Ho Ho Ho!

Allen Lesern, Google-Besuchern und hartnäckigen Spamkommentar-Schreibern wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein paar schöne Filme unterm Weihnachtsbaum!

Eine etwas andere Top Ten

Der Listenterror geht weiter, aber dieses Mal handelt es sich nicht um eine Bestenliste. TorrentFreak hat die Filme zusammengestellt, die dieses Jahr am häufigsten via BitTorrent illegal heruntergeladen worden sind. Wenig überraschend: “Avatar” liegt auf Platz 1. Irgendwie traurig (unabhängig von der Qualität): die vergleichsweise kleine Comic-Adaption “Kick-Ass” rangiert auf Platz 2.

(via)

1. “Avatar” – 16,580,000

2. “Kick-Ass” – 11,400,000

3. “Inception” – 9,720,000

4. “Shutter Island” – 9,490,000

5. “Iron Man 2” – 8,810,000

6. “Clash of the Titans” – 8,040,000

7. “Green Zone” – 7,730,000

8. “Sherlock Holmes” – 7,160,000

9. “The Hurt Locker – 6,850,000

10. “Salt” – 6,700,000

The Essential 100 und andere Listen

Bevor hier im Blog ein paar Jahreslisten der Autoren gepostet werden, gilt es nochmal, auf andere  Bestenlisten zu blicken. Wer sich zum neuen Jahr ein paar filmische Vorsätze machen möchte, findet hier durchaus Inspiration.

Sight & Sound z.B. hat die zwölf Filme des Jahres gewählt:
1 The Social Network
2 Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives
3 Another Year
4 Carlos
5 The Arbor
6 Winter’s Bone / I Am Love
8 The Autobiography of Nicolae Ceausescu / Film socialisme / Nostalgia for the Light / Poetry / A Prophet


Film Comment hat gar eine Liste aus 50 Filmen erstellt. Die Top Ten:
1. Carlos, Olivier Assayas
2. The Social Network, David Fincher
3. White Material, Claire Denis
4. The Ghost Writer, Roman Polanski
5. A Prophet, Jacques Audiard
6. Winter’s Bone, Debra Granik
7. Inside Job, Charles Ferguson
8. Wild Grass, Alain Resnais
9. Everyone Else, Maren Ade
10. Greenberg, Noah Baumbach


Das einstige Flaggschiff des guten Filmgeschmacks, die Cahiers du Cinéma, hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, die zehn besten Filme des Jahres zu wählen (mit Berücksichtigung des französischen Starttermins):

1. Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives, Apichatpong Weerasethakul
2. Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans, Werner Herzog
3. Film Socialisme, Jean-Luc Godard
4. Toy Story 3, Lee Unkrich
5. Fantastic Mr. Fox, Wes Anderson
6. A Serious Man, Joel & Ethan Coen
7. To Die Like a Man, João Pedro Rodrigues
8. The Social Network, David Fincher
9. Chouga (aka Ainour), Darezhan Omirbayev
10. Mother, Bong Joon-ho


All jenen, für die die IMDb Top 250 keine Herausforderung mehr ist, kann ich die Liste von den Mannen vom Toronto International Film Festival empfehlen. Hier kann man sich ordentlich abarbeiten und hat gleichzeitig ein hübsche Vorlage, um in der Zukunft Bildungslücken zu schließen. Ich habe mal die 63 von mir gesehenen Filme blau markiert.

This list represents the merging of one 100 film list as determined by an expert panel of TIFF curators with one 100 film list as determined by TIFF stakeholders.

1 THE PASSION OF JOAN OF ARC (Carl Theodor Dreyer)
2 CITIZEN KANE (Orson Welles)
3 L’AVVENTURA (Michelangelo Antonioni)
4 THE GODFATHER (Francis Ford Coppola)
5 PICKPOCKET (Robert Bresson)
6 SEVEN SAMURAI (Akira Kurosawa)
7 PATHER PANCHALI (Satyajit Ray)
8 CASABLANCA (Michael Curtiz)
9 MAN WITH A MOVIE CAMERA (Dziga Vertov)
10 BICYCLE THIEVES (Vittorio De Sica)
11 ALI: FEAR EATS THE SOUL (Rainer Werner Fassbinder)
12 8 ½ (Federico Fellini)
13 BATTLESHIP POTEMKIN (Sergei Eisenstein)
14 RASHOMON (Akira Kurosawa)
15 TOKYO STORY (Yasujiro Ozu)
16 THE 400 BLOWS (François Truffaut)
17 UGETSU (Kenji Mizoguchi)
18 BREATHLESS (Jean-Luc Godard)
19 L’ATALANTE (Jean Vigo)
20 CINEMA PARADISO (Giuseppe Tornatore)
21 LA GRANDE ILLUSION (Jean Renoir)
22 LAWRENCE OF ARABIA (David Lean)
23 PERSONA (Ingmar Bergman)
24 GONE WITH THE WIND (Victor Fleming)
25 SUNRISE (F.W. Murnau)
26 2001: A SPACE ODYSSEY (Stanley Kubrick)
27 VOYAGE IN ITALY (Roberto Rossellini)
28 AMÉLIE (Jean-Pierre Jeunet)
29 CITY LIGHTS (Charlie Chaplin)
30 STAR WARS (George Lucas)
31 SHERLOCK JR. (Buster Keaton)
32 RULES OF THE GAME (Jean Renoir)
33 THE LEOPARD (Luchino Visconti)
34 LA DOLCE VITA (Federico Fellini)
35 L’ARRIVÉE D’UN TRAIN À LA CIOTAT (Frères Lumiere)
36 THE WIZARD OF OZ (Victor Fleming)
37 LA JETÉE (Chris Marker)
38 VERTIGO (Alfred Hitchcock)
39 NIGHT AND FOG (Alain Resnais)
40 PULP FICTION (Quentin Tarantino)
41 THE SEARCHERS (John Ford)
42 SLUMDOG MILLIONAIRE (Danny Boyle)
43 THE CONFORMIST (Bernardo Bertolucci)
44 CITY OF GOD (Fernando Meirelles)
45 TAXI DRIVER (Martin Scorsese)
46 APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola)
47 SALÓ, OR THE 120 DAYS OF SODOM (Pier Paolo Pasolini)
48 THE SEVENTH SEAL (Ingmar Bergma)
49 LE VOYAGE DANS LA LUNE (Georges Méliès)
50 METROPOLIS (Fritz Lang)
51 THE BATTLE OF ALGIERS (Gillo Pontecorvo)
52 IN THE MOOD FOR LOVE (Wong Kar Wai)
53 VIRIDIANA (Luis Buñuel)
54 LIFE IS BEAUTIFUL (Roberto Benigni)
55 THE SORROW AND THE PITY (Marcel Ophüls)
56 PAN’S LABYRINTH (Guillermo del Toro)
57 THE EARRINGS OF MADAME DE… (Max Ophüls)
58 BLADE RUNNER (Ridley Scott)
59 THROUGH THE OLIVE TREES (Abbas Kiarostami)
60 LES ENFANTS DU PARADIS (Marcel Carné)
61 BRINGING UP BABY (Howard Hawks)
62 SINGIN’ IN THE RAIN (Stanley Donen)
63 JOHNNY GUITAR (Nicholas Ray)
64 A CLOCKWORK ORANGE (Stanley Kubrick)
65 MEMORIES OF UNDERDEVELOPMENT (Tomás Gutiérrez Alea)
66 M (Fritz Lang)
67 SCORPIO RISING (Kenneth Anger)
68 PSYCHO (Alfred Hitchcock)
69 DUST IN THE WIND (Hou Hsiao-Hsien)
70 SCHINDLER’S LIST (Steven Spielberg)
71 NASHVILLE (Robert Altman)
72 CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON (Ang Lee)
73 WAVELENGTH (Michael Snow)
74 JULES ET JIM (François Truffaut)
75 CHRONIQUE D’UN ÉTÉ (Edgar Morin and Jean Rouch)
76 THE LIVES OF OTHERS (Florian Henckel von Donnersmarck)
77 GREED (Erich von Stroheim)
78 SOME LIKE IT HOT (Billy Wilder)
79 JAWS (Steven Spielberg)
80 ANNIE HALL (Woody Allen)
81 THE BIRTH OF A NATION (D.W. Griffith)
82 CHUNGKING EXPRESS (Wong Kar Wai)
83 LA NOIRE DE… (Ousmane Sembene)
84 RAGING BULL (Martin Scorsese)
85 THE MALTESE FALCON (John Huston)
86 CHINATOWN (Roman Polanski)
87 ANDREI RUBLEV (Andrei Tarkovsky)
88 WINGS OF DESIRE (Wim Wenders)
89 VIDEODROME (David Cronenberg)
90 WRITTEN ON THE WIND (Douglas Sirk)
91 THE THIRD MAN (Carol Reed)
92 BLUE VELVET (David Lynch)
93 THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY (Sergio Leone)
94 BREAKING THE WAVES (Lars von Trier)
95 A NOS AMOURS (Maurice Pialat)
96 CLEO DE 5 A 7 (Agnès Varda)
97 ALL ABOUT MY MOTHER (Pedro Almodóvar)
98 EARTH (Aleksandr Dovzhenko)
99 OLDBOY (Park Chan-wook)
100 PLAYTIME (Jacques Tati)
(via)

Weihnachtsfilm-Blogathon 2010

Drüben bei Butt-kicking Babes hat Rochus Wolff vor einer Weile einen Weihnachtsfilm Blogathon gestartet. Da es viel zu wenig Blogathons im deutschsprachigen Filmblog-Bereich gibt, fand ich die Idee super, hatte aber ein Problem: Wie über Weihnachtsfilme schreiben, wenn man diese nicht bewusst guckt?
Im Hintergrund läuft vielleicht mal die Muppets-Weihnachtsgeschichte im Fernsehen oder dessen Äquivalent für die neuen Bundesländer, “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”, aber die klassischen Weihnachtsfilme haben mich noch nie interessiert. Weihnachten verbinde ich v.a. mit dem familiären Ausflug in die Videothek, bei dem jedes Jahr die Filme für die Feiertage ausgesucht werden. Und die trugen im vergangenen Jahrzehnt unweihnachtliche Namen wie “The Dark Knight”, “Gladiator” oder “Zoolander”.

Auf der verzweifelten Suche nach Inspiration habe ich schließlich meine DVD-Sammlung überflogen und bin auf einen waschechten Weihnachtsfilm gestoßen: Stirb Langsam von John McTiernan.

Bis Mitternacht läuft der Blogathon noch. Nähere Infos dazu und zur Verlosung gibt es hier.


Stirb Langsam ist ein Weihnachtsfilm, weil er am Weihnachtsabend spielt. So einfach ist das. “Stirb Langsam” ist aber auch einer der besten Actionfilme aller Zeiten, was nicht zuletzt an der darin stattfindenden Dekonstruktion des Actionhelden der achtziger Jahre liegt. Was “Stirb Langsam” letztendlich zu einem wirklich guten Weihnachtsfilm macht, ist, dass diese beiden Feststellungen unmittelbar miteinander verknüpft sind. Eine kurze Beweisführung an Hand der Title Sequence:

(1) Eine Anmerkung vorweg: “Stirb langsam” ist über weite Strecken unglaublich effizient inszeniert.

(2) Das Flugzeug landet im Abendrot von L.A. Ein Fremder kommt in die Stadt. Er gehört nicht hierher, was u.a. darauf zurück zu führen ist, dass L.A. eine absurde Wahl ist, um Weihnachten zu feiern. Dazu später mehr.

(3) Der stranger in a strange land wird von Bruce Willis gespielt, ist verheiratet, leidet an Flugangst…

(4) …und arbeitet als Cop.

(5) Vielleicht für einen Kindergeburtstag,…

(6) …auf jeden Fall ein fabelhaftes Bild. Der Held mit einem riesengroßen Teddybär und einer Kippe. Er ist kein Familientyp, hat aber eine. Beziehungsprobleme tauchen am Horizont auf…

(7) …und das zu Weihnachten! Eine kleine Plansequenz im Nakatomi Plaza führt Handlungsort und -zeit ein, inkl. der Hauptdarstellerin, die gleich den Fahrstuhl verlässt…

(8) …und  – wie wir in einer einzigen Einstellung erfahren – die Ehefrau der Hauptfigur spielt. Es gibt Probleme in dieser Ehe. Das ist nun offensichtlich, auch dank des Framings, in dem die Fotos in folgender Reihenfolge gezeigt werden: zunächst die Mutter mit ihren Kindern, dann die Kinder im Porträt, dann erst die ganze Familie. Das Foto spielt später eine wichtige Rolle, denn “Stirb Langsam” ist ein Film über zwei Eheleute, die durch eine äußere Bedrohung gezwungen werden, sich zu einander zu bekennen. Weihnachten ist schließlich das Fest der Familie!

(9) Ein ironischer Einschub mit dem Kommentar “California!”. Die wandelnde Muckibude mit Arni-Bizeps ähnelt eher den übermächtigen Terroristen als dem verletzlichen Helden. Das ist kein Zufall.

(10) Argyle hat nur eine Funktion in diesem Film: John McClane muss ihm über den Zustand seiner Ehe berichten, d.h. warum er aus New York nach L.A. gekommen ist. Da Argyle mit Ende der Exposition nutzlos geworden ist, wird er als launiges comic relief in die Tiefgarage verbannt.

(11) Der Handlungsort ist erreicht, die Title Sequence ist vorbei.

(12) Der Held wird in der Title Sequence auf ungewöhnliche Weise charakterisiert. Es geht hier nicht darum, seine Stärken zu zeigen, sondern eher im Gegenteil: Der an Flugangst leidende McClane kommt an einen Ort, an dem er (und das Weihnachtsfest) fehl am Platz ist. Das blutrote L.A. ist immerhin eine Stadt der Oberflächlichkeit, der Sünde (Koks) und der drohenden Scheidung auf Grund der Unabhängigkeit der Frau (in ihrem Job).

(13) Der Rest des Films dreht sich deshalb um die Wiederherstellung der Familie und damit des traditionellen Weihnachtsfests, ausgelöst durch  einen Impuls von außen (die Terroristen). Das gelingt. Am Ende schneit es sogar (wenn es auch nur Papierfetzen sind) und ein echtes Weihnachtslied erklingt aus dem Off. Die Familie ist (für kurze Zeit) wieder intakt und mit ihr das Weihnachtsfest.

Werbeklassiker: Terrence Malick

Terrence Malicks Filme in zwei bis drei Minuten langen Trailern dem Publikum anzupreisen, ist schon eine undankbare Aufgabe. In den Siebzigern wusste man anscheinend nicht recht, damit umzugehen. Die Trailer für “Badlands” und “Days of Heaven” sind deshalb mit nervigen Off-Kommentaren gesegnet, welche die jeweiligen Stories erklären (als würde es hier um die Handlung gehen…).

Haben die Trailer für Malicks neuere Werke die Off-Stimme hinter sich gelassen, schwanken sie nun zwischen Publikumsanbiederung (schnelle Schnitte, Action, bum bum bum), die im Kinosaal zwangsläufig enttäuschen wird und der Annäherung an die Realität eines Malick-Films. Der gelungenste der älteren Trailer ist zweifellos jener für “The Thin Red Line”, der die Mischung aus Kriegsfilm und Reflexion über das Menschsein ansatzweise zu transportieren weiß. Der Trailer für Malicks neuen Film “The Tree of Life” versucht erfreulicherweise gar nicht erst, zu verstecken, was den Zuschauer bei einem Film des Regisseurs erwartet.

Einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Terrence Malicks Filmen hat sich luzifus vor einer Weile in einem Kontrapunkt gewidmet.

Badlands (USA 1973)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=lcFx06cBmbk[/youtube]

Days of Heaven (In der Glut des Südens, USA 1978)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=LlZDsMCW0U4[/youtube]

The Thin Red Line (Der Schmale Grat, USA 1998)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=LCmlOhsIwBk[/youtube]

The New World (USA/GB 2006)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=0zLPM8FLMtk[/youtube]