Kontrapunkt: Oscar-Kurzfilme aus Germany

Was schaut man, wenn man(n) nicht mehr so viel Zeit die Woche über hat wie früher? Nein, keine Pornoclips, sondern Kurzfilme. Dieses Mal deutsche, aus den spätesten 80er und 90er Jahren und zu Würden des wichtigsten Filmpreises der Welt gekommen.

Balance (BRD 1989)

5 gleich aussehende, kahlköpfige Männer. Jeder trägt einen langen Mantel mit Nummer auf der Rückseite. Eine quadratische Platte, die sich entsprechend der Gewichtsverteilung auf ihr neigt. Welch seltsam-mysteriöse Situation. Eine Situation, die Kooperation erfordert zum Überleben. Sie angeln. Einer findet eine mysteriöse Kiste, alle anderen wollen sie auch in Augenschein nehmen – stets unter den Bedingungen der Schwerkraft. Ein Animationsfilm, der mit einer vereinfachten Dramaturgie auskommt: Nur ein Handlungsort und eine Studie um die (Neu-)Gier und den Egoismus des Menschen, welcher kooperatives Verhalten zur gemeinsamen Zielerreichung vergessen macht. Und das acht Jahre vor dem ähnlich gelagerten „Cube“, bei welchem psychische Anspannung hinzukommt. Kein Wort, aber eine Aussage. Eine simple Idee kann zu einem großartigen Kurzfilm führen, den man sich hier anschauen kann.

Schwarzfahrer (D 1993)

In einem Straßenbahnwagen fahren verschiedene Menschen. Darunter: Ein schwarzfahrender Mann, dessen Motorrad nicht angesprungen ist, Türken und ein Schwarzer, der sich gegen deren Willen neben eine ältere Dame setzt. Diese gibt fortan nur rassistische Phrasen vom Sozialleistungen und klauendem Ausländer zum Besten, bevor sie der Angefeindete mit ihren stumpfen Vorurteilen konfrontiert. Entsprechend des eigentlich nach differenzierter Auseinandersetzung verlangenden Themas (Integration) präsentiert uns „Am Limit“-Regisseur Pepe Danquart seinen pointierten Film entsprechend einer stereotypen Weltsicht in kargen Schwarz-Weiß-Bildern. Die eine oder andere Einstellung des fahrenden Wagens hätte man sich sparen, den Film geringfügig kürzen können. Die Botschaft, eine multikulturelle Gesellschaft zu akzeptieren, wird jedoch mit einer herrlich unerwarteten Wendung am Ende äußerst komisch präsentiert. Zu sehen ist der Film hier.

Quest (D 1996)

Eine animierte Figur aus nassem Sand wacht in der Wüste auf. Neben ihr eine leere Flasche. Sie sehnt sich nach weiteren Flaschen, nach Wasser. Schließlich stürzt sie in eine fremde Welt, welche nur aus Papier zu bestehen scheint. Sie findet ein paar Tropfen des Lebenselixiers – und stürzt weiter. Die Odyssee dieser Figur ist in dem Film von dem hauptsächlich als SFX-Designer tätigen Tyron Montgomery eine zyklische. Sie soll auf beeindruckende Weise durch bestimmte Zeitalter des menschlichen Lebens und der Zivilisation wieder zurück zum Ausgangspunkt führen. Die fantasievolle Animation der künstlichen Welten besticht dabei besonders, wie man hier sehen kann.

Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

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