Die Golden Globes 2009

[UPDATE: Die Gewinner findet man jetzt hier]

Woran merkt man, dass der Winter angekommen ist selbst zu Zeiten globaler Erwärmung? An der Oscarsaison  natürlich. Die beginnt im Gegensatz zum launischen Wetter verlässlich wie immer mit den Preisen der diversen Kritikervereinigungen in den USA und nimmt mit den Nominierungen für die Golden Globes schließlich volle Fahrt auf. Während jedoch die Gewinner der Academy Awards von knapp 6000 Professionellen aus der Filmindustrie gewählt werden, ist die Hollywood Foreign Press Association für die Globes verantwortlich. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich  dabei um Filmjournalisten, die für Publikationen außerhalb der USA arbeiten.

Der nicht unumstrittene Verein gab gestern seine Nominierungen für die 66. Zeremonie bekannt, die am 11. Januar 2009 in aller Welt ausgestrahlt werden wird. Abgesehen davon, dass Kritiker, nicht Filmschaffende, die Sieger auswählen, honorieren die Globes außerdem noch die besten Fernsehserien, -filme und -schauspieler. Die Globes sind also sozusagen eine Mischung aus den Emmys und den Oscars. Über den Sinn dieser Zusammensetzung darf diskutiert werden.

Ungeachtet dessen ist die Verleihung der wichtigste Gradmesser für die einen Monat später am 22. Februar stattfindende Verleihung der Academy Awards. Nachdem die letzten Oscars die schlechtesten Einschaltquoten aller Zeiten eingefahren hatten, trotz oder gerade wegen des starken Wettbewerbes mit „No Country For Old Men“, „There Will Be Blood“ und „Michael Clayton“, wurde der Ruf nach mehr Zuschauerfreundlichkeit laut.

Zuschauerfreundlichkeit heißt in diesem Zusammenhang: Nominieren wir doch Filme, die das breite Publikum auch gesehen hat! Da die Oscarsaison jedoch wie oben angedeutet zum Winter gehört, wie die CO2-Emission zum globalen Klimawandel, werden populäre Sommerblockbuster so gut wie gar nicht berücksichtigt.

Dass die Globes nun für „Massenware“ eine Lanze brechen, war nicht zu erwarten gewesen. Vielleicht wird es bei den Oscars ja anders aussehen. Die Auslandsjournalisten haben Filme wie The Dark Knight oder Iron Man jedenfalls so gut wie vollkommen ignoriert. „Iron Man“ ist sicher nicht der beste Film des Jahres, aber Robert Downey Jr. nur mit einer Nominierung als Bester Nebendarsteller („Tropic Thunder“) zu ehren, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Selbiges gilt für Heath Ledger.

And the nominees are…

Best Motion Picture – Drama
The Curious Case Of Benjamin Button
Frost/Nixon
The Reader
Revolutionary Road
Slumdog Millionaire
Best Performance By An Actress In A Motion Picture – Drama
Anne Hathaway – Rachel Getting Married
Angelina Jolie – Changeling
Meryl Streep – Doubt
Kristin Scott Thomas – I’ve Loved You So Long
Kate Winslet – Revolutionary Road
Best Performance By An Actor In A Motion Picture – Drama
Leonardo DiCaprio – Revolutionary Road
Frank Langella – Frost/Nixon
Sean Penn – Milk
Brad Pitt – The Curious Case Of Benjamin Button
Mickey Rourke – The Wrestler
Best Motion Picture – Comedy Or Musical
Burn After Reading
Happy-Go-Lucky
In Bruges
Mamma Mia!
Vicky Cristina Barcelona
Best Performance By An Actress In A Motion Picture – Comedy Or Musical
Rebecca Hall – Vicky Cristina Barcelona
Sally Hawkins – Happy-Go-Lucky
Frances McDormand – Burn After Reading
Meryl Streep – Mamma Mia!
Emma Thompson – Last Chance Harvey
Best Performance By An Actor In A Motion Picture – Comedy Or Musical
Javier Bardem – Vicky Cristina Barcelona
Colin Farrell – In Bruges
James Franco – Pineapple Express
Brendan Gleeson – In Bruges
Dustin Hoffman – Last Chance Harvey
Best Animated Feature Film
Bolt
Kung Fu Panda
Wall-E
Best Foreign Language Film
The Baader Meinhof Complex (Germany)
Everlasting Moments (Sweden/Denmark)
Gomorrah (Italy)
I’ve Loved You So Long (France)
Waltz With Bashir (Israel)
Best Performance By An Actress In A Supporting Role In A Motion Picture
Amy Adams – Doubt
Penelope Cruz – Vicky Cristina Barcelona
Viola Davis – Doubt
Marisa Tomei – The Wrestler
Kate Winslet – The Reader
Best Performance By An Actor In A Supporting Role In A Motion Picture
Tom Cruise – Tropic Thunder
Robert Downey Jr. – Tropic Thunder
Ralph Fiennes – The Duchess
Philip Seymour Hoffman – Doubt
Heath Ledger – The Dark Knight
Best Director – Motion Picture
Danny Boyle – Slumdog Millionaire
Stephen Daldry – The Reader
David Fincher – The Curious Case Of Benjamin Button
Ron Howard – Frost/Nixon
Sam Mendes – Revolutionary Road
Best Screenplay – Motion Picture
Simon Beaufoy – Slumdog Millionaire
David Hare – The Reader
Peter Morgan – Frost/Nixon
Eric Roth – The Curious Case Of Benjamin Button
John Patrick Shanley – Doubt
Best Original Score – Motion Picture
Alexandre Desplat – The Curious Case Of Benjamin Button
Clint Eastwood – Changeling
James Newton Howard – Defiance
A. R. Rahman – Slumdog Millionaire
Hans Zimmer – Frost/Nixon
Best Original Song – Motion Picture
“Down To Earth” — Wall-E
“Gran Torino” — Gran Torino
“I Thought I Lost You” — Bolt
“Once In A Lifetime” — Cadillac Records
“The Wrestler” — The Wrestler
Quelle: Variety [Dort sind auch die Fernsehkategorien einsehbar]

Billige Ausreden und unbezahlte Werbung

Da ich in letzter Zeit nur zwei mir neue Filme gesehen habe, zu denen mir allerdings aus unterschiedlichen Gründen nicht genug einfällt, um eine Kritik zu schreiben, hab ich die Zeit stattdessen genutzt, auf meinen Lieblingsseiten zu schmökern, was es so an empfehlenswerten Artikeln gibt.

Die zwei Filme waren übrigens „In den Schuhen meiner Schwester„, der mir gefallen hat, obwohl ich ganz und gar nicht auf „Frauenfilme“ stehe und „Jiang Hu: The Triad Zone„, den ich mir nochmal angucken muss, um etwas vernünftiges schreiben zu können, jenseits von „Boah, ist der lustig!„.

Weniger Artikel als ganz große Unterhaltung ist dieser Blogeintrag meiner Lieblingskritiken- und Newsseite EmpireOnline zum Thema „The Ten Moviegoing Commandments„.

Zwei Beispiele:

Nummer 4: Thou shalt not covet thy neighbour’s cupholder

Nummer 7: Thou shalt not accept calls from thine drug dealer during the film

Endlich hat jemand den Mut gefunden, uns im Kino stets belästigten Cineasten aus dem Herzen zu sprechen und der Welt mitzuteilen, wozu man in der dunklen Höhle der Unterhaltung überhaupt sitzt: Um Filme zu schauen! Hail thee, James Dyer!

Ebenfalls unterhaltsam und sozusagen ein Nachtrag zur Oscarverleihung ist diese Zitatesammlung der britischen Times, die die besten Jokes von Host Jon Stewart noch einmal zusammen getragen hat.

Ein Auszug:

„Normally when you see a black man or a woman president, an asteroid is about to hit the Statue of Liberty.“
„There are three pregnant ladies with us tonight. Jessica Alba. Cate Blanchett. Nicole Kidman. And the baby goes to…. Angelina Jolie. I’m stunned. Angelina couldn’t be with us tonight, it’s tough to get 17 babysitters on Oscar night.“
„Away From Her is about a woman who forgets about her husband. Hillary Clinton called it the feelgood movie of the year.“

Zu guter Letzt diskutiert ein Artikel des Guardian mit dem vielversprechenden Titel „Bring on the Creepy Girls“, warum amerikanische Remakes asiatischer Horrorfilme tendenziell schlechter sind, als die Originale. Mit einer Ausnahme, „The Ring“.

Und der Preis für die kürzeste Oscarverleihung mit dem schlechtesten Tribute geht an…

Die Gewinner sind bekannt, die Berichterstattung flaut ab, das Schlafdefizit ist behoben. Die Awardsseason ist nun vorbei, zumindest die amerikanische. Was haben wir daraus gelernt? Trotz der Remakemanie, die derzeit in Hollywood grassiert, ist ein erstaunlich guter Wettbewerb zustande gekommen.

Die Gebrüder Coen haben zu alter Stärke zurückgefunden und wurden dafür mit vier Oscars belohnt. Die Literaturverfilmung No Country for Old Men nach Cormac McCarthy war der Gewinner des 80. Oscarabends. Wie vor einem Jahr gingen die Preise für die Beste Regie und den Besten Film Hand in Hand an den selben Film.

Paul Thomas Anderson musste der Bühne während der erstaunlich kurzen Zeremonie fern bleiben. Sein achtmal nominiertes Ölepos There Will Be Blood erhielt am Ende nur zwei Preise, kam damit allerdings besser weg, als seine vorherigen Filme Boogie Nights und sein Meisterwerk Magnolia, die jeweils leer ausgegangen waren. Neben der Besten Kameraführung ging wie (leider) erwartet der Preis für den Besten Hauptdarsteller an Daniel Day Lewis. Den überreichte ihm Helen Mirren, die letztes Jahr eine ähnlich überraschungslose Favoritenrolle eingenommen hatte. Als Belohnung gab’s noch einen Ritterschlag von der „Queen“.

Der ausgeglichene Wettbewerb war wohl auch ein Grund für die miserablen Einschaltquoten in den USA. Das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Ratings 1974 erzielte die Show. Die Quoten waren in der Vergangenheit immer hoch gewesen, wenn ein Blockbuster alle Preise absahnen konnte. Das langweilige Titanic-Jahr war deswegen das erfolgreichste. Am Montag nun standen fast nur Independentproduktionen zur Disposition, kein Wunder also, dass ein solcher Einbruch erfolgen musste. Die negative Publicity rund um den Autorenstreik muss ihr übriges dazu getan haben.

Jon Stewart jedenfalls kann man keine Schuld zuweisen. Bedenkt man, dass er nur zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung hatte, ist seine Leistung bemerkenswert. Selbst kritische Witze über die Irakpolitik konnte man von ihm hören. An seine Bissigkeit in der Daily Show kommt er zwar noch nicht heran, aber das kann ja noch werden. Er übertraf jedenfalls locker andere Hosts der letzten Jahre, wie Ellen DeGeneres, Whoopie Goldberg und Chris Rock. Mein Lieblingsmoment der Show war dann auch, als er die Mitgewinnerin des Preises für den Besten Song aus dem Film Once noch einmal auf die Bühne holte, damit auch sie eine Gelegenheit bekommen konnte, ihre Dankesrede zu halten.

Ich geb es zu, der sentimentale Aspekt der Oscarshow ist mir immer schon einer der wichtigsten gewesen. Ob Zusammenschnitte vergangener Sieger oder die Erinnerung an verstorbene Filmschaffende, die Liebeserklärungen ans Kino sind für mich die emotionalsten Momente des Abends.

Dieses Jahr enttäuschte besonders der In Memoriam-Teil. Die Unsitte, bei bestimmten Verstorbenen zu klatschen, bei anderen nicht, begleitet die Oscars ja schon seit der Einführung dieser Tradition in den Neunzigern. Am Montag blieb dann sogar der Beifall für Michelangelo Antonioni aus, unbestritten einer DER größten, besten, wichtigsten Regisseure der Kinogeschichte. Anspruchsvolle Filmkost bekommt der Academy wohl nicht.

Wie Hollywood es den tragischen Opfern der Filmindustrie dankt, zeigte die fehlende Erinnerung an den Tod Brad Renfros, ehemaliger Kinderstar aus Der Klient, Sleepers und Der Musterschüler, der Anfang des Jahres an einer Überdosis Heroin gestorben war.

Den Verstorbenen würdige drei Minuten des Gedenkens hatten dagegen die diesjährigen BAFTA-Awards zu bieten:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TTGcboZGg0Q]

Eine überragende Oscarshow gab es dieses Jahr wirklich nicht, was angesichts des Jubiläums etwas enttäuschend ist. Gestern habe ich mir bei YouTube ein paar Ausschnitte aus der BAFTA-Verleihung angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Oscars dringend mal eine Modernisierung benötigen.

Wie wäre es, statt schmalziger Streichermusik dynamische Popsongs zur Untermalung zu nutzen? Bei den BAFTAs wurde selbst der Tribute an Anthony Hopkins mit Britpop unterlegt und es wirkt klasse. Wie wäre es mal, die 30 Sekunden-Regel für Dankesreden abzuschaffen? Das unflexible Einsetzen der Musik an den emotionalsten Momenten ist einfach nur peinlich. Aber das nur am Rande.

Alle Gewinner findet man (überraschenderweise!!!) auf der Homepage der Oscars.

Ich freu mich schon auf den Winter, wenn der Oscarbuzz wieder losgeht…

Die BAFTAS

Die BAFTA-Gewinner sind nun auch bekannt:

Wie es zu erwarten war, hat Atonement (Abbitte) den Preis für den Besten Film gewonnen.

Überrachend ist da wohl eher die Dominanz von La vie en rose, der die meisten Preise abgeräumt hat.

Der Beste Britische Film wurde This is England.

Alle Gewinner gibt es auf der Homepage der British Academy of Film and Televion Arts.

And the nominees are…Pt.II

Nach der Mitteilung der Golden Globe-Sieger kann man die Oscarnominierungen kaum als überraschend bezeichnen. Die magere Ausbeute von Ridley Scotts American Gangster ist zu begrüßen. Ungewöhnlich ist, dass Abitte-Regisseur Joe Wright in der Kategorie Beste Regie leer ausgeht.

Sweeney Todd wurde leider weitgehend in den wichtigen Kategorien übergangen. Dafür darf sich Johnny Depp Hoffnungen auf einen Oscar machen. Die Konkurrenz ist jedoch stark. Das dürfte einer der besten Wettbewerbe seit Jahren werden. Kein Film in den wichtigen Kategorien kann auch nur annähernd als Totalausfall abgestempelt werden.

Die Rechnung sieht nun folgendermaßen aus (sofern ich mich nicht verzählt habe):

There will be Blood: 8 Nominierungen
No Country for Old Men: 8 Nominierungen
Abbitte: 7 Nominierungen
Michael Clayton: 6 Nominierungen

Eine Auswahl der Nominierungen der 80. Academy Awards:

Bester Film
There Will Be Blood
No Country For Old Men
Atonement
Juno
Michael Clayton

Beste Regie
Paul Thomas Anderson – There Will Be Blood
Joel und Ethan Coen – No Country For Old Men
Julian Schnabel – The Diving Bell and the Butterfly
Jason Reitman – Juno
Tony Gilroy – Michael Clayton
Bester Darsteller
Daniel Day Lewis – There Will Be Blood
George Clooney – Michael Clayton
Johnny Depp – Sweeney Todd
Tommy Lee Jones – In the Valley of Elah
Viggo Mortensen – Eastern Promises
Beste Darstellerin
Cate Blanchett – Elizabeth: The Golden Age
Julie Christie – Away From Her
Ellen Page – Juno
Marion Cottillard – La Vie En Rose
Laura Linney – The Savages
Beste Nebendarstellerin
Cate Blanchett – I’m Not There
Ruby Dee – American Gangster
Saoirse Ronan – Atonement
Amy Ryan – Gone Baby Gone Gone
Tilda Swinton – Michael Clayton
Bester Nebendarsteller
Casey Affleck – Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford
Javier Bardem – No Country For Old Men
Phillip Seymour Hoffman – Charlie Wilson’s War
Hal Holbrook – Into The Wild
Tom Wilkinson – Michael Clayton
Bestes Originaldrehbuch
Diablo Cody – Juno
Nancy Oliver – Lars and the Real Girl
Tony Gilroy – Michael Clayton
Brad Bird/Jan Pinkavar/Jim Capobianco – Ratatouille
Tamara Jenkins – The Savages
Bestes adaptiertes Drehbuch
Paul Thomas Anderson – There Will Be Blood
Joel und Ethan Coen – No Country For Old Men
Julian Schnabel – The Diving Bell and the Butterfly
Christopher Hampton – Atonement
Sarah Polley – Away From Her
Bester Animationsfilm
Persepolis
Ratatouille
Surf’s Up

Alle Nominierungen findet man entweder hier oder auf Oscars.org.