Kontrapunkt: Trash X

Jubiläum! Noch ist die magische Zahl 30 nicht erreicht, aber ich verspreche, dann wird es ob der römischen Zahl heiß hergehen! Hier erst einmal mit Laura Gemser, Billy Zane und Anna Faris eher durchwachsen.

Private Collections (F/J 1979)

Man nehme drei erfahrene Erotik-Regisseure, versammle sie in einem Projekt, gebe die Anweisung „Macht mal was zum Thema Traum!“ und staune, was dabei herauskommt. Während Episode eins mit einem male pig auf einer exotischen Insel, der von lüsternen Amazonen (darunter Laura „Black Emanuelle“ Gemser) umsorgt wird, einfach nur mies und trashig hoch 3 ist, ist die folgende um ein japanisches Kinderlied und einen Mutterkomplex einfach nur „hä?“ und die dritte um eine Kurzgeschichte nach Guy de Maupassant um einen Freier hinter den Kulissen eines Tanztheaters im ausgehenden 19. Jahrhundert merkwürdig blutleer. Just Jaeckin schwelgt mit seinem Segment L’île aux sirènes in hübsch fotografierten Oberflächlichkeiten inklusive obligatorischer Weichzeichner-Ästhetik, Shûji Terayama verstört in Kusa-Meikyu mit narrativen wie bildlichen Rätselhaftigkeiten und Walerian Borowczyk zaubert in L’armoire immerhin ein hübsches impressionistisches Zeitkolorit. Das alles ist nett, aber passt auch mangels Botschaft einfach nicht wirklich zusammen. Beim MANIFEST sind meine Ausführungen etwas detailierter.

Perfect Hideout (D 2008)

Billy Zane als cooler Killer, der alles niedermäht, was sich ihm in den Weg stellt – das  suggeriert zumindest das Cover dieser günstig in Berlin gedrehten DVD-Premiere in TV-Optik. Doch die Geschichte um ein Gangsterpärchen auf der Flucht, welches zufällig in dem Haus landet, wo ein Serienkiller (Zane) gerade eine ganze Familie abgemeuchelt hat, ist äußerst konstruiert. Das wäre aber nicht so schlimm, würde das Duo nicht haarsträubend dumm handeln, wenn ein Killer im Haus sitzt (immerhin haben sie ihn schon gefesselt!) und das SEK vor der Tür steht. Dumme, überlange Dialoge, eine beknackte Szenenregie, viel zu wenig Actionsequenzen, kaum Spannung, viel Langeweile. Der lustlos grimassierende Billy Zane, der wahrscheinlich gerade mal zufällig für 2 Wochen in Deutschland war und dringend Geld brauchte, spielt dennoch den Rest des austauschbaren Casts locker an die Wand. Das perfekte Geheimversteck für diesen zu Recht lange zurückgehaltenen Thrillermüll ist das hinterste Videothekenregal!

Smiley Face – Was für ein Trip (USA/D 2007)

Kifferin Jane F. (Anna Faris) hat es schon nicht leicht: Ein Vorsprechen steht an, sie hat Geldsorgen und die Hasch-Muffins ihres Mitbewohners vertilgt. Ein abenteuerlicher Trip steht ihr bevor, der sie bis auf ein Hanffestival nach Venice führt und den Zuschauer bis dahin mit Texteinblendungen um die Aufgabenagenda, einen überflüssigen, sporadisch einsetzenden Off-Kommentator oder mit verwirrenden, nur selten witzigen Traumsequenzen nervt. Die Kifferkomödie „Smiley Face“ ist wie ein Witz, bei dem sich der Erzähler verhaspelt: Eine vielversprechende Ausgangssituation, man beginnt zu schmunzeln, aber der echte Lachflash setzt mangels Rhetorik (hier: mangels origineller visueller Einfälle) nicht ein. Die grimassierende Anna Faris ist sich auch mit ständig offenstehendem Mund nicht für peinlichen Slapstick zu schade und das pseudo-polemische Ende, an dem die zuvor angedeutete Referenz an „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ dann wieder durchbricht, ist wirklich zuviel des Guten. Soviel oberflächliche Dummbrot-Blödelei ist man von Gregg Araki („Kaboom“) gar nicht gewohnt, auch wenn die Klassenkampf-Rezitation aus dem “Manifest der Kommunistischen Partei“ insbesondere für Soziologie-Studenten ganz interessant sein dürfte.

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Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

5 Antworten auf „Kontrapunkt: Trash X“

  1. „Private Collections“ versprach seinerzeit relativ viel. Aus diesem Grund wollte ich den rezensieren. Nur bei „Perfect Hideout“ hätte ich mir vorher den Trailer anschauen sollen, bevor mir MovieMaze die DVD schickt ;-). Und „Smiley Face“ konnte ich mir aus Gründen des Regisseurs nicht entgehen lassen, auch wenn es Jenny nie verstehen wird, was das für ein Argument ist ;-)…

  2. Den Araki versteh ich sogar. Jeder braucht eine Vorliebe für einen Regisseur, den andere sch***e finden. Ich sag nur Tony Scott.^^ Der Rest eröffnet mal wieder lauter Fragezeichen.

  3. „Die Kifferkomödie „Smiley Face“ ist wie ein Witz, bei dem sich der Erzähler verhaspelt“… Vielleicht ist das gerade der Sinn, oder die Absicht des Films. Schließlich kann ein Witze-Erzähler, der sich verhaspelt, sehr viel witziger sein als der Witz selbst. Nicht, dass ich da etwa aus eigener Erfahrung sprechen würde…
    Um jetzt aber etwas auszuholen: „Smiley Face“ ist nun nach „The Living End“, „Totally Fucked Up“ und „Nowhere“ der vierte Araki-Film, den ich gesichtet habe und steht nun in meiner bisherigen Best-Of-Liste auf Platz 2 (nach „The Living End“ natürlich). Sicherlich ist der Film im Vergleich zu den drei anderen… nun ja, etwas anders… zumindest oberflächlich… Vielleicht aber auch nicht: Jane kann man sich im Grunde gut als eins der Mädchen aus der Apokalypse-Trilogie vorstellen, die irgendwie die „Kurve gekriegt hat“, also zumindest keinen Selbstmord begangen oder sich in ein Ungeziefer verwandelt hat. Nicht Kunst studiert, sondern eben Wirtschaft, dabei aber auch in eine Kifferroutine geraten. „Smiley Face“ ist im Grunde wie seine anderen Filme auch das Portrait eines sozialen Außenseiters. Die breiten Totalen mit den verlorenen Figuren und die Empty-Room-Shots nutzt Araki ebenso weiter, wenngleich nicht mehr so prominent. Und genauso wie die anderen Araki-Filme versprüht auch „Smiley Face“ diese ungezügelte „Scheiss-drauf,-ich-zieh-mein-Ding-so-durch-wie-ich-will“-Atmosphäre, die manchmal durchaus in eine Sackgasse führen kann. Aber selbst in seinem Scheitern ist Araki interessanter als andere Regisseure, denen Filme restlos und risikolos gelingen.
    Es ist ebenso unterhaltsam zu sehen, was sich Araki unter einer „Komödie“ vorstellt: ein im Grunde ziemlich paranoider Horror-Trip einer Person, die so unschuldig und rein und gutmütig ist, dass sie schon fast was von einer Heiligen hat. Eine Heilige, die man einfach lieben muss, egal, wie abgefuckt sie durch ihr ständiges Kiffen ist. Vielleicht unterscheidet sich „Smiley Face“ aber gerade auch durch diese Distanzlosigkeit zu einer ausnahmsweise klar identifizierbaren Hauptfigur von den anderen Filmen. Das ist mal was anderes, aber nicht unbedingt schlechter.
    Mit anderen Worten: du hast es tatsächlich geschafft, mich dem Gregg-Araki-Fieber anzustecken. Danke für deine Leihgaben. Araki rockt! Und „Smiley Face“ macht da keine Ausnahme.
    P.S.: was die anderen Filme betrifft kann ich nur wiederholen, was ein Vorgänger bereits gesagt hat – „was guckst du denn wieder für einen Scheiss?“

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