Von Robot Chicken, via Roger Ebert.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=KRS90V8BQGo]
Von Robot Chicken, via Roger Ebert.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=KRS90V8BQGo]
![gelb! #2 [Stephan Wengler]](http://img11.imageshack.us/img11/3792/gelbt.jpg)
Mit fast einer Woche Verspätung gibt’s die neue Folge von gelb!, meiner freizeitlichen Beschäftigungstherapie bei Campus TV Jena. In gelb! werden Jenaer Künstler vorgestellt und nach der Indie-Band The New Economy haben wir für die zweite Ausgabe einen Ausflug in das Atelier des Bildhauers Stephan Wengler unternommen. Der Ort an sich hätte schon genügend Bildmaterial für eine zweistündige Doku ermöglicht, weshalb er dann auch zu einem Schlaraffenland für meine Wenigkeit hinter der Kamera geworden ist. Die üblichen Podiumsdiskussionen und Bachelorberichte sind schließlich nicht gerade der feuchte Traum selbstverliebter Kamerafrauen und -männer.
Nachdem wir den Termin bereits einmal wegen Regens verschieben mussten, bot dann jeder noch so winzige Sonnenstrahl Anlass zu Freudentänzen und musste sofort filmisch ausgenutzt werden. Dass jedoch nicht der Dreh, sondern der Schnitt die eigentliche Herausforderung sein würde, hatten wir zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht geahnt. Vor- und Abspann waren schließlich schon für die letzte Folge fertig geschnitten. Doch nichts da! Erst galt es, dafür neue Musik zu finden, weil Jena TV seit kurzem ohne GEMA-Gebühr auskommt (was man leider auch hört), dann musste das Ganze (inkl. der s/w/gelb -Effekte) neu geschnitten werden, denn “asymmetrische Kommunikation” innerhalb der Redaktion hatte dazu geführt, dass das Schnittprojekt gelöscht worden war.
Nicht nur eine neue Folge ist hier also zu finden, sondern als kostenloses Sonderangebot noch neue Credits inkl. neuer Gema-freier Musik gesponsert vom mysteriösen Musikmaestro pbmr. Gelb! ist jetzt übrigens auch bei MySpace zu finden.
[blip.tv ?posts_id=2308756&dest=-1 width=”480″ height=”390″]
Die Nebenwirkungen des Kinos sind unerträgliche Kopfschmerzen, permanente Schweißausbrüche, marternder Muskelkater, ermattende Müdigkeit, stets schwankende Stimmungen und in die Höhe schießende Cholesterinwerte. Zumindest wenn man ein Filmfestival in Italien besucht. Von einer Bahn zur nächsten geht es da, dann ab ins Flugzeug, wieder der Bus und als Abrundung nochmal die Bahn. All das nicht etwa um die äußerst schöne, mit Arkadengängen und einem zuverlässigen Sommerwetter gesegnete Stadt zu erkunden, sondern den ganzen Tag in dunklen Höhlen eine Wand anzustarren. Filmfestivals können offensichtlich zur grausamen Tortur ausarten, für deren Besuch man eigentlich bezahlt werden müsste.
Ein klitzekleines bisschen dramatisiert mag das erscheinen, doch nach zwölf bis dreizehn Stunden Anreise, die nachts um drei ihren Anfang nahm, kann eigentlich nur eine Ansammlung von Ausrufezeichen das Gefühl der Ankunft am Ziel adäquat beschreiben. Das seltsame an der Sache ist nur, dass es sich nach all dem wieder einmal gelohnt hat.
Wie auch seine 22 Vorgänger hat sich diese Ausgabe von “Il Cinema Ritrovato” in Bologna der Bewahrung des internationalen Filmerbes verschrieben. Vor allem das Fachpublikum (Filmwissenschaftler, Restauratoren, Archivare) hat sich vom 27. Juni bis zum 4. Juli in der italienischen Stadt eingefunden, um frisch restaurierte Kopien von Klassikern ebenso wie vergessenen Werken zu betrachten und jeden Abend auf der Piazza Maggiore mit den Bewohnern der Stadt Meisterwerke zu genießen. In drei Kinos (zwei Sälen der Cineteca und dem Cinema Arlecchino) wurden tagsüber Filme aus den verschiedensten Reihen gezeigt.
Letztes Jahr war es Josef von Sternberg, dieses Jahr Frank Capra, der zum Director in Focus erkoren wurde. Mr. Capra Goes to Town hieß die Reihe und bot die seltene Möglichkeit, die frühen Stumm- und Tonfilme des Meisters zu sehen, darunter seine Arbeiten mit Barbara Stanwyck. Gerade diese war eine außergewöhnliche Entdeckung, rettete sie mit ihrer bloßen Präsenz doch so manch unglaubwürdiges Happy End über die Spielzeit. Capras bekannteste Filme aus dieser Zeit – “The Bitter Tea of General Yen” und “Platinum Blonde” – wurden ihrem Ruf gerecht, doch überstrahlt wurden beide von “Forbidden”, welcher die für den Regisseur typische unterschwellige Melancholie und seine melodramatischen Elemente nahezu perfekt mit dem üblichen Capra-Witz verbindet. Alles in allem reichte die Qualität der Filme zwar nicht an die der Sternberg-Reihe heran, schließlich wurden die Amerika-Trilogie (über Mr. Smith, Mr. Deeds und John Doe) und andere übliche Verdächtige aus gutem Grund ausgespart. Die Sternberg-Reihe hatte sich jedoch letztendlich als qualitativ konsistenter erwiesen, denn dessen Stummfilme konnten Seite an Seite mit den berühmten Dietrich-Filmen brillieren.
Im Rahmen der jährlichen Reihe Ritrovati & Restaurati sowie der Präsentationen der von Martin Scorsese gegründeten World Cinema Foundation fanden sich dagegen unzählige Highlights wie z.B. eine neue, vollständige Fassung von Die Ferien des Monsieur Hulot, die großartige Tragiksatire Kritische Jahre über den italienischen Faschismus, der vierstündige Cut von Edward Yangs “A Brighter Summer Day” mit dem jungen Chang Chen in der Hauptrolle und “Al-mummia”, der einzige Film des Ägypters Shadi Abdel Salam.
Am leichtesten lassen sich die Ergebnisse der Restauration für Laien wohl an der Farbe erkennen. Dementsprechend erscheint es nur logisch, dass In Search of the Color of Film sich allein diesem Thema widmete. Als Lieferant für allerhand Festival-Höhepunkte erwies sich diese Reihe, schließlich wurde im dafür ausgewählten Cinemascope-Kino Arlecchino nicht nur Godards “Pierrot le Fou” gezeigt. Gerade die weniger bekannten Werke stellten sich als wahre Perlen des Festivals heraus. Zu den besten Filmen zählten William Wellmans Frontier-Drama Track of the Cat mit Robert Mitchum, John Fords erster Farbfilm Drums along the Mohawk, in dem sich Henry Fonda und Claudette Colbert gegen Indianer und John Carradine erwehren müssen und Albert Lewins Pandora & the Flying Dutchman, der Ava Gardner und James Mason als mythisches Liebespaar vor einem surrealistischen Hintergrund vereint.
Gekrönt wurden die Kinotage von den täglich ab 22 Uhr beginnenden Vorstellungen auf der Piazza Maggiore. So zeigte King Vidor am Dienstag die urbane Massengesellschaft der 20er Jahre in “The Crowd”, am Donnerstag war an Hand von drei Kurzfilmen ein unmittelbarer Vergleich zwischen Charlie Chaplin und Buster Keaton möglich (Keaton hat gewonnen) und am Freitag konnte man Alida Vallis und Farley Grangers Hassliebe in “Senso” bewundern.
Mit Hilfe von Unmengen an Espressos, Cola-Dosen und italienischen Spezialitäten galt es tagtäglich den Energiehaushalt aufzufrischen. Neun Uhr morgens standen nämlich die ersten Vorstellungen an und zumeist endete der Tag auch erst Mitternacht, anschließendes Beisammensein samt Bierchen nicht mit eingerechnet. Filmfestivals sind eben kein Pappenstiel und vor allem nichts für Langschläfer, besonders wenn einem die Anreise noch drei Tage später in den Knochen steckt. Soviel zur um Mitleid heischenden Dramatisierung der Reise. Schlussendlich verliert das alles aber an Bedeutung, wenn man die seltene Möglichkeit geboten bekommt, vier bis fünf Filme am Tag zu sehen, von denen 60-70% bisher nicht einmal eine DVD-Auswertung erhalten haben und ein nicht geringer Teil diese wohl gar nicht erhalten wird. Bologna ist nicht zuletzt deswegen eine äußerst empfehlenswerte Destination für Cineasten und Cinephile, die verloren geglaubtes Kino wiederfinden wollen und das in einem einzigartigem intimen Kinoambiente abseits der kommerziellen Erwägungen von Filmmärkten und Gala-Premieren.
Alle beim Festival in Bologna gesehenen Filme werden, wie schon vor einem Jahr, demnächst an dieser Stelle mehr oder weniger ausführlich besprochen werden. Beiträge zur letzten Ausgabe findet man nach etwas Gescrolle hier.
Da ich mich in wenigen Stunden auf die beschwerliche, von diversen Zugfahrten und Flughäfen gesäumte Reise nach Bologna begebe, sei hier nur kurz erwähnt, dass es diese Woche bei the gaffer etwa ruhiger wird. Das heißt, dass Lutz mit seinem neuen Kontrapunkt wohl einsam die Stellung halten muss. Stammleser werden vielleicht merken, dass genau vor einem Jahr eine ähnliche Meldung hier gepostet wurde. In der überaus hübschen italienischen Stadt findet dieses Jahr nämlich wieder das Festival Il Cinema Ritrovato statt und eben jenes werde ich im Rahmen eines Exkursionsseminars erneut besuchen. Diesmal werden u.a. Filme von Frank Capra, King Vidor, Jean-Luc Godard, Luchino Visconti (“Senso” – Open Air!), John Ford und Jacques Tati (“Die Ferien des Monsieur Hulot”- ebenfalls Open Air!) zu sehen sein.
Wenn innerhalb der nächsten Woche also der ein oder andere Kommentar nicht freigeschaltet wird, liegt es daran. Wer mehr über das Festival erfahren möchte, kann sich den Bericht vom letzten Jahr durchlesen. Mir bleibt ansonsten nur noch, allen Lesern eine schöne, möglichst sonnige Woche zu wünschen! Arrivederci!
Memory’s a bitch. Erinnerungen brechen herein in den Alltag, wenn man sie am wenigsten braucht. Ein ganzes Leben lang verfolgen einen die Schlechten und die Guten muss man jeden Tag aufs neue vor dem Treibsand des Vergessens bewahren. Wie ein Puzzle drohen sie zu zerfallen, verschwinden einzelne Teile auf nimmer Wiedersehen, muss der Rest in einem unaufhörlichen Kreislauf immer wieder neu zusammengesetzt werden. Denn Erinnerungen, das sind Rückzugsorte und Versicherungen der eigenen Identität samt ihrer Vergangenheit. Wenn materielle Begleiter ihr Ablaufdatum längst erreicht haben, vergehen oder ersetzt werden, ermöglicht das Gedächtnis die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei beherbergt es die ultimative Subjektivität. Ist das Puzzle einmal neu zusammengesetzt, wird das Bild schließlich nicht zwangsläufig dasselbe sein.
Es mag verwegen klingen, aber Alain Resnais hat das Gedächtnis verfilmt. Mit all seinen Manipulationsmöglichkeiten, surrealen Überraschungen und der stets hervorlukenden Unberechenbarkeit eines Vierjährigen, der einem in der Bahn gegenüber sitzt, während man verzweifelt versucht, sich auf ein Buch zu konzentrieren. Das ist jedoch nur eine Deutung von Letztes Jahr in Marienbad, was zugleich die Frage beantwortet, warum der Film von nicht wenigen leidenschaftlich gehasst und als prätentiös bezeichnet wird. Alternativer Untertitel: Alles, was wir am “Kunstkino” hassen.
Resnais hat zugegebenermaßen einen schweren Film gedreht, das reinste Rätsel, rafft der Zuschauer sich nicht auf, um für sich selbst Bedeutung in die Sache zu bringen. Ein Verwirrspiel der absoluten Relativität von Realität, welches so perfekt ineinander greift, so – das spürt man bei Anblick der 94 Minuten – konsequent durchdacht und konzipiert wurde, dass es als sinnlos abzutun, nur ein Symptom geistiger Faulheit wäre.
Der Film ist eine Herausforderung, alle Erwartungen, jede Vorstellung filmischer Konventionen hinter sich zu lassen. An der Oberfläche: Ein Mann, der eine Frau überzeugen möchte. Sie hatten vor einem Jahr eine Affaire, sagt er, in Marienbad. Vielleicht war es auch woanders. Sie erinnert sich nicht an ihn, doch er gibt nicht auf. Das alles in einem barocken Schloss samt geometrisch massakriertem Garten und teilnahmslosen Gästen. Sie reden aneinander vorbei, blicken ins Leere. Vielleicht sind sie Geister, vielleicht spielen sie aber auch gar keine Rolle, außer jener der leblosen Staffage der Erinnerung.
Lebendigkeit scheint X (Giorgio Albertazzi) ihr einzuhauchen, mit jedem Überredungsversuch ein bisschen mehr. “Wir waren da und da, sie haben das und das getan”, hört man in Variationen aus dem Off, selbst wenn sich im Bild ein anderes Ereignis abspielt. Später wird man es einordnen können, denn passende Bilder sind tatsächlich vorhanden. X’ Gedächtnis neigt nur hin und wieder zur Asynchronität. Das ist es, was man sieht: Sein Versuch, die Erinnerungen, welche er von A (Delphine Seyrig) besitzt, umzuformen, bis der Ausgang der Affaire ihn zufriedenstellt. Ständig verzweifelt das “Nein, so ist es nicht gewesen, es war anders!” bis sich seine Version des Ablaufs durchsetzt.
Die klare Trennung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, selbst die Einheit von Zeit und Raum hebt Resnais in “Letztes Jahr in Marienbad” auf und bis man in den Film findet, ist das Gefühl eines kühlen Experiments voller Stillleben und quälend langer, diffuser Kamerafahrten nur schwer abzuschütteln. Jedoch nicht nur eine abstrakte Idee, ausgebreitet auf Spielfilmlänge ist sein Werk, vielmehr ein reichlich menschlicher Film, der ein wesentliches Phänomen unseres Daseins in bewegte Bilder zu fassen sucht.
Auf technischer Ebene brillieren die Macher. Labyrinthisch führt Sacha Vierny den Blick durch die prunkvolle Sterilität der Gänge, als würde es sich um die Windungen eines Gehirns handeln. Kombiniert werden die Bilder virtuos, denn X springt von Moment zu Moment. Manchmal ist es auch nur der Hintergrund, der sich wandelt, so als sei er sich selbst nicht mehr sicher, wo das Gespräch nun wirklich stattgefunden hat. Doch ein “wirklich” gibt es in diesem Film ja sowieso nicht. Selten drängt sich die Montage derart invasiv ins Filmerlebnis und wo danach oft nur die prätentiös verschleierte Leere vorherrscht, ist diesem und den anderen Stilmitteln Resnais’ problemlos ein Motiv für die Auswahl zuzuordnen.
Letztes Jahr in Marienbad ist kein Erzählkino, denn Erinnerungen kommen selten mit einer gewöhnlichen continuity im Handgepäck. Der Film wird vor unseren Augen von X konstruiert. Allerlei Umwege und Einbahnstraßen müssen dabei eben in Kauf genommen werden. Nichts ändert das an der Tatsache, dass Resnais jedem, der will, eine einzigartige Erfahrung bereitstellt. Alles, was zu tun bleibt, ist auf Play zu drücken.
Aber vielleicht war es ja auch ganz anders.