Wollmilchcast #72 – Die wandernde Erde von Frant Gwo

Wu Jing in Die Wandernde Erde

Umgerechnet 700 Millionen Dollar hat Die wandernde Erde eingespielt, der erste chinesische Sci-Fi-Weltraum-Film im Blockbuster-Format. In Deutschland ist er bei Netflix erschienen. Im Wollmilchcast sprechen wir über das Effektespektakel, Erinnerungen an Roland Emmerich, die treibende Story à la Mad Max Fury Road und die Zukunft des chinesischen Blockbuster-Geschäfts. Außerdem stellen wir das Wrestling-Biopic Fighting with My Family vor und schwärmen über Vincente Minnellis Verdammt sind sie alle mit Frank Sinatra und Dean Martin. Viel Spaß!

Shownotes:

  • 00:01:25 – Die wandernde Erde von Frant Gwo (Spoiler!)
  • 00:52:16 – Fighting with My Family von Stephen Merchant
  • 01:01:52 – Verdammt sind sie alle (Some Came Running) von Vincente Minnelli (1958)
  • 01:14:43 – Verabschiedung

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Wollmilchcast #45 – Skyscraper – Zama

The Rock springt von einem Kran ins aufgebrochene Fenster eines Hochhauses

Skyscraper oder Geilscraper ist hier die Frage beim mittlerweile fünften Dwayne Johnson-Film seit April 2017. Alle Zutaten für einen überdrehten Sommer-Actioner bringt The Rocks Kino-Ausflug nach Hongkong mit, doch ob er auch den dafür nötigen Wahnsinn zulässt? Im neuen Wollmilchcast mit Matthias von Das Filmfeuilleton und mir gehen wir dieser Frage. Außerdem sprechen wir über die koloniale Zersetzungsstudie Zama von Lucretia Martel und deren erstaunlichen Humor, einer von zwei US-Filmen von Helmut Käutner kommt zur Sprache sowie Die andere Heimat von Edgar Reitz. Viel Spaß!
Shownotes:

  • 00:00:53 – Skyscraper von Rawson Marshall Thurber (!Spoiler!)
  • 00:31:00 – Zama von Lucretia Martel
  • 00:49:30 – Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht von Edgar Reitz (2013)
  • 01:00:53 – The Restless Years von Helmut Käutner (1958)
  • 01:12:40 – Verabschiedung

Hört euch die Wollmilchcast-Folge an:


Der Wollmilchcast bei Twitter: @Beeeblebrox + @gafferlein.
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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)
Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)
Copyright Titelbild: Universal

Kontrapunkt: Flop Five 2013

Das Filmjahr ist vorbei – Zeit, einmal Bilanz zu ziehen. Nicht die Meisterwerke sollen aus meinen gesehenen 89 Filmen mit Kinostart 2013 herausdestilliert werden, sondern die schlechtesten Filme des Jahres. Also seid bei folgender Auflistung gewarnt.

Rush - Alles für den Sieg Ron Howard Daniel BrühlPlatz 5: Rush – Alles für den Sieg (USA/D/GB 2013)
Die Formel 1 hat zahlreiche spannende Geschichten zu erzählen, besonders, wenn es auf der Strecke nicht um die Dauerweltmeister Michael Schumacher und Sebastian Vettel geht. Die Rivalität zwischen James Hunt und Niki Lauda in den 70er Jahren wäre so eine, doch Pathoskeulenschwinger Ron Howard inszenierte sie als stumpfes Buddy Movie-Melodram trotz eines überraschend starken Daniel Brühl mit unsympathischen Charakteren, das kalt lässt. Mit hoher Farbsättigung und minimaler Übersichtlichkeit nahm Kameramann Anthony Dod Mantle (Oscar für „Slumdog Millionär“) den Rennszenen die letzte Spannung und dem „Drama“ durch Reißbrettpsychologisierungen seine Intensität. Ein Kratzen an der geschniegelten Lackoberfläche – mehr ist die überschätzte Gurke „Rush“ nicht.

Wir sind die Millers Jennifer AnistonPlatz 4: Wir sind die Millers (USA 2013)
Rawson Marshall Thurber lieferte 2004 mit „Dodgeball“ ein großartiges Kino-Regiedebüt, das gekonnt den Fitnesswahn auf die Schippe nahm. Der Humor ging – wie es der deutsche Titel versprach – voll auf die Nüsse und versprühte das lockerleichte Anarcho-Feeling der frühen Farrelly-Brüder. Davon ist nach fünf Jahren Regiepause in dieser spießigen 08/15-Klamotte mit absehbaren Wendungen nichts mehr zu spüren, in dem eine wild zusammengewürfelte Patchwork-Familie auf Zeit Drogen über die Grenze schmuggeln soll. Die Figuren sind Klischees, Jennifer Aniston zieht trotz ihrer Rolle als Stripperin aus Rating-Gründen nie blank und die Gags strotzen vor der infantilen Peinlichkeit eines verklemmten Teenagers, der am Strand beim Blick auf vollbusige Frauen unter Beifallklatschen seinen ersten Ständer bekommt. Eine Komödie aus der Retorte ohne Mut, Hintersinn oder Niveau.

Tore tanzt ZDF kleines FernsehspielPlatz 3: Tore tanzt (D 2013)
Jesus hatte es schon nicht leicht während seines Martyriums – der Zuschauer bei „Tore tanzt“ auch nicht. Die titelgebende Hauptfigur (Julius Feldmaier) ist ein friedliebender Jesus-Freak, der seine Nemesis in dem die Stieftochter missbrauchenden Familienvater Benno (Sascha Alexander Gersak) findet. Dieser Despot lässt ihn unter zunehmender Unterstützung seiner Frau vergammeltes Fleisch essen, schickt ihn auf den Schwulenstrich und sorgt schließlich für seinen Tod. Doch selbst als der Punk die Möglichkeit hat, zu gehen, steht er der Stieftochter bei. Moralische Botschaft? Fehlanzeige. Nachvollziehbare Handlungsmotivation? Nicht vorhanden. Persönliches Ärgern beim Anschauen? Maximum. Eine stumpfe, unnötig drastische und sinnfreie Nachhilfe in Sachen Gottvertrauen, die ungefähr so viel Spaß und Unterhaltung bereitet wie die eigene Kreuzigung.

Ohne Gnade - Birgit Stein Helge SchneiderPlatz 2: Ohne Gnade! (D 2013)
Boing, quietsch, bumm: „Mickey-Mousing“ ist eine Filmmusiktechnik, bei der gezeigte Geschehen auf den Punkt mit Geräuschen unterlegt werden. Auch „Ohne Gnade“, ein selten dümmliche Ausgeburt teutonischen Klamauks, bedient sich dieses Stilmittels – und sämtlicher Plattitüden, die man sich in Dialogen, Figurenzeichnung und Handlungsentwicklung vorstellen kann. Da soll sich Biene (Sylta Fee Wegmann) nicht „in den Schlüpfer puschen“, wenn ihre jüngere Schwester Püppi (Sina Tkotsch) versucht, Ronzo, den Stecher ihrer Mutter Hilde (Catrin Striebeck), eine Affäre mit einer Minderjährigen anzuhängen. Der Beginn eines lukrativen Geschäftsmodells. Mein lieber Scholli, wie eindimensional in diesem pseudo-emanzipierten Szenario die Männer als notgeile Pädophile gezeichnet werden, die – anstatt mal ordentlich das Ding reinzustecken – mit dümmlichem Hampeln lieber alberne Balztänze aufführen. Fremdschämalarm im lautesten und beklopptesten deutschen Film des Jahres – trotz Helge Schneider in einer Nebenrolle.

G.I. Joe - Die Abrechnung Bruce Willis Dwayne Johnson Channing TatumPlatz 1: G.I. Joe – Die Abrechnung (USA 2013)
Modernes Actionkino, besonders wenn es besonders viel gekostet hat, bedeutet auch massig CGI-Effekte und Epilepsie hinter der Kamera. Bei Pseudo-3D mit digitaler Hochrechnung verursacht das abartig schnell Augenkrebs und Verärgerung. Ungleich des ebenfalls nervigen „The Rock“-Vehikels „Fast & Furios 6“ gesellen sich in „G.I. Joe – Die Abrechnung“ auch noch ein sinnfreier Nebenplot mit Ninjas hinzu und eine Figur, die seit dem ersten Teil tot ist. Mit den Actionfiguren der Spielzeugreihe infantile Feuergefechte aufzuführen wäre dramaturgisch komplexer als dieses Sammelsurium betont extrovertierter Kampfanzüge mit Schauspielergesichtern. Wahrlich ein „lärmender Kindergarten ohne Erziehungsberechtigte“ von dem nur Channing Tatum gecheckt hat, dass es eigentlich große promilitaristische Scheiße ist, in der er gerade mitspielt, und mal schnell weg musste.

Im Verfolgerfeld:
Die seeeehr spezielle 60er Jahre-Krimihommage 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse, die blutige Grimm-Verhunzung Hänsel & Gretel: Hexenjäger, die faule Zaubershow Now You See Me – Die Unfassbaren, Ridley Scotts gelangweilt inszenierter Thrillertorso The Counselor, die nichtssagende Komödie Hasta la Vista, Sister sowie der feuchte Heimchentraum Austenland.

Nicht gesehen, aber mit Potenzial:
Das pathetische Betroffenheitskino The Impossible, das grenzdebile Parodie-Duo Ghost Movie und Scary Movie 5, den Scientology-Werbespot After Earth sowie den Meyer-Fantasieschinken Seelen.