Diary of the Dave #5

Ich habe gerade „The Sun Also Rises“ von Hemingway fertig gelesen. Ich habe vier Tage gebraucht. Nichtsdestotrotz hinterließ er mir jetzt keinen riesigen Eindruck. Kein schlechter Roman… das nicht… Aber… Hemingway ist besser dran, wenn er sich an Dialoge hält, oder an kurzen, schnellen, klaren Handlungsabläufen. Er ist kein großer Beschreiber. Die Corrida-Szenen waren teilweise etwas zäh. Dafür haben die Dialoge umso mehr Pfiff. Als Parallele fiel mir Hunter S. Thompsons „The Rum Diary“ ein. Zwar 30 Jahre später geschrieben, aber trotzdem ein besserer Roman. Den Karneval auf St. Thomas kann Thompson sehr viel besser nachzeichnen als Hemingway die Fiesta in Pamplona. Und um MDM zu antworten: HSTs „Fear and Loathing“ ist ein besserer Trinkerroman.

Das zweite heutige Kulturereignis, eigtentlich auch größere Ereignis war die Vorstellung von Langs Metropolis. Der Biologie-Didaktiker hat am Schluss Sozialismus, Nazismus, Riefenstahl etc. etwas durcheinander gebracht. Aber der Film ist tatsächlich etwas ambivalent: die Arbeitermassen sind von Natur aus immer sehr hörig, Aufmucken gibt’s nur, wenn Kapitalisten/Bourgeoisie selbst agents provocateurs einsetzt, Führer der Arbeiter ist schließlich ein Arbeiterverräter. Am Schluss ist der Kreis geschlossen: es gibt wieder ein Bündnis zwischen Hand und Gehirn dank des Herzens… und die Arbeiter dürfen dann wohl wieder in 10-h-Schichten arbeiten? Am Schluss des Films nimmt auch die Action-Handlung, etwas sehr überpathetisch, die Oberhand über das Ästhetische.

Nichtsdestotrotz: filmtechnisch stellenweise genial! Z. B. schon die Hand, die zum Stofffetzen greift. Die Cabaretszene, die avantgardistische Überlagerungsmittel nutzt, zugleich aber auch auf Musik-Clips vorgreift. Dito für Fergers Schwindelanfall. Die Bauten sind in Kontext gesetzt (also: 1927!) sehr beeindruckend! Die Eingangsszene mit der Darstellung des Schichtwechsels ist ebenfalls atemberaubend: unwillkürlich musste ich an Holocaust-Darstellungen denken (z. B. in „Die Kommissarin“?). Überhaupt: Bezüge zu späteren Filmen lassen sich viele finden. „Blade Runner“ und „Das fünfte Element“ als Darstellungen „dreidimensionaler“ Städte. Spätere Frankenstein-Darstellungen könnten auch profitiert haben. Auch Zombie-Darstellungen an einer Stelle (mit dem Erfinder). [B-Horror-Filme als wahre Bewahrer des deutschen Expressionismus!]. Ob ich mir jetzt aber die Premiere der langen Version am 12. Februar auf arte anschaue, ist eine andere Sache.

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David (25) ist Osteuropahistoriker, nebenberuflich aber auch ein leidenschaftlicher Cinephile. "Diary of the Dave" - kleine Ausschnitte aus seinem intimen Tagebuch - bietet tiefe Einblicke in Davids höchst persönliche und subjektive Gedankenwelt, die auch vor kleinen Spoilern, zornigen Abrechnungen, nostalgischen Erinnerungen und einem Hauch schwülstiger Prätention nicht Halt macht.

7 Antworten auf „Diary of the Dave #5“

  1. „Obsolet“ heißt das richtige Wort hinsichtlich der „Metropolis“-Ausstrahlung. Und: Ich bin eben ein Checker ;-).

  2. Wieso obsolet? Das war doch die erste Version von „Metropolis“, die vom Handlungsablauf her Sinn gemacht hat.

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