Wollmilchcast #57 – Widows und Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen

Phantastische Tierwesen 2

Was hat Johnny Depps Grindelwald mit den Neonazis aus Dogs of Berlin zu tun? Hat sich 12 Years A Slave-Regisseur mit seinem neuen Film Widows seiner Exploitation-Ader hingegen oder einfach einen „platten Film“ gedreht? Wann übernimmt der die Regie bei Fast & Furious 9? Das und mehr besprechen wir im Wollmilchcast über Widows und Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen. Außerdem stelle ich Helmut Käutners zweiten amerikanischen Film A Stranger in My Arms vor und Matthias widmet sich mit Woyzeck seiner Werner Herzog-Liebe. Viel Spaß!

Shownotes:

  • 00:00:58 – Widows von Steve McQueen (SPOILER)
  • 00:33:36 – Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen von David Yates (SPOILER)
  • 01:02:43 – A Stranger in My Arms (1959) von Helmut Käutner
  • 01:11:46 – Woyzeck (1979) von Werner Herzog
  • 01:24:50 – Verabschiedung


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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)

Copyright Titelbild: Warner Bros.

Wollmilchcast #20.2 – Harry Potter und der Halbblutprinz

(c) Warner Bros.
(c) Warner Bros.

Da wir den 20. Wollmilchcast ganz zum Thema passend auf mehrere Teile aufgespalten haben, gibt es heute Teil 20.2. Matthias und ich sprechen in drei Episoden über alle acht Harry Potter-Filme, die zwischen 2001 und 2011 ins Kino gekommen sind. Nachdem sich Wollmilchcast 20.1 den ersten fünf Filmen gewidmet hat, geht es in Teil 20.2 mit Harry Potter und der Halbblutprinz weiter. Morgen folgt dann 20.3 und der Doppelschlag Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 + 2.
 
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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2

Das war es also. Zehn Jahre voller Magie haben ein Ende. Hat man die Bücher von J.K. Rowling ins Herz geschlossen, hing beim Schauen der Filme immer die Hassliebe in der Luft. Auf der einen Seite die Kürzungen, Verfälschungen, auf der anderen die britische Schauspielgarde, die Welt der Zauberer, deren Grundstein – das muss zugegeben werden – Chris Columbus in seinen beiden Filmen gelegt hat. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 läuft in den Kinos und es gibt kein zurück. In den sicheren Händen von David Yates seit „Harry Potter und der Orden des Phönix“ hat die Reihe das Auf und Ab der Regiewechsel hinter sich gelassen und kommt nun zu einem unausweichlichen Schluss. Den vielschichtigen künstlerischen Ehrgeiz eines Alfonso Cuarón kann auch ein fähiger Regisseur wie Yates nicht bieten. Das Franchise hat dafür den sicheren Weg gewählt, so dass ein Totalausfall wie Newells „Harry Potter und der Feuerkelch“ sich nicht wiederholen konnte. Selbst nach dem stellenweise enttäuschenden „Halbblutprinz“ war im Mindesten ein ordentliches Finale zu erwarten gewesen. Genau das hat David Yates, aber ebenso Steve Kloves und das gesamte Team hinter den Harry Potter-Filmen abgeliefert. Mochte „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ die atmosphärischere Hälfte sein, trägt der zweite Teil, der eigentlich der achte Teil, aber auch der siebte Teil ist, trägt also diese filmische Hälfte die Verantwortung, alles zu einem logischen und emotional fruchtbaren Ende zu führen, mit größter Fassung. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2, fortan der Einfachheit halber „Harry Potter 7.2“ genannt, ist ein guter Film geworden, ein würdiger Abschluss einer Reihe, die quality cinema für das moderne Hollywood-Kino neu, weil jugendlich definiert hat.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod treibt diesen achten Ausflug des jungen Zauberers auf die Leinwand an. Natürlich ist die Kraft der Freundschaft das moralische Licht am Ende des Filmtunnels, aber schlussendlich muss Harry allein in den Wald gehen, wie auch sein glitschiges Spiegelbild Voldemort in diesem Teil mehr noch als in allen anderen allein da steht. Daran ändert die Horde von Todessern nichts, ebenso wenig wie der Versuch, sich in Form von Horcruxen zu vervielfältigen. Überhaupt ist Harry Potter 7.2 gerechterweise genauso Voldemorts Film, was Ralph Fiennes für seine bisher nuancierteste, weil menschlichste Darstellung des Bösewichts nutzt. Schließlich bildet dieser nur die andere Seite ein und derselben Münze. Da ist der eine, der den Tod als Variable in der Lebensrechnung zu akzeptieren lernt und der andere, der dies nicht tut. Deswegen beginnt „Harry Potter 7.2“, wie der Vorgänger aufhörte: mit Gräbern. Voldemort, der eines öffnet und Harry, der Abschied von einem Freund nimmt.

Die Zweiteilung des siebten Harry Potter-Bandes stellt sich im Nachhinein gar als positive Entscheidung heraus. Der achte Film lebt vom fliegenden Wechsel zwischen Action- und Charakterszenen. Hier bleibt die Zeit für einen gequälten Drachen, der sich auf den Trümmern einer Bank im Londoner Himmel umsieht, und dem verzweifelten Röcheln eines Sterbenden hinter einer Glasscheibe. David Yates Händchen für Parallelmontagen, welches schon den trägen „Orden des Phönix“ mit Schwung versorgte, kommt voll zum Einsatz. Gerade in einem alles erklärenden Flashback gelingt dem Film trotz oder gerade wegen der Änderungen eine eigene audiovisuelle Dynamik, wie man sie in der allzu buchtreuen Reihe seit dem fünften Film nicht mehr gesehen hat. Harry Potter 7.2 ist nicht die episodische Aneinanderreihung gekappter Erzählstränge aus einem anderen Medium. Obwohl komplette Handlungsstränge (Grindelwald & Dumbledore?) beim Abschluss der Reihe weggelassen wurden, fällt dies kaum auf. Immerhin bestand das siebte Buch von J.K. Rowling zu Großteilen aus Flashbacks und Büchern im Buch. Weniger filmisch ging es kaum.

Was „Harry Potter 7.2“ zuweilen darnieder drückt, sind trotzdem aus der Vorlage übernommene Schwächen. Figuren, die Off-Screen sterben und dann beweint werden, gehören dazu, genau wie ein aufgesetzt wirkender Epilog, der die Reihe Make-up-technisch an seine unfreiwillig komischen Grenzen bringt. Die große Konfrontation kann wiederum nicht mithalten mit jenem machtvollen Duell der Elemente zwischen Voldemort und Dumbledore in „Harry Potter und der Orden des Phönix“. Am Ende kämpfen eben keine zwei Goliaths gegeneinander. Dennoch bleibt vergleichsweise wenig auszusetzen an Harry Potter 7.2. Doch wenn die Filme ihre eigene Vorlage erfolgreich überwunden haben, war dies meist in jenen eng mit der Muggle-Realität verknüpften Momenten zu beobachten.  Man denke nur an die fliegenden Zauberer über London, der aus dem Nichts erscheinende Dumbledore auf einem U-Bahnsteig und Hermine, die durch die menschenleere Vorstadt ihres früheren Heims läuft, nach dem sie sich aus den Erinnerungen ihrer Eltern gelöscht hat. Rarer gesät sind sie im letzten Film der Reihe. Das ist allerdings kein Wunder, machen sie doch den Vorgänger mit seinem Campingtrip ganz wesentlich aus.

Eine der Leistungen des letzten Harry Potter-Films bleiben die ruhigen Minuten, welche er seinen Figuren, selbst denen der Nebendarsteller zugesteht. Mit einem Personal wie Maggie Smith, Michael Gambon, Ciarán Hinds und Warwick Davis wäre alles andere eine Verschwendung. Selbst wenn die Schlacht um Hogwarts mit fortlaufender Spielzeit als Klassentreffen nach zehn Jahren Zerstreuung  gelesen werden kann (eine wortlose Einstellung für Miriam „Professor Sprout“ Margolyes?), gibt sich Harry Potter 7.2 nur selten als pathetisches Massenspektakel in der Tradition von „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“. Grundsätzlich erzählt die Harry Potter-Reihe weniger vom epischen Kampf zwischen Gut und Böse, als vielmehr von ein paar Leuten, die Entscheidungen treffen und mit deren Folgen leben müssen. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 befriedigt deswegen nach all den Jahren voller übersteigerter Erwartungen als Film. Der weist ein paar allein gelassenen Jungs, die zu Doppelagenten, Auserwählten und Tyrannen heranwachsen, mehr Bedeutung zu als der Tatsache, dass ein ungemein erfolgreiches Franchise endet.


Zum Weiterlesen:
Kritiken zum Film bei Film-Zeit.de.

V.O.R.F.R.E.U.D.E.

Irgendwie ist der ganze Harry Potter-Hype ja eingeschlafen seit der Veröffentlichung des letzten Buches vor drei Jahren, zumindest wenn ich von mir ausgehe. Schuld daran ist v.a. der enttäuschende letzte Film „Harry Potter und der Halbblutprinz“. An entscheidenden Stellen wurde da auf wundersame Weise alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Der aktuelle Trailer zum letzten Film der Reihe (bzw. dem ersten Teil des letzten Films) hinterlässt trotzdem einen mehr als positiven Eindruck. Wie immer ist alles wahnsinnig düster und ernst. Andererseits ist J.K. Rowlings Vorlage nicht gerade ein Meisterwerk der Literatur. Da gibt es durchaus Möglichkeiten zur Qualitätssteigerung. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 startet am 17. November diesen Jahres in den deutschen Kinos. Nach diesem Trailer gibt’s als Kommentar dazu ein großes „ENDLICH!“.

Warnung! Cash Cow im Anmarsch!

Drama! Chöre! Zeitlupen! Nicht zu übersehen ist, dass ein „Epos“ mit einem Paukenschlag zum Ende kommt.  Das will uns zumindest die Marketingabteilung von Warner glauben machen. Ebenso wenig zu übersehen bzw. zu überlesen waren die diversen Mängel in J.K. Rowlings siebten und damit letzten Potter-Band „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, gerade was die Pathos-Ecke betrifft. Ob Regisseur David Yates und Drehbuchalbtraumautor Steve Kloves nun dazu in der Lage sind, Plot und Spannung des Buches sinnvoll auf zwei Spielfilme zu verteilen, wird sich am 17. November 2010 und am 15. Juli 2011 zeigen. Dann laufen Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil I und II in den deutschen Kinos an. Bisher haben die Filme der Reihe allerdings von Kürzungen profitiert. Nach dem enttäuschenden „Halbblutprinz“ bleibt die Vorfreude gedämpft.

Den aktuellen Trailer gibt’s auch bei MovieMaze.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=twMcs7EkV-0[/youtube]