Kontrapunkt: … und wieder 96 Stunden

96 Hours - Taken 3 - Poster 1Erst wurden seine Frau und seine Tochter entführt, dann er selbst und seine Frau. Dieses Mal haben die Bösewichte dazugelernt: Die neue Frau vom ehemaligen Geheimdienstagenten Bryan Mills (Liam Neeson) liegt tot auf dem Bett – und er steht fassungslos im Zimmer. Vor der ankommenden Polizei gelingt ihm eine halsbrecherische Flucht, doch nun steht er für die Ermittler um Detective Frank Dotzler (Forest Whitaker) als Hauptverdächtiger da, der erst einmal mühsam seine Unschuld beweisen muss. Doch wer war der Täter?

Vom anspruchsvollem Arthouse zum atemlosen Actionfilm verschlug es den Charaktermimen Liam Neeson erst 2008 – mit der erstmaligen Verkörperung des Ex-Geheimdienstlers Bryan Mills. Engagements als Hannibal im unsäglichen „A-Team“-Film (2010) und US-Marshal im Flugzeug-Thriller „Non-Stop“ (2014) folgten und lassen den grimmigen Nordiren, inzwischen 62, zum heißen Anwärter auf ein Engagement im nächsten Rentner-Söldner-Spektakel werden. Rein optisch haben 96 Hours – Taken 3 und Expendables 3 dabei mehr gemein, als dem Actionfan lieb sein kann: „Transporter“-Regisseur Olivier Megaton wackelte und reißschwenkte bei den zahlreichen Verfolgungsjagden zuviel, als dass man klar und deutlich diejenige der zahlreichen deutschen Automarken erkennen könnte, die gerade zertrümmert wird. (Nur ein Porsche, der am Ende ohne sichtbaren Kratzer hinterher einem Flugzeug bei Vollgas das Vorderrad kaputtfährt, ist deutlich zu erkennen.)

96 Hours Taken 3 Liam neeson Forest Whitaker
Auch inhaltlich überzeugt der dritte und – glaubt man der Werbezeile „Alles endet hier“ – auch letzte Teil der Rache-und-Entführungs-Saga eher weniger, hat er doch mindestens eine arg konstruierte Wendung zuviel, als dass man noch von Raffinesse sprechen könnte. Luc Besson beweist nach „Lucy“ in dieser (streng genommen) französischen Produktion erneut, dass er einfach nicht mehr so gut ist wie noch vor 15 Jahren. Spannend ist das leider auf Jugendfreiheit getrimmte Szenario aber trotzdem bis zum Ende. Markige Oneliner außer dem bereits bekannten „Good luck!“ als Kampfansage an die Polizei sucht man dabei vergebens – aber die passen auch nicht zum Gestus eines knallharten Actionhelden, der dieses Mal von drei Gehilfen aus alten Zeiten aktiv unterstützt wird. Der korpulente Forest Whitaker als nahezu autistisch an einem Schnippgummi und einer Schachfigur herumfingernder Polizist hat gegen Neesons Präsenz ohnehin das Nachsehen.

Fazit: 96 Hours – Taken 3 ist ein letztlich enttäuschender Genre-Beitrag mit einem physisch beeindruckenden Liam Neeson als gnadenlosem Rächer, bei dem man Logik nicht hinterfragen sollte. Innerhalb der Reihe ist es allerdings der schwächste Teil. „Alles endet hier“ – na hoffentlich!

96 Hours – Taken 3
Kinostart: 08. Januar 2015
Länge: ca. 103 Min.
FSK: ab 16

Kontrapunkt: Robert Redford und die Absurdität des Lebens

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Ein roter Container treibt herrenlos im Meer. Plötzlich setzt ein Voice-Over ein, ein Mann spricht den Abschiedsbrief, den er in einer Flaschenpost auf den Weg schickte. „Es tut mir leid“, hebt er an, später: „Alles ist verloren.“. Es sind die gefassten Worte eines Schiffbrüchigen, den jede Hoffnung aufs Überleben verlassen hat. Ein Filmbeginn, der in seiner Tragik selten geworden ist.

„All is Lost“ lebt von lange nachwirkenden Szenen wie dieser, von einer tiefen Melancholie und Einsamkeit. Dieses intensive Drama ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein metaphysischer Kampf ums Überleben in einer lebensfeindlichen Umwelt. Nicht im luftleeren Raum des Weltalls findet er statt wie jüngst die spannende Weltraumoper „Gravity“, sondern auf der Erde, irgendwo im Indischen Ozean. Wie der Segler mit Rollennamen „Our Man“ an diesen feuchte Nicht-Ort geriet, bleibt ungeklärt. Doch nach einem Container voller Schuhe, der ein großes Loch in den Bauch seiner Yacht reißt, folgt gleich die nächste Unwägbarkeit: ein Sturm zieht auf und setzt Boot und Ein-Mann-Besatzung ordentlich zu. Natürlich gelingt es nicht, ein Notrufsignal abzusetzen, denn das Funkgerät ist defekt. Natürlich ist all das konstruiert, doch das fällt hier kaum ins Gewicht.

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Robert Redford spielt diesen Mann – die einzige Figur des Films – zunächst voll innerer Ruhe und Gelassenheit, dann jedoch mit zunehmender Verzweiflung. Er kann auch mit Reparaturen an seiner Yacht, mit Schadensbegrenzungsaktionen während des Sturms nicht dem Schicksal trotzen. Schließlich wird sein Schiff untergehen, er ohne Trinkwasser und Nahrung in seinem Gummi-Rettungsboot harren, nahe einer internationalen Handelsroute auf Hilfe hoffen. Er steht dem ungleich bedrohlicheren zweiten Hauptdarsteller ohnmächtig gegenüber: dem Sounddesign. Die reduzierte Tonkulisse mit dem Knarren und Bersten des Holzes, dem pfeifenden Sturm und donnerndem Gewitter wird fast unmerklich die beinahe schon zärtliche Musik von Alex Ebert untergemischt. Sie ist unaufdringlich und zurückhaltend, wie Redfords großes Schauspiel, spiegelt aber mit einer beklemmenden Verlorenheit die Tragik und Einsamkeit seiner Situation. Monologe hält der inzwischen 77-jährige Redford in seiner für den „Golden Globe“ nominierten Hauptrolle nicht, nur wenige Sätze kommen ihm in der Stille des Meeres über die Lippen. So bleibt viel Spielraum im Kopf des Zuschauers über das Innenleben dieser isolierten Figur, über die Absurdität ihres Lebens an sich in einer stummen, unendlich erscheinenden Welt des Wassers da draußen, die nicht antworten wird. Um ihn herum nie sichtbar, aber dennoch stets nah der Tod. Die Raubfische unter seinem Gummiboot lauern schon.

„All is Lost“ ist eine Robinsonade auf dem Meer, eine puristische und dramaturgisch noch stärker reduzierte Version von „Cast Away – Verschollen“, doch dabei fokussiert auf den Überlebenskampf. Ein beeindruckendes Filmerlebnis ohne schmückendes Beiwerk, bei dem sich nur am Ende das Pathos in die Erzählung drängt. Doch da lässt man sie gern passieren, weil es in einem radikalen Realismus die längst verlorene Hoffnung wiedergibt.

Titel: All is Lost
Kinostart:
09. Januar 2014
Länge: ca. 106 Min.
Verleih: Square One/Universum Film (auch Copyright der Bilder)

Kontrapunkt: Flop Five 2013

Das Filmjahr ist vorbei – Zeit, einmal Bilanz zu ziehen. Nicht die Meisterwerke sollen aus meinen gesehenen 89 Filmen mit Kinostart 2013 herausdestilliert werden, sondern die schlechtesten Filme des Jahres. Also seid bei folgender Auflistung gewarnt.

Rush - Alles für den Sieg Ron Howard Daniel BrühlPlatz 5: Rush – Alles für den Sieg (USA/D/GB 2013)
Die Formel 1 hat zahlreiche spannende Geschichten zu erzählen, besonders, wenn es auf der Strecke nicht um die Dauerweltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel geht. Die Rivalität zwischen James Hunt und Niki Lauda in den 70er Jahren wäre so eine, doch Pathoskeulenschwinger Ron Howard inszenierte sie als stumpfes Buddy Movie-Melodram trotz eines überraschend starken Daniel Brühl mit unsympathischen Charakteren, das kalt lässt. Mit hoher Farbsättigung und minimaler Übersichtlichkeit nahm Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für „Slumdog Millionär“) den Rennszenen die letzte Spannung und dem „Drama“ durch Reißbrettpsychologisierungen seine Intensität. Ein Kratzen an der geschniegelten Lackoberfläche – mehr ist die überschätzte Gurke „Rush“ nicht.

Wir sind die Millers Jennifer AnistonPlatz 4: Wir sind die Millers (USA 2013)
Rawson Marshall Thurber lieferte 2004 mit „Dodgeball“ ein großartiges Kino-Regiedebüt, das gekonnt den Fitnesswahn auf die Schippe nahm. Der Humor ging – wie es der deutsche Titel versprach – voll auf die Nüsse und versprühte das lockerleichte Anarcho-Feeling der frühen Farrelly-Brüder. Davon ist nach fünf Jahren Regiepause in dieser spießigen 08/15-Klamotte mit absehbaren Wendungen nichts mehr zu spüren, in dem eine wild zusammengewürfelte Patchwork-Familie auf Zeit Drogen über die Grenze schmuggeln soll. Die Figuren sind Klischees, Jennifer Aniston zieht trotz ihrer Rolle als Stripperin aus Rating-Gründen nie blank und die Gags strotzen vor der infantilen Peinlichkeit eines verklemmten Teenagers, der am Strand beim Blick auf vollbusige Frauen unter Beifallklatschen seinen ersten Ständer bekommt. Eine Komödie aus der Retorte ohne Mut, Hintersinn oder Niveau.

Tore tanzt ZDF kleines FernsehspielPlatz 3: Tore tanzt (D 2013)
Jesus hatte es schon nicht leicht während seines Martyriums – der Zuschauer bei „Tore tanzt“ auch nicht. Die titelgebende Hauptfigur (Julius Feldmaier) ist ein friedliebender Jesus-Freak, der seine Nemesis in dem die Stieftochter missbrauchenden Familienvater Benno (Sascha Alexander Gersak) findet. Dieser Despot lässt ihn unter zunehmender Unterstützung seiner Frau vergammeltes Fleisch essen, schickt ihn auf den Schwulenstrich und sorgt schließlich für seinen Tod. Doch selbst als der Punk die Möglichkeit hat, zu gehen, steht er der Stieftochter bei. Moralische Botschaft? Fehlanzeige. Nachvollziehbare Handlungsmotivation? Nicht vorhanden. Persönliches Ärgern beim Anschauen? Maximum. Eine stumpfe, unnötig drastische und sinnfreie Nachhilfe in Sachen Gottvertrauen, die ungefähr so viel Spaß und Unterhaltung bereitet wie die eigene Kreuzigung.

Ohne Gnade - Birgit Stein Helge SchneiderPlatz 2: Ohne Gnade! (D 2013)
Boing, quietsch, bumm: „Mickey-Mousing“ ist eine Filmmusiktechnik, bei der gezeigte Geschehen auf den Punkt mit Geräuschen unterlegt werden. Auch „Ohne Gnade“, ein selten dümmliche Ausgeburt teutonischen Klamauks, bedient sich dieses Stilmittels – und sämtlicher Plattitüden, die man sich in Dialogen, Figurenzeichnung und Handlungsentwicklung vorstellen kann. Da soll sich Biene (Sylta Fee Wegmann) nicht „in den Schlüpfer puschen“, wenn ihre jüngere Schwester Püppi (Sina Tkotsch) versucht, Ronzo, den Stecher ihrer Mutter Hilde (Catrin Striebeck), eine Affäre mit einer Minderjährigen anzuhängen. Der Beginn eines lukrativen Geschäftsmodells. Mein lieber Scholli, wie eindimensional in diesem pseudo-emanzipierten Szenario die Männer als notgeile Pädophile gezeichnet werden, die – anstatt mal ordentlich das Ding reinzustecken – mit dümmlichem Hampeln lieber alberne Balztänze aufführen. Fremdschämalarm im lautesten und beklopptesten deutschen Film des Jahres – trotz Helge Schneider in einer Nebenrolle.

G.I. Joe - Die Abrechnung Bruce Willis Dwayne Johnson Channing TatumPlatz 1: G.I. Joe – Die Abrechnung (USA 2013)
Modernes Actionkino, besonders wenn es besonders viel gekostet hat, bedeutet auch massig CGI-Effekte und Epilepsie hinter der Kamera. Bei Pseudo-3D mit digitaler Hochrechnung verursacht das abartig schnell Augenkrebs und Verärgerung. Ungleich des ebenfalls nervigen „The Rock“-Vehikels „Fast & Furios 6“ gesellen sich in „G.I. Joe – Die Abrechnung“ auch noch ein sinnfreier Nebenplot mit Ninjas hinzu und eine Figur, die seit dem ersten Teil tot ist. Mit den Actionfiguren der Spielzeugreihe infantile Feuergefechte aufzuführen wäre dramaturgisch komplexer als dieses Sammelsurium betont extrovertierter Kampfanzüge mit Schauspielergesichtern. Wahrlich ein „lärmender Kindergarten ohne Erziehungsberechtigte“ von dem nur Channing Tatum gecheckt hat, dass es eigentlich große promilitaristische Scheiße ist, in der er gerade mitspielt, und mal schnell weg musste.

Im Verfolgerfeld:
Die seeeehr spezielle 60er Jahre-Krimihommage 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse, die blutige Grimm-Verhunzung Hänsel & Gretel: Hexenjäger, die faule Zaubershow Now You See Me – Die Unfassbaren, Ridley Scotts gelangweilt inszenierter Thrillertorso The Counselor, die nichtssagende Komödie Hasta la Vista, Sister sowie der feuchte Heimchentraum Austenland.

Nicht gesehen, aber mit Potenzial:
Das pathetische Betroffenheitskino The Impossible, das grenzdebile Parodie-Duo Ghost Movie und Scary Movie 5, den Scientology-Werbespot After Earth sowie den Meyer-Fantasieschinken Seelen.

Kontrapunkt: Bauarbeiter für einen Tag – am Set von „Kopfüber“

Kopfüber Sascha und Elli im Tunnel the gaffer

Ein grauer Morgen Anfang November 2011. Heute war ein Produktionstag vom Film „Kopfüber“, der in Jena gedreht wurde  – ich sollte als Komparse mit dabei sein. Meine Rolle: Bauarbeiter. Einsatzort: der Jagdbergtunnel in der Nähe von Bucha. Zusammen mit einem Student der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena, einen „Kollegen“ für diesen Tag, fuhren wir morgens über Ammerbach bis kurz hinter den Abzweig nach Oßmaritz und bogen dann links ab. Wir parkten mitten auf der Baustelle, dem Originalschauplatz, unweit des kleinen Catering-Wagens, dessen Bierzeltgarnitur im eisigen Herbstwind für die nächsten Stunden unser Wartesaal sein sollte. Dass hier ein Film gedreht wurde – Arbeitstitel damals: „Das verlorene Lachen“ – konnte man als Nichteingeweihter von außen kaum erahnen. Nirgendwo waren Schweinwerfer oder große Kulissenbauten zu sehen. Zusammen mit einer Handvoll weiterer Bauarbeiter-Komparsen, die mit Gummistiefeln, Warnweste und orangefarbenen Overall ausgestattet waren, warteten wir ab etwa 08.30 Uhr auf unseren Einsatz.

Kopfüber Frieda im Jagdbergtunnel bei Jena kleinHeute standen die Szenen rund um die Tunnelbaustelle an, welche im Film letztlich etwa 2 Minuten ausmachen. Wir wurden benötigt für eine Einstellung, in der die Hauptfiguren Sascha (gespielt von Marcel Hoffmann) und Eli (Frieda Lehmann) in die Baustelle des Autobahntunnels hineinlaufen und sich dabei vor nahenden Bauarbeitern verstecken. Die beiden Kinderdarsteller wurden von ihren Eltern gegen 10 Uhr zum Baustellen-Set gebracht. Bis zur Mittagszeit wurde mit ihnen gedreht, dann waren erstmals auch drei meiner „Kollegen“ gefragt, während der Student aus Jena und ein ergrauter Mann aus Sonneberg – jeweils zum ersten Mal bei einem Filmdreh dabei – mir beim Warten Gesellschaft leisteten. Nach einem reichhaltigen Mittagessen und diversen Runden Skat war es dann gegen 16 Uhr soweit: Wir wurden auf LKWs tief in den Autobahntunnel hinein gefahren. Die stickige Luft roch nach Abgasen, zahlreiche Lichtstrahler erhellten die Innereien der dunklen Höhle.  Zuerst eine Probe mit Marcel Hoffmann und uns, diverse Regieanweisungen. Dann zwei oder drei Takes – doch plötzlich bekam Marcel einen Wutanfall, beschimpfte die Crew. Marcel spielt im Film ein Kind, das an der Aufmerksamkeitsstörung ADHS leidet – und hat auch im wirklichen Leben mit diesen Problemen zu kämpfen. Es dauerte mehrere Minuten, bis er sich beruhigt hatte. Dann ging es weiter: Immer wenn es hieß „Und bitte!“, gingen wir die schlammige Straße entlang – und nach „Danke!“ wieder zum Ausgangspunkt, einem Durchgang zwischen den beiden einzelnen Röhren, zurück.

Gegen 18.30 Uhr war alles im Kasten. Der graue Morgen hatte sich in einen verregneten Abend verwandelt. In den Gummistiefeln glichen meine Füße vom Gefühl her Eiskristallen. Es war eine interessante Erfahrung, bei „Kopfüber“ dabei zu sein – auch wenn meine Kollegen auf Zeit und ich nur unscharf in einer weiten Einstellung zu sehen sind und durchs Bild laufen, für wenige Sekunden.

Kopfüber läuft seit 07. November im Kino (Copyright Bilder: Alpha Medienkontor). Hier meine Filmkritik auf MovieMaze.de

Kontrapunkt: „Kopfüber“ ins Logikloch

Kopfüber Bernd Sahling Jena Panorama vom LandgrafenWenn Jena mal wieder zur Kulisse wird, freut sich der einheimische Blogger. Zumal, wenn er selbst als Komparse am Set war. So wurde vom September bis November 2011 der Kinderfilm Kopfüber in der und um die Saalestadt gedreht. Ein Grund, zum Kinostart am 07. November 2013 mal etwas genauer hinzuschauen und einige „lokale Ungereimtheiten“ oder Kuriositäten aufzudecken.

Sportlich, sportlich
Kopfüber Heimweg Alpha Medienkontor
Gleich am Anfang wird der Supermarkt „tegut“ in der Goethegalerie Jena zur Filmkulisse. Sascha (Marcel Hoffmann) und seine Filmmutter (Inka Friedrich) gehen dort einkaufen. Eigentlich ergibt das keinen Sinn, da die Familie in Jena-Nord, in der Nähe der Closewitzer Straße wohnt. Sie müssten – wohlgemerkt ohne Auto – eine Strecke von knapp 4 km zurücklegen,  um ihren Einkauf bis dorthin zu schleppen (Screenshot bei 03 Min. 57 Sek. – das Copyright liegt übrigens beim Verleih Alpha Medienkontor und Anne Misselwitz).

Kopfüber Marcel Hoffmann Jena Lobeda Alpha MedienkontorDoch der 10-jährige Sascha und Nachbarin wie Freundin Elli (Frieda Lehmann), die häufig zusammen mit dem Fahrrad Jenas Umgebung erkunden, verfügen auch sonst über eine gute Kondition. Ein nachmittäglicher Ausflug verschlägt sie satte 13 km Richtung Cospoth, wobei sie den Berg – sollten beide tatsächlich von der Closewitzer Straße losgefahren sein – von der falschen Seite erklimmen, nämlich von Richtung Göschwitz (siehe Screenshot bei 12:50).

Kopfüber Marcel Hoffmann Jena Winzerla Anna-Siemsen-StraßeNoch denkwürdiger wird jedoch die Abfahrt. Die führt Sascha angeblich zu seinem Bruder – der ihn jedoch nicht in der Gegend rund um die Closewitzer Straße erwartet, sondern in der Anna-Siemsen-Straße im Jenaer Stadtteil Winzerla – wiederum satte 8 km von zuhause weg (17:53). Rabauke Sascha tauscht geklauten Schnaps gegen Geld und radelt weiter an der Sparkasse in Winzerla vorbei zu einem Zigarettenautomat. Kopfüber Marcel Hoffmann Jena Lobeda Fritz-Ritter-Straße ZigarettenDer befindet sich in Lobeda-West (18:19), vermutlich in der Fritz-Ritter-Straße, nahe dem Studentenclub „Schmiede“. Das liegt nicht gerade auf seinem Heimweg, schließlich sind es von Winzerla hierher 4,5 km und vom Zigarrettenautomat nach Hause nochmal 9,8 km. Ein ordentliches Pensum, selbst für einen geübten Sportler: 35 km ist Sascha an diesem Tag geradelt – nach der Schule, versteht sich.

Bekannte GesichterKopfüber Marcel Hoffmann Alt-LobedaDass Sascha mit seinem Erziehungsbeistand vom Jugendamt in Alt-Lobeda – vermutlich im Café am Kirchberg – Eis essen geht, was „nur“ 8,3 km von seinem Zuhause entfernt ist, erscheint da auch ohne mitgebrachtes Fahrrad ein Klacks. Im Hintergrund sitzt eine Studentin und liest ein Buch, während draußen ein Typ mit nackenlangem Haar und Pullover vorbeischlendert (26:48). Während sich erstere auch in meiner Facebook-Freundesliste wiederfindet, schreibt letzterer unter dem Codenamen vannorden auch hier beim Blog mit.

Kopfüber Jagdbergtunnel Autobahn BauarbeiterDer Verfasser dieser Zeilen stolpert nicht ganz so auffällig durchs Bild. Nach 40 Minuten verschlägt es Sascha und Elli in den Jagdbergtunnel bei Göschwitz in der Nähe vom Cospoth beim kleinen Dorf Bucha. Dort verstecken sich die beiden neugierigen Kinder vor drei Bauarbeitern. Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, müsste ich selbst der zweite sein (40:43). Kopfüber Marcel Hoffmann Frieda Lehmann Autobahntunnel LobedaDer Jagdberg-Autobahntunnel ist übrigens bis heute noch nicht in Betrieb genommen, weswegen das Schlussbild an der Autobahn (87:30 bis 87:40) wiederum nicht dort, sondern an der Autobahnbrücke in Jena-Lobeda gedreht wurde.

Übrigens: Die Frau vom sogenannten „Komparsencasting“ im Abspann ist auch falsch geschrieben: Sie heißt nur Susan Kuhne (ohne „ne“ beim Vornamen). Darüber regte sie sich auf bei unserem gemeinsamen Besuch der Weltpremiere auf der Berlinale dieses Jahr.