Quentins Lieblinge

Ich bin kein Tarantino-Fan, aber zugutehalten muss ich dem Mann, dass er sich über die Jahre hinweg seine Haltung als Filmbuff bewahrt hat. Da ist es nicht verwunderlich, dass alle Welt (oder zumindest diejenige englischsprachiger Filmblogs) derzeit seine Liste der 20 besten Filme der letzten 17 Jahre diskutiert. Warum 17 Jahre? Weil Quentin Tarantino 1992 mit „Reservoir Dogs“ seinen Durchbruch als Regisseur gefeiert hat. Die Liste und das Interview, dem sie entstammt, kann man unten einsehen.

Zu den Filmen: Was zunächst auffällt, ist die Tatsache, dass Tarantino mit „Fight Club“, „Boogie Nights“, „Dazed & Confused“ und „Matrix“ einige übliche Verdächtige für solch ein Unterfangen nennt. Nicht ein obskurer Streifen ist dabei, sind die genannten Filme doch alle außer „Anything Else“ (über den sich jeder zu wundern scheint) in ihren Heimatländern oder bei den Kritikern erfolgreich gewesen. Mit der Auswahl einiger asiatischer Filme, mag das nicht mehr der Multiplex-Mainstream sein, aber wer auch nur seine Fingerspitzen in die fernöstliche Filmwelt taucht, berührt zwangsläufig die genannten Filme von Bong Joon-ho, Park Chan-wook, Tsui Hark oder Takashi Miike. Von Jackie Chan will ich hier gar nicht erst reden.

Überraschungen: Der bereits genannte „Anything Else“, nicht gerade der am meisten gefeierte Film von Woody Allen. „Friday“ mit Ice Cube; die Wahl von „Joint Security Area“, statt des wesentlich bekannteren, aber nicht unbedingt besseren „Oldboy“; mit „Memories of Murder“ und „The Host“ gleich zwei Filme von Bong Joon-ho; …“Speed“?

Besonders lobenswert: „Unbreakable“ würde auch in meiner Liste auftauchen, ebenso wie „The Insider“, obwohl andere Filme der jeweiligen Regisseure mehr Anerkennung bekommen haben. „Shaun of the Dead“ ist auch drin. Schade, dass Simon Pegg nicht in „Inglourious Basterds“ mitspielt.

Seltsam: „Battle Royale“ von Kinji Fukasaku. Mit dem konnte ich bisher weder angetrunken, noch nüchtern etwas anfangen. Der Film soll ja ein gewisses Unterhaltungspotenzial und sogar Sozialkritik enthalten (hab‘ ich gehört), aber der beste Film in den letzten 17 Jahren?

Wie dem auch sei, das Video ist durchaus sehenswert, u.a. wegen Tarantinos Aussprache von Shyamalan und seiner Begründung, warum „Matrix“ nicht mehr numero uno in der Liste ist (kann ich nachvollziehen).

Die Liste:

Battle Royale
.
.
Anything Else
Audition
The Blade
Boogie Nights
Dazed & Confused
Dogville
Fight Club
Friday
The Host
The Insider
Joint Security Area
Lost In Translation
The Matrix
Memories of Murder
Supercop (Police Story 3)
Shaun of the Dead
Speed
Team America: World Police
Unbreakable

Das Video:

http://www.youtube.com/watch?v=Wz4K-Rxx2Bk

11 Antworten auf „Quentins Lieblinge“

  1. Ich halte den Mann für überbewertet, aber a) freu ich mich auf den Basterds-Film und b) hat die Liste schon ein paar gute Sachen dabei. Warum wird hier eigentlich nicht der sehr feine Film „Zack And Miri Make A Porno“ besprochen. Allein für die inflationär kranke Verwendung des Wortes „Fuck“ gebührt dem die Ehre ;-)

  2. Jep, Tarantino ist überbewertet, aber seine Filme machen als Filme-eines-Filmfans-für-Filmfans Spaß. Und Ahnung von Filmen hat er auch, deswegen hatte ich eigentlich ein paar unbekannte Streifen in der Liste erwartet.

    Zum Porno-Film: Kevin Smith-Filme guck ich mir nicht im Kino an und der soll trotz der Anzahl von Fucks auch nicht so doll sein. Anders gesagt: Der Film interessiert mich nicht. Sorry. Den musst du wohl irgendwann mal zu einem CTV-Videoabend mitbringen. ;)

  3. Tarantino ist keineswegs überbewertet sondern schwer unterschätzt.

    Was soll denn „Fridays“ sein? Hab ich noch nie von gehört oder stehe ich grade auf der Leitung? :)

    Ansonsten eine schwer enttäuschende Liste – nur „Boogie Nights“, „Dogville“ und „Fight Club“ gehören da meiner Meinung nach drauf. Vielleicht ist die kommerzielle Auswahl auch ein wenig provokativ gemeint, angesichts Quentins breit gefächertem Filmwissen jedenfalls eine riesige Enttäuschung…

    Schön jedenfalls, das Linklater und Woody Allen berücksichtigt werden, auch wenn letzterer mit „Deconstructing Harry“ sein ultimatives Meisterwerk gedreht hat. Ein anderer Film aus den letzten 17 Jahren kommt da gar nicht in Frage (wäre auch meine Nummer Eins). „Battle Royale“ an der Spitze ist fragwürdig, ich halte den für überschätzt – ähnlich wie „Matrix“…

    Und von Linklater gehört „Before Sunrise“ drauf, imo die schönste Romanze aller Zeiten. Ich liebe den Film abgöttisch…

  4. „Tarantino ist keineswegs überbewertet sondern schwer unterschätzt.“

    Inwiefern?

    „Was soll denn “Fridays” sein? Hab ich noch nie von gehört oder stehe ich grade auf der Leitung? :)“

    Da war ein „s“ zuviel. Tarantino meint F. Gary Grays Komödie Friday.

    „angesichts Quentins breit gefächertem Filmwissen jedenfalls eine riesige Enttäuschung…“

    Ich sehe den Sinn solch einer Liste eher in Empfehlungen und Tarantinos Auswahl ist in dieser Hinsicht leider ohne Überraschungen.

    „Battle Royale” an der Spitze ist fragwürdig, ich halte den für überschätzt – ähnlich wie “Matrix”…“

    Dito.

    „Und von Linklater gehört “Before Sunrise” drauf, imo die schönste Romanze aller Zeiten. Ich liebe den Film abgöttisch…“

    Da bist du, denke ich, nicht der einzige. ;)

  5. „Inwiefern?“

    Da gehe ich später drauf ein, versprochen. :)

    „Da war ein “s” zuviel. Tarantino meint F. Gary Grays Komödie Friday.“

    Das erklärt die Liste endgültig zur Farce.

    „Ich sehe den Sinn solch einer Liste eher in Empfehlungen und Tarantinos Auswahl ist in dieser Hinsicht leider ohne Überraschungen.“

    Richtig, die Liste sollte etwas von ihrem Ersteller erzählen. Von Tarantino hätte ich eine interessantere Auswahl erwartet…

    Ich glaube, das ich da eine eigene Liste erstellen muss… ;)

  6. „Ich glaube, das ich da eine eigene Liste erstellen muss… ;)“

    Das wäre mal ein guter Aufhänger für so ein Blog-Stöckchen. Mit einer extra Rubrik „Warum ist Quentin Tarantino überbewertet/unterschätzt/für mich nicht von Interesse/Wer ist Quentin Tarantino?“

  7. Ich mag Tarantino und seine Liste *g* darf ich die mir rüberkopieren Jenny?! Nur hat er Chunking Eypress nicht auch auf der DVD empfohlen?!

    und willkommen bei Twitter, da hälst du sicher lang durch *lol*

  8. ach und Battle Royal, der Film ist auf der gleichen Ebene, warum „Das Experiment“ oder „Die Welle“ auch funktionieren… man ist so geschockt vom Verhalten der Schüler, dass man so lang weiter schaut, ob nicht doch jemand ethisch-gutes dabei ist.

  9. Kannste gern kopieren.^^
    BR hat sicher seine Qualitäten, aber der beste? Naja, hab mich jedenfalls auch gewundert, warum Chungking fehlt, vielleicht hat er bei all den Filmen, die er so protegiert den Überblick verloren. ;)

  10. das mit dem Überblick glaub ich auch ^^ ich meine mich zu erinnern, dass er auch Chihiro mal mitpromotet hat, bin mir da aber nicht mehr so sicher.
    Und BR als bester Film dieses Genres… ne, würd ich auch nicht sagen.btw Mal schaun, was über den Manga so geschrieben wird.

  11. Die Liste der von Tarantino direkt oder indirekt (durch Zitate) beworbenen Filme ist ziemlich lang. Dazu zählen z.B. Election („Best Film of the Year“(2005)), Cabin Fever (Bester amerikanischer Film des Jahres o.ä.), Hero…
    Die Chungking Express-DVD hat er in den USA auch mit vertrieben.

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