Confession of Pain (HK 2006)

Traumatische Erinnerungen schweben über ihnen wie dunkle Regenwolken in einfallslosen Trickfilmen. Die Vergangenheit ist in  Confession of Pain nicht der Ort, an den man hin und wieder freiwillig oder nicht zurückkehrt. Sie ist der Schatten, der die beiden ungleichen Freunde nicht nur bei jedem Schritt verfolgt, sondern längst in die Gegenwart eingedrungen ist und sich festgekrallt hat. Flashbacks, das zentrale stilistische Element des Films, werden nur selten durch befreiende Schnitte aus dem Jetzt verbannt. Eine klare Linie kann nicht gezogen werden, denn es ist unmöglich. Schuldgefühle verbergen sich in jeder Ecke, im Grunde muss nur der Schleier bei Seite gezogen werden und schon sind sie zu sehen, die Traumata, welche in dem Räumen verweilen, blind gegenüber den Jahren, die vergangen sind.

Und so sitzt der Ex-Polizist und Nun-Detektiv Bong (Takeshi Kaneshiro) jeden Abend in der Kneipe, in der seine Freundin vor Jahren ihre letzten Stunden verbracht hat, bevor sie nach Hause gegangen ist, um sich das Leben zu nehmen. Da sitzt er und trinkt und sieht sie immer wieder warten, als würde er darauf hoffen, dass sie zu ihm kommt, sie gemeinsam den Heimweg antreten und alles ist wie vorher. Sein Ex-Kollege und Freund Hei (Tony Leung Chiu-Wai), der soeben seinen Schwiegervater brutal ermordet hat, reproduziert seine Erinnerungen in jeder einzelnen seiner Taten. Beide stehen in „Confession of Pain“ am Scheideweg; die einfache Frage: Loslassen oder nicht?

Eines kann man dem Blockbuster-Team um Andrew Lau, Alan Mak und Felix Chong ganz sicher nicht vorwerfen: Dass sie sich wiederholen. Zwar ziert ihre an Hollywood orientierte Hochglanzoptik in Variationen alle ihre Kollaborationen („Infernal Affairs I-III“, „Initial D“ und „Confession of Pain“). Die Produktionsprämissen ähneln sich von Film zu Film – man nehme alle Stars, die man in einem Frame unterbringen kann und füge sie in eine High Concept-Story ein – greifen sie jedoch auf klassische Erzählmotive des Hongkong-Kinos zurück, ringen die drei den angestaubten Konstruktionen selbst dann noch ungewohnte Aspekte ab, wenn sie am bereits dritten Aufguss einer Geschichte werkeln.

Infernal Affairs basiert beispielsweise auf Schemata, die das HK-Kino seit den Achtziger und Neunziger Jahren bis zum Erbrechen durchexerziert hat. Reagierend auf den Anachronismus, den die sentimentalen, oftmals dualistisch aufgebauten Gangstergeschichten im neuen Jahrtausend darstellen, behandelt der Film seine beiden Hauptfiguren wie Antagonisten, die ihren Konflikt anders als Danny Lee und Chow Yun-Fat in „The Killer“ niemals auflösen können. Erzählt wird das ganze mit der drehbuchtechnischen Professionalität eines Hollywood-Films. In der Fortsetzung wird die Vorgeschichte dann als episches Gangsterdrama im Geiste von „Der Pate II“ präsentiert und in „Infernal Affairs III“ die Handlungsstränge im Rahmen eines komplexen Psychothrillers zu ihrem Ende gebracht.

Nach all dem Tod und Verderben nahmen sich die Herren einer Manga-Verfilmung an, der durchaus sehenswerten Antwort auf „The Fast & The Furious“ namens Initial D. Ein ziemlich simpler Autostreifen für die Jugend sozusagen als Zwischenstopp vor der Rückkehr ins düstere Fach. Die heißt nun Confession of Pain und ist wohl ihre letzte Zusammenarbeit. Ein fast schon klassischer Krimi – der Detektiv wird auf den Mörder, seinen Freund, natürlich angesetzt – der seinen Suspense nicht aus der Whodunnit-Frage zieht, sondern aus dem Warum. Warum hat der überaus korrekte Polizist mit dem Bilderbuchleben den Vater seiner Frau ermordet? Ein Katz- und Mausspiel ist „Confession of Pain“ deshalb, der Mörder Hei hilft seinem Freund nämlich auch noch bei den Ermittlungen. Wieder das dualistische Prinzip mit zwei Therapie-bedürftigen Figuren, die am Ende nicht gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten können. Diesmal weil ihre Methoden der ‚Traumabewältigung‘ diametral entgegengesetzt sind.

Schlussendlich verlaufen sich Lau, Mak und Chong ein wenig im Labyrinth der Erinnerungen, haben sie sich doch  noch mehr ‚Erzählung‘  aufgebürdet als in den vorherigen Werken. Das läuft alles nachvollziehbarer und spannender als in Infernal Affairs III, in dem die Idee der herumspukenden Geister der Erinnerung ad absurdum geführt wurde. Gleichwohl finden sich die Macher in den letzten Minuten in überflüssigen melodramatischen Gefilden wieder, welche den visuell ungewöhnlichen Film mit sich in die Untiefen der Konvention ziehen.

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