10 Jahre // 15 Favoriten (2)

Nachdem ich die ersten fünf meiner Lieblinge der letzten zehn Jahre vorgestellt habe, geht es an dieser Stelle weiter mit dem zweiten Teil. Wie immer gilt: Diese Liste erhebt keinen Anspruch darauf, die „besten“ Filme herauszupicken, hingegen versteht sie sich eher als persönlicher Rückblick auf das ausgehende Jahrzehnt. Diskussionen sind natürlich trotzdem erwünscht!


Hero (HK/VRC 2002)

Ich gebe zu, meine Haltung zu „Hero“ ist eine zwiespältige. Hätte Zhang Yimou einfach nur kommerziellen Kitsch über die Gründung Chinas abgeliefert, würde die Antwort ganz klar lauten: Die Speerspitze der Fünften Generation hat sich dem Kommerz ergeben usw. Das Martial Arts-Epos „Hero“ ist aber bei weitem nicht so einfach abzuwatschen, wie es in den Feuilletons gern gepflegt wird. „Hero“ ist, anders als der nichtssagende Nachfolger „House of Flying Daggers“, ein Werk, dessen Subtext die Kontroverse geradezu herausfordert. Es geht um nichts geringeres als das Verhältnis des Bürgers zur staatlichen Autorität, sein Widerstandsrecht und die Verrechnung des Wohles des Einzelnen mit dem der Allgemeinheit. „Hero“ ist jedoch gleichzeitig ein Wuxia-Film, der gewissermaßen auf der „Tiger & Dragon“-Welle mitreitet, diese aber in eine andere Richtung führt. Die u.a. von King Hu geprägte Wuxia-Ästhetik der schwebenden Kämpfer wird aufgenommen, doch radikalisiert Zhang sie im Gegensatz zu Ang Lee, der sich auf die Integration moderner Spezialeffekte beschränkt hatte. Visuell ist „Hero“ ein bewegtes Gemälde, ein Farbenrausch, der am ehesten mit Wong Kar-Wais „Ashes of Time“ verglichen werden kann. Doch statt sich auf die Schauwerte zu beschränken, variiert Zhang die dem Wuxia-Genre innewohnende subversive Kraft auf diskussionswürdige Weise, indem er die staatliche Autorität in Gestalt des ersten Kaisers Qin Shihuangdi die Oberhand behalten lässt. Doch nicht nur das. Zhang lässt die Widerstandskämpfer, die wandernden Schwertkämpfer, im Grunde vor ihm niederknien, was angesichts des geschichtlichen Hintergrundes nicht nur der Einigung Chinas wegen getan wird, sondern auch noch einen autoritären Herrscher in seinem Amt und seinen Methoden bestätigt. In die Geschichte eingegangen ist der erste Kaiser schließlich nicht nur wegen der Reichseinigung, sondern  auch „legendärer“ Gräueltaten.

Elephant (USA 2003)

„Elephant“ ist ein Film, den ich wohl niemals vergessen werde. Es ist ein Film, den ich nur im Abstand von Jahren sehen kann und will. So geht es natürlich nicht jedem. Es gibt sicher genügend Menschen, die mit halbwegs objektivem Blick auf die Fehler und Vorzüge verweisen können, die ihn einordnen können in das Werk Gus van Sants, die sagen können, dass „Elephant“ das Mittelstück seiner Todestrilogie ist, mit der er sich selbst aus dem künstlerischen Niemandsland gezogen hat. Das alles ist schön und gut. Doch für mich ist „Elephant“ zuallererst eine Sammlung von Gefühlen und Reaktionen, die sich eingebrannt haben, deren Narben aber nicht verschwinden. Es sind Narben, die sich in den letzten Jahren verwoben haben mit Erinnerungen an den 26. April 2002 und die Tage danach. Als  an einem Freitag Nachmittag die Nachrichten aus Erfurt im Radio liefen und es am Montag darauf wieder in die Schule ging; man Leute traf, die jemanden kannten, der jemanden kannte, der auch das Gutenberg-Gymnasium besucht. Thüringen ist klein. Als die Lehrer wie erstarrt die Klassenräume betraten und im Grunde genauso ratlos waren wie wir, die wir da auf den Latein-, Mathe-, Deutschunterricht warteten und doch nur eine Antwort auf die Frage wollten: Was sollen wir jetzt tun?

Im ersten Semester an der Uni habe ich „Elephant“ zum ersten Mal gesehen. Allein zu Hause. Davor lag er von Staub benetzt mehrere Monate im Regal. Natürlich nicht, weil ich keine Zeit hatte. Und da waren sie wieder, diese Gefühle, denn „Elephant“ ist keine dokumentarische Wiedergabe eines Amoklaufs, sondern eine Film gewordene Verstörung.

Memories of Murder (ROK 2003)

Nachdem der Serienkillerfilm in den 90er Jahren durch „Das Schweigen der Lämmer“ und „Sieben“ in neue Höhen getrieben wurde, sah die Zukunft des Genres im neuen Jahrtausend eigentlich recht mau aus. Schließlich konnte einem manchmal schon das Gefühl beschleichen, dass es sich in einer langweilenden Endlosschleife nicht abbrechender Kopiervorgänge befindet. Dass „Memories of Murder“ nun als einer der wegweisenden Beiträge auf der Bühne erschien, liegt nicht daran, dass Bong Joon-ho („The Host“) etwas völlig neues, bisher ungesehenes erschaffen hat. Bong nimmt stattdessen etablierte Topoi der Vorgänger auf und formt daraus ein spezifisch koreanisches Endprodukt, welches sich letztendlich um die südkoreanische Militärdiktatur der 80er Jahre dreht, dieses Thema aber nie ins Rampenlicht stellt. Während die genannten wegweisenden Beiträge zum Genre ihre  am Anfang geradezu unschuldig wirkenden Inspektoren mit der Devise „Schaust du zu lange in den Abgrund…“ konfrontieren, ist den zwei Ermittlern (u.a. Song Kang-ho) in „Memories of Murder“ von Anfang an jedes Mittel recht, um zu einem Ergebnis zu kommen. Folter eingeschlossen. Erst als ein junger Kollege aus Seoul „moderne“ Methoden einbringt, kommt die Untersuchung langsam in Gang. Oder doch nicht?

Auf den kräftigen Schultern von Song Kang-ho ruht der Film, handelt es sich bei Song doch um einen Schauspieler, der wie kaum ein anderer das Gewöhnliche an seinen Figuren mit dem unzweifelhaft vorhandenen Charisma eines Stars verbinden kann. Ganz auf dessen Gesicht vertraut Bong Joon-ho in den letzten Minuten des Films und beweist damit auch, dass weniger manchmal mehr ist. Ein Film, den sich Park Chan-wook des öfteren anschauen sollte.

Throw Down (HK/VRC 2004)

„Throw Down“, Johnnie Tos persönliche Hommage an Akira Kurosawa („The greatest filmmaker“, wie es in den credits heißt), ist ein Film über Judo und wie in vielen anderen Sportfilmen auch stehen Träume und deren Verwirklichung im Mittelpunkt. Doch nicht irgendeinen Wettkampf muss Szeto (Louis Koo) gewinnen, sondern – und da gleicht er David Dunn in „Unbreakable“ – eigentlich sich selbst. Auf kaum einen Film trifft der Ausdruck „Der Weg ist das Ziel“ deshalb so gut zu, wie auf „Throw Down“, Tos,  neben „Sparrow“, verspieltesten und bisher wohl optimistischsten Film. In dessen Universum gibt es keine Waffen und auch keine (richtig) Bösen. Alle Konflikte werden durch ein paar Judo-Griffe gelöst. Im Verlauf von Szetos symbolischer Wiedergeburt verbeugt sich das farbenfrohe Märchen vor der Freundschaft und preist das existenzielle Bedürfnis, einen Traum zu haben, an. Ein Bedürfnis, das ist die Lehre des Films, welches selbst vom Scheitern nicht ausgelöscht werden darf. Es ist der rote Ballon in den Baumwipfeln, der verlorene Schuh auf der Straße und das vom Adrenalin hervorgerufene, breite Lächeln auf den Gesichtern der Kämpfer, als sie erschöpft auf der Matte liegen. Es sind unzählige solcher Momente, welche To hier aneinanderreiht, die „Throw Down“ zu nichts weniger als seinen schönsten und gleichzeitig erhabensten Film machen.

München (USA/CDN/F 2005)

Das war sicher nicht Steven Spielbergs Jahrzehnt! Große Filme hat er ja gedreht, deren Mängel aber kaum zu verbergen sind. „A.I.“ wird ungeachtet einiger Qualitäten immer die Frage anhängen, wie Stanley Kubricks Version ausgesehen hätte. „Minority Report“ hat trotz einiger netter Ideen den Science Fiction-Film auch nicht gerade neu erfunden und „Krieg der Welten“, so gut mir der auch gefallen mag, leidet an seinem fluffigen und typisch Spielberg’schen Ende. Von „Terminal“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ gar nicht zu reden! Sonderlich aussagekräftig ist das Argument, „München“ sei Spielbergs bester Film der Dekade, also nicht. Im Rahmen des (Agenten-) Thrillers bewegt sich die Geschichte über die israelischen Vergeltungsaktionen nach der Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972. Ohne (damals) große Stars gedreht, schreit „München“ weder als Blockbuster nach Aufmerksamkeit, noch ist der Film Spielbergs „Schindler’s Liste“ des neuen Jahrtausends. Doch Spielbergs unauffälligster Film der letzten zehn Jahre greift über seine Genrebarrieren hinaus, wird Kommentar zum Nahost-Konflikt, den er unmittelbar behandelt, und auch der amerikanischen Außenpolitik nach dem 11. September. Subtil ist das zu keiner Zeit, aber notwendig und auch noch hochspannend. Belehrt werden wir von „München“ nicht, denn eigentlich ist Spielbergs Thriller keine didaktische Abhandlung, sondern ein Blick der Trauer und Resignation auf die Vergangenheit und die Gegenwart, der von dem großen Filmemacher in dieser Form nicht zu erwarten gewesen war.

10 Jahre // 15 Favoriten (1)

Das Jahrzehnt ist zwar nicht vorbei, aber da ich in den nächsten Wochen dank meiner Magisterarbeit sowieso nicht wirklich viel Zeit für Kino/Videoabende/Sozialleben habe, gibt es jetzt schon einen äußerst subjektiven Rückblick auf die vergangene Dekade. Betont wird, dass es sich hierbei um eine Art Lieblings-, nicht Bestenliste handelt. Die ausgewählten 15 Filme haben das ausgehende Kinojahrzehnt für mich in vielerlei Hinsicht geprägt. Größtenteils handelt es sich um Werke, die seit Jahren in meiner ewigen Bestenliste Staub fangen und diesen Status auch nach unzähligen Sichtungen – im Gegensatz zu anderen – nicht verloren haben. Wieder andere mögen noch jung im Gedächtnis sein, haben dort aber einen beträchtlichen Eindruck hinterlassen, von dem natürlich nicht sicher ist, ob er auf Dauer bestehen wird. Für den ein oder anderen gibt es hier vielleicht ein paar Empfehlungen zu entdecken oder einfach eine Anregung, sich selbst mal Gedanken über die Filme der letzten Jahre zu machen und der Welt seine Lieblinge mitzuteilen. Über unverständliche Platzierungen darf natürlich trotzdem diskutiert werden.

Auf geht’s mit Teil 1!


In the Mood for Love (HK/F 2000)

Ob Wong Kar-Wai nach seinem ge- scheiterten Amerikaausflug „My Blueberrry Nights“ zu alter Form zurückfindet, wird die Zeit und sein Ip Man-Biopic „The Grand Master“ zeigen. Unbestritten ist jedoch, dass sein Einstand zum neuen Jahrtausend, „In the Mood for Love“, ihn auf dem Höhepunkt seiner Kunst zeigt. Wongs Vorliebe für die – nicht nur chinesische – Popkultur, fast ausnahmslos tragische Liebesgeschichten und das Hongkong seiner Jugend, welches er bereits im inoffiziellen Vorgänger „Days of Being Wild“ besucht hatte, werden hier noch einmal rekapituliert. Doch anstatt sich in der Reflexion des eigenen Werkes zu verlieren, lässt Wong seine gehetzte Großstadtromantik fallen und erzählt auf geradezu spartanisch engem Raum von zwei Gefangenen, die die offen stehenden Türen ihrer Zellen einfach nicht durchschreiten können. Stilistisch ein großartiger Beweis für die gern übersehene Vielfalt in Wongs Oeuvre. Schauspielerisch ausgezeichnet mit einem der schönsten unter den ikonischen Liebespaaren der Filmgeschichte: Maggie Cheung und Tony Leung.

Unbreakable (USA 2000)

Die Geschichte von M. Night Shyamalans Aufstieg und Niedergang ist schon ein alter Hut. Abnutzungsspuren, die daher rührten, dass das damalige Wunderkind sich selbst mangels abwechslungsreicher Filmauswahl unter eine Tonne Klischees und Erwartungen (Wo bleibt der Twist?) hat begraben lassen, wurden spätestens bei „Signs“ sichtbar. Doch davor wandte er sich einem Genre zu, welches das Jahrzehnt auf damals ungeahnte Weise dominieren sollte. „Unbreakable“ ist ein Film über Superhelden und das Medium, in dem sie groß geworden sind: Comics. Doch es ist eine Heldengeschichte, deren Wurzeln weniger in einem alternativen Universum als dem grauen, größtenteils ereignislosen Alltag liegen. David Dunn (Bruce Willis) steckt immherin in einer betäubenden Midlife Crisis, die von unerfüllten Träumen und einer zerütteten Ehe genährt wird. Shyamalan folgt bei der Schilderung der Genese des Superhelden der bekannten Konstruktion des Initiationserlebnisses, dem die widerwillige Entdeckung der eigenen Kräfte folgt und schließlich die Erkenntnis und Verwirklichung der eigenen Berufung. Doch „Unbreakable“ ist eben auch ein Film über einen Mann, der den Sinn seines eigenen Lebens vergessen hat und neu entdecken muss. Der eingängige Score von James Newton Howard, sowie die Shyamalan-typische, auf erfrischender Statik aufbauende Kameraarbeit von Eduardo Serra mit einem Hang zum Formalismus, bilden weitere Pluspunkte des Films. Ohne Fehler ist dieser bestimmt nicht; das Ende ist überstürzt, der Plot bewegt sich auf dünnstem Eis. Aber auch mit zehn Jahren Abstand bleibt „Unbreakable“ eine der ungewöhnlichsten Umsetzungen eines in den Jahren danach (zu) oft beackerten Genres.

Donnie Darko (USA 2001)

Ein Kultfilm via DVD, speist sich die Faszination um Richard Kellys am- bitioniertem Erstling natürlich zunächst einmal aus der Deutungsvielfalt der stellenweise kryptischen Geschichte, für deren Verständnis Grundkenntnisse in der Zeitreisephilosophie nicht gerade störend sind. Nachdem ich mir damals den Film mühsam als UK-Import besorgt und mich durch die englischen Untertitel noch mit Hilfe eines Wörterbuchs gequält habe, wurden erstmal die Message Boards bei der IMDb konsultiert, um die Verwirrung zu lindern. Die Geschichte um einen psychisch labilen Jugendlichen (Jake Gyllenhaal), dem das Ende der Welt prophezeit wird, ist eine seltsame Sci Fi-Mischung aus „Die letzte Versuchung Christi“ und „Der Fänger im Roggen“ und gleichzeitig etwas ganz anderes, monumentales, unbeschreibliches. Kellys Entscheidung, die späten 80er Jahre als Hintergrund zu nehmen, erweist sich nicht nur dank des großartigen Soundtracks (Echo & the Bunnymen, Joy Division, Duran Duran) als Geniestreich. So unwirklich und verträumt die damalige Vorstadtwelt im Film wirkt, überzeugt dieser v.a. durch seinen Coming of Age-Hintergrund, was ihn zu einem düsteren Bruder der John Hughes-Filme macht. Anders als Kellys überladener Nachfolger „Southland Tales“ verharrt „Donnie Darko“ trotz der komplexen Geschichte nicht auf dem Status eines sterilen Forschungsobjekts, ist stattdessen vielmehr einer der besten Teenagerfilme der letzten Jahre.

Lantana (AUS/D 2001)

Eine Frau liegt tot in den Büschen von Sydney. Ihr Gesicht sehen wir nicht. Das ist der Auftakt von „Lantana“, einem Beziehungsfilm mit einem Krimigerüst. Denn in den nächsten zwei Stunden wird uns Regisseur Ray Lawrence einige Paare mit all ihren Problemen und Geheimnissen vorstellen, uns raten und bangen lassen, wer da am Ende in den Sträuchern liegen wird. Unspektakulär, aber mit einer unheilschwangeren Stimmung versehen, lässt uns Lawrence die von Fehlern gepflasterten Irrwege seiner Hauptfiguren folgen, von denen nur manche am Ende eine zweite Chance erhalten werden. Mittelpunkt des Ensemblefilms ist Anthony LaPaglia, der, wenn er mal nicht das Fernsehen in „Without A Trace“ mit seiner Anwesenheit beehrt, im Kino nur selten Gelegenheit hat, zu beweisen, was in ihm steckt. LaPaglia spielt den in die Jahre gekommenen Cop Leon, der sein Familienleben mit einer Affäre auf’s Spiel setzt und aus Frust Verdächtige schon mal zusammenschlägt. Unzufriedenheit und wohl auch Schuldgefühle scheinen diesen Mann von innen dermaßen zu verzehren, das jederzeit die Implosion droht. Es ist die Meisterleistung LaPaglias, dass wir Leons abstoßende Seite zuerst präsentiert bekommen, diese auch nie ganz verschwindet und er uns dennoch nicht vom Geschehen entfremdet. Leon ist eben, wie die anderen Figuren in „Lantana“ auch, ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten (USA/NZ 2001)

„Die Gefährten“ habe ich viermal im Kino und zwischen fünfzehn und zwanzig Mal auf Video, im Fernsehen und auf DVD gesehen. Von den anderen beiden Teilen kann ich das nicht behaupten. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Bücher von J.R.R. Tolkien erst nach Kenntnis dieses Films gelesen habe und die Überwältigung des ersten Kinobesuchs einfach nicht reproduzierbar ist, wenn man die ganze Geschichte kennt, anfängt über Auslassungen nachzudenken usw. Vielleicht ist „Die Gefährten“ aber auch der beste Teil der Filmreihe von Peter Jackson. Howard Shores Score ist gepflastert von  Melodien für die Ewigkeit. Die Gefährten sind noch neun an der Zahl. Wir sehen Bilbo, das Auenland, das von den Ringgeistern heimgesucht wird, Bruchtal, das Nebelgebirge, Moria, Galadriel, bis hin zum Blick auf das ferne Mordor, das den Zuschauer als dunkle Bedrohung in den Abspann geleitet. Es ist der Teil mit dem geringsten Pathos, den wenigsten Schlachten, dem kleinsten Arwen-Aragorn-Anteil und der längsten Reise. Eine, die uns Mittelerde mit all seinen Völkern, ob gut oder böse, kennen und lieben lernen lässt. Peter Jackson hat mit diesem Film das Fantasy-Kino wieder salonfähig gemacht und zu Beginn des neuen Jahrtausends bewiesen, dass der Umgang mit digitalen Effekten auch anders funktionieren kann als beim leblosen Kitsch eines George Lucas. Mittelerde ist zum Anfassen nah und vielleicht macht es ja auch deswegen soviel Spaß, immer wieder dorthin zurück zu kehren.

Kontrapunkt: Über Listen

Ja, eigentlich hatte ich nicht vor, auf den Zug aufzuspringen, da das am Ende eines Kinojahres jeder tut und die Deutsche Bahn dann wegen Überladung wieder Unglücke zu vermelden hat. Aber egal, ich bin wankelmütig, was das angeht und auch ich will mal wieder total subjektiv 10 Zahlen untereinander schreiben. Und da the gaffer mir mit der „Bestenliste 2008″ schon den undankbarsten Job abnahm, werde ich jetzt dem dankbarsten nachgehen und so richtig schön meckern.

Hier also das Pendant:

Meine Top Ten-Liste der schlechtesten Filme 2008.

10. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (USA 2008)

Indiana Jones kämpft gegen Aliens. Das sagt eigentlich schon genug zum Verrat an der etablierten Film-Reihe, der hier passiert ist. Und Steven Spielberg kann noch so lange sagen, dass sein postmoderner Indy ein Zugeständnis an die Science-Fiction-Filme der 50er Jahre ist.

Meine Ausführungen zum Film findet man hier.

09. Der unglaubliche Hulk (USA 2008)

Keine Ahnung, warum alle Ang Lees Hulk von 2003 als so scheiße beurteilten. Ich fand Eric Bana seinerzeit in der Titelrolle als grünes Monster irgendwie glaubwürdiger als den stets harmlos wirkenden Edward Norton. Bezogen ist dieser 9. Platz übrigens in erster Linie auf die mies zusammen geschnippelte Kinofassung, die so echt nicht geht/ging.

08. Get Smart (USA 2008)

Der Steve Carrell-Film hat nur einen Pluspunkt: Steve Carrell. Ansonsten haben anscheinend kaum Leute gemerkt, dass es sich bei dieser Agentenfilmparodie um ein dümmliches, seelenloses Wiederaufbereiten der Kultserie aus den 60er Jahren mit einer hanebüchen konstruierten Story und omplett überkonstruierten Actionsequenzen handelt.

07. Shutter – Sie sehen dich (USA 2008)

Hollywood drehte mal wieder ein Remake eines Geisterfilms aus Fernost. Das ist mittlerweile eigentlich nicht mehr der Erwähnung wert – nur wenn es schlecht ausfällt.

So wie hier, als ein Fotograf (schlecht gespielt von Joshua Jackson) von einem Geist verfolgt wird. Unter anderem am Nacken… nun ja.

06. Wanted (USA/D 2008)

Ich mag diese seltsame Videoclip-schnell-schnell-düster-weils-geil-aussieht-Inszenierung von Timur Bekmambetov, für mich einer der meistüberschätzten Hollywoodimport-Regisseure der letzten Jahre, schlicht und einfach nicht. Warum? Weil schon die Wächter-Filme keine sinnvolle Handlung dazu aufwiesen und mich auch Angelina Jolies entblößter Arsch und die mäßigen Effekte nicht davon ablenken konnten. Weiteres dazu hier.

05. Jumper (USA 2008)

Auch fähige Leute wie Doug Liman („Mr. & Mrs. Smith“, „Die Bourne-Identität“) drehen einmal Crap wie diesen. Die blödsinnige Handlung um Teleportation usw. wird von Nebendarsteller Jamie Bell solide getragen, nicht jedoch von den öfter präsenten Hayden Christensen und Samuel L. Jackson, die bei ihrer Reise von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit der Welt mal besser bei ihren Laserschwertern geblieben wären.

04. Ich weiß, wer mich getötet hat (USA 2007)

Lindsay Lohan ist über ein Jahr jünger als ich und hat schon ein paar mehr Höhe- und viel mehr Tiefpunkte inklusive Drogensumpf durchlebt als ich. Dieser Film, 8-facher Abräumer bei der Verleihung der „Goldenen Himbeere“ 2008, gehört zweifelsohne auch in letztere Kategorie, wenn sie in einem hirnrissigen Plot um eineiige Zwillinge und einen ultrabrutalen Serienkiller der Gliedmaßen amputiert, erneut beweist, dass sie keine wirklich gute Schauspielerin ist.

03. Superhero Movie (USA 2008)

Ein Film, an den ich mich gerade nicht mehr wirklich erinnern kann. Aber Fakt ist: Ich war zu dieser Superheldenfilm-Parodie, die sich eher grob als subtil an der Story von „Spider-Man“ orientiert, im Kino! Leslie Nielsen ist neben „Star Trek“-Data Brent Spiner einer der wenigen bekannten Namen im Cast und zeigt, dass er auch immer noch hin und wieder lustig sein kann. Zum Beispiel, wenn sein eher kleinerer Auftritt als komischer Onkel endlich vorüber ist.

02. Meine Frau, die Spartaner und ich (USA 2008)

… oder: „Wie parodiere ich in 62 Minuten Filmlaufzeit sämtliche Blockbuster des vergangenen Jahres auf extrem dümmlichem Wege“. Ja, der Schmu ist nach 62 Minuten vorbei, dann folgt noch ein Gag-Best Of, dass noch einmal die besten Gags des Films variiert: also zwei oder drei. Ja, man lacht darüber, aber nur, weil es so dumm ist. Ja, „300“ liefert reichlich Verarsche-Potenzial, das hier aber nicht genutzt wird. Nein, ich höre jetzt auf mit „Ja, …“ und verweise auf meine weiter ausufernden Ergüsse zum Film.

01. Saw IV (USA 2007)

Systematischer Verkauf der Intelligenz des Kinozuschauers, erste Runde. Bis „Saw III“ waren die Morde des dahinsiechen Jigsaw wenigstens noch logisch, aber ab hier soll der geneigte Zuschauer mit einer endgültig extrem verärgernden Pointe zum Konsum vom bald anlaufenden Saw V animiert werden. Selten so einen extrem misanthropischen Dreck im Kino gesehen und selten einen Film, der so deutlich beim miesesten Filmmüll des Jahres vorne lag! Hier die ausführliche Kritik zum filmischen Untergang des Abendlandes.


Im „Verfolgerfeld“:

„Der rote Baron“
„The Eye“ sowie
„Eagle Eye – Außer Kontrolle“
Noch ein paar Hinweise zur Liste: Sie bezieht sich nur auf die Filme, die 2008 einen deutschen Kinostart hatten und die ich selbst im Kino gesehen habe. Folgende potenzielle „Perlen“ sind mir dabei leider (?) entgangen:

„Die wilden Kerle 5“
„Speed Racer“
„Prom Night“
„The Happening“
„Far Cry“

(Zumindest letzteren hätte ich gern im Kino gesehen, doch er kam in Jena leider nicht.)

Soviel dazu. Ich betone: Ein Teil der Filme lief in einer Sneak Preview, die ich bis Mitte vergangenen Jahres noch besuchen konnte, weswegen ich in den „Genuss“ der Filme kam. Nicht dass jemand außer the gaffer noch auf den abwegigen Gedanken kommt, ich würde mein Geld freiwillig für irgendwelchen Crap ausgeben…

Übrigens: Gesundes Neues noch!

2008: Das Jahr, indem wir Top Ten-Listen erstellten

…wie in jedem anderen Jahr auch.

Wie auch schon bei der Top Ten 2007 werden hier nur Filme berücksichtigt, die a) ihren deutschen Starttermin oder b) ihre (deutsche) DVD-Premiere im Jahre 2008 gefeiert haben. Die Einschränkungen sind recht wirr und dienen allein als seriös wirkende Ausrede dafür, dass ich die vielleicht wichtigsten amerikanischen Filme des Jahres – potenzielle Oscar-Anwärter z.B. – noch gar nicht gesehen habe, da deren deutscher Starttermin meist im Januar oder Februar 2009 liegt.

Noch dazu sei hinzuzufügen, dass ich aus verständlichen Gründen nicht alle 2008 produzierten Filme sehen konnte, da sonst mein Kopf platzen würde. So stelle ich es mir jedenfalls vor. Mit anderen Worten: Diese Liste ist ein persönliches Resümee des Filmjahres 2008. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit wird nicht garantiert:

10. Tödliche Entscheidung (USA/GB 2007)

Kaum zu glauben, dass Sidney Lumet „Die Zwölf Geschworenen“ vor 51 Jahren gedreht hat. Before The Devil Knows You’re Dead ist modern in seiner Form und unbarmherzig in seiner Schilderung menschlicher und familiärer Abgründe. Lumet hat wie schon vor einem halben Jahrhundert das beste aus seinem Ensemble herausgeholt, hier bestehend aus Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Marisa Tomei und Albert Finney.

09. WALL-E (USA 2008)

Letztes Jahr war es Ratatouille, dieses Jahr nimmt WALL-E den für Pixar reservierten Platz in meiner Top Ten ein. Die erste Hälfte des Films hätte ihn sogar auf Platz 1 katapultieren können. Da ist „WALL-E“ der beste Animationsfilm, den Charlie Chaplin nie gedreht hat. Mit der recht konventionellen zweiten Hälfte landet der liebenswerte Roboter immerhin auf Rang 9. Mal sehen, wie Up abschneiden wird. Immerhin trägt der nächste Pixar den Namen des besten Albums von Peter Gabriel. [Soviel zu unnützen Trivia-Infos]

08. Sweeney Todd – Der teufliche Barbier aus der Fleet Street (USA/GB 2008)

Ein düsteres Gothic-Musical ist Sweeney Todd, dass dank der Vorlage von Stephen Sondheim die für Tim Burton typische Oberflächlichkeit vermissen lässt. Wer hätte gedacht, dass Kannibalismus zu dermaßen eingängigen Liedern inspirieren kann? Auch für Nicht-Musical-Fans ist der Film mit Burtons Stammpersonal Johnny Depp und Helena Bonham Carter ein Muss.

07. Der Mongole (RUS/KZ/MGL/D 2007)

Dschingis Khan hat einen großen Film schon lange verdient. Sergei Bodrovs Der Mongole will das sein und wird dem Mythos der Steppe gerecht, ohne auf billiges Pathos oder auch nur eine klassische Erzählweise zu verfallen. Tadanobu Asano („Ichi the Killer“) gibt Temudjin auf seinem steinigen Weg zum Titel des Khan ein erhabenes Gesicht, während Sun Honglei („Die Sieben Schwerter“) als sein Freund und späterer Widersacher Jamukha wiedereinmal zeigt, warum er einer der besten Schauspieler Chinas ist. Um von den wuchtigen Landschaftsaufnahmen gar nicht erst zu reden…

06. The Dark Knight (USA 2008)

Vielleicht ist es DER Film des Jahres, wenn auch nicht der beste, den Christopher Nolan mit The Dark Knight gedreht hat. Ein Denkmal für Heath Ledger, sicher eine der besten Comicverfilmungen aller Zeiten und v.a. ein spannender, aber nicht dummer Actionthriller, der beträchtliche Lust auf eine Fortsetzung macht. Die Comic-Konkurrenz war dieses Jahr nicht zu unterschätzen (u.a. „Hellboy II“ und „Iron Man“), doch der Dunkle Ritter segelt souverän in die Top Ten.

05. There Will Be Blood (USA 2007)

Auch wenn „There Will Be Blood“ gegen Ende Gefahr läuft, von seiner Hauptfigur erschlagen zu werden und Paul Thomas Anderson sich das Einfühlungsvermögen, welches er seinen geplagten Figuren in „Magnolia“ noch in Hülle und Fülle hat zukommen lassen, in seinem aktuellen Film leider versagt, verdient die Geschichte um Daniel Plainview einen Platz in der Top Ten. Filme, die sich mit dem Klassischen Hollywoodkino messen können, gibt es eben viel zu selten. Die eigentliche Überraschung in There Will Be Blood heißt aber nicht Daniel Day-Lewis, sondern Paul Dano.

04. Brügge sehen… und sterben? (GB/USA 2008)

Politisch inkorrekt, brutal, komisch, traurig und gesegnet mit einer Ansammlung menschlicher Matschepampe. All das trifft auf Brügge sehen.. und sterben? zu. Es deutet möglicherweise auch darauf hin, dass das Debüt von Martin McDonagh nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Wer Genrefilmen nicht abgeneigt ist, wird freilich schnell erkennen, dass McDonagh den (britischen) Gangsterfilm zu neuen Höhen geführt hat. Noch dazu ist ihm aufgegangen, dass Colin Farrell kleine besoffene Loser viel besser spielen kann als große makedonische Könige.

03. Michael Clayton (USA 2007)

Dass Anwaltsthrillern nach all den langweiligen John Grisham-Verfilmungen noch etwas neues abzugewinnen ist, das hatte zumindest ich kaum noch zu hoffen gewagt. Michael Clayton war daher ein leicht zu unterschätzender Oscaranwärter, dem das Label Epos dank des Mangels an weiten Landschaften, Pferden und Ölbaronen offensichtlich nicht zugeschrieben werden kann. Tony Gilroys Film verdient den dritten Platz, weil er mit einfachen Mitteln die dunklen Seiten großstädtischer Arbeitsexistenzen, die unschönen Seiten unserer Dienstleistungsgesellschaft aufdeckt.

02. No Country for Old Men (USA 2007)

Was „Michael Clayton“ an vordergründigen Eposqualitäten fehlt, findet sich in der Cormac McCarthy-Verfilmung der Coen Brüder. „Mitleidlos“ ist wohl das Wort, das am ehesten auf No Country for Old Men zutrifft. Verkörperung des kaltblütigen Zufalls ist Anton Chigurh (Javier Bardem), ein Killer, der in seiner soziopathischen Vorgehensweise einer Naturgewalt ähnelt. Tommy Lee Jones und Josh Brolin geben dem Film das dringend nötige menschliche Antlitz, was alles eigentlich noch unangenehmer macht.

01. Waltz With Bashir (IL/D/F/USA 2008)

Animierte Dokumentation, dokumentarischer Animationsfilm… Wie auch immer man Ari Folmans Film bezeichnen will, Waltz With Bashir landet hier auf Platz 1. Das verbildlichte Trauma des Regisseurs ist von allen hier genannten Filmen der innovativste. Innovation allein berechtigt aber noch nicht zur Spitzenposition. „Waltz With Bashir“ schafft genau das, was das sogenannte „Betroffenheitskino“ gerne sein möchte. Er greift Verdrängungsmechanismen auf, zehrt das Grauen aus einer subjektiven Sicht an die Oberfläche und zwingt zur Auseinandersetzung. Vergangenheitsbewältigung auf der großen Leinwand.


Im Verfolgerfeld:

„All the Boys love Mandy Lane“

„Hellboy II: Die Goldene Armee“

„Mamma Mia!“

„The King of Ping Pong“

„Tropic Thunder“

Der Beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe und auch nach der dritten Sichtung nicht kapiere:
The Sun Also Rises

Die größte Enttäuschung des Jahres:

„Ein Quantum Trost“.

Und Britney Spears, die immer noch „Musik“ macht.

Heißer Anwärter auf die Kategorie „Filme, die die Welt nicht braucht“:

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“

Der beste Trailer des Jahres mit überbordendem Zeitlupeneinsatz:

Watchmen – unterlegt mit „The End Is The Beginning Is The End“ von den Smashing Pumpkins.

Der beste Song, der sowohl im Trailer als auch im Film auftaucht:

Bedroom Walls – „In Anticipation of Your Suicide“ („All The Boys Love Mandy Lane“ O.S.T.)

Unglaubwürdigste Gesichtsbehaarung des Jahres:

Leonardo DiCaprio in „Der Mann, der niemals lebte“.

Preisverdächtigste Gesichtsbehaarung des Jahres:

Robert Downey Jr. in „Iron Man“ und „Tropic Thunder“.
Peinlichster Auftritt einer Gruppe Yetis in der Geschichte der Menschheit:
„Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“
Bestes Festivalerlebnis des Jahres:
„Sparrow“ von Johnnie To in der Caligari-Filmbühne zu Wiesbaden zu genießen.
Ein Autogramm von David Bordwell in Bologna zu ergattern.

Die gehypten Filme, die wahrscheinlich einen Platz in der Top Ten verdienen, ihn aber nicht bekommen, weil ich sie noch nicht gesehen habe:

„Schmetterling und Taucherglocke“

„So finster die Nacht“

Filmstöckchen

Es ist mal wieder Stöckchenzeit in der Filmblogosphäre. Bei Fincher hab ich das folgende gefunden. Wer sich nach all dem Einkaufsstress in letzter Minute zur Entspannung auf seine eigene Cinephilie besinnen will, kann es sich gern ausleihen.

1. Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast?

„American Beauty“, weil er gut ist. Aus akademischen Anlass: „Infernal Affairs“ und „Magnolia“. Die beide auch ziemlich gut sind.

2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast?

„Der Herr der Ringe: Die Gefährten“. Ganze vier Kinobesuche. Noch so ein Film, den ich mehr als zehnmal gesehen habe. Hauptsächlich weil er, nun ja, gut ist. Ansonsten: „Der Untergang“, „Die Mumie“, die meisten „Harry Potter“-Filme und einige andere.

3. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Anthony Wong Chau-Sang, obwohl 70% seiner rund 200 Filme ziemlich besch***en sind. Die Highlights: „Erotic Ghost Story 2“ und „Raped By an Angel 4: The Raper’s Union“ in der grandiosen Rolle als „Human Milk Drinking Doctor“. Langweiler wie De Niro und Pacino träumen doch heimlich von solchen Glanzlichtern einer jeden Filmografie. Das inoffizielle Ziel, diesen schrecklich guten Schauspieler in jedem zweiten Post zu erwähnen, wurde dieses Jahr leider nicht erreicht. Aber das kann nächstes Jahr ja noch werden.

Bei den Damen: Cate Blanchett und Meryl Streep. Erklärungen dafür sind wohl nicht nötig.

4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Leonardo DiCaprio. Zumindest, wenn er einen Bart trägt. Im übrigen Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Dolph Lundgren und andere Steroiddosen. Von Männern ohne Bart und Muskeln: Will Ferrell. Weil nicht nur dumm, sondern auch dumm, unlustig und generell überschätzt.

Keira Knightley wäre eine weibliche Kandidatin, ob ihres mangelhaften Gewichts (wer will sich während eines Films über die Gesundheit eines Darstellers Sorgen machen?) oder ihrer angeborenen unsympathischen Art wegen. Die spielt aber leider in zu vielen sehenswerten Filmen mit.

5. Ein Film aus dem Du regelmäßig zitierst?

Über ein bissel „Monty Python“ komm ich nicht heraus. Aber was nützt selbst das, wenn man dazu tendiert, mitten im Zitat die Pointe/das Ende zu verwechseln/zu vergessen. Also lass ich’s lieber.

6. Ein Musical, von dem Du alle Texte der darin gesungenen Songs auswendig weißt?

Kein Musical hat bei mir je ein solches Interesse geweckt. Nicht mal „Sweeney Todd“.

7. Ein Film, bei dem Du mitgesungen hast?

Äh, singen? Ach ge!

8. Ein Film, den jeder gesehen haben sollte?

So ziemlich jeder Film von Johnnie To. Weil der halt Gott ist und so… Im übrigen „Casablanca“, weil die Welt mit ein paar mehr Rick Blaines eine bessere, wenn auch betrunkenere und zynischere wäre.

9. Ein Film, den Du besitzt?

Seit kurzem: „Blade Runner – Final Cut“. Der steht jetzt neben 265 anderen DVDs. Die VHS-Kassetten gammeln derweil ungezählt vor sich hin.

10. Nenne eine/n Schauspieler/in, die ihre Karriere nicht beim Film startete und die dich mit ihren/seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat.

Will Smith in „Ali“. Seitdem eher weniger.

11. Hast Du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?

Nein. Gibt’s die überhaupt im Osten?

12. Schon mal in einem Kino geknutscht?

Ja, war der Wirkung des Films (unverdient) abträglich.

13. Ein Film, den Du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist?

„A Chinese Ghost Story“. Warum kommt der eigentlich nie im Fernsehen???

14. Hast Du schon jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

„Die Grüne Wolke“, einer der schlimmsten Kinderfilme wo gibt. Auf einem Kinderfilmfestival.

15. Ein Film, der Dich zum Weinen gebracht hat?

„München“ und „Die Farbe Lila“. Das ist bestimmt kein Zufall.

16. Popcorn?

Ach nee, Nachos rascheln lauter (in der geschmuggelten Tüte natürlich).

17. Wie oft gehst Du ins Kino?

Einmal in der Woche. Das Konto freut’s.

18. Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?

„Death Race“. Du bist Jason Statham!

19. Welches ist Dein Lieblingsgenre?

Gangsterfilme. Am besten ist aber ein Mix, da es sich mit Überraschungen etwas spannender leben lässt. Daher der hier gern gepflegte Faible fürs asiatische Kino.

20. Was war Dein erster Film, den Du im Kino gesehen hast?

Vielleicht „Die Unendliche Geschichte 2“? Keine Ahnung, ob ich da überhaupt im Kino war. Mein erster Multiplex-Film war allerdings „Rush Hour“.

21. Welchen Film hättest Du lieber niemals gesehen?

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Weil der einfach schlecht ist. Und weder Anthony Wong, noch Meryl Streep mitspielen. Cate Blanchett allein kann die Jugenderinnerungszerstörungsmachinerie von Lucas und Spielberg nicht aufhalten. Ihre Domina-Frisur ist das beste am ganzen Film und war das Eintrittsgeld und das Stottern an der Kasse leider nicht wert.

22. Was war der merkwürdigste Film, den Du mochtest?

„Zabriskie Point“. Wer „Blow Up“ komisch findet, sollte Antonionis Nachfolger anschauen. Am Ende reisst’s das Ende raus (was für ein Wortspiel!). Wenn man glaubt, man hat alles gesehen, legt Antonioni immer noch einen drauf und raubt einem den Atem.

23. Was war der beängstigendste Film, den Du je gesehen hast?

Ich hasse Horrorfilme. Die machen mir Angst. In Sachen beängstigender Atmosphäre gewinnt aber „Blue Velvet“ klar vor „The Ring“. Lynchs Psychoetwas hab ich irgendwann abgebrochen. Da guck ich doch lieber „Eraserhead“. Der ist ein Kinderspiel dagegen.

In letzter Zeit: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. In der letzten halben Stunde wurde mir Angst und Bange um Spielbergs gegenwärtigen Geisteszustand.

24. Was war der lustigste Film, denn Du je gesehen hast?

„Sterben für Anfänger“ erntete bisher die meisten Lacher. Auf Dauer am lustigsten sind aber „Das Leben des Brian“ und „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“.