Kontrapunkt: Film vs. Buch – Homo Faber

Dass beide Medien unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten haben, beim Roman die Sprache, beim Filmen die Bilder und Töne, ist nicht neu. Doch Volker Schlöndorff, der „Die Blechtrommel“ von Günther Grass fürs Kino durchaus adäquat für die Leinwand aufbereitete, ignoriert in Homo Faber (F/D/GR/GB 1991) diesen Fakt. Natürlich will er sich eng an die Vorlage halten, um die Leser des Buches nicht zu verärgern und um Max Frischs Bericht um die letzten Monate eines rational denkenden Logikmenschen gerecht werden zu können. Doch dieses Vorhaben scheitert nicht nur in Anbetracht einiger Freiheiten, die er sich dabei nimmt und auf die noch näher einzugehen sein wird. Wenn Walter Faber im Buch emotional unterkühlt daherkommt, aber der Leser immer wieder tief in seine Psyche einzudringen vermag, für die menschliche Empathie ein Fremdwort zu sein scheint, in seine Lebenslügen und die wehmütige Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit, so endet das Einfühlungsvermögen des Films – ohne Schrift, aber eben mit Bildern – vor den runden Brillengläsern der von Sam Shepard unzugänglich, gar unsympathisch verkörperten Hauptfigur.

Diese Hauptfigur ist ein gestandener Mann, unnötig und unpassend stilisiert zum Womanizer. Auf dem anfänglichen Flug, bei dem er Herbert Hencke kennenlernt, wird ihm bereits eine unglaubwürdige Affäre mit der Stewardess angedichtet, die es im Buch nicht gibt. Faber wird im Laufe der Handlung konfrontiert mit dem Tod seines ehemals besten Freundes Joachim, lernt nach einem Wiedersehen mit seiner Flamme Ivy seine ihm unbekannte Tochter Elsbeth kennen, mit der er schließlich zusammen durch Europa tourt. Am Ende steht dabei Fabers Wiedersehen mit seiner ehemaligen Fast-Ehefrau Hanna und Mutter Elsbeths – unter traurigen Umständen.

Die Figur des Amerikaners Marcel, welchem Faber und Hencke in Palenque begegnen, fehlt ganz, was allerdings nicht weiter stört. Ohnehin ist ein Film darauf angewiesen, die komplexen Bilder und Motive des Buches zu vereinfachen, für die Geschichte Unerhebliches auszusparen. Die Reise zur Farm von Joachim wird verknappt, die Öde in der schwirrenden Hitze von Palenque, im Buch wiederum stimmungsvoll geschildert, fällt weg und wird aufs Nötigste zusammengekürzt. Nahezu unverzeihlich sind jedoch die sich fundamental voneinander unterscheidenden Enden. [SPOILER] Während Faber im Buch seinem Magenkrebsleiden erliegt, rahmt der Film die Geschichte dadurch, indem Hanna Faber zum Flughafen bringt (getaucht in Sepia-Töne). Dieser wohlgemerkt in dem Wissen über die Geschehnisse, die dann – der Struktur des Buches als „Bericht“ sehr ähnlich – rückblickend geschildert werden. Unverzeihlich ist dies deswegen, weil der Film Fabers Zusammenbruch auf der Flughafentoilette zu Beginn als Auswirkung dieses Leidens zeigt, dies aber dann zugunsten eines weniger pessimistischen Endes – in welchem Faber immerhin mit dem Leben davon zu kommen scheint – fallen lässt. [SPOILER ENDE]

Sam Shepard gelingt es dabei in der Hauptrolle nie, Sympathie zu wecken. Dies ist auch seinem – in der deutschen Synchronisation – mehr oder minder lustlos vorgetragenem Off-Kommentar geschuldet. Julie Delpy als jugendlicher Wirbelwind Elsbeth vermag durch ihren frischen Charme aus der Besetzung noch herauszustechen, Barbara Sukowa als Hanna und Deborra Lee-Furness als Ivy gelingt es jedoch kaum, Akzente zu setzen. Über allem thront jedoch Schlöndorffs unentschlossene Regie, die nicht so recht weiß, wo sie der literarischen Vorlage treu bleiben kann und wo sie ihr treu bleiben soll. Das Medium Buch lässt sich vom Medium Film nicht ohne Qualitätsverlust übertragen – das beweist zumindest „Homo Faber“

Kontrapunkt: Die Filme von Terrence Malick

Gerade einmal vier Filme drehte der Harvard-Absolvent in Philosophie Terrence Malick in einem Zeitraum von 32 Jahren. Nach „Badlands – Zerschossene Träume“ (1973), „In der Glut des Südens“ (1978), „Der Schmale Grat“ (1998) und „The New World“ (2005) ist für 2010 sein neues Projekt angekündigt: „The Tree of Life“. Details über die Handlung um eine Adoleszenzgeschichte werden dabei wie ein Staatsgeheimnis gehütet, in den Hauptrollen werden Brad Pitt und Sean Penn zu sehen sein. Ein Grund mehr, sich einmal mit dem Schaffen dieses pressescheuen und geheimnisvollen, aber nicht desto trotz außergewöhnlichen Filmemachers auseinander zu setzen.

Seine beiden letzten Filme („Der Schmale Grat“ und „The New World“) lassen sich dabei ebenso als Einheit betrachten wie seine ersten beiden („Badlands“ und „In der Glut des Südens“). Die Frage bleibt jedoch bestehen, ob man von einem Früh- und Spätwerk Malicks sprechen kann. Denn zunächst: Allen Filmen von ihm sind mehrere ästhetische Gestaltungsmittel wie Motive gemein. Ein Voice-Over ist in allen vier Filmen zu finden, stets geht es um das Verhältnis vom Menschen zur Natur (illustriert durch zahlreiche Naturaufnahmen) und zu sich selbst, ein Feuer markiert stets einen Wendepunkt in der Story der Filme.

Doch während in „Badlands“ und „In der Glüt des Südens“ ausschließlich jeweils ein junges Mädchen ihre Sicht auf vergangene Ereignisse schildert und somit die jeweiligen Handlungen subjektiv kommentiert, reflektieren in „Der Schmale Grat“ und „The New World“ verschiedene erwachsene Charaktere in inneren Monologen ihr Verhältnis zum Leben, zum Tod und zur Liebe. Man könnte verallgemeinernd festhalten, dass die Naivität und Passivität im Voice-Over der ersten beiden Filme der Reife und Aktion im Voice-Over der letzten beiden gewichen ist. Oder: dass eine Entwicklung stattgefunden hat vom „Ästhetischen Stadium“ hin zum „Religiösen Stadium“ Kierkegaards.

Während „Badlands“ und „In der Glüt des Südens“ eine stringente Erzählung aufweisen, Auslassungen in Handlungsverläufen eher die Ausnahme sind, sind die Narrationen in „Der Schmale Grat“ und – insbesondere – in „The New World“ unzuverlässiger. Zu der elliptischen Erzählweise gesellen sich bebilderte subjektive Erinnerungsbruchstücke und Lücken in der Kausalitätsbeziehung. Auch in den inhaltlichen Motiven unterscheiden sich die ersten beiden Filmen Malicks von den letzten beiden signifikant. Zwar wird in allen vier Filmen das Motiv der unmöglichen Liebesbeziehung aufgegriffen, aber anders aufgelöst. Lassen sich dabei die ersten beiden Filme als Adoleszenzgeschichten begreifen, handeln die letzten beiden von Okkupation.

Badlands (USA 1973)

In „Badlands“ steht die Beziehung von Holly (Sissy Spacek) und Kit (Martin Sheen) schon deswegen unter keinem guten Stern, weil Letzterer Hollys Vater erschießt und bei seiner Flucht weitermordet. Nach anfänglicher An-ziehung und Liebe flachen Hollys Gefühle zu Kit ab und er ergibt sich schließlich freiwillig der Staatsmacht. Holly hat ihn kurz zuvor auf seiner Flucht durch die Badlands von Montana, einer öden Steppenlandschaft, verlassen. Kit ergibt sich in sein vermeintlich vorbestimmtes Schicksal und wird – wie wir im Voice-Over von Holly erfahren – hingerichtet. Die Inszenierung ist lapidar, wirkt zuweilen beklemmend durch die nüchterne Herangehensweise an angespannter Verhältnisse, die in Gewalt eskalieren. Zu nennen ist hier insbesondere Kits Mord an seinem Freund Cato, der sterbend auf dem Bett sitzend von Holly über ein Haustier befragt wird.

In der Glut des Südens (USA 1978)

Die problematische und letztendlich tödlich verlaufende Liebesgeschichte verläuft hier anders. Anfang des 20. Jahrhunderts reisen Abby (Brooke Adams) und Bill (Richard Gere) in den USA umher auf der Suche nach Arbeit. Das Pärchen, das sich offiziell als Geschwisterpaar ausgibt, hat Linda (Linda Manz), Bills kleine Schwester, im Schlepptau. Als sie einen Job bei einem Farmer (Sam Shepard) finden, verliebt sich dieser in Abby. Bill kann jedoch seine Gefühle nicht verbergen, obwohl diese Verbindung ein Leben im Wohlstand für alle bedeuten würde. Wie in „Badlands“ wird die Vaterfigur der Erzählerin letztendlich erschossen. Während in „Badlands“ jedoch das Niederbrennen des Wohnhauses von Holly die Wende in der Geschichte und die gemeinsame Flucht von Holly und Kit bedeutete, ist es hier das Verbrennen des Weizenfeldes bei einer Heuschreckenplage, wo der Farmer gegenüber Bill seinen wütenden Gefühlen freien Lauf lässt und sich der Konflikt zuspitzt.

Der Schmale Grat (USA 1998)

Bei diesem Film ist die durch Entfernung unmögliche Liebesbeziehung nur eine in einem größeren Kontext. Neben den Erinnerungen von Pvt. Bell (Ben Chaplin) an seine Frau und die glückliche gemeinsame Zeit vor seinem Kriegseinsatz werden das individuelle Verhältnis zum Tod und zum Leben ebenso wie die Frage nach dem Ursprung des Bösen thematisiert, welche zum Teil pantheistisch fundiert sind. Das Verhältnis des Menschen zu sich selbst (zu Feind und Vorgesetzten, der eigenen Kultur und des eigenen Lebensstils zu anderen) – in „The New World“ noch stärker herausgearbeitet – bildet den zentralen Bestandteil dieses gleichnishaften Films um die Eroberung der Insel Guadalcanal im Pazifikkrieg. Die Schönheit der Natur steht dabei der Grausamkeit des Krieges, die Liebe zum Leben dem Tod im Kampf gegenüber. Im Gewirr des Krieges hört der Film dabei in zahlreiche Charaktere „hinein“, innere Monologe werden auditiv wahrnehmbar.

The New World (USA/GB 2005)

Noch deutlicher als in „Der Schmale Grat“ geht es hier um Kolonialisierung. Anno 1607 landen britische Siedler in Amerika und sollen unter Führung von Captain Smith (Colin Farrell) eine Siedlung errichten. Dabei verliebt er sich in die Häuptlingstochter (eine Entdeckung: Q’orianka Kilcher) des dortigen Indianerstammes. Doch diese Liebesbeziehung zwischen zwei Kulturen sorgt dafür, dass sich Indianer und Kolonisten immer mehr verfeinden, sich gar bekriegen. Die Diagnose, dass es der durch Ständeschranken, Macht-verhältnisse und Besitzgier charak-terisierten Gesellschaft einer Alternative bedarf – ein Thema, welches in den ersten drei Filmen schon angerissen wurde – wird hier unter kolonialistischen Gesichtspunkten zuende gedacht. Während Pvt. Witt (Jim Caviezel) in „Der Schmale Grat“ die Idealvorstellung des Lebens, das er führen will, in dem Stamm eines indigenen Volkes findet (von dem er sich jedoch entfremdet), wird diese vorsündige Kultur in „The New World“ entweder vertrieben, zunehmend ausgerottet oder unter Aufgabe der natürlichen Identität in die eigene hineingezwungen. Aus diesem Grunde muss auch die (doppelte) Liebesgeschichte in „The New World“ tragisch enden.

Man kann diese Ausführungen – von Rezensionen kann dieses Mal kaum die Rede sein – als Prämisse verstehen. Als Mutmaßung um den Film, den uns der öffentlichkeitsscheue Filmemacher und Drehbuchautor im Jahre 2010 präsentieren wird. Ich, als Fan seiner ruhigen und tiefgründigen Erzählweise, freue mich jedoch schon auf „The Tree of Life“.

Peter Sellers [1964-1966]

Der letzte Teil meiner Peter Sellers-Retrospektive umfasste den Aufstieg des einstigen Radiokomikers vom Charakterdarsteller zum Superstar der internationalen Kinoszene. Passenderweise endete der Post mit Der Rosarote Panther, also Sellers‘ erstem Auftritt in jener Hassrolle des unfähigen Inspektors Clouseau, mit welcher der Brite noch heute allgemein assoziiert wird.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, stellt sich das Jahr 1964 im Nachhinein als massiver Wendepunkt dar. Unter der Regie von Stanley Kubrick sichert sich Sellers mit Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben endgültig seinen Platz in der Filmgeschichte. Großbritannien erst einmal hinter sich lassend, dreht er mit George Roy Hill, Vittorio De Sica, Blake Edwards und… Billy Wilder.

Doch während der Dreharbeiten für Küss mich, Dummkopf erleidet Sellers, damals 38 Jahre alt, mehrere Herzinfarkte. Die ohnehin stürmischen Dreharbeiten des Films werden danach mit Ray Walston in der Rolle des Orville fortgesetzt. Der Film floppt. Sellers überlebt.

In dem Jahr, in dem die Beatles Amerika eroberten, erreicht der Ex-Goon seinen kommerziellen Zenit. Vielleicht konnte es nach zehn Jahren Aufstieg als Schauspieler in der Folge nur bergab gehen. Unbestritten ist jedoch, dass die Kombination des enormen Erfolges mit einer gewissen „psychischen Instabilität“ infolge eines Nahtoderlebnisses Sellers zu einer unberechenbaren Diva am Set machen. Seine fragwürdige Rollenwahl zementiert den Abstieg.


1. Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (GB 1964)

Das Talent des Mannes der tausend Stimmen aus den Radiozeiten verschmilzt in Kubricks Satire mit seinen Fähigkeiten als Charakterdarsteller zum ersten und letzten mal zu einem absolut perfekten Amalgam komödiantischer Schauspielkunst.

War sein Markenzeichen, mehrere Figuren in einem Film zu spielen, in „Die nackte Wahrheit“ noch unausgereift und in „Die Maus, die brüllte“ ungleichmäßig verteilt, herrscht in „Dr. Seltsam“ eine ideale Balance skurriler Details, treffender Spitzen und urkomischer Monologe.

Animiert durch Kubricks Anregungen zur Improvisation, gedeihen Merkin Muffley, Lionel Mandrake und Dr. Seltsam selbst zu einem einander gänzlich ebenbürtigen Figurentrio. Die Tatsache, dass alle drei durch den selben Mann gespielt werden, ist hier kein Gimmick, welches den Rest des Films überschattet. Vielmehr ist sie schlicht ohne Belang.

Unvergessen bleibt das Telefongespräch des verzweifelten Präsidenten mit seinem betrunkenen russischen Kollegen: „Well now, what happened is… ahm… one of our base commanders, he had a sort of… well, he went a little funny in the head… you know… just a little… funny.

Seine zweite und letzte Zusammenarbeit mit Stanley Kubrick bringt Sellers‘ beste komödiantische Leistung hervor. Kein leichtes Unterfangen, in dem Jahr als Jacques Clouseau zum Headliner wurde.

2. Ein Schuss im Dunkeln (GB/USA 1964)

Kaum zu glauben, aber die berühmte Pink Panther-Reihe ist sozusagen das ultimative Beispiel für ein Phänomen, das im Englischen akkurat als scene stealing bezeichnet wird. Dieses beschränkt sich meist nur auf wenige Szenen, in denen eine einprägsame Nebenfigur den Hauptdarsteller überschattet, etwa Alan Rickmans Sheriff von Nottingham in „Robin Hood“ oder aber Billy Nighy, der als alternder Rockstar das ganze Ensemble von „Tatsächlich Liebe“ hinter sich lässt.

In „Der Rosarote Panther“ geriet die Nebenfigur des trotteligen Inspektors Clouseau überraschend zum Star und Kassenmagnet des Films, während Hauptdarsteller David Niven unfreiwillig – aber mit Stil – deklassiert wurde. Prompt wurde eine Fortsetzung nachgeschoben und Sellers‘ ebenso französischer wie aufgeblasener Depp stand mitten im Rampenlicht.

Im Gegensatz zu den späteren Filmen ist „Ein Schuss im Dunkeln“ weitgehend an klassischen Krimis orientiert. Noch geht es nicht um die Weltherrschaft, sondern „nur“ um einen Mord, in den ein Horde zwielichtiger Figuren, allen voran George Sanders als reicher Snob, verwickelt zu sein scheint.

Ungeachtet des recht zurückhaltenden Slapsticks – Zeitlupenkämpfe zwischen Clouseau und Kato sucht man vergebens – werden erst hier die berühmten Zutaten der Serie zusammengefügt: Clouseaus französischer Akzent degeneriert Schritt für Schritt ins Unverständliche; Dreyfus und Kato werden eingeführt; Clouseaus schrecklicher, aber sinnloser Verkleidungswahn beginnt.

„Ein Schuss im Dunkeln“ ist wohl genau deswegen der beste Film der ganzen Reihe. Es mangelt  glücklicherweise am destruktiven Exzess der 70er. Zugleich erreicht die Hauptfigur ihre ideale Reife. Noch ist dem unfähigen Inspektor ein Funke Menschlichkeit zu eigen; also ein Funke Stan Laurel.

3. Was gibt’s Neues, Pussy? (F/USA 1965)

Sellers‘ Karriere zu verfolgen, bietet auch ein hervorragendes Anschauungsmaterial gesellschaftlicher und filmgeschichtlicher Veränderungen innerhalb eines Zeitraumes von rund dreißig Jahren. Das reicht von seinen ersten Rollen in den klassischen Ealing-Filmen und -Klonen der Fünfziger, über seine Kooperation mit  der Regie-Ikone Stanley Kubrick, bis hin zu seinem letzten großen Film, „Willkommen, Mr. Chance“, gedreht von einem New Hollywood-Regisseur.

Unübersehbar ist hierbei der Einfluss der Counter Culture und Hippie-Kultur auf seine Rollenwahl. „Was gibt’s Neues, Pussy?“, ein Hohelied auf Selbstbestimmung, Promiskuität und Individualität, darf als ein überdrehter Vorläufer von Filmen wie „I Love You, Alice B. Toklas“ und „Der Partyschreck“ begriffen werden.

Basierend auf Woody Allens erstem Drehbuch ist der Film zuallererst, wie wenig später „Casino Royale“, eine Ansammlung zeitgenössischer Stars, der man die geschriebene Vorlage kaum anmerkt. Das Chaos regiert im Lustreigen um Peter O’Toole, Romy Schneider und Allen selbst.

Passenderweise spielt Sellers den wohl unseriösesten Psychoanalytiker aller Zeiten. Fritz Fassbender spricht wie es nur Nazis in englischsprachigen Filmen vermögen, trägt eine Perücke, die wohl Richard III. entlehnt ist und seine fragwürdige Gruppentherapie sollte zum Wohle angehender Psychiater nicht näher beschrieben werden [You’ll like this group analysis, it’s a real freak show. If it gets dull, we sing songs.].

Clive Donners anarchische Sex-Komödie wird nie in die vorderen Ränge irgendeiner niveauvollen Top Ten vordringen. Neben allen Filmen von Sellers, die unter einem schwachen Regisseur oder einem fehlenden Konzept – man möchte nicht sagen: Sinn – leiden, ist „Was gibt’s Neues, Pussy?“ aber noch sein bester.

Die Figur des Therapeuten Fassbender, dessen Neurosen die seiner Patienten bei weitem übersteigen, ist wie seine Charaktere aus der Goon Show durch seine mehr oder weniger abartigen Eigenheiten an sich lustig. Die zunehmend manische Spielweise kann damit noch als Gewinn gesehen werden. Dazu muss man sich jedoch erstmal auf diese überbordende Form der Sixties-Komödie einlassen.

4. Jagt den Fuchs (USA/GB/I 1966)

Was beim Wiener Psychiater noch gelingt, läuft ausgerechnet in einer Parodie auf neorealistische und/oder europäische Arthouse-Streifen qualvoll ins Leere. Wie ein Regisseur namens Vittorio De Sica („Fahrraddiebe“) nach einem Drehbuch von Neil Simon („Ein seltsames Paar“) einen dermaßen uninteressanten, ja langweiligen Film in die Kinos bringen konnte, ist mir einigermaßen rätselhaft.

Sellers als Fellini-Parodie Frederico Fabrizi ist in Wirklichkeit ein Meisterdieb und wohl darin liegt eines der vielen Mankos eines Films, der das Zeug zu so viel mehr gehabt hätte. Stattdessen wirkt die Kombination aus Parodie und Gaunerkomödie unnötig überladen, so dass am Ende auf keiner Seite Erfolge zu verzeichnen sind.

Darüber hinaus ist Sellers hier leider nicht besser als sein Film. Was seine untalentierte, damalige Ehefrau Britt Ekland an seiner Seite als Schauspielerin zu suchen hat, ist ebenfalls eine Frage, welche nur die Produzenten beantworten können. Genutzt hat das Auftauchen einer hölzern agierenden Schwedin als  heißblütige Italienerin dieser internationalen Koproduktion nichts.

„Jagt den Fuchs“ ist der erste einer Reihe von Flops und Filmen, die nicht einmal ins Kino kamen. Sellers‘ Pechsträhne findet in der mittelmäßigen Produktion ihren Startschuss und sollte erst knapp zehn Jahre später zu einem Ende kommen.


Der nächste Teil wird sich um die Zeit zwischen 1967 und 1974 kümmern, auch bekannt als „absoluter Tiefpunkt einer Karriere, um den kein Schauspieler zu beneiden ist“. Nur ein Lichtblick ist in Sicht: „Der Partyschreck“.

Anthony Wong im Doppelpack: The Untold Story (HK 1993) + Colour of the Truth (HK 2003)

Anthony Wong Chau-Sang, inoffizieller König der Category III-Filme und in unseren Breitengraden bekannt durch seine Rolle des Inspektor Wong in der Infernal Affairs Trilogie [ich sage nur: „Autodach“], ist der Hauptgrund, warum ich mir die zwei sehr unterschiedlichen Filme The Untold Story (1993) und Colour of the Truth (2003) angeschaut habe.

Wong, neben Lau Ching-Wan und Francis Ng einer der wichtigsten Charakterdarsteller Hongkongs, gilt als bad boy der Industrie. Ob er nun bei den HK Film Awards im Freddy Krueger-Kostüm auftaucht; erklärt, er werde seinen Award mit aufs Klo nehmen oder über das nicht vorhandene Talent seiner Kollegen herzieht, er hegt und pflegt seinen Status als enfant terrible. Seine legendären Interviews variieren zwischen genervt einsilbig und zutiefst sarkastisch.

An Kritik für seine heimische Filmwirtschaft und die eigenen Werke spart er nie. Wem das „Wir waren am Set eine große Familie„-Gesülze nervt, sollte sich mal zu Gemüte führen, was der vielfach ausgezeichnete Wong über Größen wie John Woo oder Tsui Hark zu sagen hat.

An mehr als 140 Filmen hat der 46 Jährige mittlerweile mitgewirkt. Offenkundiger Müll, wie Gen-Y-Cops, findet sich ebenso in seiner Filmografie, wie Arthousekost von Ann Hui. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in seinem Rollenrepertoire wieder.

Berühmt geworden durch wahnsinnige Mörder (The Untold Story, Ebola Syndrome) und gewissenlose Gangster (Hard Boiled), kann er den unauffälligen Normalo, der zum Berserker wird (Taxi Hunter, Beast Cops) ebenso glaubwürdig verkörpern, wie sympathische Vater- und Mentorfiguren (Infernal Affairs, Princess-D).

10 Jahre liegen zwischen The Untold Story und Colour of the Truth, die Unterschiede könnten kaum größer sein. Die bloße Präsenz dieser beiden Filme erzählt uns einiges über die Geschichte des Hongkong-Kinos.

The Untold Story (HK 1993)

Bei uns nennt man es FSK-18, in den USA NC-17, in Hongkong heißt es seit 1988 Category III, oder besser Cat. III. In anderen Ländern führt die Altersfreigabe „ab 18“ dazu, dass die Filmemacher versuchen dieses Etikett durch Schnitte zu vermeiden. Selbst ein Gewaltporno wie Saw IV (den ich gestern im Kino durchlebt habe) wurde aus kommerziellen Gründen so geschnitten, dass er nur ein R-Rating bekommen hat.

In Hongkong führte die Klassifizierung dazu, dass Produzenten begannen, bewusst das „Label“ Cat. III bis zum äußersten auszureizen. Wieviel Gewalt, Sex oder Gewalt und Sex kann man zeigen, bevor die Zensur einschreitet? Für wenige Jahre entwickelte sich so ein Genre, dessen Existenzberechtigung vielleicht fraglich, dessen Trashfaktor dafür erfreulich hoch ist. Viel Geld stand nie zur Verfügung. Warum auch, ging es doch vordergründig nur darum, für Freunde des schlechten Geschmacks möglichst viel Blut, Gedärm und nackte Haut in neunzig sinnfreie Minuten zu packen.

The Untold Story ist einer der Klassiker des Genres, was nicht nur an der extremen Natur des Films liegt. Der ein oder andere Zuschauer wird sich vielleicht hinterher wünschen, die titelgebende Geschichte wäre unerzählt geblieben.

Restaurantbesitzer Wong Chi-Hang (Anthony Wong) neigt dazu, seine köstlichen Fleischbällchen mit den Überresten ungeliebter Mitbürger zu füllen. Das ist auch kein Wunder, schließlich betrügt der Mann regelmäßig beim Mahjong. Einem solchen Menschen kann man alles zutrauen! Als die Polizei ihn festnimmt und ein Geständnis erpressen will, beginnt ein brutaler Foltermarathon.

Im Grunde hat Regisseur Herman Yau mit diesem überraschend logischen Schocker zwei verschiedene Filme gedreht, die zuerst parallel ablaufen und sich ab einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Film vereinigen. Mit einem seltsamen Ergebnis.

Der eine Teil erzählt in dreckigen Farben die Geschichte eines Serienmörders, dessen Metzgertätigkeiten vor keiner Altersgruppe halt machen. Wong spielt diesen geldgierigen Misanthropen so abstoßend und widerwärtig, wie man es nur selten bei einer Hauptfigur sieht.

Andere Psychopathen der Filmgeschichte gewinnen die Herzen des Zuschauers durch ihre charismatische Intelligenz und Überlegenheit (Hannibal Lecter? John Doe? Jigsaw?). Wong Chi-Hang ist nicht besonders schlau, hat schlechte Umgangsformen und ist die Unfreundlichkeit in Person.

Er wäre schon abstoßend genug, wenn er keine Frauen vergewaltigen und Kinder ermorden würde. Auch verweigert der Film eine Erklärung für diesen abscheulichen Charakter. Nein, es wird keine von einer dominanten Mutter kontrollierte Kindheit gezeigt oder irgendeine Ideologie, irgendein höheres Ziel angegeben, für das er all die Schandtaten vollbringt. Er ist einfach nur da und wir müssen damit leben.

Anthony Wong hat für die intensive Darstellung seinen ersten Hongkong Film Award bekommen, damals ein Novum für einen Cat. III-Film. Mir persönlich gefallen seine späteren Rollen besser, da in The Untold Story wenig Platz für Subtilität und Zurückhaltung geboten wird.

Trotzdem könnte sich in diesem Erzählstrang das Potenzial für einen – trotz seiner unglaublichen Brutalität – guten Film verstecken, sozusagen als frischer Wind im Serienkillergenre. Ein Film der seinen Killer mal realistisch anpackt.

Wären da nicht die Cops, also der bereits erwähnte „zweite Film“. Danny Lee (The Killer) führt sie an als etwas fragwürdige Autoritätsfigur. Er bringt ständig Nutten mit aufs Revier. Seine Untergebenen sind nicht viel besser und vertreiben die meiste Zeit damit, ihre einzige Kollegin zu hänseln. Was hier zwischen den unfähigen Ermittlern abläuft, trägt in großen roten Lettern mit Ausrufezeichen den Titel COMIC RELIEF! vor sich her und es passt überhaupt nicht in diese Serienkillerstory, die höchstens schwarzen Humor aufblitzen lässt, aber nicht viel mehr.

So kann der Zuschauer nach blutigen Zerstückelungen hin und wieder befreit aufatmen. Die düstere Atmosphäre ist aber dahin. Diese beiden Stränge treffen nach der Gefangennahme des Mörders zusammen. Die hölzern agierenden Darsteller der Polizisten und der in der Story angelegte unbarmherzige Umgang mit Wong Chi-Hang, der mit dem auf Rache versessenen Bruder eines seiner Opfer eingesperrt wird, führen am Ende sogar dazu, dass wir Mitleid mit dem Widerling empfinden.

The Untold Story darf sich aufgrund der schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers und der technisch versierten Regie von Herman Yau als Höhepunkt seines Genres feiern. Seine disparate Natur verhindert aber, dass ein wirklich guter Film im DVD-Player landet. So bleibt am Ende eher der Trashfaktor, der zugegebenermaßen abgestumpfte Zuschauer – wie mich – sehr gut unterhalten kann.

Colour of the Truth (HK 2003)

Nach der Rückgabe Hongkongs an China wurde der Untergang des Kinos der Sonderverwaltungszone überall vorausgesagt. Die großen Regisseure waren ins Ausland gegangen (John Woo, Ringo Lam, nun auch Wong Kar-Wai), die Zensur machte dem Cat. III-Genre ein Ende und die Filme zielten von Jahr zu Jahr immer mehr auf den Markt Festlandchinas ab.

Man geht davon aus, dass Hongkongs Filmindustrie früher oder später mit der Chinas verschmelzen wird. Das sind traurige Gedanken angesichts der Tatsache, dass kaum ein wegweisender Film, ob Drama oder Krimi, in China überhaupt gezeigt werden darf. Sozusagen als Schlag für die dahinsiechende Filmindustrie muss noch festgehalten werden, dass die Ticketverkäufe und Filmproduktionen Hongkongs pro Jahr stetig zurück gehen.

Es ist also kein Wunder, wenn man dort gnadenlos bekannte Erfolgsrezepte kopiert. Infernal Affairs und seine Ableger waren ein unerwarteter Hit an den Kinokassen gewesen, d.h. früher oder später wurden Undercoverdramen und Triadenfilme en masse produziert, die vom Hype profitieren wollten.

Colour of the Truth geriet schnell in den Verdacht ein solcher Abkömmling zu sein, nicht zuletzt wegen seiner Besetzung. Bedenkt man, dass Wong Jing, der Albtraum aller geschmackvollen Kritiker, diesen Film in die Wege geleitet hat, kann man davon ausgehen, dass Colour of the Truth auch so gedacht war. Die Story ähnelt Infernal Affairs aber nicht wirklich:

Die beiden Cops Wong (Anthony Wong) und Seven Up (Lau Ching-Wan) stehen sich auf einem Dach gegenüber, als Wong den Triadenboss „Blind“ Chui (Francis Ng) festnehmen will. Nach dem Ende der Konfrontation ist Wong der einzige Überlebende der Drei. 10 Jahre später kommt Neuling Cola (Raymond Wong) in die Einheit Wongs. Er ist der Sohn Seven Ups und will Rache am Mörder seines Vaters üben.

Den inszenatorischen Fähigkeiten des Co-Regisseurs Marco Mak ist es wohl zu verdanken, dass Colour of the Truth so gut geworden ist. Der stylische, in ausgebleichten Farben gehaltene Film ist temporeich und spannend, trotz der fehlenden Motivation der Hauptfigur; die Figur Wongs ist viel zu sympathisch, als dass wir glauben könnten, der junge Cop könne sie töten.

Anthony Wong möchte man zwar hin und wieder zuflüstern, er solle mal seine Sonnenbrille abnehmen, damit wir sein Spiel besser verfolgen können. Seine Fähigkeit, innerhalb weniger Filmminuten einen glaubwürdigen, vielschichtigen Charakter auf Zelluloid zu bannen, erbringt allerdings einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert für den Thriller.

Trotz der Storymängel ist Colour of the Truth ein spannender Thriller, dessen Actionszenen nicht enttäuschen. Selbst die eher ruhigen Momente – so pflegt Wong in einer Szene seinen gelähmten Vater – überzeugen dank der Besetzung. Groß ist Colour of the Truth aber nur in der Auftaktsequenz, die den Rahmen des Films bildet: Lau Ching-Wan, Francis Ng, Anthony Wong auf einem Dach, das ist sehenswertes Kino!


Mehr zum Thema Cat. III.
Ein lesenswerter Artikel über die Karriere Anthony Wongs.
Kritiken zum Hongkong Kino, inkl. Infernal Affairs.

Die Top Ten des Jahres 2007 oder: Wie ich lernte, die Liste zu lieben

Wie es sich für einen anständigen (oder ideenlosen?) Filmblog gehört, darf eine Top Ten-Liste zum Ausklang des Kinojahres natürlich nicht fehlen. Was wäre die Welt auch ohne Listen? Sicher ein wesentlich langweiligerer Schauplatz von Krieg, Zerstörung und Talentwettbewerben, als sie es jetzt schon ist.

Auf der anderen Seite des großen Teiches drehen sich die Endjahreslisten meist um die Frage, welcher Film als nächstes seinen Machern einen vergoldeten Muskelprotz samt Schwert einbringt (und ich rede hier nicht von Gerard Butler).

Da die besten Filme des Herstellungsjahres 2007 hierzulande wohl noch gar nicht angelaufen sind, d.h. so ziemlich alle Kandidaten für besagtes Goldmännchen, wird das Auswahlkritierium für die folgende Liste der deutsche Starttermin sein. Was hatte das Kinojahr 2007 also den deutschen Cineasten und Gelegenheitskinogängern zu bieten?

Bei der Beurteilung dieser Liste sollte beachtet werden, dass 1. mir trotz meiner wöchentlichen Kinobesuche der ein oder andere Film entgangen ist (in diesem Fall bin ich für Vorschläge immer offen). Und 2. Komödien und Actionfilme (also U-Filme) nicht grundsätzlich weniger wert sind als anspruchsvolle E-Filme.


Auf geht’s…
10. Reprise
Dt. Titel: Auf Anfang
R.: Joachim Trier D.: Anders Danielsen Lie, Espen Klouman-Høiner

Mal wieder ein originelles Debüt aus Europas Norden, das den narrativen Elan des frühen Godard mit dem Einfühlvermögen der besten Coming of Age-Storys verbindet. Nach dem Abspann hätte ich am liebsten den Vorführer k.o. geschlagen und die Filmrollen gleich nochmal eingelegt.

09. Se, jie
Dt. Titel: Gefahr und Begierde
R.: Ang Lee D.: Tony Leung, Tang Wei

Ang Lee präsentiert sich auch hier auf dem Höhepunkt seiner Kunst und beweist mit diesem Spionagethriller, dass kein Genre vor ihm sicher ist. Wie wärs mal mit einer Teeniekomödie? Die Hauptdarsteller: Jonathan Rhys Meyers und Abbie Cornish. Wahrscheinlich würde der Kameramann bei all der Schönheit erblinden und die Linse vor Schreck bersten…

08. Live Free or Die Hard
Dt. Titel: Stirb Langsam 4.0
R.: Len Wiseman D.: Bruce Willis, Timothy Olyphant

Ganz einfach der beste Actionfilm des Jahres, die beste Fortsetzung eines sequelreichen Jahres und die beste Glatze des Jahres, die auch kein Oger schlagen kann. Zwar ist der Bösewicht charismalos und nichtssagend, dafür kombiniert Teil Vier der Saga um den vom Pech und internationalen Terroristen verfolgten Cop John McClane die besten Actionsujets aus Teil Eins und Drei: Klaustrophobisch enge, eiskalt aussehende Räume und lange Straßen mit vielen, dem Untergang geweihten Automobilen/ Hubschraubern/ Jets/ FBI-Agenten.

07. Hot Fuzz
Dt. Titel: Hot Fuzz
R.: Edgar Wright D.: Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent

Nach Shaun of the Dead liefert das Team Edgar Wright/Simon Pegg wieder eine zum Schreien komische Parodie ab, die frischen Wind in das Genre bringt. Die übertriebene Michael Bay-Ästhetik trifft auf das englische Dorfleben á la Miss Marple und das Resultat ist herrlich.

Unterstützt werden Simon Pegg und Nick Frost vom hübsch unernsten Jim Broadbent, diversen Cameos britischer Schauspiel- und Comedygrößen (u.a. Steve Coogan und Bill Nighy) und dem einfach nur verrückten Timothy Dalton („I’m a slasher! I must be stopped!“).

06. The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
Dt. Titel: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford
R.: Andrew Dominik D.: Brad Pitt, Casey Affleck

Abgesehen davon, dass Dominiks Film wohl von einen der coolsten Titel der letzten Jahre gesegnet wird, gibt der Western auch noch einiges her. Eine kühle Charakterstudie, ein Spätwestern, eine Elegie auf eine verlorene Zeit großer Abenteuer. Noch dazu Brad Pitt und Casey Affleck, die sich gegenseitig an die Wand spielen. Einen Oscar für den besten Zugüberfall hätte der Film bei mir sicher.

05. El laberinto del fauno
Dt. Titel: Pans Labyrinth
R.: Guillermo Del Toro D.: Ivana Baquero, Sergi Lopez

Alice im Wunderland trifft auf die Francodiktatur. Keine leichte Kost bietet Del Toro uns hier an, aber vitaminreiches Gedankenfutter braucht die Welt. Pans Labyrinth ist nicht nur ein Märchen kindlicher Unschuld und Vorstellungskraft im Rahmen des Faschismus, sondern auch eine längst fällige Würdigung der Widerständler.

04. Little Children
Dt. Titel: Little Children
R.: Todd Field D.: Kate Winslet, Patrick Wilson, Jennifer Connelly

Einen Oscar für den besten Trailer hätte Little Children verdient, aber man kann ja nicht alles haben. Einigermaßen erbarmungslos wirft Field seinen Vorstadtprotagonisten die ungelebten Träume vor die Füße. Ebenso verfährt er mit dem Pädophilen Ronnie, der, aus dem Gefängnis entlassen, in den Kreis biederer Mütter und Väter zurückgespuckt wird.

Die unheilvolle Spannung und visuelle Komposition erinnert nicht selten an American Beauty, doch die Schönheit dieser Vorstadt ist faulig.

03. Ratatouille
Dt. Titel: Ratatouille
R.: Brad Bird, Jan Pinkava D.: Patton Oswalt, Ian Holm

Wer glaubte, eine Steigerung sei nach Findet Nemo und Die Unglaublichen nicht mehr möglich, der hat sich getäuscht. Die in ihren Grundzügen eigentlich grauenhaft eklige Story einer kochenden Ratte direkt aus der Kanalisation ist wider Erwarten der Höhepunkt bisheriger Pixarwerke geworden. Vor dem Hintergrund des frankophilen Settings dreht sich Ratatouille um die Kunst, die alle (zoologischen) Grenzen überwindet.

Die Ratten möchte man am liebsten daheim halten, das Essen lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen und Anton Ego kann sich getrost in die Pixar Hall of Fame der besten Charaktere einreihen.

02. Zodiac
Dt. Titel: Zodiac
R.: David Fincher D.: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey, Jr.

Das Serienkillergenre hat schon einiges durchmachen müssen, aber einen Killer, dessen Identität nie geklärt, der nicht einmal gefasst wird? Genreexperte Fincher hat sich davon nicht abschrecken lassen und spielt genau damit in seinem Ensemblefilm.

Zodiac beweist, dass man das „Grauen“ allein mit einem geschickten Sounddesign in den Zuschauerraum transportieren kann. Mehr Krimi als Thriller ist der Film, eine spannende Schnipseljagd, die am Ende keine Tat, kein Motiv erklären kann, was alles noch grauenvoller macht.

01. Atonement
Dt. Titel: Abbitte
R.: Joe Wright D.: Keira Knightley, James McAvoy
Ganz einfach Perfektomundo.