Kontrapunkt: Trash XI

Es ist wieder einmal soweit: Ich habe Schund gesehen! Und das nicht zu knapp – trotz hoher Budgets.

Spawn (USA 1997) 

Als Profikiller Al Simmons (Michael Jai White) nach einer tödlichen Verbrennung im Jenseits landet, wird er von Höllenfürst Malebolgia mit dem Auftrag, seine Horden anzuführen, wieder auf die Erde zurückgeschickt. Dort kann  er seine Klischee-Family wiedertreffen und macht Bekanntschaft mit einem fiesen, ihn überwachenden Clown (John Leguizamo im Fat-Suit), der ihm und den Zuschauer mit etlichen sinnentleerten Diss-Sprüchen und Ekligkeiten auf den Sack geht. Jar Jar Binks als nervigste Nebenfigur der Filmgeschichte hat im abartig lärmenden “Violator” seinen Meister gefunden, der auch vor zeitschindendem Cheerleader-Gehopse nicht zurückschreckt! Darüber hinaus sind die zahlreichen CGI-Effekte seeeehr mäßig, die an Überblendungen reichen Credit-Sequenzen mit unruhigem Bildstand inspirationslos von Sieben (1995) geklaut und das dumpfe Drehbuch substanzarm. Martin Sheen liefert als Ultra-Bösewicht Wynn, der die Welt als Geisel nimmt, ironiefreies Schmierentheater ab, Melinda Clarke als seine Gehilfin – eine ungeile Baller-Amazone in Lederkluft – verliert den Direktvergleich mit Milla Jovovich um Längen. Eine hirnrissige, aber zumindest nur selten langweilige Krawallorgie, über die sich die Fans der Comics mit Recht immer noch aufregen.

Sex & Zen: Extreme Ecstasy (HK 2011)

Der vierte Teil der Reihe wurde als „erster 3D-Erotikfilm“ beworben und tatsächlich hält er einige dieser Effekte bereit – bei den Kampfszenen. Falsche Prioritätensetzung, hätten doch insbesondere weibliche Genitalien in Großaufnahme bessere Schauwerte abgegeben als fliegende CGI-Dolche und – Pfeile! Die zahlreichen grotesken Sexszenen sind aus diesem Grunde nicht jugendgefährdend, was man von den absurden Foltereien und Kröseleien gegen Ende der satt ausgestatteten Erotikklamotte im Historiengewand nicht behaupten kann.  Die Story um Wei Yangsheng, der auszieht, um in einem Liebestempel die Kunst der Liebe zu lernen und sich einen Esels-Pimmel annähen lässt, um seine Ehefrau optimal befriedigen zu können, ist ebenso albern wie der Humor um sein „Gerät“. Wer über diesen schmunzeln kann und auch an einem endlos erscheinenden Marathon an Kopulationen mit hübschen Porno-Starlets etwas abgewinnen kann, könnte trotz allem hieran durchaus Gefallen finden. Zumindest entblößte Brüste, gibt es mehr als genug. Etwas detailierter habe ich mich auf MovieMaze dazu geäußert.

Krieg der Götter (USA 2011)

Es ist immer wieder traurig zu sehen, was zu viel Geld mit den Projekten von eigentlich talentierten und innovativen Regisseuren anstellen kann. Tarsem Singh hat vor Ewigkeiten großartige Musikvideos u. a. für REM inszeniert und tauchte in The Cell und The Fall visuell wuchtig und fantasievoll hinab in die Psyche wahrhaft düsterer Persönlichkeiten. In Krieg der Götter entpuppte er sich jedoch als Plagiator, der – auch bedingt durch denselben Produktionsstab – uninspiriert die Optik von 300 kopiert und nur in wenigen, gemäldeartigen Bild- und Farbkompositionen seinen eigenen Stil durchblitzen lässt. Er erzählt vom Kampf der Titanen gegen die Götter, von Theseus gegen die Heerscharen von König Hyperion, der nach dem Bogen von Ares als perfekte Waffe giert. Die nicht wirklich überzeugenden, da immergleichen Digital 3D-Effekte um unmotivierte Kloppereien in Zeitlupe an CGI-Felsen mit hohen Klippen (besteht Griechenland tatsächlich zu 80% daraus?) werden noch unterboten von einem lustlosen Ensemble, welches ebenso stocksteif und todernst wie leblos darin herumsteht. Während Mickey Rourke noch irgendwie Gefallen am Mimen des stereotypen Bösewichts findet, sind die Olymp-Bewohner ebenso gelangweilt wie Perseus Henry Cavill. Und so lässt dieses auf Dauer ermüdende Spektakel das Mehr an Geld bereuen, welches man dank Nur-noch-3D-Ausbeuterpolitik für dieses laute wie stumpfe Spektakel löhnen musste.

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Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

7 comments to Kontrapunkt: Trash XI

  • Singh hat ja durchaus sehenswerte Videos gedreht, The Cell war als Erstling durchaus gelungen und ließ ja auf Größeres hoffen, aber The Fall war dann ja nur noch style over content. Schöne Bilder mit der ganz plumpen Botschaft. Bezeichnend dass im selben Jahr (?) del Toro mit Pans Labyrinth den weitaus interessanter Film mit ähnlicher Thematik hervorbrachte.

  • avatar david

    Da du die Frage schon so in den Raum wirfst: im Grunde ja! Griechenland besteht tatsächlich zu 80% aus Gebirgen! Selbst Wikipedia hat der Film anscheinend plagiiert ;-)
    Ansonsten wieder einmal ein sehr schöner Kontrapunkt Trash, der richtig Lust auf Nummer 12 macht. Du hast dich für uns geopfert und diese Filme geschaut, damit wir sie nicht gucken müssen…
    P.S.: google-such-optimiert ist der Text auch!

  • avatar vannorden

    @David: der Blender tut nur so, als ob er sich für uns opfert. Zum Beispiel hat er “Krieg der Götter” 7/10 gegeben. Nichts liebt er mehr, als schlechte Unterhaltung. (;

  • nicht umsonst der Spruch: Gebirge nach Athen tragen

  • avatar luzifus

    Bezeichnend dass im selben Jahr (?) del Toro mit Pans Labyrinth den weitaus interessanter Film mit ähnlicher Thematik hervorbrachte

    Da muss man dir allerdings zustimmen, zumal bei der fantasievollen Geschichte, auch wenn ich “The Fall” irgendwie einen Tick zugänglicher fand.

    Du hast dich für uns geopfert und diese Filme geschaut, damit wir sie nicht gucken müssen…

    “Red Dawn” hast du ja schon geschaut, hat also nur bedingt was genützt ;). Was für ein dreckiger Propagandafilm! Der war und ist mir aber nicht mehr als einen Moviepilot-Kommentar wert!

    Zum Beispiel hat er “Krieg der Götter” 7/10 gegeben.

    Was du wo genau gesehen haben willst? 3.5 ist meine MP-Wertung. Aber ja, generell liebe ich (gute und kurzweilige) schlechte Unterhaltung. Chuck Norris!!! ;)

  • avatar vannorden

    Kampf der Titanen. Krieg der Götter. meine Fresse, so viel Vielfalt. Da kann einer schonmal den Überblick verlieren. (:

  • Die Spawn-Comics hab ich damals sehr gerne gelesen, fand’s sehr schade, was aus dem Stoff gemacht wurde, die Comics haben einiges an Potential, das hier in keiner Form genutzt wurde. Vielleicht gibt’s mal irgendwann ein Remake, aber vermutlich ist Spawn einfach nicht bekannt genug, damit das Projekt genügend Budget bekommen kann.

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