Kontrapunkt: Keine Jugendfreigabe II

Weil es so schön war und meine DVD-Lieferung aus Österreich eingetroffen ist, gleich noch mal.

Predator 2 (USA 1990)

Hier hetzt nicht mehr Arnie unter der Regie von Actionspezialist John McTiernan durch den Urwald, sondern Danny Glover unter Allerwelts-Filmemacher Stephen Hopkins durch den Großstadtdschungel. Das sind eigentlich auch schon die größten Probleme des Films. Selbst bei nur sporadisch auftretenden Action-sequenzen kommt kein Tempo auf und die handwerkliche Perfektion fehlt der soliden, aber nicht überragenden Inszenierung. Danny Glover wirkt als cleverer Bulle auf Alienjagd in L.A. etwas zu steif und behäbig, um als Actionheld durchzugehen. Auch das Finale gerät allzu enttäuschend und verläuft im Sand. So können auch einige nette, aber letztendlich verpuffende Einfälle (Glovers „Besuch“ auf dem Raumschiff der Predatoren und diverse Wärmebildkameraaufnahmen mit cooler Optik) an dem mediokren Gesamteindruck nichts ändern.

The Crow – Die Krähe (USA 1994)

Über die tragischen Umstände, durch die Brandon Lee während der Dreharbeiten ums Leben kam, muss ich an dieser Stelle kein Wort verlieren, denke ich. Fakt ist, dass sein letzter Film ein toller Mix aus Horror und Actionthriller mit Gothic-Elementen geworden ist. Brutal und mit melancholischem Unterton erzählt der Film die Geschichte von Eric Draven (Brandon Lee), der sich ein Jahr nach seinem Tod als untoter Geist an den Mördern von ihm und seiner Geliebten rächt. Das Finale auf dem Kirchendach bleibt dabei ebenso in Erinnerung wie Lees Läufe über die Häuserdächer der Stadt in strömendem Regen, was beides stylish ohne Ende ist. Allgegenwärtig: die von harten Hell-Dunkel-Kontrasten geprägte, grandiose Optik, welcher der Film seine düstere Stimmung verdankt und die ihn zu einem modernen Genre-Klassiker – nicht nur für Emo-Kinder – machte.

Die Nacht der reitenden Leichen (E/P 1971)

Apropos Klassiker: In Fankreisen gehört diese hanebüchene Splatter-Mär um untote Tempelritter zu Pferd, die bevorzugt Touristen das Blut aussaugen, in jene Kategorie. Das kann ich bei einer derart hirnrissigen Aneinanderreihung von Dämlichkeiten, die spielend jeden billigen italienischen Zombieheuler unterbieten, nicht nach-vollziehen. Wenn man über die absurde Konstruiertheit hinwegsieht, wie es dazu kommt, dass die eingeschnappte Virginia – das erste Opfer der Satan anbetenden Templer – des Nachts in einer alten Abtei übernachtet (ihr Freund hat mit einer alten, latent lesbischen Schulfreundin von ihr rumgeschäkert), wird man trotzdem noch von dümmlichen Horror-Szenen (stehen bleiben und kreischen anstatt vor den schlurfenden Typen wegzurennen) und den unsympathischen Charakteren genervt. Highlight: ein selbst-parodistischer Pathologe, der Virginias Freunden dümmlich grinsend erstmal genüsslich die falsche Leiche präsentiert. Man hat den Eindruck, dass in dieser Szene auch der talentfreie Regisseur mit seinem perplexen Publikum kommuniziert.

Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

4 Antworten auf „Kontrapunkt: Keine Jugendfreigabe II“

  1. Ja, the Crow, da war mal was….den habe ich erst einmal gesehen, fand ihn super. Aber die Umstände sind nun mal mehr als mysteriös gewesen, mich hat das immer davon abgelenkt, letztendlich den Film nochmal zu sehen…weil ich lieber darüber schwadroniere, ob es Mord, Zufall oder Selbstmord war.

  2. Also ich denke, dass es wohl ein Unfall war.
    Vorher wurden mit der entsprechenden Waffe Fake-Patronen abgeschossen und von denen hat sich wohl ein Fragment im Lauf festgesetzt, dass dann eben während des Drehs und der nächsten Benutzung der Waffe in Brandon Lees Unterbauch gelandet ist…

  3. Predator 2 mag ich unwahrscheinlich gerne. Wahrscheinlich, da Glover überhaupt nicht ins Genre passt und der Film schon von daher so eine absolut positiv trashige Attitüde verbreitet, die sich noch durch die bunten Bilder verstärkt. In jedem Fall besser als alles was danach mit dem Predatoren in Hollywood angestellt wurde.

    An The Crow kann ich mich gar nicht mehr wirklich erinnern, war irgendwie damals so ein typischer Bravo Hype. Und da ich mich zu der Zeit als gerade Twen gewordener unbedingt von in der Bravo gehypten Content distanzieren musste, habe ich ihn wohl gar nicht richtig wahrgenommen. Muss ich wohl doch nochmal einen Blick riskieren.

    Von den reitenden Leichen habe ich auch nur den Anfang gesehen. Ja, spanische 70er Exploitation war schon immer anders. Muss ich auch nochmal einen Blick drauf werfen. Rein interessehalber.;)

  4. @ tumulder:
    Gemessen an dem „AvP“-Quatsch (und dem damit verbundenen Verrat an der Reihe) ist „Predator 2“ noch ganz ansehbar. Aber: Der Grundstein dafür wurde genau durch Danny Glovers Stapfen durch Predator-Raumschiff gelegt, als dort als „Trophäen“ neben menschlichen Schädeln auch ein Alien-Skelett zu sehen war, was Fans weltweit aufhorchen ließ.

    Also um mitreden zu können, kannst du dir gern mal die „reitendes Leichen“ geben. Aber gut ist der Film echt nicht ;-).

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