Kontrapunkt: Diana & Me, Speed Racer & Die Klasse von 1984

Die Qualität der vergangene Woche von mir gesichteten Filme war eher durchwachsen. Daran konnten auch der entfesselte visuelle Overkill der Wachowski-Brüder und ein Klassiker des Vigilanten-Genres nichts ändern. Doch zunächst zu einem eher unbekannten Film:

Diana & Me (AUS 1997)

Eine australische Kleinbürgerin namens Diana Spencer (Toni Collette) gewinnt bei einem Preisausschreiben und darf ihre Namensvetterin, die Prinzessin von Wales, in London treffen – glaubt sie zumindest. Doch dazu wird es nie kommen, weil diese eben eine VIP ist. Stattdessen macht sie Bekanntschaft mit dem skrupellosen Paparazzo Rob Naylor (Dominic West), der sich als wahres Fotografen-Genie und ach so liebenswerte Person, die doch nur ihren Job tut entpuppt, dass man auch bald weiß, wie diese Romantik-Dramödie ausgeht.

Die unterschwellige Kritik an Paparazzi-Fotografen, die bekanntlich auch für Lady Dis Tod mitverantwortlich waren, kommt ebenso zu kurz wie eigene Einfälle, die dünne Story zu entfalten und nicht nur Klischees brühwarm zu servieren. Aber immerhin gibt es kurz Bob Geldof und Kylie Minogue als sie selbst zu sehen. Zumindest etwas Glamour für diesen ansonsten glanzlosen Film, über den ich mich auch in der OFDb äußerte.

Speed Racer (USA/D 2008)

… a.k.a. „der filmgewordene Augenkrebs“. Die Wachowski-Brüder, die hier zum ersten Mal nach der „Matrix“-Trilogie wieder dem Regiestuhl eines Kinofilms saßen, überfrachteten ihre Realverfilmung eines Animes visuell mit zahlreichen, wenn auch illustren Schiebeblenden, einer hohen Farbsättigung und unentwegten CGI-Spielereien.

Die Story um die Rennfahrerfamilie Racer, bei der Sohnemann Speed (Emile Hirsch) fleißig das Erbe seines im Rennen umgekommenen Bruders antritt und sich gegen einen Rennkonzern behaupten muss, wird von den zahlreichen schnellen Renn-Sequenzen hinweggefegt, so dass Löcher in der Story und holzschnittartige, flache Charaktere die Folge sind. Meinen Geschmack hat dieser Overkill nicht getroffen, auch wenn ich die erneute Sichtung zu ein paar Bier in geselliger Runde ob des doch ganz annehmbaren Unterhaltungswertes nicht ausschließen will.

Die Klasse von 1984 (CDN 1982)

Eine Schule wie die Abraham-Lincoln-Highschool sei – so die Texttafeln vorm Film – 1982 noch eine Seltenheit, aber die Probleme der Gewalt und Kriminalität würden an Schulen immer größer. Mit dieser Prognose lag der Film leider richtig, aber warum er dann gerade so reißerisch mit seinem Thema umgehen muss, weiß er wahrscheinlich selbst nicht. Die Klasse von 1984 ist eine Art „Ein Mann sieht rot“ an der Highschool, wo sich ein idealistischer Lehrer (Perry King) gegen eine marodierende Bande, die Drogen verkauft und Mitschüler drangsaliert, bis sie sich schließlich an seiner Frau zu schaffen macht, mit aller Härte zur Wehr setzt. Bis dahin konnte jedoch der Bande, die behauptet, dass ihr die Zukunft gehöre, nie etwas nachgewiesen werden.

Mit dieser zynischen Pointe der Nichtnachweisbarkeit spielt dann auch der Film, der über die reißerische Ausschlachtung seines brisanten Themas hinaus sämtliche Nebenhandlungen und kritischen Ansätze abrupt abbricht oder links liegen lässt (was geschieht nach der Konzertaufführung am Ende eigentlich?). Diese ideologische Fragwürdigkeit wiegen jedoch ein diabolisch-psychotischer Bösewicht (Timothy Van Patten), Michael J. Fox in einer frühen Rolle als pilzköpfiger Vorzeigeschüler und Alice Coopers toller Song „I am the Future“ wieder etwas auf.

Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

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