Wollmilchcast #2 – Matthias & Jenny reden über Fast & Furious 6

Fast & Furious 6

(c) Universal

Am 23. Mai startet Fast & Furious 6 in den deutschen Kinos. Das haben Matthias von Das Filmfeuilleton und meine Wenigkeit zum Anlass genommen, um unseren zweiten gemeinsamen Podcast aufzunehmen (Wollmilchcast #1: Star Trek Into Darkness). Neben Fast & Furious 6 von Justin Lin besprechen wir auch den Start des Filmfestivals in Cannes, neue Trailer für Gravity und Riddick, Filme, die wir zuletzt gesehen haben und natürlich das größte Serien-Highlight des Jahrhunderts. Bevor es losgeht, gibt’s noch das beim letzten Mal versprochene und vergessene Benedict Cumberbatch-GIF.

Show Notes:

00:00:00 – Cannes Filmfestival 2013 [Programm]

00:12:40 – Gravity Trailer [YouTube]

00:19:10 – Riddick Trailer [YouTube]

00:24:00 – Fast & Furious 6 (Spoiler!)

00:41:00 - London, oder was Fast & Furious 6 mit Antonioni zu tun hat

00:56:30 - Brücken-Action und der Sprung

01:11:20 – Finale in Spanien, Gina Carano & das fünfte Rad am Franchise-Wagen

01:23:00 – Die Bösewichte

01:34:33 – Spoilertastischer Cameo und die Zukunft des Franchise

01:43:50 - Seh-Hinweise (AD – Stoker – The Keep – Body Heat – Rollerball)

02:06:35 – Herzlichen Glückwunsch, Sie sind noch wach!

Der Wollmilchcast bei Twitter:

@Beeeblebrox

@gafferlein

itunes: coming soon!

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Endlose Diskussionen – Ein Film wie die anderen (F 1968)

Diskussionen zu hören ist fürchterlich. Ich finde es schwer ertragbar. 1993 habe ich eine Folge von Hans Meiser gesehen, in der es um Dinosaurier ging. Ich war ein zwei Jahre vorher auf Godzilla getroffen, hielt ihn für einen Tyrannosaurus Rex und war zutiefst fasziniert. Während des Sehens hat mich nur eine Frage interessiert: „Was unterscheidet einen Deinonychus von einem Velociraptor?“. Eine unwichtige Frage, die mich auffraß. Die ersten waren meine Helden aus den „wissenschaftlichen“ Büchern und die anderen die bösen, aus dem Nichts auftauchenden Zöglinge Hollywoods. Ich wollte eine Antwort und bekam nur Gelaber. Themen, die mich nicht interessierten und Blah. Je länger es dauerte, desto ungeduldiger und aggressiver wurde ich. Es war frustrierend, diesen Dummbatzen zuzuhören. Kurz vor Schluss hat tatsächlich jemand die Frage gestellt. Die offensichtliche Frage. Die einzig wichtige Frage. Gebannt lauschte ich der halbwegs befriedigenden Antwort. Seit diesem Erlebnis ist mir ein tiefsitzender Glaube eingepflanzt, durch die ich Studien, die besagen, dass Talkshows intolerant machen, gerne und ohne Widerstand glaube. Ich hatte Hans Meiser und seine Diskussionspartner gehasst. Nur ein Zögern darüber, eigene Erfahrungen zu einer allgemeinen Wahrheit zu machen, lassen mich vom Glauben abweichen.

I’m willing to die too, but not of boredom. (Zabriskie Point)

Zwei Renault-Fabrikarbeiter und drei Studenten sitzen 1968 im Gras und diskutieren über den vergangenen Generalstreik. Darüber, was schiefgelaufen ist. Ob es der Anfang oder ein Ende ist. Was getan werden muss. Was einem am anderen stört, was sie gegenseitig misstrauisch macht, was sie voneinander trennt. Die Revolution im Allgemeinen. Geschehnisse im Besonderen. Meist sind sie nicht beim Reden zu sehen. Die Bilder in Un film comme les autres bieten uns schreiende Menschen in den Straßen, Daniel Cohn-Bendit agitierend, Steine fliegend, Polizisten schlagend. Zeitdokumente, damals nichts mehr als Nachrichten und Realität. Der Kampf, die Energie, die Hoffnung bersten aus den Bildern. Aufbruch, Kampf und verrannte Gedanken dieser Schwarz-Weiß-Bilder werden nur vom Grün des hohen Grases unterbrochen, in dem mal mehr, mal weniger erkenntlich fünf Menschen sitzen und diskutieren.

Sie reden, reden und reden. Nacheinander, ohne Pause, durcheinander, gleichzeitig. Vor allem im Off sprechen sie, weil wir ihre Münder selten sehen können. Aus dem Off dieser Diskussion erzählen uns die Stimmen der Studenten von Ereignissen von 1968, von Geschehnissen während der deutschen Besatzung, lesen von Gott und der Welt vor. Erschlagen werden wir von den Gedanken, den Diskussionen, den Bildern, den Implikationen, den Anstößen und den Fakten.

Das Thema des Films ist für Godard in erster Linie die lebendige Sprache der Diskussionsgruppe, ihr Stottern, ihre Sackgassen, ihre Überschneidungen, Wiederholungen, ihre Naivität, eine Sprache, die noch nicht erschlagen ist, aber die es bald sein wird. Godard legt Wert darauf, dass die freie Entwicklung und die Dauer der Rede respektiert werden. (Alain Bergala, Cahiers du cinéma, 11/1990 oder Klappentext einer dt. DVD)

Seinen eigenen Gedanken folgen kostet einem die Diskussion. Die fehlende Möglichkeit eingreifen zu können, kann frustrierend sein. Unfähigkeit sich gegen die Ärgerlichkeiten zu wehren oder die interessanten Punkte zu vertiefen, ist ein jeder in Un film comme les autres ausgeliefert. Sie ist ein Akt der Gewalt, wie das Verbrechen.

Wir lernen, dass es Klassiker im Kino gibt, dass es gute und schlechte Filme gibt. Im französischen Fernsehen sollte es aber nur gute Filme geben. Filme, die keine intellektuelle Vergiftung sind, um die Menschen in einem Zustand der Passivität und Gleichgültigkeit zu halten. Sendungen mit Titeln wie „Heute abend ins Theater“ oder „Theatre de Boulevard“, das ist doch zum Heulen. (Un film comme les autres)

Es ist ein Allgemeinplatz, der in Filmen von weisen Meistern wiederholt wird, nachdem Zuhören einen weiterbringt als Eingreifen oder Selbstreden. Wer also Antworten von Un film comme les autres erwartet, der kann zuhören und sich am Ende Gedanken machen, was er gehört hat. Eine fiese, schwere Aufgabe, die kaum zu bewältigen ist, denn dieser Film baut keinen Sog auf, der einen gefangen nehmen will. Er sucht Distanz. Bestenfalls kann er uns etwas Abstand von uns selbst bringen. Schlimmstenfalls Hass auf das ewige Gerede.

Simon Frisch hat zu mir in einer Diskussion über Sátántángo einmal gesagt, dass es ein Film ist, mit dem gelebt werden kann. Dem nicht die ganze Zeit gefolgt werden muss. Wir können aufs Klo gehen, die Gedanken schweifen lassen, den Bildern statt den Worten folgen. Ein Film in den wiedereingestiegen und aus dem wieder ausgestiegen werden kann. Er wird bleiben, wie er ist und vor sich hinlaufen, egal was wir machen. Egal was wir aus ihm machen. Und außerdem, wer will schon Antworten?

Wenige Sekunden herrscht zwei-, dreimal Ruhe. Erfrischende Ruhe. Die Gewalt verschwindet, wie der Rasenmäher des Nachbarn aufhört. Erleichternd, auch wenn wir ihn kaum noch wahrnahmen. Trotzdem ist Un film comme les autres kein schlechter Film, dafür ist er zu wenig Heldenverehrung und vor allem zu weit weg vom wohligen Eierschaukeln, mit dem heutige Fernsehredakteure die 60er Jahre in Frieden ruhen lassen, als nostalgische warme Wanne der Schönheit und Einöde. Was jeder mit diesem Kram hier macht, bleibt ihm überlassen. Mit ihm leben hat aber einiges für sich.

Es handelt sich übrigens um einen Film von der Groupe Dziga Vertov (und Jean-Luc Godard).

Podcast #1 – Matthias & Jenny reden über Star Trek Into Darkness

Star Trek Into Darkness

(c) Paramount

Am Donnerstag startet Star Trek Into Darkness von J.J. Abrams in den deutschen Kinos. Da Matthias von Das Filmfeuilleton und ich unserem dringenden Gesprächsbedarf in Mittagspausen kaum noch nachkommen, haben wir uns in einem ersten Podcast über das Star Trek-Abenteuer ausgelassen. Außerdem sprechen wir über ein paar aktuelle News, das Serien-Ereignis des Jahrhunderts und den fabelhaft miserablen Passion von Brian De Palma.

Vor Spoilern zum neuen Star Trek-Abenteuer wird ausdrücklich gewarnt.

Show Notes:

00:00:00 – Drei Titelvorschläge und zwei News

00:16:02 – Spoiler-lastige Diskussion über Star Trek Into Darkness

01:22:50 – Das Serien-Ereignis des Jahrhunderts

01:30:00 – Game of Thrones

01:43:56 - Seh-Hinweise (Before Midnight – Passion – Thief)

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Erster Trailer für Blind Detective von Johnnie To

Blind Detective Trailer

In Blind Detective versammelt Johnnie To zwar wieder das “Needing You”- (und Box Office-) Traumpaar Andy Lau und Sammi Cheng. Der erste Teaser Trailer wirkt trotzdem einigermaßen düster und erinnert, wie der Titel auch, eher an “Mad Detective” als “Running on Karma”. Nach dem RomCom-Doppelschlag “Don’t Go Breaking My Heart” und “Romancing in Thin Air” sowie der Krisenstudie “Life Without Principle”, widmet sich Johnnie To mit “Drug War” und “Blind Detective” wieder den schattigeren Gefilden der Gesellschaft.

Der Teaser Trailer für Blind Detective:

Der aktuelle Trailer für Drug War, der heute in Hongkong startet:

Kontrapunkt: Polarisierend erotisch

Dieses Mal drei Filme, die jüngst erstmals auf DVD veröffentlicht wurden und nackige Frauen nebst ihrer sexuellen Selbstbestimmung in den Fokus nehmen. Die Langversionen der nachfolgenden Kritiken sind im multimania #42 erschienen, das dieser Tage seinen Weg in den Bahnhofsbuchhandel gefunden hat.

Haus der Sünde (F 2011)
Das Innenleben eines Pariser Bordells Ende des 19. Jahrhunderts taugt für bernsteinfarbene Bild-Tableaus voller Überfluss. Üppig sind die Kostüme, die Ausstattung, die entblößten Körper der Prostituierten, die ihre Freier zunächst einmal mit einer gepflegten Konversation auf den Akt einstimmen. Bonellos Film quillt über vor Schauwerten, die er mit dem vordergründig vollen, hintergründig entbehrungsreichen Leben der Prostituierten kontrastiert. Dann schlägt er gar mit der Musikuntermalung einer intimen Tanzszene durch „Nights In White Satin“ anachronistische Töne an, bevor er zu einer verknappten Zustandsbeschreibung der Prostitution heute überleitet. Dabei kann vieles nur assoziativ bleiben, kann der visualisierte Traum einer Prostituierten, die Sperma weint, nur ein weiterer Schauwert sein: Wirklich tiefgründig oder bewegend ist dieses formidabel ausgestattete und exquisit bebilderte Erotikdrama leider nicht.

Der Wüstling (J 1969)
In einer der frühesten Filmtheorien überhaupt stellt Hugo Münsterberg die Bedeutung der Nahaufnahme als „Objektivierung der Aufmerksamkeit“ heraus, auf Details gelenkt, die dem Zuschauer sonst verborgen geblieben wären. In diesem „Pinku eiga“, der japanischen Entsprechung von europäischen Softcore-Erotikfilmen, transportieren sie filmästhetisch adäquat das Gefühl, das eine fehlgeleitete Liebe auslösen kann: Ekel. Eine lasziv spielende Zunge in einem sinnlichen Mund, aus dem Blut herausfließt, die dämonisch starrenden Augen vom sich immer wieder ungelenk aufzwingenden Tyrannen Takahata: Die Suggestion von Beklommenheit vermitteln Regisseur Teruo Ishii und sein Kameramann Motoya Washyo im ersten Viertel von „Der Wüstling“ filmästhetisch grandios – auch als plötzlich das Bild in zahlreiche Split Screens mit Detailaufnahmen von Augen „aufgespalten“ wird. Danach jedoch verlegt sich dieses Erotikdrama auf eine konventionelle Inszenierung und gerät zunehmend zäh ohne nennenswerte Plot-Entwicklung im Stile im Stile von Ishiis frauenverachtenden Tokugawa-Filmen mit erzkonservativen Rollenbildern.

Ein wirklich junges Mädchen (F 1976)
Als die 14-Jährige Alice (Charlotte Alexandra) für die Sommerferien vom Internat zurückkehrt ins Haus ihrer Eltern, steckt sie sich zum Frühstück den Teelöffel in ihre Vagina – weitere Gegenstände sollen folgen. Sie erforscht ihr Geschlecht und träumt sich in Sexfantasien mit dem drahtigen Sägewerk-Arbeiter Jim (Hiram Keller), der jedoch aufgrund ihres Alters nichts von ihr wissen will. Die Bilder dazu, in welchen weibliche Genitalien exponiert werden, um dem Gefühlsleben eines Teenagers näher zu kommen, galten lange Zeit als nicht zeigbar: „Ein wirklich junges Mädchen“ wurde zwar bereits 1976 fertig gestellt, aber aufgrund pornografischer Szenen 1999 erstmals öffentlich vorgeführt. Vergleicht man ihn jedoch mit „Romance“ (1999), Breillats wohl bekanntestem Werk, indem echte Penetration zu sehen ist in einer Zeit, als dies noch nicht „normal“ war im europäischen Arthouse-Kino, hat „Ein wirklich junges Mädchen“ nicht zuletzt durch sein auffälliges Zeitkolorit mit Baumwollunterhosen und Röhrenfernsehern schon etwas Staub angesetzt.

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