Erste Gedanken zum Dunklen Ritter

Fast zwei Tage hat es gebraucht, bis sich mir ein einigermaßen klares Bild von Christopher Nolans The Dark Knight präsentierte. Zu einer Kritik reichen die noch etwas ungeordneten Gedanken auch jetzt nicht, dazu ist eine zweite Sichtung nötig. Das war aber schon klar, als der Abspann lief und das Licht im Kinosaal unbarmherzig wieder aufgedreht wurde.

Das dominierende Gefühl: Ermüdete Sprachlosigkeit. Das Bewusstsein, gerade etwas großes gesehen zu haben, ging einher mit dem Eingeständnis, das Große nicht gänzlich erfassen zu können.  Dieses Ergebnis war in der Pause, nach der ersten Hälfte des Films, nicht unbedingt absehbar gewesen. Da hatte klar das Widerstreben gegen den Hype die Oberhand gewonnen.

Eine gute Comicverfilmung war “The Dark Knight” zu diesem Zeitpunkt, aber doch nicht die Nummer Eins der IMDb Top 250, nicht der beste Film aller Zeiten vor den beiden Paten, vor “Citizen Kane”! Nach der 152. Minute hat er auch seinen dritten Platz, den er zur Zeit einnimmt, nicht verdient, doch die Erkenntnis ist schwer zu ignorieren, dass “The Dark Knight” nicht nur eine “gute Comicverfilmung” ist.

Es ist allein schon bewundernswert, was Nolan in der zweiten Hälfte an Bedeutungsebenen in seinen Haken schlagenden Plot einwebt, ohne auch nur im geringsten die Spannung zu mindern. Als Kommentar zur Situation der amerikanischen Gesellschaft wird der neue Batman interpretiert, darauf zielt Nolan recht offensichtlich auch ab. Abstrakter ist da noch der durch die Gestalt des Jokers erzwungene Diskurs um das (geplante) Chaos, das in eine unvorbereitete Gesellschaft Einzug hält und die Gefahr einer übersteigerten Reaktion der Ordnungsmacht.

All die intellektuellen Spielereien würden jedoch nicht funktionieren, hätte Nolan schwache Figuren gezeichnet. Über den Joker redet so gut wie jeder, das rechtfertigt Heath Ledgers Leistung. Besser als Jack Nicholsons Version ist er nicht, aber anders. Während Nicholson einen klassischen Cartoon-Bösewicht in die Realität der Leinwand transferierte, ohne im Verlauf dessen an Bedrohlichkeit zu verlieren, trägt Ledger bravurös die Last, letztendlich das personifizierte Unwesen zu verkörpern. Ähnlich Javier Bardems Anton Chigurh ist der Joker in “The Dark Knight” weniger Mensch als abstrakte Größe; ohne Herkunft, ohne humane Züge.

Im Schatten Ledgers, aber auch im Schatten von Aaron Eckhart und Gary Oldman, steht eindeutig Christian Bale. Als Bruce Wayne kann er in der ersten Hälfte noch den Charme des millionenschweren Junggesellen ins Feld führen, doch damit hat sichs. Schließlich ist eine schwarze Maske dem Spiel nicht zuträglich und diese trägt er in den wichtigsten Szenen des Films. Angesichts der inneren Konflikte, die Wayne im Verlauf des Films zu bewältigen hat, ist das Ergebnis recht dürftig.

Besser schneiden, wie erwähnt, Aaron Eckhart als Harvey Dent und Gary Oldman als Polizist Jim Gordon ab. Die anfängliche Lichtgestalt Dent bleibt nach Ende des Abspanns sogar der faszinierendste “Mensch” des Films. Weitere Ausführungen zu den Darstellern, der Inszenierung und den vom Film angerissenen “großen Themen” wird es in einer längeren Kritik geben.

Alles in allem, das kann ich jetzt schon festhalten, hat Nolans Dunkler Ritter dem ungeheuren Hype überraschenderweise standgehalten. Es ist vielleicht nicht der beste Film aller Zeiten, aber selten hat ein Blockbuster sein immenses Einspielergebnis so verdient wie The Dark Knight.

Trailer: Babylon A.D.

Gestern lief der Trailer vor “The Dark Knight” (den ich gerade noch ‘verdaue’), heute landet die englische Version hier: Babylon A.D., der bei uns am 11. September startet, ist so etwas wie der inoffizielle Versuch Vin Diesels Ehre als Actionheld zu retten.

Er tat jedenfalls gut daran, einen Film mit Mathieu Kassovitz (“La Haine”) zu drehen, denn selbst wenn die Story nichts hergibt, gut aussehen wird “Babylon A.D.” allemal. Die Co-Stars – denn neben Vin Diesel sind auch Schauspieler am Start – heißen Michelle Yeoh (Yay!), Gérard Depardieu (Autsch!) und Charlotte Rampling (Yay!).

Den Trailer des aktuellen Films von Vin “Der Babynator” Diesel kann man bei MovieMaze herunterladen oder hier anschauen:

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Neues von Ridley Scott und Fernando Mereilles

Vom schlechten Gewissen wegen der Vernachlässigung dieses Blogs übermannt, verweise ich an dieser Stelle mal auf zwei nicht ganz niegelnagelneue, aber gute Trailer:

body-of-lies

Nummer Eins bewirbt Der Mann, der niemals lebte (“Body of Lies”), den neuen Film von Ridley Scott.

Der auf einem Buch von David Ignatius basierende Spionagethriller mit Russel Crowe und Leonardo DiCaprio in den Hauptrollen erinnert an eine Kreuzung aus “American Gangster” und “Black Hawk Down.”

Anders gesagt: Ganz neues Terrain beschreitet Master Ridley hier nicht und sowohl seine Version von Robin Hood – “Nottingham” – als auch die geplante Verfilmung von “The Blood Meridian” nach Cormac McCarthy  (“No Country for Old Men”) klingen wesentlich vielversprechender.

Dafür hat Leo eine weitere Chance, der Welt mithilfe seiner zusammengekniffenen Augenbrauen zu beweisen, dass er ein Mann geworden ist. Da kann man nur hoffen, dass er diesmal besser abschneidet als in diesem komischen Remake von Infernal Affairs… wie hieß es noch? Achja, “The Jack Nicholson Show”.

Anyway, Russel Crowe ist glücklicherweise meistens sehenswert und war immerhin das beste an “American Gangster.” Was einem allerdings zu denken geben sollte: William Monahan (The Dep**ted) ist für das Drehbuch von “Der Mann, der niemals lebte” verantwortlich. Vielleicht verzichtet er diesmal auf den überbordenden Gebrauch des F-Wortes und schreibt zur Abwechslung mal gute Dialoge.

Am 23. Oktober können wir uns selbst davon überzeugen, dann startet “Der Mann, der niemals lebte” in Deutschland.

blindness

Am selben Tag kommt auch Die Stadt der Blinden (“Blindness”) von Fernando Mereilles (“City of God”, “Der Ewige Gärtner”) in die Kinos. Literaturnobelpreisträger José Saramago lieferte die Vorlage:

In einer nicht genannten Stadt verbreitet sich eine Epidemie, die Blindheit verursacht. Die Behörden lassen die Kranken in einer psychiatrischen Anstalt unterbringen. Zu den Internierten gehört der Arzt, der den ersten Kranken behandelt hat sowie seine Frau – die als einzige dieser Personen sehen kann. Es kommt zu Übergriffen zwischen verschiedenen Gruppen der Kranken wie auch zu Misshandlungen seitens der die Anstalt bewachenden Soldaten  (Quelle: Wikipedia)

Das Casting ist mit Mark Ruffalo, Julianne Moore (mit blonden Haaren!) und Gael Garcia Bernal exzellent. Sogar Sandra Oh ist mit von der Partie und die hat es immerhin geschafft, eine schreckliche Serie wie “Grey’s Anatomy” erträglich, wenn auch nicht sehenswert, zu machen.

Den Trailer für “Die Stadt der Blinden” kann man wie immer bei MovieMaze einsehen.

Ein fetter Smiley geht an denjenigen, der mir sagen kann, aus welchem Film (?) die Musik am Ende des zweiten Trailers von “Die Stadt der Blinden” stammt!

Der Halbblutprinz kommt erst im Sommer

HPWenn man heute aus der Wohnung nebenan oder von benachbarten Kollegen im Büro, deren Namen man sich nicht merken kann, ein lautes Stöhnen ertönt, liegt es wohl nicht am neuesten YouPorn-Video. Wie Variety berichtet, wurde nämlich der weltweite Starttermin des sechsten Harry Potter-Abenteuers, Harry Potter und der Halbblutprinz, auf den 17. Juli 2009 verlegt. Ursprünglich war für Deutschland der 20.11. diesen Jahres vorgesehen gewesen.

Normalerweise sind schlecht verlaufende Testscreenings, daraus resultierende Nachdrehs und ähnliche Symptome von Produktionsschwierigkeiten für verschobene Starttermine verantwortlich.

In diesem Fall handelt es sich jedoch um die Spätfolgen des Streiks der Drehbuchautoren. Der hat dazu geführt, dass es Warner  Bros. für die Blockbustersaison im Sommer 2009 an Filmen mangelt. An Verzögerungen in der Post-Production liegt es also nicht.

Die Kinostarts der zwei letzten Filme der Reihe, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil I + II (Herbst 2010 und Sommer 2011), sind davon nicht betroffen.

Insgesamt ist die Pause zwischen dem “Orden des Phönix”, der auch im Sommer startete, und dem Halbblutprinzen auf zwei Jahre angestiegen. Und das ohne ein neues Buch, um die Zeit zu vertreiben. Wie soll ein Fan das nur überstehen?

Kurtz & Knapp III

Während das Sommerloch sich in seiner vollen langweiligen Blüte zeigt und die einzigen Lichter am Ende des Tunnels die deutschen Starttermine von “The Dark Knight” und “Tropic Thunder” sind, will ein Blog natürlich gepflegt werden. Um der drohenden Vernachlässigung entgegen zu wirken, erscheint hier daher eine weitere Folge von Kurtz & Knapp. Die bereits vierteilige Sonderauflage über die Filme des Festivals in Bologna ist  aber noch lange nicht an ihrem Ende angelangt, wird also noch fortgesetzt werden.


Once (IRL 2006):

Seinen Oscar für den besten Song hat “Once” zwar verdient, aber zu mehr als einen  85-minütigen Videoclip über zwei musikversessene Aussenseiter reicht es dann doch nicht. Gewisse Ermüdungserscheinungen setzten zumindest bei mir nach dem dritten oder vierten melancholischen Lied ein und wollten nicht mehr verschwinden. “Falling Slowly” bleibt aber wirklich ein tolles Lied.

Kung Fu Panda (USA 2008):

An Pixar kommen die Filme von Dreamworks Animation auch mit Kung Fu Panda noch lange nicht heran, dazu ist die Story zu konventionell; verlässt sich die (visuelle) Charakterisierung der Nebenfiguren noch zu sehr auf die Verwendung unterschiedlicher Tiere. Dafür begeistert die Geschichte des widerwilligen Kung Fu-Heroen Po mit farbenprächtigen Landschaftsanimationen und rasanter Action – der Ausbruch des Bösewichts Tai Lung aus seinem Hochsicherheitsgefängnis sei an dieser Stelle hervorgehoben. Es ist schon ein wenig traurig, wenn der Kampf des Pandas Po mit seinem Meister Shifu um eine Teigtasche nicht nur aufregender, sondern auch besser in Szene gesetzt ist als das ganze “Grabmal des Drachenkaisers”.

Ein Hauch von Zen (RC 1969):

Lange lag die DVD im Regal bis sie dank eiserner Überwindung  und etwas Kaffee endlich im Player landete. “Ein Hauch von Zen” ist ein, trotz anfänglicher Längen, unerreichter Wuxia-Klassiker, der am Ende – nach fast drei Stunden  – alle Genregrenzen hinter sich lässt und Kubrick’sche Größe erreicht. Wer die Inspiration  für Ang Lees “Tiger and Dragon” sehen will, wende sich bitte an den Film von King Hu. Poetisch und einfach nur schön. Wow!

The Heroic Trio (HK 1993):

Dass gute Superheldenfilme nicht nur aus den USA kommen, bewies Johnnie To bereits 1993 mit seinem heroischen Trio. Invisible Woman (Michelle Yeoh), Thief Catcher (Maggie Cheung) und Wonder Woman (Anita Mui) tun sich hier erstmals im Kampf gegen einen machtgierigen Eunuchen, der reihenweise Säuglinge entführt, zusammen. Typisch Hongkong ist “Heroic Trio” dank der Actionchoreographie von Ching Siu Tung (“Hero,” “A Chinese Ghost Story”) und der unvermeidlichen Brutalität (mal wieder wird auch vor Kindern nicht halt gemacht), die in  ähnlichen Mainstreamfilmen aus Hollywood in dieser Form gar nicht auftauchen würde. Auch wenn die düstere Optik von Tim Burton inspiriert zu sein scheint, verkommt Johnnie Tos Heldinnensaga nicht zur bloßen Kopie von Batmans Abenteuern.

“The Heroic Trio” ist Kult und sehr lustig. Dieser einfachen Feststellung kann selbst das hin und wieder antiquiert wirkende Wire-Fu nichts anhaben. Und Anthony Wong darf als hirnlose Bestie Kau seine eigenen Finger verputzen. Lecker, lecker!

My Name is Fame (HK 2006):

In Anbetracht der Tatsache, dass HK-Edelmime Lau Ching Wan Ende der Neunziger in einen Knaller nach dem anderen zu sehen war – von einer Hauptrolle in Ringo Lams “Full Alert” bis hin zu Milkyway-Filmen wie “The Longest Nite” oder “Running out of Time” – ist die Dichte an mittelmäßigen Komödien, die seine Filmografie im neuen Jahrtausend übersät, doch recht überraschend. Da war der Hong Kong Film Award, den Lau für “My Name is Fame” gewann, schon so etwas wie ein dringend nötiges Comeback. Anders als sein Film Alter Ego Poon war Lau bis dahin unzählige Male für den HK-Oscar nominiert gewesen und am Ende immer leer ausgegangen. Dieser Poon, ein Charakterdarsteller mit einem leichten Hang zum Alkoholrausch, ist nach einem solchen Preis für seinen ersten Film als ewiges Talent abgestempelt wurden. Abgehalftert, ohne Aussicht auf gute Rollen, nimmt er die von einer Filmkarriere träumende Faye unter seine Fittiche und entdeckt ganz nebenbei seine Liebe zur Schauspielerei wieder.

Das in “My Name is Fame” von der Filmindustrie gezeichnete Bild einer großen Familie hat nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Alles ist in diesem Film nämlich ein bisschen rosa überzeichnet und weit von einer knallharten Satire entfernt. Der Weichzeichner stört nicht weiter, denn Lau sitzt die Rolle wie angegossen. Löblich ist sicher auch die Zeit, die der Film auf den eigentlichen Prozess des Spielens verwendet; von einfachen Aufwärmübungen über den Ideenaustausch mit dem Regisseur bis hin zum Variieren des Spiels von Take zu Take. So ist der Film am Ende v.a. eine Liebeserklärung an die in Hongkong seltene Spezies des Charakterdarstellers, die sich durchkämpft in einer Industrie, welche die Kinosäle mit untalentierten Models und Popsternchen zu füllen sucht.