Kontrapunkt: Der seltsame Fall des Benjamin Button & Daniel, der Zauberer

Gegensätzlicher könnten zwei Filme nicht sein: Hier mit 13 Nominierungen der gegenwärtig heißeste Anwärter auf die Oscars 2009, dort ein dilettantisch inszenierter PR-Film für die Fans vom Ex-Dschungelcamper, Ex-„DSDS“-Kandidaten und mittlerweile erfolgreichem Unternehmer Daniel Küblböck. Deswegen bieten sich diese beiden Pole doch regelrecht zum Besprechen an, oder?

Der seltsame Fall des Benjamin Button (USA 2008)

Ich sage es vorweg: Ja, der Film wird extrem gehypt und ja: er taugt nicht soviel, wie man es bei 13 Oscarnominierungen erwarten könnte oder müsste. David Fincher verabschiedet sich – nachdem man in „Zodiac – Die Spur des Killers“ schon erste Anzeichen in diese Richtung erkennen konnte – damit gänzlich von seinem einst unverkennbaren düsteren Inszenierungsstil und scheint nun als Filmemacher im Mainstream angekommen zu sein. Das ist schade für ihn und auch für den Film, der jegliche Handschrift fernab des Konsens, wie man ein phasenweise mit Längen behaftetes Hollywood-Epos inszeniert (und zwar mit langen Einstellungen, stets unaufgeregt und mit einer ach so klugen Lebensweisheit am Ende) vermissen lässt. Die Geschichte eines Mannes, der als Rentner geboren wird und rückwärts altert, stellt natürlich einen dankbaren Ansatzpunkt zu mehreren Verknüpfungen zur Zeitgeschichte dar, weswegen Benjamin Button (Brad Pitt) auch einmal kurz mit dem Zweiten Weltkrieg in Berührung kommt. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und der „herkömmlich“ alternden Daisy (Cate Blanchett) birgt allerhand tragisch-emotionales Potenzial, welches aber leider nicht ausgeschöpft wird. Make-Up, Kamera und die visuellen Effekte sind toll und werden wohl auch die Oscars holen – der gute, aber keineswegs überragende Film und die weichgespülte Regie Finchers jedoch meines Erachtens nicht.

Daniel, der Zauberer (D 2004)

Mir fallen zu diesem filmischen Totalausfall nur drei Worte ein: Ach du Scheiße! 17 Monate und ein paar Tage nachdem er als Drittplatzierter (eigentlich schon bezeichnend) aus der ersten Staffel von „DSDS“ rausgeflogen ist, wurde ein letztlich gescheiterter Versuch gestartet, Daniel Küblböcks abebbende Karriere als Popstar zu beleben. Also kurbelte man mit wenig Geld und noch weniger Ideen binnen sieben Wochen auf digitalem Material diesen Hokuspokus um den gesanglich wenig begabten, zuweilen tuckig daherkommenden Daniel, der von irgendwelchen bösen Leuten, die ihn und seine gewöhnungsbedürftige Musik hassen und ihn deswegen töten wollen, herunter. Wie gut, dass Daniel sich irgendwann durch eine Erscheinung seiner „positiven Energie“ und der Magie seiner Musik erinnert, mit der er Jeden verzaubern kann. Wie schlecht, dass das doof ist und 90% der Schauspieler, welche zum Teil aus Familienmitgliedern Daniel Küblböcks und von Regisseur Uli Lommel bestehen, Dilettanten auf diesem Gebiet sind. Ein Film NUR für Fans von Gurkenlasterrammer Daniel K., denn einige Songs von ihm sind zu allem Überfluss auch noch zu hören, wenn er etliche Minuten des Films auf der Bühne rumhampelt. Und die Dialoge, Drehbuch, Regie, Darsteller… eigentlich alles ist richtig erbärmlich schlecht. Absolute Tiefstwertung für diesen schmerzenden und nur unter Schreien zu ertragenden filmischen Sondermüll!

Burn After Reading (USA/GB/F 2008)

Treffen sich zwei Kinobesucher nach einer Vorstellung von Tropic Thunder, wird sich ihr Gespräch sehr bald auf den Auftritt von Tom Cruise als fetten, haarigen Produzenten drehen. Der eine freut sich dann über die Art und Weise wie der Scientologe und Superstar sein Image als Schönling auf die Schippe nimmt. Der andere wird entgegen halten, dass sein ewiges Herum- getanze doch mehr peinlich als lustig ist. Vielleicht entzünden sich beim Anblick des neuen Filmes von Joel und Ethan Coen ähnliche Diskussionen. In Burn After Reading spielt schließlich Brad Pitt – zweimaliger Sexiest Man Alive – einen etwas dümmlichen Fitness Studio-Angestellten, samt hautengen Shirts und geschmackloser Frisur. Seine Figur Chad Feldheimer ist der Typ Mensch, dessen Mund weit offen steht, wenn das Hirn nicht mehr hinterher kommt. Mit seiner Arbeitskollegin Linda Litzke (Frances McDormand) erpressen sie nach dem Fund vergessener Top Secret-Daten des CIA dessen Besitzer. Oder sie versuchen es zumindest. Man kann sich wohl durchaus vorstellen, dass Chad und Linda, die das Gros ihres Tages mit Ergometern, Laufbändern und anderen hoch interessanten Geräten verbringen, keine geborenen Profis im Geheimdienstgeschäft sind. Seltsamerweise scheint in Burn After Reading keiner von irgend etwas einen Plan zu haben. Auch nicht der betroffene Agent Osbourne Cox (John Malkovich). Von seiner Frau (Tilda Swinton) betrogen und verachtet, von seiner Firma gefeuert, wünscht man dem Alkoholiker Cox eine ordentliche Gruppentherapie.

Auch Harry Pfarrer (George Clooney – ebenfalls zweimaliger Sexiest Man Alive) hat so seine Probleme. Als wären eine Frau und eine Geliebte (Swinton) nicht genug, sucht Harry übers Internet-Dating weibliches Frischfleisch. Und lernt dabei Hobby-Erpresserin Linda kennen. Man könnte großspurig sagen, das Schicksal der Figuren in „Burn After Reading“ sei vernetzt, die verschiedenen Lebenspfade würden sich kreuzen, mit verhängnisvollen Folgen usw. Die Feststellung liegt allerdings nahe, dass schlicht alle Figuren in diesem Film unglaublich dumm sind. Die Akzeptanz dieser Gemeinsamkeit genügt jedenfalls, um an diesem Film großes Gefallen zu finden. Nicht alle teilen Chads Grad von Dummheit, aber fast. Ausgenommen Tilda Swinton, deren Eisblock-Anwesenheit zuweilen deplatziert wirkt. Glücklicherweise teilt sie eine der witzigsten Szenen des Films mit Clooney und einem Berg Karotten. Welche Schaupielerin kann das schon von sich behaupten?

Eine Horde beschränkter Figuren dabei zu beobachten, wie sie versuchen ans große Geld zu kommen, muss nicht unbedingt lustig sein. Selbst in der Filmografie der Coen-Brüder existiert der großartige The Big Lebowski neben The Ladykillers, einem weiteren Remake, dass kein Mensch braucht. Burn After Reading ist vielleicht nicht auf der Höhe des Dudes, dafür ist das Geschehen zunächst zu chaotisch, wirkt der ganze Film wie eine Fingerübung nach Feierabend. Einen wie den Dude gibt’s wohl nur einmal im Leben. Dennoch sind die Eskapaden von Linda Litzke und ihren Kollegen höchst amüsant.

Die Coens spielen nämlich mit dem dramatischen Repertoire verschiedener Genres, allem voran denen des Agenten-Films, um deren Regeln genüsslich auf den Kopf zu stellen. Und sie spielen mit unserer Erwartung bezüglich der Besetzung. Wann treffen etwa die beiden „Oceans Eleven“-Stars Pitt und Clooney endlich aufeinander? Die Antwort auf diese Frage aller Fragen wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Ihre Auflösung ist aber nur einer der Gründe, warum Burn After Reading absolut sehenswert ist. Ein anderer ist Pitt selbst, dessen erbärmliche Versuche, auf Cox bedrohlich zu wirken, für die größten Lacher sorgen. Dieser Film ist ziemlich makaber, birst vor schwarzem Humor und wird stets von einem Hauch von Belanglosigkeit begleitet. Aber wen interessiert’s?

Burn After Reading: International Teaser

Brad Pitt in Burn After ReadingEine wasserdichte Begründung für den Sinn dieses Beitrags gibt es nicht, aber wen interessiert’s?

Der neue Film von Joel und Ethan Coen trägt jedenfalls den Namen Burn After Reading und nun gibt es einen internationalen Teaser, der rund eine Minute kürzer ist als der bereits hier gepostete Trailer.

Warum nun der Beitrag? Diesen äußerst coolen Teaser begleitet ein Lied einer meiner Lieblingsbands, einer britischen Kombo namens Elbow. Genügt das als Begründung? Wohl kaum.

Vielleicht ist der gute Schnitt des Trailers ein besseres Argument. Oder der Fakt, dass man George Clooney und Brad Pitt nicht oft genug zusammen in einem winzigen YouTube-Fenster sehen kann.

Um diesem Beitrag ein Fünkchen Sinn zu verleihen, hier nun eine Gegenüberstellung des ersten Posters von Burn After Reading mit meiner Zimmerdekoration (einfach auf die Bildchen klicken und anschauen):

Burn After ReadingVertigo
Und nun ab zum Teaser:
[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=r-Z070mhaXg]

David Fincher, Brad Pitt: Together again

Der Seltsame Fall des Benjamin Button nennt sich das neue Werk von David Fincher, der mit „Sieben“ und „Fight Club“ in den Neunzigern zwei moderne Klassiker hervorgebracht und mit „Zodiac“ das Serienkillergenre in neue künstlerische Höhen getrieben hat.

Basierend auf einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald, dessen Werke nicht selten mit den Zusatz unverfilmbar einhergehen, ist Benjamin Button die dritte Zusammenarbeit Finchers mit Brad Pitt. Letzterer verkörpert die titelgebende Hauptfigur, deren merkwürdiges Schicksal darin besteht, dass sie rückwärts altert. Benjamin Button wird also als alter Mann geboren und im Verlauf seines Lebens immer jünger.

Cate Blanchett und Tilda Swinton ergänzen das prestigeträchtige Ensemble. Überhaupt schreit der nun veröffentlichte erste Teaser-Trailer, die Geschichte und das Cast nach dem ersten Regie-Oscar Finchers. In Deutschland startet Der Seltsame Fall des Benjamin Button bezeichnenderweise am 29. Januar 2009, mitten in der Oscar-Saison.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=oEL7oKO3n7U]


Den Trailer gibt es auch im HD-Format bei apple.com.

Die Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald kann man (in Englisch) hier lesen.

Der neue Film der Gebrüder Coen: Burn After Reading

George Clooney und Frances McDormand lieben Kino

Brad Pitt, George Clooney, Tilda Swinton, Frances McDormand und John Malkovich in einer Komödie der Coen Brüder. Need I say more?

Der Red Band Trailer für Burn After Reading ist mithilfe von iTunes hier zu sehen oder ohne Apple Unterstützung bei slashfilm.com.

Ein deutscher Starttermin für den Nachfolgefilm von No Country For Old Men steht noch nicht fest.

Dafür haben die Coens mein Eintrittsgeld schon sicher (wenn sie es wollen…).