A funny thing happened on the way to the Top Ten 2011

Film Top Ten 2011

Etwas verspätet kommt der folgende kleine Jahresrückblick schon. Einmal mehr habe ich zu wenige Filme in den letzten zwölf Monaten gesehen, insbesondere wenn es um jene mit deutschem Kinostart zwischen dem 1.01.2011 und dem 31.12.2011 geht. Im Rahmen des großen Jahresrückblicks der moviepilot-Redaktion habe ich bereits meine Top 7 der Filme unters Volk gebracht, die letztes Jahr einen deutschen Kino- oder DVD-Start hatten. Da ich an dieser Stelle nicht doppelt moppeln möchte, gibt es unten eine Liste meiner liebsten Filme 2011, inklusive Kinostarts, Festivalpremieren und vorteilhaften PVs. Der Einheitlichkeit halber, werden alle Filme unter ihren englischen Titeln geführt. Viel Spaß beim Stöbern und auf mehr Filme im neuen Jahr!

PS.: Wer Angst vor Überraschungen hat, kann sich meinen Jahresrückblick 2012 durchlesen.

Meine 7 Lieblingsszenen 2011:

– George Smiley steht in einem leeren Raum, wartet auf Besuch, lutscht ein Minzbonbon in Tinker Tailor Soldier Spy.

– Ein Affe spricht sein erstes Wort in Rise of the Planet of the Apes.

– Zwei Männer stehen in einer Warteschlange, einer hebt etwas auf und gibt es dem anderen in Contagion

– Captain Haddock  erzählt in der Wüste von einem feuchten Abenteuer seines Vorfahren in Die Abenteuer von Tim und Struppi.

– Eine Überblendung vereint Sterne und Erde in Dad.

– Der Urknall in der Interpretation von Terrence Malick in The Tree of Life.

– Ein einzelner Baum, mitten in der Steppe in Meek’s Cutoff.

Die 5 besten Filme, die ich 2011 zum ersten Mal gesehen habe:

Uncle Boonmee who can recall his past lives

Imitation of Life

Wild Grass

The Blade

Buchanan Rides Alone

Meine Entdeckung des Jahres:

Satoshi Kon

Der Trailer des Jahres:

Prometheus/The Girl With The Dragon Tattoo

Die Enttäuschung des Jahres:

Meine Giallo-Retrospektive. Der nächste Versuch vielleicht in zehn Jahren.

Meine persönliche Top Ten des Jahres 2011:

10 Hanna

09 The Tree of Life

08 Vampire

07 The Day He Arrives

06 Fenster zum Sommer

05 Drive

04 Contagion

03 Meek’s Cutoff

02 Tinker Tailor Soldier Spy

01 The Turin Horse

1982, der diskrete Charme eines Filmjahres

Wieder einmal gibt es hier keinen Jahresrückblick, sondern eine anachronistische Top Ten. Diesmal soll es 1982 sein. Mehr oder weniger zufällig. Tatsächlich habe ich mir dieses Jahr ausgesucht und dann gemerkt, dass ich da gar nicht so viel empfehlen kann. Fast ausschließlich kann ich nur auf die sicheren Wahlen zurückgreifen, weil ich einfach keine Außenseiter kenne. Deshalb hier der Aufruf: Was gibt es verdammt nochmal in diesem Trauertal?

Denn wahrlich, es ist ein Jahr des Umbruchs. Alte Recken wie Fassbinder und Antonioni machen ihre letzten Filme, bevor ihre Herzen rebellierten. Die Filmwellen, die seit Ende der 50er Jahre über die Welt schwappten, fallen zurück. So befindet sich auch Truffauts Tod in greifbarer Nähe. Selbst das noch junge New Hollywood liegt schon wieder danieder. Doch während Europa und Asien sich recht orientierungslos präsentieren, hat in Hollywood das Blockbusterkino seinen Schatten auszubreiten begonnen. 1982 ist es aber noch nicht wirklich spürbar, auch wenn E.T. die Straßen fegt. Vielmehr regieren biedere Dramen (siehe Roger Eberts und Gene Siskels Top Ten). Trotzdem kann dieses Jahr mit einigen Meisterwerken aufwarten, auch wenn es vielleicht nicht die Tiefe hat. Natürlich kann mir vorgeworfen werden, dass ich Blade Runner ignoriert habe, der mir aber trotz einigen Sichtungen immer seltsam fremd geblieben ist.

10. Querelle (BRD/F)

Das Buch legt eher etwas wie Genets eigenen Film (Un chant d‘armour) nahe: verschlossen, stolz und lyrisch. Aber Fassbinder taucht Querelle in orangene Schwülstigkeit und macht so zum Abschluss seiner Karriere vielleicht nicht seinen besten, aber dafür seinen schönsten Film. So schafft er es selbst, den Kulissen, die nicht mehr Platz eingenommen haben können, als eine größere Theaterbühne zulässt, einen zarten Hauch von Leben einzuhauchen.

9. Das Böse unter der Sonne (GB)

Vielleicht ist das Agatha Christie Whodunit Filmchen kein Meilenstein. Und vielleicht reicht es auch nicht an Tod auf dem Nil heran. Dafür ist Peter Ustinov als franz… belgischer Detektiv Hercule Poirot in anmaßender Hochform und der Cast um Diana Rigg, Jane Birkin, Maggie Smith und und und lässt sich auch nicht lumpen. Vor allem hat aber Guy Hamilton nach dem Mord im Spiegel-Fiasko deutlich an Eleganz zugelegt. Unzählige Male gesehen und kein bisschen langweilig.

8. Das Ding aus einer anderen Welt (USA)

John Carpenter ist Anfang der 80er eine Bank und seine Variation des Körperfresser-Themas gehört zu den besten Umsetzungen, die es gibt. Statt allumfassende Bedrohungen im Alltag durchzudeklinieren, setzt er auf Klaustrophobie. Die Antarktisstation, die sich in kürzester Zeit in einen paranoiden Hexenkessel wandelt, wird damit aber nur existentieller in ihrer Wirkung.

 
7. Tenebre (I)

Immer wieder deutet Dario Argento einen Meta-Giallo an. Der Schriftsteller, der durch Reporter und einen Killer mit dem Sexismus, dem Zwangsvulgarismus und dem Hass auf Andersartigkeit in seinen Büchern konfrontiert wird, wird aber nie ausgenutzt, um sich ernsthaft mit dem eigenen Genre auseinanderzusetzen. Vielmehr suhlt sich Tenebre in seinen Klischees und entwickelt einen faszinierenden Teufelskreis der Selbstbezogenheit, der zumindest im Film im Wahnsinn enden muss.

6. Der Stand der Dinge (BRD)

Ich weiß gar nicht, warum er hier noch erscheint. Seit dem DÖS-Eingangsposting habe ich nur Ausschnitte gesehen und ich bin gespalten. Ich habe die großartigen Erinnerungen an vergangene Sichtungen, aber auch den Verdacht, dass er mir nicht mehr so viel Genuss bereiten wird, falls ich ihn wieder sehen sollte. Werde ihn im neuen Jahr doch mal wieder gucken. Solange tippe ich ihn auf die Sechs.

5. Die Sehnsucht der Veronika Voss (BRD)

Ein großer lakonischer Schlag gegen die 50er Jahre. Einerseits taucht Fassbinder seine Bilder in eine traurige Schönheit. Sehnsüchtig scheint der Blick zurück zu schmachten. Aber unter der wunderbaren Oberfläche lauern nur Wahnsinn und Verfall. Die Lügen über die Aufbaujahre der BRD, Glanz und Gloria, alles schmettert er nieder und zeigt eine Gesellschaft, die alles verdrängt, was nicht sauber genug ist. Drogenabhängige Stars aus der Vergangenheit, ebenso wie Juden, welche den Holocaust überlebten.

4. Fitzcarraldo (BRD)

Was soll noch über diesen Film gesagt werden. Ein Schiff wurde über einen Hügel gezogen. Indios boten die Ermordung Kinskis an. Herzog hat abgelehnt. Eine Oper soll im Amazonasdschungel gebaut werden. Alle sind besessen und haben diverse Grenzen von geistiger Gesundheit überschritten. Ist natürlich immer noch schön anzusehen und zu hören. Allein das Knarzen des Schiffes ist einen Blick wert.

 
3. White Dog (USA)

Eine Schauspielerin fährt einen weißen Schäferhund an und nimmt ihn bei sich auf. Schnell muss sie feststellen, dass er abgerichtet wurde, um Schwarze anzufallen. Mit seinem vorletzten Film setzte sich Samuel Fuller wieder ordentlich in die Nesseln. Seinem Tierhorror wurde Rassismus vorgeworfen und eine übertriebene Moralkeule. Erstes ist lachhaft und Zweites … verdammt er ist die Faust des Kinos, da ist nichts mit Dezenz. Aber (wie so oft) entwickelt gerade die Mischung aus Ungehobeltheit und tiefer Seele den Zauber seiner Filme.

2. Conan, der Barbar (USA)

Der Grabgesang für Flower-Power, das Erwachen aus einem Traum. Schluss mit Friede, Liebe, Gefühlen und solchen unmännlichen Dingen. In gewisser Weise ist Conan der Barbar ein einziger riesiger Phallus. Ein Film wie er Anfang der 80er Jahre entstehen musste. Die Bebilderung des Endes der Hoffnung auf eine schönere, liebevollere Welt. Eine Hoffnung die als dämonischer, dekadenter Verführungsversuch gebrandmarkt wird. Kaum vorstellbar, wie übel dass alles hätte sein können. Doch Milius‘ Hände sind die richtigen. Hier ist er auf dem Höhepunkt seiner Erzählkunst und verwandelt ein Fantasy-Abenteur in einen Epos. Übermenschlich groß erschafft er eine archaische, präatheistische Welt. Das Setdisgn ist unsagbar gut und die Bilder machen Dialoge größtenteils überflüssig. Er läßt sich beim Erzählen Zeit, nicht um die Charaktere auszuarbeiten (was gibt es bei archaischen Trampeln (mit Verlaub) auch auszuarbeiten), sondern um eine Welt voller Mythen und Legenden auferstehen zu lassen. Wunderbar vom Score untermalt.

So träumt der Film den Traum einer intakten Form von einer heldenhaften, ungehobelten Männlichkeit und legt sich mehr Schlafen als es die Mitglieder des Hippiekultes um Bösewicht Thulsa Doom je könnten. Doch was hatte Hollywood je mit Realität zu schaffen. John Milius (so streitbar er selbst und die triefende Männlichkeit des Films auch ist) gibt lieber den Märchenonkel, der uns zu Kindern am Feuer macht. Mit leuchtenden Augen tauchen wir ein in seine Erzählung von einer rätselhaften, brutalen und mythischen Welt (und schafft so das, woran Bibelverfilmungen in Hollywood ständig scheitern).

1. Der Kontrakt des Zeichners (GB)

Peter Greenaway nimmt den Zuschauer an die Hand und erzählt eine Geschichte über einen Zeichner, der sich in einem Labyrinth aus Bildern, Indizien und Anspielungen verliert. Voll Lust entspinnt Greenaway eine gewaltige, hinterhältige Welt am Ende des 17. Jahrhunderts in England. An der Hand des Regisseurs scheint all das schön, einfach und verlockend. Doch bevor es einem bewusst wird, hat er seine Hand schon entzogen. Zurück bleibt nur sein freudiges Lächeln, wenn klar wird, dass dieser klaren Welt der Boden entzogen wurde … ein paranoides Plädoyer für mehr Verschwörungstheorien … in der Kunst.


Das Verfolgerfeld wäre:
Star Trek II: Der Zorn des Khan (USA)
Nur 48 Stunden (USA)
Café Flesh (USA)
Rambo (USA)


Was lief 1982 sonst noch? Hier einzusehen.
Was denken andere?
Gene Siskel
1. Moonlighting
2. Tootsie
3. E.T.
4. Diva
5. Mephisto
6. Lola
7. Personal Best
8. Three Brothers
9. Das Boot
10. An Officer and a Gentleman
Roger Ebert
1. Sophie’s Choice
2. Diva
3. E.T.
4. Fitzcarraldo / Burden of Dreams
5. Personal Best
6. Das Boot
7. Mephisto
8. Moonlighting
9. The Verdict
10. The Weavers: Wasn’t That a Time

Stock und Vorurteil

Habe neulich ein Gespräch zwischen Whoknows und dem Intergalactic Ape-Man belauscht, wonach ein gewisses Filmstöckchen zu Klicks führt, die sich in wilden Träumen nicht vorgestellt werden können. Also dachte ich mir: „Gimme that clicks!“ (wobei ich geflissen auf die eigentlich hier mitschwingende Beschimpfung meiner Käuflichkeit verzichte) und habe ein schon hier veröffentlichten Stöckchen ausgefüllt.

1. Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast?

Unzählige. Feivel, der Mauswanderer im Wilden Westen ist wohl der Meistgesehene, weil ich ihn zwar nie besonders gut fand, aber als Kind das Shoot Out am Ende so liebte, dass ich immer wieder zurückspulte und den Film mehrmals hintereinander schaute. Danach folgen wahrscheinlich in der Reihenfolge Mad Mission 2 (ein total unterschätztes Meisterwerk), Die Feuerwalze (Chuck Norris‘ Rauschebart in Ehren, aber das wahre Erlebnis sind die unfassbar genialen Dialoge; Niveau von einem anderen Stern) und Außer Atem (bei weitem nicht mein liebster Godard, aber irgendwie gucke ich ihn immer wieder).

2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast?

Apocalypse Now Redux und danach immer wieder gefühlt, als ob ich unter einen Zug gekommen bin. Neben anderen habe ich auch Burn After Reading zweimal gesehen, da ich mich von Frustration getrieben ins falsche Kino verirrte und dann feststellen musste, dass der beim zweiten Mal echt unerträglich ist.

3. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Bin nicht so an Schauspielern interessiert. Hidari Bokuzen ist es natürlich immer wert gesehen zu werden. Hier der Beweis. Cary Grant, Paul Newman und Montgomery Clift sowie Tilda Swinton und Kyô Machiko haben’s mir noch am ehesten angetan. Wenn ich in einen Film mit Lara Flynn Boyle rein schalte, kann ich nicht wegschalten. Von ihr geht eine atavistische Faszination aus … seit ca. 10 Jahren von ihrer Künstlichkeit.

4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Will Ferrell, Tom Cruise und Doris Day will ich nicht sehen. Aber damit stehe ich ja wohl kaum allein da.

5. Ein Film aus dem Du regelmäßig zitierst?

Die dritte Generation hat die beiden besten Filmzitate überhaupt, auch wenn ich sie inzwischen eher selten verwende.

6. Ein Musical, von dem Du alle Texte der darin gesungenen Songs auswendig weißt?

„Don’t soil your pretty little shoes (hooray)/the gutters deep and red (hooray)/climb up, climb up and ride along with me/ the tumbril driver says“ oder „Marat we’re poor/and the poor stay poor/Marat don’t leeeeeet/ us wait anymore“, es kann nur eine Antwort geben: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade.

7. Ein Film, bei dem Du mitgesungen hast?

Ich kenn eben genannte Texte nicht umsonst.

8. Ein Film, den jeder gesehen haben sollte?

Abendanzug von Bertrand Blier! Ein verzückend absurder Tanz auf dem Vulkan der Geschlechtsidentitäten. Eigentlich alles von Blier bis zu den 90ern, aber er ist DVDmäßig viel zu vernachlässigt in Deutschland.

9. Ein Film, den Du besitzt?

Mein Schrank und meine Festplatte sagen zu viele, ich sage viel zu wenig. Seit neustem Die Teufel von Ken Russell.

10. Nenne eine/n Schauspieler/in, die ihre Karriere nicht beim Film startete und die dich mit ihren/seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat.

Ice Cube und Milla Jovovich. Ernsthaft.

11. Hast Du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?

Ich hab noch nicht mal ein Drive-In gesehen.

12. Schon mal in einem Kino geknutscht?

Ja, besonders bei Australia, weil da auch nichts Besseres zu tun war.

13. Ein Film, den Du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist?

La règle du jeu, Pink Flamingos, Amore e rabbia, White Dog, Sans Soleil, Nerosubianco, Deus e o diabo na terra do sol, endlich einen Film von Daniel Schmid und und und

14. Hast Du schon jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

Nein. Habe sogar diesen fürchterlichen Pink Eiga vor ein paar Jahren durchgestanden, der nur aus Schlürfgeräuschen, Männeroberkörpern und Frauenhaaren bestand … in nichtssagenden Bildern und mit einem Plot, der Green Lantern originell erscheinen lässt. Die 65 Minuten kamen mir länger vor als ein vierstündiger Film von Angelopoulos.

Mary Reilly habe ich bei der Berlinale letztes Jahr vorzeitig verlassen, da David Thomson eine viertelstündige Einführung gab, weshalb mein Zeitplan zerstört wurde und ich unbedingt Ai yori ai e von Shimazu Yasujiro sehen wollte.

15. Ein Film, der Dich zum Weinen gebracht hat?

Bei E.T. im Kino hatte ich nach Eigenaussage nur Dreck in die Augen bekommen. Sonst oft, aber mir will bei bestem Willen kein Film einfallen. Ach doch Harry und Sally und auch Nagareru von Naruse (hach, wie traurig das Leben in einem Geishahaus sein kann).

16. Popcorn?
Bin Asket.
17. Wie oft gehst Du ins Kino?

Viel zu selten, aber das Angebot in Jena bringt mich nur zum Jammern, deshalb schnell weiter.

18. Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?

Green Lantern, extra nach Leipzig. Yes!

19. Welches ist Dein Lieblingsgenre?

Ich liebe eher alltägliche Lebenswelten, Familienintrigen und –katastrophen, sexuelle Hysterie … also Melodramen.

20. Was war Dein erster Film, den Du im Kino gesehen hast?

Entweder Asterix erobert Rom oder Asterix und Kleopatra. Jedenfalls hab ich da fast schon mythisch zu nennende Erinnerungen dran, die aus dem Vergessen grauer Urzeit auftauchen, wenn ich die Filme mal wieder sehe.

21. Welchen Film hättest Du lieber niemals gesehen?

Da fallen mir nur Kurzfilme ein. Am meisten Der Chronist, ich kann das nicht mal schreiben ohne das mir schüttelt. Bei Langfilmen kann ich selbst die Stumpfesten und Dümmsten nicht bereuen.

22. Was war der merkwürdigste Film, den Du mochtest?

Wieder ein Kurzfilm: Morgen Küche. Eine Minute voll skurrilem Nichts. Zu sehen hier. Wurde dieses Jahr beim cellu l’art eingereicht und ich konnte mich nicht durchsetzen, dass er überhaupt nur in die engere Auswahl kam. Hätte wohl mit so was wie Rücktritt drohen sollen. Sonst mag ich nur völlig gewöhnliche Filme.

23. Was war der beängstigendste Film, den Du je gesehen hast?

Tod auf dem Nil hat mein Leben versaut. Mit ca. 10 Jahren bei meinen Großeltern gesehen und am Ende sind diese hilflose Frau und der nette Mann hinterhältige Genies des Bösen, die wegen so etwas Lapidaren wie Reichtum Menschen auf arglistigste Weise töten. Die Nacht danach war schrecklich und ich traue bis heute den Fassaden der Menschen nicht mehr über den Weg (auch wenn ich den Film inzwischen sehr liebe).

Die Körperfresser kommen hat mich mit stolzen 21 Jahren noch echt fertig gemacht. Die letzte Einstellung sah ich eine Woche sobald es dunkel wurde. Verdammt, Donald Sutherland kann einem aber auch Angst machen.

24. Was war der lustigste Film, denn Du je gesehen hast?

Beerfest, Duck Soup und Die Ritter der Kokosnuss. Ersterer ist nur im Original witzig, aber dafür göttlich dumm und albern. Die anderen beiden zeigen die Marx Brothers und Monty Python in bester Form, deshalb das Witzigste was gibt. Das Einzige was da vielleicht noch mithalten kann ist Multiple Maniacs.

2010: Odyssee durch ein Filmjahr

Es ist wieder soweit. Ein Jahr ist zu Ende gegangen, teils wehmütig, teils enttäuscht blickt man bei so einem Anlass zurück auf die vergangenen zwölf Monate und deren filmische Perlen und Langweiler. 2010 habe ich wie immer viel zu wenig neue Filme gesehen, was hauptsächlich an zwei großen Buchstaben lag: Einem M und einem A. Der folgende Rückblick ist deshalb wieder höchst subjektiv. Wie in den vergangenen Jahren auch, werden nur Filme berücksichtigt, die 2010 ihre Kino- oder DVD-Premiere in Deutschland gefeiert haben.


Meine 7 Lieblingsszenen 2010:

Lauter schwarz gekleidete Killer liefern sich in „Vengeance“ im Mondlicht eine Schießerei, während Blätter auf sie herabregnen.

Harry und Hermine tanzen in einem ungewöhnlich erwachsenen Moment zu Nick Caves „O’Children“ in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“.

Drei Männer treffen sich in einer Kirche in „The Expendables“.

Hanzo liefert sich in „Predators“ einen Schwertkampf mit einem ebenbürtigen Gegner.

Will schließt die Verbindung zwischen Verfolgerlok und Güterzug in „Unstoppable“, während ihm kiloweise Getreide um die Ohren fliegt.

Die japanischen Soldaten feiern die brutale Eroberung Nanjings mit einer Parade in „City of Life and Death“.

Die OPEC-Geiseln erwachen im Flugzeug und merken, dass die Terroristen verschwunden sind, während Carlos in einer Limousine aus der Stadt kutschiert wird.

Die 5 besten Filme, die ich 2010 zum ersten Mal gesehen habe:

Accident

Syndromes and a Century

Seven Men From Now

Die Werkmeisterschen Harmonien

Stagecoach

Meine Entdeckung des Jahres:

Budd Boetticher

Meine Wiederentdeckung des Jahres:

Tony Scott

Der Trailer des Jahres:

Inception/The Tree of Life

Die Enttäuschung des Jahres:

Inception/Die Jenaer Kinolandschaft

Meine persönliche Top Ten des Jahres 2010:

10 Humpday

Dieser Independentfilm hätte ein größere Kinoauswertung verdient. Eine lebensnahe und erwachsene Komödie über eine Bromance ist „Humpday“ und nicht nur ein Film über zwei Kumpels, die einen schwulen Pornofilm drehen wollen. Von der Prämisse sollte sich niemand abschrecken lassen. Mehr von mir dazu hier.

09 Unstoppable

„Unstoppable“ ist ein schlanker, astreiner Actionfilm. Tony Scott beweist in einem seiner besten Werke der letzten Jahre, dass man für ein tagesaktuelles Spektakel nur drei Zutaten braucht: Einen Neuling, einen alten Hasen und einen außer Kontrolle geratenen Zug. Ein Schlag ins Gesicht der sterilen C.G.I.-Fraktion. (Kritik)

08 Mother

„Mother“ ist vielleicht nicht der beste Film von Bong Joon-ho („The Host“). Dass das Psychodrama um eine Mutter, die um jeden Preis ihren geistig behinderten Sohn vor dem Gefängnis bewahren will, trotzdem in dieser Liste landet, sagt einiges aus über die Qualität des Regisseurs aus. Dessen bester bleibt „Memories of Murder“. (Kritik)

07 Mary und Max

Dass Knetmasse zu Tränen rühren kann, konnte man schon nach Ansicht des tollen Kurzfilms Harvie Krumpet ahnen. Mit seinem ersten Spielfilm hat Adam Elliot nun all das war gemacht, was „Harvie Krumpet“ versprochen hatte. Ein rührender Trickfilm, der sich vor den Realitäten des Lebens nicht scheut.

06 Ein Prophet

„Knallhart“ ist das richtige Wort für diesen Gefängnisfilm, in dem aus dem jungen und unerfahrenen Malik durch die Parallelgesellschaft des Gefängnisses ein brutaler Krimineller geformt wird. Ob man den Film nun als Kommentar über das Einwandererland Frankreich liest oder nicht: „Ein Prophet“ ist ein verdammt guter Genrefilm.

05 Der Räuber

Wo wir schon bei Genrefilmen sind: „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg strotzt vor Energie und zeichnet das Bild eines Mannes, der von genau dieser bis in den drohenden Untergang getrieben wird. Visuell und v.a. auditiv ein echtes Erlebnis. (Kritik)

04 A Single Man

Colin Firth in der Rolle seines Lebens. Vielleicht bekommt er seinen verdienten Oscar für „The King’s Speech“, aber „A Single Man“ ist und bleibt sein Film. Daran kann auch die um Aufmerksamkeit heischende Inszenierung von Tom Ford nichts ändern. Ob der Film, so gut er auch aussehen mag, ohne Colin Firth funktioniert hätte, ist fraglich. Die tolle Julianne Moore darf an dieser Stelle aber auch nicht vergessen werden.

03 Carlos

In 330 schnell vorüber fliegenden Minuten zeichnet Olivier Assayas die Wandlung eines Idealisten (war er je einer?) in einen Berufsterroristen, der in erster Linie eines sucht: Das Rampenlicht. Statt  nur von Lebensstation zu Lebensstation zu springen, gestaltet sich „Carlos“ als eine Serie von set pieces, welche die Degeneration des selbstverliebten Schakals ohne viel Schickschnack darstellen. Edgar Ramirez („Domino“) erweist sich als eine der schauspielerischen Entdeckungen des Jahres.

02 City of Life and Death

Lu Chuans grandiose und erschütternde Skizze des Massakers von Nanjing kam im Oktober heimlich, still und leise in Deutschland auf DVD und BluRay. Das qualifiziert den bei internationalen Festivals meist übersehenen Film zum Glück für diese Liste. Dass Lu diesen chinesischen Film aus Sicht eines japanischen Soldaten erzählt, ist nur eine der erstaunlichen Qualitäten von „City of Life and Death“.

01 The Social Network

Überraschung! Überraschung! Nach meiner Kritik sollte die Platzierung von David Finchers aktuellem Film niemanden mehr wundern. Zweimal habe ich ihn im Kino gesehen, zweimal haben Aaron Sorkins Dialoge, David Finchers souverän zurückgenommene Regie und die treibende Musik von Trent Reznor und Atticus Ross mich umgehauen. Kino, wie es sein sollte.

Kontrapunkt: Flop Five 2010

Erst im neuen und hoffentlich – auch filmisch – viel besseren Jahr konnte ich den Schund, den ich mir 2010 angetan habe, schriftlich verdauen. Denn: It hurts! Los geht’s mit meiner persönlichen Flop Five 2010, wobei ich einige potenzielle Kandidaten dafür („Beilight“, „Zahnfee auf Bewährung“ und „Otto’s Eleven“) zum Glück nicht ertragen musste. Und als Schmankerl ganz synästhetisch und hirngaga mit getanzter Farbassoziation zum Titel vorneran.

Platz 5: A Nightmare on Elm Street (USA 2010)

Eine Neuverfilmung, die kein Mensch braucht. Jackie Earle Haley schlägt sich dabei noch am besten als der Nachfolger von Robert Englund, der als Freddy Krueger Teenager im Traum metzelte. Viel Gewalt, viel Blut (daher rote Farbe) und ein großer Verrat am Original, da aus dem unschuldigen Kindermörder Freddie ein schuldiger Pädophiler gemacht wurde. Eine schick gestylte, laute aber auch uninspirierte und ideenarme Achterbahnfahrt, produziert von Krawallbarde Michael Bay, besetzt mit hübschen Gesichtern, die aber alle zusammen schauspielerisch weniger beizutragen haben als Johnny Depp in seinem Filmdebüt allein. Kleiner Lichtblick: Rob Zombies „Halloween“ ist noch schlechter.

Platz 4: Du schon wieder (USA 2010)

Orange wie der Zicken-Neid im Hochsommer. Eine dümmliche Disney-Dramödie um ein in der Schule mies behandeltes, süßes Mädchen (dargestellt von Kristen „Veronica Mars“ Bell), die damit konfrontiert wird, dass ihre Widersacherin von damals („The Unborn“-Kamelhuf Odette Yustman) ihren Bruder ehelichen will und alles daran setzt, das zu verhindern. Jamie Lee Curtis als Mutter, die auch einen Disput mit der Schwiegermutter in spe auszufechten hat, spielt wie in „Freaky Friday“ auf Ecstasy, der Film nervt mit seiner Heile Welt-Pseudoproblem-Vorhersehbarkeit, in der das Anstößigste und Unkalkulierteste schon der Name des Regisseurs ist: Andy Fickman.

Platz 3: Jud Süß – Film ohne Gewissen (D/A 2010)

Deutschlands Vorzeigeeinfaltspinsel in Sachen Filmregie, Oskar Roehler, erzählt uns was über die Umstände, unter denen das berüchtigte Nazi-Propagandawerk „Jud Süß“ entstand. Da werden Fakten mit Hinzudichtungen kombiniert, darf Moritz Bleibtreu Goebbels karikieren, versucht sich Tobias Moretti als (solide verkörperter) Ferdinand Marian aus der Affäre zu stehlen, wird es Gudrun Landgrebe von ihm am offenen Fenster von hinten besorgt. So unfassbar dreist, so unfassbar dumm, dass man das deutsche Filmdilemma eigentlich sehen muss. Passend zum Farbstich der Filmbilder auch die Farbe. Mehr Verriss von mir: hier.

Platz 2: Kindsköpfe (USA 2010)

Adam Sandler blödelt sich selbst mal wieder durch einen bekloppten und lärmigen Film, der den Zuschauer den letzten Nerv und seinen Protagonisten die letzte Würde raubt – selbst Flachcomedian Rob Schneider, der im Film zwei heiße Schnecken als Töchter hat, die erstmal lasziv mit dem Po wedeln, wenn sie den Motor vom Auto reparieren (is klar!). Ein Ausflug einer Gruppe von Freunden am See inklusive der mitgebrachten Family versinkt in sexistischen und vulgären Zoten (Highlights: furzende Oma und Pinkeln im Freibad), die schon zu „Eis am Stiel“-Zeiten nicht witzig waren. Hellgelb, da kaum zu sehen (Fremdscham). Doch es geht noch mehr filmische Pein:

Platz 1: Zeiten ändern dich (D 2010, du Opfer!!!)

„Mama…“ – „Hm.“ – „Isch brauche Geld.“ – „Wofür denn, mein Junge?“ – „I… Isch möschte Drogen kaufen.“. Tja, so beginnt sie, die glorreiche Laufbahn von Bushido vom Drogendealer zum Gangstarapper, auf die sich Bernd Eichinger stürzte wie die Fliegen auf die Scheiße und schauspielerischen Hochkarätern wie Hannelore Elsner (sträflich unterfordert!), Moritz Bleibtreu (mit bescheuerter Türken-„Pate“-Attitüde!) und Uwe Ochsenknecht (als die abgetakelte Version von Uwe Ochsenknecht) mutmaßlich das Ende ihrer seriösen Schauspielerkarriere bereitete. Der Film ist – dieser Vulgarismus ist leider angebracht – eine beschissen platte Ansammlung dummer Klischees und unauthentisch wirkender Dialoge, die wie die (leider unfreiwillige) Parodie ihrer selbst wirken. Es geht um Respekt und das harte Leben auf den Berliner Straßen – zumindest, wenn man dem wie abgelesen wirkenden Off-Kommentar von Bushido himself glaubt, der ein extrem mieser Schauspieler ist und somit der „Klasse“ dieser krass kalkulierten, kotzigen Kacke in nichts nachsteht. Der behindertste und spastischste Opfer-Scheiß des Jahres! Aus diesem Grund übrigens auch die Dünnpfifffarbe. Das war übrigens ein Wort mit drei „f“ – genau wie Fuck off!

Im Verfolgerfeld:
Kinofilme: „When in Rome“, „Engel mit schmutzigen Flügeln“, „Easy Virtue“ und – natürlich! – „The Tourist“
DVD-Premieren: „Tekken“ und „Shank“