Wollmilchcast #56 – Suspiria von Luca Guadagnino

Gleich vorweg: Die Tonprobleme in der neuen Wollmilchcast-Folge seien zu entschuldigen. Beim nächsten Mal nehmen wir wieder in gewohnter (?) Qualität (??) auf. Hörenswert ist die neue Ausgabe natürlich trotzdem, in der wir uns die Frage stellen, warum man den Horrorklassiker Suspiria von Dario Argento neu verfilmen wollen würde und wie das aussieht. Call Me By Your Name-Regisseur Luca Guadagnino hat es nämlich getan, mit Tilda Swinton in einer Doppelrolle und Dakota Johnson als neue Susie. Im Wollmilchcast ergründet Matthias von Das Filmfeuilleton außerdem die Freuden und Enttäuschungen von Mandy mit Nicolas Cage, während ich meine Charles Boyer-Sucht nachgehe und seinen letzten großen Film vorstelle: Stavisky… von Alain Resnais. Viel Spaß!
Shownotes:

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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
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Copyright Titelbild: Capelight/Koch Media/Central

Wollmilchcast #52 – Werk ohne Autor

Florian Henckel von Donnersmarck ist zurück mit einem weiteren Eintrag in seiner erstaunlich umfangreichen Wikipedia-Biografie. Werk ohne Autor heißt der Film, der dieses Jahr in Venedig Premiere feierte, und die reale Familiengeschichte des Malers Gerhard Richter fiktionalisiert. Im Podcast sprechen Matthias von Das Filmfeuilleton und ich darüber, ob der Film wirklich 188 Minuten Laufzeit verdient, wie Donnersmarck Richters Werk in die deutsche Geschichte einbettet und über die größte Sequenz des deutschen Kinos der letzten Jahre (bitte nicht zitieren). Außerdem stellt Matthias den sehenswerten Alles ist gut von Eva Trobisch vor, der gerade im Kino läuft, und ich ergänze meine Charles Boyer-Minireihe um Ernst Lubitschs letzten von ihm vollendeten Film: Cluny Brown.
Shownotes:

  • 00:01:10 – Werk ohne Autor von Florian Henckel von Donnersmarck
  • 00:50:15 – Alles ist gut von Eva Trobisch
  • 00:58:38 – Cluny Brown (1946) von Ernst Lubitsch


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Copyright Titelbild: Walt Disney

Le Bonheur – Schießen Sie auf den Filmstar, Herr Boyer!

Le Bonheur (Happiness)
Le Bonheur

Es gibt eine Einstellung in Le Bonheur, der auf ewig unter der Titelverwandtschaft zu einem berühmteren Film von Agnès Varda leiden wird1, welche seine widerborstige Seltsamkeit preisgibt. Da liegt ein anarchistischer Karikaturist auf dem Sofa eines Filmstars und schläft, vermutlich. Vermutlich, weil sein Kopf vom Bildausschnitt sauber abgetrennt wurde. Es besteht zugegebenermaßen kein Zweifel, dass er es ist, den die Diva beäugt. Lutcher ist die einzige Figur in Le Bonheur, die mit billigen Lederschuhen an den Füßen ungerührt auf dem Sofa eines Filmstars schlafen würde. Warum also wird der Kopf abgeschnitten, wenn nicht um der Spannung willen, warum ausgerechnet jener Kopf, dem in diesem Film durch Kamera und Beleuchtung penetranter gehuldigt wird als der Diva in seiner Handlung?
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  1. Ewige Suchmaschinenverwirrung ist Le Bonheur gewiss, auch weil er zeitnah zum im Englischen ebenfalls mit Happiness betitelten sowjetischen Film von Alexander Medwedkin erschien. []

Wollmilchcast #51 – Utøya 22. Juli & Glücklich wie Lazzaro

Glücklich wie Lazzaro

In einer langen Plansequenz wird in Utøya 22. Juli das Massaker eines rechtsradikalen Terroristen an Jugendlichen der norwegischen Arbeiterpartei nacherzählt. Welche Wirkung erzielt der Film dadurch und gelingt es so  tatsächlich, sich auf die Perspektive der Opfer zu fokussieren? Im Wollmilchcast besprechen Matthias von Das Filmfeuilleton und ich den umstrittenen Film, der bei der Berlinale Premiere feierte und seit dieser Woche in den deutschen Kinos läuft. Außerdem macht uns Glücklich wie Lazzaro, ein italienisches Sozialdrama mit Zeitreise-Einschlag, Lust auf das, was auch immer Alice Rohrwacher als nächstes dreht. Garniert wird der Podcast mit einem Plädoyer für Liliom mit Charles Boyer, Fritz Langs nach eigenen Worten liebsten seiner Filme, und Matthias stellt den deutschen Film Wackersdorf vor über eine reale Kontroverse um eine geplante nukleare Wiederaufarbeitungsanlage in den 80er Jahren. Viel Spaß!
Shownotes:

  • 00:01:08 – Utøya 22. Juli von Erik Poppe
  • 00:33:52 – Glücklich wie Lazzaro von Alice Rohrwacher
  • 00:51:49 – Liliom (1934) von Fritz Lang
  • 01:00:27 – Wackersdorf von Oliver Haffner
  • 01:11:58 – Verabschiedung


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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
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Copyright Titelbild: Piffl Medien

Drei Übergänge in History Is Made at Night von Frank Borzage (USA 1937)

History Is Made At Night
History Is Made at Night

Das Tor zu den Vereinigten Staaten von Amerika ragt hinter dem  Rumänen Georges in Hold Back the Dawn (1941) auf. Er sucht nach einer willigen Amerikanerin auf trunkenem Feiertagsausflug in Mexiko, um sich in die Staaten einzuheiraten. Im Film des ehemaligen Art Directors von De Mille, Regisseur Mitchell Leisen, hat dieses Tor etwas von der verheißungsvollen Schwelle eines Filmstudios, Warner Bros. in Burbank oder M.G.M. in Culver City. Weiße Lettern auf schwarzem Grund, im Bogen lautet das Versprechen: U-N-I-T-E-D-S-T-A-T-E-S. Die Bühne, um sich selbst neu zu erfinden, oder wenigstens den Pass. In der Rahmenhandlung von Ketti Frings, adaptiert von Billy Wilder und Charles Brackett, schleicht sich Georges tatsächlich in ein Filmstudio, um einem Regisseur (gespielt von Leisen) seine wahre Geschichte zu verhökern, die wir danach in einem langen Flashback sehen werden.
Gesegnet mit einem dieser redundanten Wilder-Off-Kommentare, ohne die viele Filme leben könnten, genießt Hold Back the Dawn den Ruf, der Film zu sein, nachdem Wilder genug hatte, der also, nach dem er entschied, seine Drehbücher selbst zu verfilmen. Weil Leisen sich bei der Diskussion über Sinn und Unsinn einer Szene auf die Seite des Stars Charles Boyer geschlagen hatte (er war #TeamUnsinn). Aus dem deutschen Ex-Boxer Kurt Frings, auf dessen wahrer Geschichte die „wahre Geschichte“ basiert, war im Verlauf der Adaption ein rumänischer Gigolo geworden, der mit einem französischen Akzent spricht, ein Hollywood-Migrant. Charles Boyer spielt diesen Rumänen, der in der blutjungen Lehrerin Olivia de Havilland seine Einreisegenehmigung in die U-N-I-T-E-D-S-T-A-T-E-S erkennt und zur Tat schreitet. Eine Rasur, ein sauberer Anzug, der melancholische Hundeblick, eine frühmorgendliche Überrumpelung, in der er ihr erst beim Schlaf zuschaut, um ihr nach Erwachen als romantischer Rattenfänger den Weg zum Standesamt zu säuseln – Georges legt für seine Einreiseerlaubnis seinen besten Charles Boyer auf, wie er in History Is Made at Night, Algiers und Love Affair zum Matinée Idol aufstieg. Bis zur schurkischen Metamorphose dieses Typs des Continental Lovers in Gaslight (1944) sollte es noch dauern.
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