Wollmilchcast #100 – Berlinale 2020

Die 70. Internationalen Filmfestspiele von Berlin sind überstanden, die Filme wiedergekäut, der Schlaf nachgeholt. Zum 100. Jubiläum des Wollmilchcasts sprechen wir über die Jubiläums-Berlinale, die dieses Jahr unter einer neuen Doppelspitze stattfindet. Wir thematisieren die sichtbaren Änderungen in der Auswahl der Filme, die Qualität des Wettbewerbs, neue Sektionen und unsere Favoriten im Programm. Viel Spaß!

Shownotes:

  • 00:01:26 – Die Berlinale unter neuer Führung und die Qualität des Wettbewerbs
    – Mit Filmen wie Undine, Berlin Alexanderplatz, Days, First Cow, Never Rarely Sometimes Always u.a.
  • 01:13:20 – Highlights aus weiteren Sektionen der Berlinale
    – Mit Filmen wie Malmkrog, Maggie’s Farm, The Trouble with Being Born, Anne at 1300ft.
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Wollmilchcast Bonusfolge: Berlinale 2019 (mit Gast Michael von Negative Space)

Der Goldene Handschuh

Eigentlich wollten wir zu dritt einen Wollmilchcast über die Berlinale 2019 aufnehmen, doch aus Krankheitsgründen müsst ihr mit einer Hälfte des Wollmilchcast-Teams Vorlieb nehmen. Deswegen blicken wir leider ohne Matthias, aber immerhin mit Oscar- und Festival-Blogger par excellence™ Michael Müller von Negative Space auf die 69. Internationalen Filmfestspiele von Berlin zurück. Wir sprechen im Podcast über das Ende der Ära von Festivaldirektor Dieter Kosslick, Sexszenen mit Oktopussen und Kamelen, unsere Lieblinge im Programm und fragen uns, wie die Zukunft des Festivals unter neuer (Doppel-)Leitung aussehen wird.

Dabei kommen Filme wie Synonyme (Gewinner des Goldenen Bären), Der goldene Handschuh von Fatih Akin,  Angela Schanelecs Ich war zuhause, aber …, Joanna Hoggs The Souvenir, der Sundance-Tipp Monos und einige mehr zur Sprache. Viel Spaß!

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Wollmilchcast #37 – Unsane und die Filme von Steven Soderbergh

Unsane Poster-Motiv mit Claire Foy

Der medizinisch-industrielle Komplex lässt Steven Soderbergh einfach nicht los. In Unsane (a.k.a. dem „iPhone-Thriller“) schickt er Claire Foy in die Fänge eines Stalkers und einer privaten Klinik. Matthias von Das Filmfeuilleton und ich nehmen den Low Budget-Film zum Anlass, um auf die Experimentierfreude in der Karriere des Regisseurs zurückzublicken. Wir fragen uns, ob Soderbergh als Auteur taugt, streiten über den vergessenen dritten Teil der Ocean’s Trilogie und stellen zum Schluss unsere Top 5 der besten Filme von Steven Soderbergh zusammen. Viel Spaß!
Shownotes:

  • 00:00:50 – Unsane (!Spoiler!)
  • 00:38:50 – Die experimentelle Dauerkrise des Steven Soderbergh
  • 01:10:00 – Unser Top 5 der besten Filme des Steven Soderbergh
  • 01:36:20 – Verabschiedung

Hört euch die neue Wollmilchcast-Folge an:
Bei Audiomack oder hier im Blog:

@Beeeblebrox
@gafferlein
Der Wollmilchcast als Feed und bei iTunes.


 
 

Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)
Copyright Titelbild: 20th Century Fox

Wollmilchcast #26 – Die Berlinale nach der Ära Kosslick (mit Gast Michael von Negative Space)

Ava
Ava (c) Arte France Cinema

Für unseren 26. Wollmilchcast haben Matthias von Das Filmfeuilleton und ich kompetente Unterstützung geholt, denn es geht um nichts weniger als die Zukunft des deutschen Films bzw. des deutschen Filmfestivals bzw. des deutschen Filmfestivals in Berlin im Februar. Mit Oscar- und Festival-Blogger par excellence Michael Müller von Negative Space sprechen wir über die aktuelle Debatte rund um den offenen Brief von 79 deutschsprachigen FilmemacherInnen über die Zukunft der Berlinale und das Auswahlverfahren für die Nachfolge, sollte Dieter Kosslick 2019 tatsächlich seinen Hut (und Schal und Brettchen und Isoliertässchen) nehmen. Darüber hinaus kommen You were never really here von Lynne Ramsay zur Sprache, der in Deutschland als A Beautiful Day ins Kino kommt, sowie Ava von Léa Mysius. Beide Filme liefen beim Festival Around the World in 14 Films.
Hier erstmal wichtige Links zur Debatte rund um die Berlinale:
Die Berlinale muss wieder Experimentierfeld werden

Roter Teppich den Ideen

Filmemacher wollen Berlinale revolutionieren
Dieter Kosslick reagiert auf offenen Brief
Zwei Regisseure stärken Kosslick den Rücken
Und wie geht es jetzt weiter?
Shownotes:
00:00:30 – Die Berlinale in und nach der Ära Kosslick
00:55:35 – You were never really here (aka A Beautiful Day)
01:12:00 – Ava
01:21:26 – Verabschiedung
Hört euch die Wollmilchcast-Folge an:
Bei Audiomack oder hier im Blog:
Wollmilchcast
Der Wollmilchcast bei Twitter:
@Beeeblebrox
@gafferlein
Der Wollmilchast als Feed und bei iTunes.

Kontrapunkt: Genialität goes Ghettoslang – „Victoria“

Heiße Spanierin nachts in Berlin mit Sonne, Boxer und Blingbling unterwegs
Die Spanierin Victoria (Laia Costa) ist in Berlin mit Sonne (Frederick Lau, links) und seiner Gang unterwegs.

In einem Berliner Club lernt die Spanierin Victoria (Laia Costa) nach einer durchtanzten Nacht eine Männerclique kennen. Sie lässt sich vom Charme von Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski) und Co. mitreißen und feiert mit ihnen noch etwas auf einem Hochhausdach, bevor die vier Freunde einen Anruf bekommen. Boxer ist einem ehemaligen Knastkumpel noch einen Gefallen schuldig. Victoria springt als Fluchtfahrerin ein – und gerät in einen Strudel der eskalierenden Gewalt.

Zwei Stunden in Berlin, gefilmt in einer 130-minütigen Plansequenz ohne einen einzigen Schnitt: „Victoria“ begeistert durch eine herausragende organisatorische Leistung und Übersicht, für die Kameramann Sturla Brandth Grøvlen vollkommen zu Recht auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Immer nah dran an den Figuren und am Geschehen ist der Thriller eine ungemein intensive Erfahrung. War an einigen Stellen mutmaßlich der Ton nicht zu gebrauchen, wurde pragmatisch einfach sphärische Musik unter die Bilder der beweglichen Kamera gelegt. Schließlich war Victoria einst auch Klaviervirtuosin, bevor sie drei Monate zuvor nach Berlin kam und bisher keinen Anschluss fand.

Laia Costa ist auch das emotionale Zentrum des Films. Mal frech und verführerisch, mal pflichtbewusst und mit großem Herz, am Ende ebenso verliebt wie verzweifelt dient sich als Seismograph der Stimmungen zwischen Euphorie und Angst. Mit ihrer natürlich anmutenden Schüchternheit bildet sie einen Kontrapunkt zu den flachen Charakteren der „eingeborenen“ Berliner Jungs, die sich gegenseitig mit „Digga“ ansprechen oder eine Stunk verursachende Meute als „Hurenkinder“ beschimpfen. Während die Regie von Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) wohl überlegt und ausgeklügelt ist, fehlt dem Drehbuch besonders in solchen Ghettoslang-Dialogzeilen der letzte Schliff an authentischer Milieuzeichnung.

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Doch sei’s drum: „Victoria“ ist ein junges, erfrischendes Stück deutsches Genre-Kino, das den Zuschauer beinahe schon physisch die Ereignisse dieses chaotischen frühen Morgens miterleben lässt. Enorm packendes Kino also – wenn auch mit kleinen Schönheitsfehlern.

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Titel: Victoria
Regie: Sebastian Schipper
Laufzeit: ca. 136 Min.
FSK: ab 12
Kinostart: 11. Juni

Diese Rezension ist erstmals gestern auf der Filmseite im Buch „Tipps und Termine“ der Mitteldeutschen Zeitung erschienen.