Was sie schon immer über 1964 wissen wollten, aber bisher nie zu fragen wagten

Jethro Tull haben ein Lied, das “Living in the Past” heißt. Dies soll auch bei dieser Jahresendliste mein Motto sein. Einerseits, weil Jenny und Luzifus schon eine Jahresbesten bzw. –schlechtestenliste machen, und andererseits, weil ich nicht das Gefühl habe, mitreden zu können. Zuviel habe ich noch nicht gesehen („Carlos“, „Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives“, „Book of Eli“, „Enter the void“, „The Road“, „Certified Copy“, „Film Socialisme“, „Fantastic Mr. Fox“) oder ich habe Filme auf Festivals gesehen, ohne dass diese irgendeine große Resonanz bekommen hätten („Parade“ von Yukisada Isao ist z. B. extrem empfehlenswert, aber wie alle seine Filme seit „Go“ total untergegangen). 2010 besteht für mich bisher aus vier super Filmen („The Social Network“, „Parade“, „Exit through the Giftshop“ und vielleicht noch „Greenberg“) und einem herben Enttäuschungsfall („The American”), mehr weiß ich darüber noch nicht.

Letztlich bin ich ohnehin für Vergangenheitsbewältigung zuständig. Deshalb möchte ich dem ehrenwerten Leser ein Filmjahr näherbringen, das es in sich hat: 1964. Es ist bestimmt kein Zufall, dass ich aus diesem Jahr die meisten DVDs besitze. Dementsprechend schwer fiel auch die Auswahl. Also los.

10. Der geteilte Himmel (DDR)

Es ist schon sensationell wie alt Konrad Wolf den Rest der deutschen Nachkriegsfilmproduktionen aussehen ließ. Formal bedient er sich zwar stark bei Resnais und Godard und doch gelingt es ihm, einen Film mit einer eigenen Identität zu erschaffen. Einen einfühlsamen Film über die DDR, die Unmöglichkeit dort zu leben und vor allem über die Verlogenheit der Ideologien der beiden deutschen Staaten. Etwas verkopft und in der Tagespolitik verfangen (anders als das westliche Pedant von 1965 „The Spy Who Came in from the Cold“), aber gerade damit fängt er die DDR perfekt ein.

9. Alexis Sorbas (GB/GR)

Der Evergreen über die Freude am Leben oder eher gegen Verbitterung und die Angst vor Fehlern. Spröde erzählt er von der archaischen Welt Kretas mit ihren rauen Bewohnern und ihrer rauen Natur, aber nur um sie als Hintergrund für die Darstellung der Verbohrtheit der Menschen zu nutzen. Und obwohl der Film in vielerlei Hinsicht sehr bitter ist, lehrt er uns das Tanzen und das Lachen im Angesicht der Verzweiflung.

8. Für eine Handvoll Dollar (I/E/BRD)

Ja, er war eine Frischzellenkur für ein im Sterben liegendes Genre, durch sein Mehr an Stilisierung, Zynismus und Gewalt. Und ja, er war gleichzeitig realistischer als der klassische Western, durch die fehlende Sauberkeit und den Zynismus. Und ja, er war der Ursprung eines ganzen Genres. Und ja, er ist ein Klassiker. Seine größte Stärke ist aber, dass er frisch und sehenswert bleibt, trotz seiner Allgegenwart.

7. Assassination (J)

Shinoda Masahiros erster Samurai-Film ist so etwas wie ein Spät-Western… nur eben mit Schwertern. Denn genau so oft wie Blutlachen in Gesichter platschen, werden Mythen entzaubert, wodurch die Orientierungslosigkeit eines ganzen Landes eingefangen wird, dass nach 1860 mit seinen Traditionen brechen muss. Zudem schafft es Shinodas Mischung aus hartem Actionfilm, poetischer Meditation und vertrackter Erzähltechnik, die „Citizen Kane“ mit „Rashômon“ kombiniert, den Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung sehr einfach wirken zu lassen.

6. Die rote Wüste (I)

“Die rote Wüste” wird in Antonionis Filmografie von seinen Meisterwerken flankiert und fällt im Vergleich zu diesen ab. Trotz alledem ist dies ein riesiger Film über Entfremdung und Kälte. Es ist sein düsterster Film, der Monica Vittis nahenden Nervenzusammenbruch in gespenstischen Bildern einfängt und dem Zuschauer am eigenen Leib spüren lässt.

5. Die Außenseiterbande (F)

Seltsamer Film. Eine Krimikomödie. Eine abermalige Variation über das Thema (welches Godards Frühwerk durchzieht), dass Menschen nicht hinter die Kulissen ihres Gegenübers schauen können. „Bande à part“ ist aber so etwas wie der naive Außenseiter in besagtem Frühwerk. Kaum Reflexion. Einfach eine eigenwillige Hommage an Hollywoodkrimis und -musicals, die sich nicht um Realität schert.

4. Soy Cuba (C/UdSSR)

Edelpropagandafilmer Michael Kalatosow ging zur Zeit der Veröffentlichung mit diesem Gedicht über die Kubanische Revolution unter. Vier kraftvolle Episoden, die das Leid, welches zum Sieg der Revolution führte, in magischen, gehetzten Bildern einfängt. Optisch gehört der Film zum Eindrucksvollsten, was das Kino zu bieten hat. Ich werde nie verstehen können, dass „Soy Cuba“ 30 Jahre später wiederentdeckt werden musste.

3. The Naked Kiss (USA)

Die Faust des Kinos auf der Spitze seines Könnens … ein Tiefschlag in die Gedärme des Zuschauers und der USA. „Der geteilte Himmel“ findet am Ende noch etwas Ruhe in der Erkenntnis „Home is Where the Hatred is“. So positiv ist Fuller nicht eingestellt.

Mehr von mir über „The Naked Kiss“ und Sam Fuller kann man hier nachlesen.

2. Schatten vergessener Ahnen (UdSSR)

Sergej Paradschanow könnte man als großen „Primitiven“ sehen, doch seine Filme sind keine Versuche, dazu weiß er zu genau, was er mit der Kamera macht. Sie sind vielmehr angefüllt mit einem unfassbaren Reichtum an Ideen, welche die Bildgewalt Kalatosows mit einer traumhaften Unwirklichkeit verbinden, die man in einer introvertierteren Form später bei Tarkowskij finden wird. So entsteht eine Poesie der Bilder, die Ihresgleichen sucht… und bei deren Betrachtung man nicht die Zuflucht in billigen Symbolismus suchen sollte, sondern diese wundervollen, unwirklichen Bilder in erster Linie sie selbst sein lassen sollte.

1. Die Frau in den Dünen (J)

Wenn es um den besten japanischen Film aller Zeiten geht, hat Teshigahara Hiroshis Film mit „Death by Hanging“ zumindest einen gleichwertigen Gegner. 1964 ist er unschlagbar auf Platz 1. Der Plot (?/ein Hobbyornithologe wird in einer Sandgrube gefangen gehalten) ist vorhersehbar wie nüschts, aber zwischen den Geschehnissen der groben Handlung passieren so viele Sachen, sieht man so viele Sachen, hört man so viele Sachen von so ausgewählter Unerklärbarkeit, dass ich immer wieder mit einem ratlosen Grinsen zurückgelassen werde.


Das Verfolgerfeld wäre:

Gertrud (DK)

The Pink Panther (GB)

Onibaba (J)

Goldfinger (GB)

Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (USA)


Was lief 1964 sonst noch? Hier einzusehen.

Was denken andere?

Jean-Luc Godards Top Ten von 1964 aus den Cahiers du Cinéma:

1. I fidanzati (Ermanno Olmi)

2. Gertrud (Carl Theodor Dreyer)

3. Marnie (Alfred Hitchcock)

4. Man’s Favourite Sport (Howard Hawks)

5. Il deserto rosso (Michelangelo Antonioni)

6. A Distant Trumpet (Raoul Walsh)

7. Love with the Proper Stranger (Robert Mulligan)

8. Cheyenne Autumn (John Ford)

9. La ragazza di bube (Luigi Comencini)

10. L’amour à la chaîne (Claude de Givray)

The Essential 100 und andere Listen

Bevor hier im Blog ein paar Jahreslisten der Autoren gepostet werden, gilt es nochmal, auf andere  Bestenlisten zu blicken. Wer sich zum neuen Jahr ein paar filmische Vorsätze machen möchte, findet hier durchaus Inspiration.

Sight & Sound z.B. hat die zwölf Filme des Jahres gewählt:
1 The Social Network
2 Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives
3 Another Year
4 Carlos
5 The Arbor
6 Winter’s Bone / I Am Love
8 The Autobiography of Nicolae Ceausescu / Film socialisme / Nostalgia for the Light / Poetry / A Prophet


Film Comment hat gar eine Liste aus 50 Filmen erstellt. Die Top Ten:
1. Carlos, Olivier Assayas
2. The Social Network, David Fincher
3. White Material, Claire Denis
4. The Ghost Writer, Roman Polanski
5. A Prophet, Jacques Audiard
6. Winter’s Bone, Debra Granik
7. Inside Job, Charles Ferguson
8. Wild Grass, Alain Resnais
9. Everyone Else, Maren Ade
10. Greenberg, Noah Baumbach


Das einstige Flaggschiff des guten Filmgeschmacks, die Cahiers du Cinéma, hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, die zehn besten Filme des Jahres zu wählen (mit Berücksichtigung des französischen Starttermins):

1. Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives, Apichatpong Weerasethakul
2. Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans, Werner Herzog
3. Film Socialisme, Jean-Luc Godard
4. Toy Story 3, Lee Unkrich
5. Fantastic Mr. Fox, Wes Anderson
6. A Serious Man, Joel & Ethan Coen
7. To Die Like a Man, João Pedro Rodrigues
8. The Social Network, David Fincher
9. Chouga (aka Ainour), Darezhan Omirbayev
10. Mother, Bong Joon-ho


All jenen, für die die IMDb Top 250 keine Herausforderung mehr ist, kann ich die Liste von den Mannen vom Toronto International Film Festival empfehlen. Hier kann man sich ordentlich abarbeiten und hat gleichzeitig ein hübsche Vorlage, um in der Zukunft Bildungslücken zu schließen. Ich habe mal die 63 von mir gesehenen Filme blau markiert.

This list represents the merging of one 100 film list as determined by an expert panel of TIFF curators with one 100 film list as determined by TIFF stakeholders.

1 THE PASSION OF JOAN OF ARC (Carl Theodor Dreyer)
2 CITIZEN KANE (Orson Welles)
3 L’AVVENTURA (Michelangelo Antonioni)
4 THE GODFATHER (Francis Ford Coppola)
5 PICKPOCKET (Robert Bresson)
6 SEVEN SAMURAI (Akira Kurosawa)
7 PATHER PANCHALI (Satyajit Ray)
8 CASABLANCA (Michael Curtiz)
9 MAN WITH A MOVIE CAMERA (Dziga Vertov)
10 BICYCLE THIEVES (Vittorio De Sica)
11 ALI: FEAR EATS THE SOUL (Rainer Werner Fassbinder)
12 8 ½ (Federico Fellini)
13 BATTLESHIP POTEMKIN (Sergei Eisenstein)
14 RASHOMON (Akira Kurosawa)
15 TOKYO STORY (Yasujiro Ozu)
16 THE 400 BLOWS (François Truffaut)
17 UGETSU (Kenji Mizoguchi)
18 BREATHLESS (Jean-Luc Godard)
19 L’ATALANTE (Jean Vigo)
20 CINEMA PARADISO (Giuseppe Tornatore)
21 LA GRANDE ILLUSION (Jean Renoir)
22 LAWRENCE OF ARABIA (David Lean)
23 PERSONA (Ingmar Bergman)
24 GONE WITH THE WIND (Victor Fleming)
25 SUNRISE (F.W. Murnau)
26 2001: A SPACE ODYSSEY (Stanley Kubrick)
27 VOYAGE IN ITALY (Roberto Rossellini)
28 AMÉLIE (Jean-Pierre Jeunet)
29 CITY LIGHTS (Charlie Chaplin)
30 STAR WARS (George Lucas)
31 SHERLOCK JR. (Buster Keaton)
32 RULES OF THE GAME (Jean Renoir)
33 THE LEOPARD (Luchino Visconti)
34 LA DOLCE VITA (Federico Fellini)
35 L’ARRIVÉE D’UN TRAIN À LA CIOTAT (Frères Lumiere)
36 THE WIZARD OF OZ (Victor Fleming)
37 LA JETÉE (Chris Marker)
38 VERTIGO (Alfred Hitchcock)
39 NIGHT AND FOG (Alain Resnais)
40 PULP FICTION (Quentin Tarantino)
41 THE SEARCHERS (John Ford)
42 SLUMDOG MILLIONAIRE (Danny Boyle)
43 THE CONFORMIST (Bernardo Bertolucci)
44 CITY OF GOD (Fernando Meirelles)
45 TAXI DRIVER (Martin Scorsese)
46 APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola)
47 SALÓ, OR THE 120 DAYS OF SODOM (Pier Paolo Pasolini)
48 THE SEVENTH SEAL (Ingmar Bergma)
49 LE VOYAGE DANS LA LUNE (Georges Méliès)
50 METROPOLIS (Fritz Lang)
51 THE BATTLE OF ALGIERS (Gillo Pontecorvo)
52 IN THE MOOD FOR LOVE (Wong Kar Wai)
53 VIRIDIANA (Luis Buñuel)
54 LIFE IS BEAUTIFUL (Roberto Benigni)
55 THE SORROW AND THE PITY (Marcel Ophüls)
56 PAN’S LABYRINTH (Guillermo del Toro)
57 THE EARRINGS OF MADAME DE… (Max Ophüls)
58 BLADE RUNNER (Ridley Scott)
59 THROUGH THE OLIVE TREES (Abbas Kiarostami)
60 LES ENFANTS DU PARADIS (Marcel Carné)
61 BRINGING UP BABY (Howard Hawks)
62 SINGIN‘ IN THE RAIN (Stanley Donen)
63 JOHNNY GUITAR (Nicholas Ray)
64 A CLOCKWORK ORANGE (Stanley Kubrick)
65 MEMORIES OF UNDERDEVELOPMENT (Tomás Gutiérrez Alea)
66 M (Fritz Lang)
67 SCORPIO RISING (Kenneth Anger)
68 PSYCHO (Alfred Hitchcock)
69 DUST IN THE WIND (Hou Hsiao-Hsien)
70 SCHINDLER’S LIST (Steven Spielberg)
71 NASHVILLE (Robert Altman)
72 CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON (Ang Lee)
73 WAVELENGTH (Michael Snow)
74 JULES ET JIM (François Truffaut)
75 CHRONIQUE D’UN ÉTÉ (Edgar Morin and Jean Rouch)
76 THE LIVES OF OTHERS (Florian Henckel von Donnersmarck)
77 GREED (Erich von Stroheim)
78 SOME LIKE IT HOT (Billy Wilder)
79 JAWS (Steven Spielberg)
80 ANNIE HALL (Woody Allen)
81 THE BIRTH OF A NATION (D.W. Griffith)
82 CHUNGKING EXPRESS (Wong Kar Wai)
83 LA NOIRE DE… (Ousmane Sembene)
84 RAGING BULL (Martin Scorsese)
85 THE MALTESE FALCON (John Huston)
86 CHINATOWN (Roman Polanski)
87 ANDREI RUBLEV (Andrei Tarkovsky)
88 WINGS OF DESIRE (Wim Wenders)
89 VIDEODROME (David Cronenberg)
90 WRITTEN ON THE WIND (Douglas Sirk)
91 THE THIRD MAN (Carol Reed)
92 BLUE VELVET (David Lynch)
93 THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY (Sergio Leone)
94 BREAKING THE WAVES (Lars von Trier)
95 A NOS AMOURS (Maurice Pialat)
96 CLEO DE 5 A 7 (Agnès Varda)
97 ALL ABOUT MY MOTHER (Pedro Almodóvar)
98 EARTH (Aleksandr Dovzhenko)
99 OLDBOY (Park Chan-wook)
100 PLAYTIME (Jacques Tati)
(via)

Die 100 besten Filme aller Zeiten… mal wieder

Womit verbringen Filmkritiker, wenn sie nicht gerade im Kino sitzen oder ihrem Beruf nachgehen, am liebsten ihre Zeit? Na Klar, sie machen Listen. Die besten Filme des Jahrzehnts, die besten Filmfiguren, die besten Kostüme von Marlene Dietrich und natürlich die Mutter aller Listen, die besten Filme aller Zeiten, dürfen in keinem Kritikernotizbuch fehlen.

Die Cahiers du Cinema, ihrerseits Mutter und wohl auch selten gesehener Onkel aller Filmzeitschriften, hat sich mal zur Freude aller Cineasten an einer solchen Liste versucht und zum Wohle eines demokratischen Wahlverfahrens ganze 78 Kritiker und Filmhistoriker befragt. Herausgekommen ist eine Zusammenstellung, die alles in allem die Zunft professioneller Listenerstellung nicht revolutionieren, dafür aber dennoch für einige Diskussionen sorgen dürfte.

…Trommelwirbel für die angeblich hundert besten Filme aller Zeiten:

[Zur Diskussion der Liste, bitte nach unten scrollen]

  1. Citizen Kane – Orson Welles
  2. The Night of the Hunter – Charles Laughton
  3. The Rules of the Game (La Règle du jeu) – Jean Renoir
  4. Sunrise – Friedrich Wilhelm Murnau
  5. L’Atalante – Jean Vigo
  6. M – Fritz Lang
  7. Singin’ in the Rain – Stanley Donen & Gene Kelly
  8. Vertigo – Alfred Hitchcock
  9. Children of Paradise (Les Enfants du Paradis) – Marcel Carné
  10. The Searchers – John Ford
  11. Greed – Erich von Stroheim
  12. Rio Bravo – Howard Hawkes
  13. To Be or Not to Be – Ernst Lubitsch
  14. Tokyo Story – Yasujiro Ozu
  15. Contempt (Le Mépris) – Jean-Luc Godard
  16. Tales of Ugetsu (Ugetsu monogatari) – Kenji Mizoguchi
  17. City Lights – Charlie Chaplin
  18. The General – Buster Keaton
  19. Nosferatu the Vampire – Friedrich Wilhelm Murnau
  20. The Music Room – Satyajit Ray
  21. Freaks – Tod Browning
  22. Johnny Guitar – Nicholas Ray
  23. The Mother and the Whore (La Maman et la Putain) – Jean Eustache
  24. The Great Dictator – Charlie Chaplin
  25. The Leopard (Le Guépard) – Luchino Visconti
  26. Hiroshima, My Love – Alain Resnais
  27. The Box of Pandora (Loulou) – Georg Wilhelm Pabst
  28. North by Northwest – Alfred Hitchcock
  29. Pickpocket – Robert Bresson
  30. Golden Helmet (Casque d’or) – Jacques Becker
  31. The Barefoot Contessa – Joseph Mankiewitz
  32. Moonfleet – Fritz Lang
  33. Diamond Earrings (Madame de…) – Max Ophüls
  34. Pleasure – Max Ophüls
  35. The Deer Hunter – Michael Cimino
  36. The Adventure – Michelangelo Antonioni
  37. Battleship Potemkin – Sergei M. Eisenstein
  38. Notorious – Alfred Hitchcock
  39. Ivan the Terrible – Sergei M. Eisenstein
  40. The Godfather – Francis Ford Coppola
  41. Touch of Evil – Orson Welles
  42. The Wind – Victor Sjöström
  43. 2001: A Space Odyssey – Stanley Kubrick
  44. Fanny and Alexander – Ingmar Bergman
  45. The Crowd – King Vidor
  46. 8 1/2 – Federico Fellini
  47. La Jetée – Chris Marker
  48. Pierrot le Fou – Jean-Luc Godard
  49. Confessions of a Cheat (Le Roman d’un tricheur) – Sacha Guitry
  50. Amarcord – Federico Fellini
  51. Beauty and the Beast (La Belle et la Bête) – Jean Cocteau
  52. Some Like It Hot – Billy Wilder
  53. Some Came Running – Vincente Minnelli
  54. Gertrud – Carl Theodor Dreyer
  55. King Kong – Ernst Shoedsack & Merian J. Cooper
  56. Laura – Otto Preminger
  57. The Seven Samurai – Akira Kurosawa
  58. The 400 Blows – François Truffaut
  59. La Dolce Vita – Federico Fellini
  60. The Dead – John Huston
  61. Trouble in Paradise – Ernst Lubitsch
  62. It’s a Wonderful Life – Frank Capra
  63. Monsieur Verdoux – Charlie Chaplin
  64. The Passion of Joan of Arc – Carl Theodor Dreyer
  65. À bout de souffle – Jean-Luc Godard
  66. Apocalypse Now – Francis Ford Coppola
  67. Barry Lyndon – Stanley Kubrick
  68. La Grande Illusion – Jean Renoir
  69. Intolerance – David Wark Griffith
  70. A Day in the Country (Partie de campagne) – Jean Renoir
  71. Playtime – Jacques Tati
  72. Rome, Open City – Roberto Rossellini
  73. Livia (Senso) – Luchino Visconti
  74. Modern Times – Charlie Chaplin
  75. Van Gogh – Maurice Pialat
  76. An Affair to Remember – Leo McCarey
  77. Andrei Rublev – Andrei Tarkovsky
  78. The Scarlet Empress – Joseph von Sternberg
  79. Sansho the Bailiff – Kenji Mizoguchi
  80. Talk to Her – Pedro Almodóvar
  81. The Party – Blake Edwards
  82. Tabu – Friedrich Wilhelm Murnau
  83. The Bandwagon – Vincente Minnelli
  84. A Star Is Born – George Cukor
  85. Mr. Hulot’s Holiday – Jacques Tati
  86. America, America – Elia Kazan
  87. El – Luis Buñuel
  88. Kiss Me Deadly – Robert Aldrich
  89. Once Upon a Time in America – Sergio Leone
  90. Daybreak (Le Jour se lève) – Marcel Carné
  91. Letter from an Unknown Woman – Max Ophüls
  92. Lola – Jacques Demy
  93. Manhattan – Woody Allen
  94. Mulholland Dr. – David Lynch
  95. My Night at Maud’s (Ma nuit chez Maud) – Eric Rohmer
  96. Night and Fog (Nuit et Brouillard) – Alain Resnais
  97. The Gold Rush – Charlie Chaplin
  98. Scarface – Howard Hawks
  99. Bicycle Thieves – Vittorio de Sica
  100. Napoléon – Abel Gance

Ein paar Anmerkungen, über die man streiten kann:

Die wievielte Liste ist das nun, die Citizen Kane auf Platz eins hievt? Egal, wie sehr Welles‘ Film den Platz verdient hat, eine mutigere Entscheidung hätte zumindest für etwas Überraschung gesorgt.

Charles Laughtons Die Nacht des Jägers auf Platz zwei! Ist endlich eine Wiederentdeckung fällig? Wohl kaum, sagt das pessimistisch gestimmte Herz. Dennoch Daumen hoch für die Wahl!

Jean Renoir auf Platz drei… verdammt, die BFI-DVD ist vollkommen überteuert. Bis zur Preissenkung oder deutschen DVD-Veröffentlichung muss das abgenutzte Videoband genügen.

Es folgen die üblichen Verdächtigen, denen man ohne schlechtes Gewissen zustimmen kann.

Chaplin gewinnt knapp vor Keaton. Schade. Das aber ist Geschmackssache, ich geb’s zu.

Ein bisschen Asien wurde auch untergebracht mit Ozu, Mizoguchi und Ray. Auffallend: Es fehlen moderne Regisseure wie Wong Kar-Wai, John Woo, Park Chan-Wook, Takeshi Kitano, Zhang Yimou, Kim Ki-Duk oder Takashi Miike. Zu diesem Grundproblem später mehr.

Die Verachtung (15) (Yay!)

Der Leopard (25) (Yay!)

Panzerkreuzer Potemkin landet relativ weit hinten auf Platz 37, ebenso Der Pate (40), (46) und Kurosawa (Die Sieben Samurai, 57).

Alfred Hitchcock hat es dreimal auf die Liste verschlagen. Vertigo (8) und Der Unsichtbare Dritte (28) sind nachvollziehbar, Berüchtigt (38) weniger. Wo sind „Psycho“, „Die Vögel“ und v.a. „Das Fenster zum Hof“? Zeigt sich hier doch einmal das wagemutige Wesen der Franzosen?

Mit 2001: Odyssee im Weltraum (43) und Barry Lyndon (67) schafft es Stanley Kubrick verdient zweimal auf die Liste. Der vielfach unterschätzte „Barry Lyndon“ erfreut besonders, schließlich schreien „Uhrwerk Orange“ oder „Full Metal Jacket“ penetranter nach Aufmerksamkeit.

Die Scharlachrote Kaiserin von Josef von Sternberg auf Platz 78! Yay!

Wow, ein aktueller Film ist auch zu finden! Pedro Almodovars Sprich mit ihr hat es immerhin auf Platz 80 geschafft. Das kommt ja fast schon der vermissten Revolution gleich. Aber nur fast.

Der Partyschreck mit Peter Sellers hat sich auf Platz 81 in eine Bestenliste geschlichen! Num num!

Und noch ein aktuelles Werk: Mulholland Drive (94) von David Lynch. Sind sie denn noch ganz bei Trost? Da hat sich aber jemand in eine Videothek geschlichen.

Howard Hawks, Vittorio de Sica und Abel Gance schließen diese Top 100 ab und das Fazit lautet: Französische Cineasten scheinen in einer Zeitblase gefangen zu sein. Zumindest die Wahlberechtigten haben sich irgendwann in den Achtziger Jahren den Kinobesuch abgewöhnt, um nur noch ihre alten Cahiers-Ausgaben zu streicheln, heimlich, still und leise in ihrem Kämmerchen, das wahrscheinlich von Asta Nielsen-Plakaten geziert wird.

Glaubt man der Liste, hat das deutsche Kino seit dem Ende der Stummfilmzeit aufgehört zu existieren. Wie kann man sonst das Fehlen von Rainer Werner Fassbinder erklären? Vom Neuen Deutschen Film sei hier gar nicht erst die Rede.

Die Deutschen können sich jedoch noch glücklich schätzen, denn eine andere europäische Nation hat es wesentlich schwerer getroffen. Der tendenzielle Minderwertigkeitskomplex, mit dem die Briten ihre Filmgeschichte betrachten erhält durch diese Liste weitere Nahrung, denn KEIN britischer Film hat es unter die hundert Besten geschafft! Nun könnte man beruhigend mein: Tja, die Iren haben auch keinen. Aber das  Argument dürfte niemanden aus der Depression retten.

Wer mit dem britischen Film ausschließlich sozialkritisches Kino verbindet, vergisst, dass David Lean („Oliver Twist“, „Lawrence von Arabien“) dazu zählt, ebenso wie Carol Reed („Der Dritte Mann“) und Michael Powell („Irrtum im Jenseits“, „Peeping Tom“). Dies sind noch die gängigen Regisseure, die internationale Bestenlisten bevölkern.

Die unzähligen französischen Meister, denen stattdessen ein Platz zugestanden wurde, sollten wohl zum Zweifel an der breiten Auswahlbasis des ganzen Vorhabens berechtigen. Die Notwendigkeit der Nennung von Jean Renoir, Marcel Carné oder Alan Resnais sehe ich ein, eine Bestenliste ist ohne Die Spielregel oder Kinder des Olymp einfach unvollständig. Ist aber ein Zugeständnis von zwei oder drei Filmen für diese Regisseure gerecht? Müsste dann nicht auch der große Ingmar Bergman durch mehr als nur einen Film (Fanny und Alexander, 44) vertreten sein? Der offensichtliche Faible der Wähler für klassische Auteurs würde dafür sprechen.

Eine gleichmäßigere Verteilung der Filme pro Regisseur (z.B. nicht mehr als zwei) hätte vielleicht wenigstens dem internationalen Kino der letzten 25 Jahre zum Einzug in die Bestenliste verhelfen können. Das Argument, Filme sollten sich erstmal über Jahrzehnte hinweg bewähren, wird an dieser Stelle abgeschmettert, schließlich hat die Liebe der Wähler für Autorenfilmer aktuellen Filmen von Almodovar und Lynch den Weg in die Liste geebnet.

Ich bin beileibe nicht der Typ Cineast, der Pulp Fiction oder Fight Club in die Top 20 aufnehmen würde, aber wenn selbst Werke von Sam Peckinpah, Martin Scorsese, Robert Altman und Terrence Malick fehlen, verleitet die Auswahl unweigerlich zum Stirnrunzeln. Zugegeben, eine Bestenliste, die zur Abwechslung mal Die Verurteilten übersieht (der absolut nichts auf so einer Liste zu suchen hat) ist ein seltenes Vergnügen. Die fast völlige Ignoranz gegenüber der neueren Filmkunst, geschweige denn der Kinos der Zweiten und Dritten Welt, untermauert jedoch schlussendlich die Unglaubwürdigkeit des ganzen Unterfangens.

Alternativen:

Die Top 100 vom Time Magazine (ungeordnet).

Die Top 100 von Entertainment Weekly.

Empire hat mal eben die 500 (!) besten Filme aller Zeiten wählen lassen.

Die von den Usern gewählte Top 250 der IMDb. Platz eins: „Die Verurteilten“.

Sight and Sound führt alle zehn Jahre einen Top Ten-Poll durch. Die Ergebnisse vom letzten (2002) und allen davor findet man hier.

Bei Britmovie wählen die User tagtäglich die hundert besten britischen Filme aller Zeiten.

Das American Film Institute hat natürlich auch nichts besseres zu tun, als regelmäßig die 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten zu wählen.