay-Filme zu beschreiben, hat immer etwas von einem Déja-vu, zumindest seitdem sich sein Stil nach der Jahrtausendwende gefestigt hat. Bis auf ein paar längere Einstellungen hat sich die Inszenierungsweise seit dem ersten Teil des Transformers-Franchises nicht wesentlich gewandelt. Auch der erstmalige Einsatz der 3D-Technik hat daran nichts geändert, was sich insbesondere dadurch aufdrängt, dass die Dreidimensionalität überhaupt nicht ausgenutzt wird. Stattdessen das selbe alte Spiel, bzw. der selbe alte Stil. Powerpoint-Folie nach Powerpoint-Folie wird über die Leinwand gejagt. Denn Michael Bays Filme denken nicht in Bildfolgen, sondern maximal in einem Kader auf einmal. Sofern das Wort „Denken“ angemessen ist. Auch die dritte Robo-Schlacht vermittelt deshalb die meiste Zeit den Eindruck einer Warenpräsentation für potenzielle Käufer. Hier ein neues Feature, dort ein Schwenk über das neue Design. So erweist sich Transformers 3 schon in den ersten Spektakelszenen als Abfolge von Einstellungen, deren Montage von einem abwesenden Gespür für rhythmische Bewegungen in ihren rudimentären Formen zeugt.

Natürlich ist „Transformers 3“ zuvorderst als Produkt gedacht, welches an die Massen gebracht werden muss. Kaum ein Filmemacher hat die Meriten des Blockbusterkinos allerdings derart auf diese eine Funktion heruntergebrochen, wie Michael Bay es in den Transformers-Filmen zur Schau stellt, speziell in Teil 2 und 3. Da hilft es nicht, dass Charakterdarsteller wie Frances McDormand und John Turturro für die Ausgestaltung des Hintergrunds zuständig sind. Ihnen wird ebenso wenig Menschlichkeit zugesprochen wie den gigantischen Robotern. Da fällt es gar nicht weiter auf, dass die Transformers nun sogar Blut verlieren, so dass der Streifen zu einer Art R-Rated-Reißer für Kiddies degeneriert. Einzig John Malkovich macht das Wesen von Transformers 3 zur Methode. Mit falschen Zähnen und uninspirierten Overacting-Einlagen ordnet er sich geflissentlich in die leblose Kulisse dieses Maschinenpornos ein.


Zum Weiterlesen:

Überblick über die Kritiken bei Film-Zeit.de.