Auto-Remakes: Funny Games

Als wir gestern im Seminar über verschiedene Remakekategorien diskutiert haben, fühlte ich mich sogleich genötigt, hier auf den aktuellen Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke (Caché, Die Klavierspielerin) hinzuweisen: Funny Games (2007).

10 Jahre nach Funny Games (1997), einer der besten europäischen Filme der 90er Jahre, hat Haneke ein Remake seines eigenen Films gedreht. Statt Ulrich Mühe und Susanne Lothar spielen nun Tim Roth und Naomie Watts das Ehepaar, welches samt Sohn von zwei geistig derangierten jungen Herren in ihrem Ferienhaus als Geisel genommen wird. Letztere, die im Original von Arno Frisch und Frank Giering gespielt wurden, mimen nun Michael Pitt (Mord nach Plan, Last Days) und Brady Corbet.

Michel Serceau hat den Begriff „Auto-Remake“ als originalgetreue Neuverfilmung durch denselben Regisseur geprägt und seine Bedeutung als Mittel des Regisseurs, sich seiner Kunst bewusst zu werden, herausgestellt. „Gelungen“ ist ein Remake für Serceau, wenn nicht eins zu eins umgesetzt wird, was im Original schon zu sehen war. Die Anpassung an den/einen sozio-historischen Kontext soll das Ziel sein, so dass der Mythos oder die Figuren quasi wiedergeboren werden.

Haneke hat wohl Funny Games eins zu eins nachgedreht, das deutet zumindest diese Review an. Die einzigen Änderungen scheinen die Schauspieler und den Kontext (USA statt Österreich) zu betreffen.

Interessant wird auf jeden Fall die Diskussion darum sein, wie das Spiel mit unserer Medienrezeption, welches der Film wie schon das Original betreiben wird, im amerikanischen Kontext funktioniert.

Die beiden Trailer verdeutlichen noch einmal die Herangehensweise für Hanekes Auto-Remake:

Funny Games (1997):

Funny Games (2007):

Ein deutscher Starttermin für Funny Games steht noch nicht fest.

10 Antworten auf „Auto-Remakes: Funny Games“

  1. Leider habe ich natürlich nicht das Hintergrundwissen um stichhaltig argumentiren zu können und auch habe ich beide Filme nie gesehen. Aber einfach von den Trailern her würde ich mir lieber das Original anschauen schon weil der Trailer hier wesentlich unheimlicher ist, er verrät nämlich kaum etwas über die Handlung und lässt es offen warum diese zuerst so fröhliche Frau plötzlich verheult und zerschunden aussieht.

    Der zweite verrät mir persönlich schon wieder zu viel aber für die breite Masse gesehen scheint er ansprechender und würde wohl mehr Menschen dazu verleiten ins Kino zu gehen.

    Beim Original gefallen mir vom ersten Eindruck her auch die Schauspieler besser!
    (Soviel von einem absoluten Laien)

  2. Ja sie Schauspieler im Original (v.a. Ulrich Mühe) gefallen mir auch besser. Nur die Frau hat genervt. Vielleicht macht’s Naomie Watts besser. Und Michael Pitt als Psychopath ist sicher interessant.

  3. Ist das ähnlich gewaltätig wie Dogville?
    Also ich muss sagen, dort sieht man kein Blut aber es ist diese sinnlose Gewalt an einer Unschuldigen die mich sehr bestürtzt hat!
    Hast du den Film mit Nicole Kidman gesehen?

  4. Hab Dogville gesehen und der Vergleich passt, nur würde ich sagen, dass Funny Games gewalttätiger ist und gleichzeitig ähnlich an die Nerven geht.
    Funny Games nimmt sich selbst (durch diverse filmische Mittel) nicht so ernst. Der Pessimismus, der sich bei Dogville auf die ganze Menschheit bezog (kam jedenfalls mir so vor), diesen Pessimismus findest du bei Funny Games nicht.
    Es ist eher ein erbarmungsloser Kommentar zu unserer Mediengesellschaft. FG hat mir insgesamt besser gefallen, als der Film von Lars von Trier.

  5. Ich habe neben dem Film von Lars von Trier leider keine andere Version von Dogville gesehen!
    Was mir gefallen hat war die Geschichte die erzählt wird. Vom eigentlichen Egoismus der Menschen, sich selbst möglichst immer einen Vorteil zu verschaffen und das ohne Rücksicht auf Andere. Nichts anderes bewegt die Dorfbewohner schließlich dazu ein dahergelaufenes Mädchen auszubeuten. Und das ihre Degradierung zur Sklavin so schleichend abläuft, fand ich sehr erschreckend, vor allem wie sie alle Bewohner unabhängig voneinander beginnen auszubeuten.

    Am Erschreckendsten war natürlich am Ende ihre Rache, wenn auch irgendwie nachvollziehbar.Andererseits bleibt natürlich auch die Frage, was geschehen wäre, wenn sie sich gleich nach der Vergewaltigung gewehrt hätte!

  6. Den Ansatz von Dogville fand ich sehr interessant und sehenswert. Aber dieser pessimistische Blick auf die Welt und deren Charaktere hat mich gegen Ende etwas genervt.

  7. Bisher habe ich gelesen, dass Haneke seinen Orginalfilm Einstellung für Einstellung nachgedreht hat. Im Trailer von FG US sieht man aber Naomi Watts, wie sie weinend um eine weitere Nacht fleht. Inhaltlich wäre das schon eine ziemliche Änderung. Schliesslich ist das eine Schlüsselszene, die so im Orginal nicht abläuft. Hab ich was falsch verstanden oder seht ihr das auch so?

  8. Bin mir da nicht so sicher. Im IMDB Trivia steht aber auch, dass er eins zu eins nachgedreht wurde. Ich werd mal sehen, ob in irgendeiner Kritik dazu näheres steht und es dann hier posten.

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