Wollmilchcast #49 – Die Filme von Tony Scott

Tony Scott: Man on Fire

Vor sechs Jahren ist Tony Scott gestorben. Aus diesem Anlass blicken wir im neuen Wollmilchcast zurück auf die Filmografie des Regisseurs. 1983 gab der gelernte Maler sein Langfilmdebüt mit The Hunger und sollte in den kommenden Jahrzehnten einige der prägenden Blockbuster und auch Kultfilme seiner Zeit drehen, von Top Gun bis hin zu True Romance. Im Podcast sprechen Matthias von Das Filmfeuilleton und ich über die vielen, sich überschneidenden Phasen der Karriere des Tony Scott, diskutieren, wann unser „Lieblings-Scott“ zum Vorschein kommt (erst nach True Romance!) und fragen uns, was von dem Filmemacher hinsichtlich seines Einflusses geblieben ist, auch in den Filmen seines Bruders Ridley. Viel Spaß beim Zuhören!

Shownotes:

Hört euch den Wollmilchcast an:

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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)

Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)

Copyright Titelbild: Paramount

Schlamm und Zufall – Prometheus (USA 2012)

Vor 7 Jahren war es Königreich der Himmel, welcher sich nicht entscheiden konnte. Immer wieder wurden Heldentum und Heldenverehrung als protofaschistische Sackgassen deklariert. Immer wieder endete alles in großangelegten Feiern von Heldenmut und Führerpersönlichkeiten. So stellt er sich mehr als einmal selbst das Bein und landete schlussendlich vor der Wand. Prometheus kann sich anscheinend ebenfalls nicht entscheiden. Doch da wo es Königreich der Himmel zum Verhängnis wird, öffnet sich hier der Film und begeht erst gar nicht den Versuch, den Zuschauer belehren zu wollen. In Zeiten, in denen sich Busse mit Botschaften über die Existenz und Nichtexistenz Gottes verfolgen, sucht Prometheus nicht die Konfrontation, sondern taumelt unentschlossen und suchend zwischen den Positionen hin und her.

Damit ist die Katze aus dem Sack. Wenn sich das Raumschiff Prometheus in die Weiten des Weltraums begibt, befindet es sich auf der Suche nach dem Ursprung der Menschheit und deren Schöpfer. Die Weyland Corporation („die Firma“) schickt es los, um Archäologin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) auf der Suche nach Schöpferwesen zu unterstützen, die sie auf Sternenkarten untergegangener Kulturen abgebildet gefunden hat. Doch anders als Shaw, die Gott und Sinn sucht, will der uralte Vorstand der Firma, Peter Weyland (Guy Pearce), einfach nur den Tod überwinden. Ridley Scott ist dabei wenig an der Vorgeschichte von Alien interessiert oder an der Richtigstellung der Uminterpretationen dieses unheimlichen Wesens aus dem All in den folgenden Teilen. Er begibt sich stattdessen auf einen holprigen Parallelpfad zu 2001 – Odyssee im Weltall, der Klaustrophobie und Sex (Alien) beziehungsweise ausufernde Ästhetik und Psychedelik (2001) gegen Epik, Thrill und Abenteuer eintauscht. Doch da wo Kubrick die Lücke zwischen Tier, Mensch und Maschine mit einem schwarzen Quader füllt, da findet Scott den Ursprung des Lebens in schwarzem Schlamm. Schwarzem Schlamm, der in außerirdischen Tempeln aus Urnen tropft und wie konzentrierte Evolution wirkt. Er zerstört brutal und ist der Tod. Er dringt in einen ein, frisst einen auf und verändert die Zusammensetzung jedes Lebewesens bis am Ende etwas komplett anderes ausgespuckt wird. Er erschafft Neues, Erschreckendes und taucht die Furcht vor unaufhaltsamer Veränderung/Entwicklung in totale Düsternis.

Vor allem ist dieser Schlamm aber extrem eigenwillig. Die Crew der Prometheus ist auf der Suche nach Schöpfern mit einem Plan. Sie wollen Fragen stellen. Warum sind wir hier? Auf dem Planeten angekommen, den die Karte als Ziel angibt, entdecken sie einen Tempel, der sich in einer kaninchenbauartigen Anlage befindet. Sie finden aber keine höheren Wesen, zumindest keine lebenden. In den Gängen liegen höchstens Leichen. Und Hologramme der Vergangenheit zeigen der Mannschaft wie die außerirdischen Schöpfer vor etwas davonlaufen. Zunehmend soll ihnen klar werden, dass niemand den Schlamm kontrollieren kann. Wie die Schöpfer muss die Crew bald vor Wesen davonlaufen, die aus der Tiefe des Schlamms hervorkommen. Prometheus lässt einem alle Vorstellung von Planung wie Sand zwischen den Händen zerrinnen. Jeder ist dem Leben ausgesetzt und niemand kann es kontrollieren. Alles prallt aufeinander und nur der Stärkste überlebt. Auf dem Planeten findet sich kein Gott, sondern nur kondensierte, brutale Evolution.

Aber Gott ist eh nicht von dieser Welt, weshalb Elizabeth Shaw und der Zuschauer keine Antworten bekommen, sondern nur Fragen. Was größenteils aber nicht am Konzept zu liegen scheint, sondern an der Unentschlossenheit von Drehbuch und Regie. Wie so oft in den letzten Jahren gibt Scott den epochalen Geschichtenerzähler, aber verhaspelt sich immer wieder in seinen Ansprüchen und seiner, wie es manchmal scheint, Angst auf etwas festgenagelt zu werden. Teilweise wirkt das Drehbuch von John Spaihts und Damon Lindelof auch extrem hölzern, wenn in schaurig offensichtlichen Dialogen* der Zuschauer für religiöse Themen sensibilisiert werden soll. Aber sobald Ridley Scott und Kameramann Dariusz Wolski die Bilder sprechen lassen und einfach die Handlung vorantreiben, dann ist Prometheus nicht nur interessant, sondern auch ein mitreißender Sci-Fi-Thriller, der das Beantworten aller aufgeworfenen Fragen aus der Hand verliert/gibt.

Gott und Evolution sind aber nicht die einzigen, die Schrecken und Probleme verbreiten werden. Viel ruhiger, subtiler und effektiver ist da die Figur des Androiden David (Michael Fassbender). Im Gegensatz zu Ash wissen diesmal alle, dass er eine Maschine ist und behandeln ihn dementsprechend. Er möchte sich den Menschen anpassen, erntet dafür aber nur Hohn und Verachtung. Er wird zunehmend grimmiger unter seiner ausdruckslosen Fassade. Jedenfalls lassen das seine Handlungen und Anspielungen vermuten, da nie mit Sicherheit geklärt wird, was in ihm vorgeht. Wie HAL 9000 deutet er an, dass es kein Selbstbewusstsein ohne Gefühle geben kann und dass es aber umso verstörender wird, wenn eine scheinbar gefühllose Maschine einem mit Sarkasmus, Verbitterung und Verschlagenheit begegnet. Er ist es, der zwischen all dem wirren Gore, fahrigen Anspruch und unausgegorenen Suspense den bedrohlichen Ruhepol bildet. Er steht vielleicht nicht im Zentrum der Geschichte, aber innerhalb der ganzen genre-inhärenten Konflikte zwischen den Teammitgliedern der Prometheus und dem ganzen metaphysischen Klimbim entwickelt er eine sachte Gravitation, welche die losen Enden zusammenhält.

*Schrecklich offensichtliche Dialoge sind natürlich auch oft einfach nur realistische Dialoge.

Kontrapunkt: Berlinale 2011

Vom 17. bis 20. Februar weilte ich in Berlin zum größten Publikums-Filmfestival der Welt. Neben den folgenden Kritiken sei Folgendes resümierend notiert:
1.) „Berlinale Shorts“ sind zu 75% gewöhnungsbedürftig, was die Filmauswahl angeht.
2.) Filme nur aufgrund ihres Handlungsortes (Berlin) aufzuführen, ist kein Argument.
3.) Etwas weniger International- und mehr Glamour-Politik würde bei der Filmauswahl nicht schaden.

Rundskop (B 2011)
Bullhead
, Sektion: Panorama

Von einer nichtsnutzigen, ihre Kinder verziehenden Alkoholikerfamilie, die in „Die Beschissenheit der Dinge“ nur Unsinn im Kopf hat, über eine Band in „Ex Drummer“, dessen Mitglieder kranke, abgestumpfte Familienmitglieder daheim haben und perverse sexuelle Veranlagungen aufweisen bis hin zum am Asperger-Syndrom leidenden Online-Rollenspieler in „Ben X“: Menschliche Abgründe und schwelende Ängste sind im belgischen Kino jüngeren Datums keine Seltenheit. So auch nicht in „Rundskop“, hinter dessen spannender Thrillerfassade sich ein tiefgreifendes Psychodrama verbirgt. Viehzüchter Jacky (Matthias Schoenartz) hat nach einer schicksalsträchtigen Auseinandersetzung in seiner Kindheit (welch verstörende Sequenz!) seiner Männlichkeit und mit Hormonen zu kämpfen, die er nicht nur seinen Tieren verabreicht. Mit dem eigenen zum Scheitern verurteilten sexuellen Begehren und den Machenschaften der Hormonmafia konfrontiert, gerät er in einen tödlichen Strudel aus Fleisch, Gewalt und Tod. Einige einen Kult an der Körperlichkeit abfeiernde Nahaufnahmen (auch in Zeitlupe) atmen in dem etwas inhaltsarmen Langfilmdebüt von Videoclip-Regisseur Michael R. Roskam eine archaische visuelle Kraft, welche ebenso wie die schwermütige Streichermusik meist das düstere, jederzeit entfesselbare, aggressive Temperament der Hauptfigur greifbar macht, ab und an jedoch etwas zu bedeutungsschwanger daherkommt. Ein zum Teil verstörend gewalttätiges Spiegelbild männlicher Urgewalt. Intensiv spürbares, physisches Kino in Reinkultur!

Lipstikka (IL/GB 2010)
Odem
, Sektion: Wettbewerb

Dass es nicht unbedingt einen Karriereexodus darstellen muss, wenn man in seiner Jugend in einer peinlichen Erotikklamauk-Reihe schauspielerisch begonnen hat, beweisen Heiner Lauterbach mit diversen „Schulmädchen-Report“-Auftritten und Jonathan Sagall, der in allen acht „Eis am Stiel“-Filmen mitwirkte. In seinem Langfilmdebüt „Kesher Ir“ und auch mit „Lipstikka“ blieb er dem Sujet zwischenmenschlicher Sexualbeziehungen zwar treu – jedoch stets auf dem Niveau einer gewichtigen Auseinandersetzung. Mit geschickt eingesetzten, zahlreichen Rückblenden erzählt er hier die Geschichte zweier palästinensischer Frauen, die in Ramallah zusammen zur Schule gehen, sich anfreunden, ineinander verlieben, sich trennen und schließlich Jahre später in London wieder aufeinander treffen. Doch während die ehemals schüchterne Lara (Clara Khoury) in einer scheinbar glücklichen, aber von Körperlichkeiten freien Ehe liebt, sucht die freimütige Inam (Nataly Attiya) immer noch nach Halt und Sicherheit im Leben. Prägend für beide ist die abweichende Erinnerung an eine Begebenheit in Jerusalem mit zwei israelischen Soldaten während der ersten Intifada. Subtil und leise, aber dennoch aufwühlend und verstörend fernab jeglicher Romantik erzählt Sagall eine traumatische Geschichte, die die Leben der beiden Frauen auf verschiedene Arten zerstörte. Ein schweres Thema und ein Film, der in Israel hitzige Debatten auslöste, aber in ausgeblichenen Bildern unprätentiös umgesetzt.

Life in a Day (USA 2011)
Das Leben in einem Tag
, Sektion: Panorama

Ca. 4600 Stunden von Privatpersonen eingesandtes, selbstgedrehtes Videomaterial wurde für dieses filmische Experiment gesichtet, knapp 90 Minuten davon schafften es in diese Aneinanderreihung kurzer Alltagepisoden verschiedener Menschen am 24. Juli 2010. Ist Regisseur Kevin Macdonald seit „The Last King of Scotland“ schon kein Unbekannter mehr, so sind es Produzent Ridley Scott und die Internetseite YouTube, die als Förderer auftritt, noch viel weniger. Umso weniger verwundert es, dass diese Homevideo-Kompilation nicht nur durch die Einsendungen, sondern auch von außen strukturiert wurde. Professionelle Kamerateams wurden für Zeitraffer von Naturaufnahmen und Statements an die entlegensten und internetfreiesten Winkel der Erde geschickt, drei zu beantwortende Fragen strukturieren den mal thematisch, mal assoziativ montierten Film. Dass suggestive pathetische Musik insbesondere im letzten Teil („Wovor hast du Angst?“) besonders auffällig eingesetzt wird und somit den ohnehin beklemmenden Handyvideos der letztjährigen Loveparade-Katastrophe eine fröstelnd emotionale Dimension hinzufügt, ist dabei jedoch nach dem vorangegangenen Wohlfühlschnipseln ein Glücksfall, was die Bandbreite der Emotionen angeht. Am Ende steht die Erkenntnis einer jungen Frau, dass sich keiner für sie interessiert und dieser Tag kein besonderer war. Diese trotz allem gewagte Dokumentation, die Homevideos und professionelle Aufnahmen nebst Musikuntermalung zu einem authentischen Ganzen formt, ist ein beeindruckendes Web-2.0-Filmdokument.

Darüber hinaus gesehen – kurz notiert:

Bombay Beach (Panorama): Zum Teil in erfrischend-frecher Videoclip-Ästhetik fotografierte Dokumentation über eine Familie an einen aussterbenden, surrealen Ort: einem Wüstensee in Kalifornien. Nicht zuletzt dank der Musik von Bob Dylan einfühlsam und nah dran an den Menschen.
The Forgiveness of Blood (Wettbewerb): Subtiles albanisches Familiendrama um die Wahrung des Kanun (Gewohnheitsrecht) durch einen Jungen, nachdem sein Onkel einen verfeindeten Nachbarn getötet hat. Tradition und Moderne, Eingesperrtsein und Freiheit werden im Verhalten der Kindergeneration dabei unprätentiös gegenübergestellt und kulminieren in einem Ende bar jeder Klischees.
Unknown Identity (Wettbewerb – außer Konkurrenz): Ein Agent mit Gedächtnisverlust (Liam Neeson) wird von den eigenen Reihen durch die Straßen Berlins gehetzt. Die lokale Situierung dieses zutiefst durchschnittlichen Agententhrillers und ein paar Stars, die mitspielen, waren wohl auch die ausschlaggebenden Kriterien dafür, dass das mit filmischen Stolperdrähten gestrafte Werk – Konstruiertheiten en masse; blöde Dialoge, insbesondere von Ex-Stasi-Mann Bruno Ganz – überhaupt laufen durfte.
Coriolanus (Wettbewerb): Ebenso ambitionierte wie durch ausladend lange Dialoge im Theaterstil anstrengende und enorm an dem zuvor durch Handkamera suggeriertem Tempo einbüßende Shakespeare-Verfilmung. Ralph Fiennes kann sein ganzes Können ausspielen, doch hätte er besser daran getan, den Stoff nicht ins Heute zu übertragen, was u. a. angesichts eines moderneren Demokratieverständnisses adäquat einfach nicht so recht funktionieren will.

Kurtz & Knapp V

Der Mann, der niemals lebte (USA 2008)

Ein weiterer Eintrag auf der länger werdenden Liste unbefriedigender Filme von Ridley Scott. Der Regisseur, dessen letzter guter Film (Black Hawk Down) rund sieben Jahre zurückliegt, versucht sich in Der Mann, der niemals lebte am Spionagethriller, einem Genre, dass zur Zeit so „in“ ist wie der Berliner 80er Jahre Heroin-Schick in der Modewelt. Leider hat Scott zwei massive Fehlkalkulierungen zu verantworten: Eine belanglose Story, die eine Momentaufnahme der modernen Spionagewelt sein will. Aber selbst Momentaufnahmen können irgendwo hin führen. Dazu ist seine traurigerweise nicht in der Lage. Unweigerlich vermisst man außerdem die nötige Konsequenz und Härte gegenüber den Figuren, denn wenn Scott schließlich den Ausweg im Klischee sucht, bleibt nur noch der Wunsch nach einer Geldzurückgarantie und der fahle Nachgeschmack vergeudeter Lebenszeit.

Fehlkalkulierung Nummer zwei ist das Casting von Leonardo DiCaprio. Der ist, wie wir alle wissen, seit einigen Jahren auf einem Trip zwanghaft suggerierter Männlichkeit, der sich in verschiedenen Ausformungen ärmlicher Bärtchen  und nervtötender Stirnrunzelei äußert. Dass ihm sein Gesicht in betont maskulinen Rollen im Wege steht, hat ihm offensichtlich noch niemand zugeflüstert. Ein Beispiel könnte er sich mal an Matt Damon nehmen, der mit  seinem jugendlichen Aussehen gekonnt spielt und trotzdem oder gerade deswegen zum glaubwürdigen Actionhelden geworden ist.  Stattdessen lässt sich Leo als tougher Agent im Nahen Osten sowohl von Russel Crowe (der sich gar nicht mal richtig bemüht) und erst recht von Mark Strong (als jordanischer Geheimdienstchef) an die sprichwörtliche Wand spielen. Denn die beiden sind im Gegensatz zu ihm zu subtilen Leistungen in der Lage.

Death Race (USA 2008)

Jason Statham ist sozusagen das genaue Gegenteil von Leo Dicaprio. Wenn die Kamera in Death Race geradezu sabbernd vor Schaulust über sein kantiges Gesicht, seinen freien Oberkörper gleitet, glaubt man sich in der übertriebenen Körperlichkeit von Actionfilmen der 80er Jahre wiederzufinden. Statham, der glücklicherweise wesentlich mehr Charisma und Ironie transportiert (schlechtes Wortspiel) als Arnie und Co. ist der geborene Actionheld. Ein wenig sieht er aus wie Bruce Willis, nur eben mit dieser offenkundigen physischen Härte und Unkaputtbarkeit, die der betonten Verletzlichkeit und Sensibilität in Stirb Langsam 1 unversöhnlich gegenübersteht.

„Death Race“ ist nun ein in jeder Einstellung übertriebener Actiontrash und liefert damit für Autorennfilme das, was vor einem Jahr Shoot ‚Em Up mit dem Heroic Bloodshed à la John Woo getan hatte. Und Statham ist die perfekte Besetzung  für den Exrennfahrer Jensen Ames, der fälschlicherweise für den Mord an seiner Frau auf eine Hochsicherheitsgefängnisinsel gebracht wird und dort in den titelgebenden Todesrennen vor laufender Kamera seine Freiheit erfahren muss. Die sind auf Dauer etwas langweilig, auch wenn Regisseur Paul W.S. Anderson versucht, sie durch verschiedene Tricks zu variieren. Die Unfähigkeit des Films, den Rennverlauf für den Zuschauer ersichtlich zu machen oder auch nur die einfache Frage zu beantworten, wer gerade vorne liegt, ist dem miserablen Schnitt zu verdanken, der, wie in so vielen modernen Actionfilmen, zur Unübersichtlichkeit neigt.

Das Potenzial zur unterschwelligen Gesellschaftskritik verwässert der Film. Zwar wird der Rennverlauf, also auch die Todesfälle, für die imaginierten Zuschauer am heimischen Bildschirm recht makaber wie eine DSDS-Abstimmung präsentiert. Da allerdings die Perspektive ebenjenes Publikums ansonsten überhaupt nicht eingenommen und der Film fast ausschließlich aus der Sicht Ames‘ und der Gefängnisleiterin (Joan Allen !) erzählt wird, hat die Medienkritik weder Hand noch Fuß. Mehr als kurzweiliger Trash mit ein paar außerordentlich komischen Momenten ist Death Race daher nicht. Aber vielleicht reicht das ja auch.

Neues von Ridley Scott und Fernando Mereilles

Vom schlechten Gewissen wegen der Vernachlässigung dieses Blogs übermannt, verweise ich an dieser Stelle mal auf zwei nicht ganz niegelnagelneue, aber gute Trailer:

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Nummer Eins bewirbt Der Mann, der niemals lebte („Body of Lies“), den neuen Film von Ridley Scott.

Der auf einem Buch von David Ignatius basierende Spionagethriller mit Russel Crowe und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen erinnert an eine Kreuzung aus „American Gangster“ und „Black Hawk Down.“

Anders gesagt: Ganz neues Terrain beschreitet Master Ridley hier nicht und sowohl seine Version von Robin Hood – „Nottingham“ – als auch die geplante Verfilmung von „The Blood Meridian“ nach Cormac McCarthy  („No Country for Old Men“) klingen wesentlich vielversprechender.

Dafür hat Leo eine weitere Chance, der Welt mithilfe seiner zusammengekniffenen Augenbrauen zu beweisen, dass er ein Mann geworden ist. Da kann man nur hoffen, dass er diesmal besser abschneidet als in diesem komischen Remake von Infernal Affairs… wie hieß es noch? Achja, „The Jack Nicholson Show“.

Anyway, Russel Crowe ist glücklicherweise meistens sehenswert und war immerhin das beste an „American Gangster.“ Was einem allerdings zu denken geben sollte: William Monahan (The Dep**ted) ist für das Drehbuch von „Der Mann, der niemals lebte“ verantwortlich. Vielleicht verzichtet er diesmal auf den überbordenden Gebrauch des F-Wortes und schreibt zur Abwechslung mal gute Dialoge.

Am 23. Oktober können wir uns selbst davon überzeugen, dann startet „Der Mann, der niemals lebte“ in Deutschland.

blindness

Am selben Tag kommt auch Die Stadt der Blinden („Blindness“) von Fernando Mereilles („City of God“, „Der Ewige Gärtner“) in die Kinos. Literaturnobelpreisträger José Saramago lieferte die Vorlage:

In einer nicht genannten Stadt verbreitet sich eine Epidemie, die Blindheit verursacht. Die Behörden lassen die Kranken in einer psychiatrischen Anstalt unterbringen. Zu den Internierten gehört der Arzt, der den ersten Kranken behandelt hat sowie seine Frau – die als einzige dieser Personen sehen kann. Es kommt zu Übergriffen zwischen verschiedenen Gruppen der Kranken wie auch zu Misshandlungen seitens der die Anstalt bewachenden Soldaten  (Quelle: Wikipedia)

Das Casting ist mit Mark Ruffalo, Julianne Moore (mit blonden Haaren!) und Gael Garcia Bernal exzellent. Sogar Sandra Oh ist mit von der Partie und die hat es immerhin geschafft, eine schreckliche Serie wie „Grey’s Anatomy“ erträglich, wenn auch nicht sehenswert, zu machen.

Den Trailer für „Die Stadt der Blinden“ kann man wie immer bei MovieMaze einsehen.

Ein fetter Smiley geht an denjenigen, der mir sagen kann, aus welchem Film (?) die Musik am Ende des zweiten Trailers von „Die Stadt der Blinden“ stammt!