Warning: Stupid Tagline Ahead

Den ersten Teaser für das Remake von Clash of the Titans als gut zu bezeichnen, maße ich mir an dieser Stelle nicht an, aber sagen wir es mal so: Hat bei dem Filmtitel irgendjemand etwas anderes erwartet? Die Pluspunkte: Angeblich hat Matt Bellamy von Muse etwas mit dem Score des Films von Louis Leterrier zu tun. Um ein ominöses Gerücht nicht als einzigen Lichtblick stehen zu lassen, sei hier noch erwähnt, dass Liam Neeson den Göttervater Zeus spielt und Ralph Fiennes den (Bösewicht?) Hades. Der immer wieder sehenswerte Danny Huston („X-Men Origins: Wolverine“) gibt den Meeresgott Poseidon und Mads Mikkelsen einen Charakter namens Draco. Wenn das allein mal nicht das Geld für die Eintrittskarte rechtfertigt…

Die dunklen Wolken am Horizont verkehren dagegen unter dem Namen Louis Leterrier („Der Unglaubliche Hulk“) und verdächtigerweise wurde beim Teaser vergessen, den Schriftzug „From the Writers of Aeon Flux  and Crazy/Beautiful“ einzufügen. Sam Worthington hat hier neben „Avatar“ und „Terminator: Salvation“ außerdem eine weitere Chance, dem ihn umgebenden Hype endlich gerecht zu werden. Er spielt nämlich den Perseus, der sich ab dem 1. April 2010 auch in Deutschland mit den Titanen clashen wird.

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X-Men Origins: Wolverine (USA/AUS/CDN 2009)

Auf eine ausufernde Diskussion im Anschluss des gestrigen Kinobesuches folgt hier eine Gastkritik meines MeWi-Kommilitonen Martin Schneider. Im Grunde bringt die folgende Kritik all das auf den Punkt, was auch mir bei Ansicht des Films durch den Kopf ging. Mit anderen Worten: Ich hätte zwar meinen Senf zum „Wolverine“ – Spin off hier abgeben können, nur eben wesentlich weniger eloquent und mit mehr Schimpfwörtern.

Die Kritik enthält minimale Spoiler hinsichtlich der Frage, wie genau unser Held schließlich sein Gedächtnis verliert.

Das Erzählen von Geschichten vor den Geschichten scheint sich in diesem Jahr im Kino endgültig etabliert zu haben. Vor gut zehn Jahren gab George Lucas den Startschuss, als er die putzige Jugend des dämonischen und mystifizierten Darth Vader in „Episode 1: Die Dunkle Bedrohung“ dem Publikum entblößte. Spätestens ab diesem Moment schrumpfte die personifizierte dunkle Macht mit asthmatischen Zügen auf Otto-Normalverbraucher-Niveau. Und seitdem jeder Kinogänger die Motive eines Weltenbeherrschers verstehen kann, ist dann das Böse wirklich noch so furchteinflößend? Wirkt das sadistische Zungenschnalzen eines Hannibal Lecter überhaupt noch pathologisch, wenn der Zuschauer über das tragische Schicksal seiner Jugend Bescheid weiß? Nachdem Christopher Nolan mit seinem Reboot von „Batman“ ein überraschend gutes Stück Arbeit gelungen war, zog Marvel jetzt nach, um die Vorgeschichte seiner „X-Men“ zu erzählen. Mit Wolverine lief nun der erste „X-Men Origins“-Teil in den Kinos an.

Wolverine alias James (Hugh Jackman) wächst mit seinem Bruder Victor (Liev Schreiber) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Nordwesten der USA auf. Beide besitzen die außergewöhnliche Fähigkeit, nicht zu Altern und unverwundbar zu sein. Dies macht ihnen ein Leben in der normalen Gesellschaft unmöglich, weshalb sie ihren Heimatort verlassen und untertauchen. Dennoch kämpfen beide Seite an Seite für ihr Vaterland an vorderster Front an allen wichtigen Kriegsschauplätzen. Dies wird eindrucksvoll innerhalb des Vorspanns erzählt, der ein gesamtes Jahrhundert umreißt und dabei vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis zum Vietnamkrieg geht. Als der General Stryker (Danny Huston) auf die Begabung der Beiden aufmerksam wird, rekrutiert er sie für besondere Einsätze in einer Special-Force. Die rabiaten Methoden des Generals, aber auch das rücksichtslose Vorgehen seines cholerischen Bruders, entsetzen James, der sich für mehrere Jahre in die kanadische Wildnis absetzt. Dort führt er ein spartanisches, aber befriedigendes Leben mit seiner Freundin. Doch er wird vom General gefunden, der Größeres mit ihm vor hat und ihn zur ultimativen Waffe machen will. Zunächst lehnt James ab. Als jedoch seine Freundin von seinem Bruder getötet wird, willigt er dem Experiment ein, um seine Rache an Victor in die Tat umzusetzen. Mit einem speziellen Metall, dem Adamantium, wird sein Skelett umhüllt, um ihn unverwundbar zu machen. Die Geburtsstunde von Wolverine.

Die Mixtur aus skurrilen Gestalten, die mit abnormen Fähigkeiten aufwarten und sich in den Kampf gegen oder für die Menschheit begeben und der für die „X-Men“-Trilogie typischen gesellschaftskritischen, Minoritäten unterstützenden Story, geht in diesem Film nicht auf. Denn eine Story ist, wenn überhaupt, nur in Fragmenten vorhanden. Das Drehbuch ist demnach auch die größte Schwachstelle von X-Men Origins: Wolverine, das zwar großen Wert darauf legt, eine Überzahl an Charakteren einzuführen, aber keine dieser auch nur ansatzweise zu vertiefen. Dabei bietet doch gerade der Bruderkonflikt zwischen Wolverine und Victor oder auch die tragische Vater-Sohn-Geschichte des Generals Stryker, der die Mutation seines Sohnes nicht verkraften konnte und daraus einen generellen Hass auf alle Mutanten entwickelte, einen herausragenden Filmstoff. Dagegen werden diese eigentlich starken Elemente mit albernen Zwischenbemerkungen beiseite geräumt. Schön, dass wir darüber gesprochen haben! Auch die Erklärung für Wolverines Gedächtnisverlust, der in den späteren/früheren Teilen signifikant ist, wird lächerlich lapidar dem Zuschauer vor den Latz geknallt: Eine Kugel aus Adamantium tötet Wolverine nicht, aber wird ihm das Gedächtnis rauben! Alles klar?!

Die Effekte hingegen sind gut gelungen, auf dem Stand der Zeit und lassen der Physis der Figur Wolverine genug Spielraum. Das hinein- und hinausschieben der Klingen sowie die Mann-gegen-Mann-Duelle sind launig, auch wenn manche Superzeitlupenaufnahme den Bogen überspannt. Generell ist dieser Film ungeheuer physisch und animalisch. Insofern wird er seinem Protagonisten, dem wilden Tier, voll und ganz gerecht. Was der Film im Übermaß an Körperlichkeit gewinnt, verliert er leider auf der Seite des Geistes.

Das Herumdoktern an der Vergangenheit von Filmklassikern mag in erster Linie ökonomischem Denken geschuldet sein. Doch wirkt sich dieses Eingreifen auch auf die filmgeschichtliche Wahrnehmung aus. Denn was bleibt einem Kunstwerk – besonders wenn es als gelungen betrachtet werden darf – wenn seine Abgeschlossenheit gebrochen wird und ihm verschiedenste Interpretationsmöglichkeiten nachträglich aufgedrückt werden. Es wird in Vergangenheit wie Zukunft beliebig und somit beliebig austauschbar. Am Ende bleibt dann so etwas wie der Killer-Mutant, der alle Eigenschaften eines X-Men besitzt, die ihn aber zu nichts mehr machen, als die Summe seiner Einzelteile, die irgendwie nicht zusammenpassen wollen.

[Ebenfalls veröffentlicht in der OFDb.]