Kontrapunkt: Klassiker

Die vergangene Woche sollte bei mir von den Klassikern des amerikanischen Effekte-Kinos geprägt sein. Deswegen hier nun wie üblich ein paar kurze Besprechungen, die gut 50 Jahre mehr oder weniger signifikante tricktechnische Meilensteine umspannen. Dabei möchte ich chronologisch vorgehen:

King Kong und die weiße Frau (USA 1933)

Wer kennt es nicht, das große Finale auf dem Empire State Building, als Propellerflugzeuge den emporgestiegenen Riesenaffen Kong, der Fay Wray in seiner Hand hält, buchstäblich zu Fall bringen wollen? Diese Szenen sind ebenso legendär und historisch wie die mittlerweile antiquierte Stop-Motion-Tricktechnik von Guru Willis H. O’Brien, der u. a. Ray Harryhausen (Tricktechniker von u. a. „Jason und die Argonauten“) sein Handwerk beibrachte.

Der Film weiß noch bis heute mit seinen gigantischen Sets (Stichwort: das große Tor) zu überzeugen, jedoch nehmen ihn einige zu statische Passagen, die in der Theaterinszenierung verwurzelt zu sein scheinen, etwas von seiner Dynamik. Der hierzulande zu Unrecht kaum bekannte Klassiker des Menschenjagd-Films Graf Zaroff – Genie des Bösen wurde von Regisseur Ernest B. Schoedsack und Darstellerin Fay Wray parallel in teilweise denselben Dschungel-Sets gedreht. Ein großer Klassiker, der bisher zweimal neuverfilmt wurde, aber keineswegs ohne Schwächen.

Die Vögel (USA 1963)

Einer der populärsten Filme Hitchcocks, aber keinesfalls sein bester. Zwar vermag der Film in Sachen Suspense durchaus zu überzeugen, jedoch überwiegen am Ende jene psychoanalytischen Konzepte in den oftmals allzu langweilig geratenen Dialogen, die Die Vögel in seiner ersten Hälfte nur schwer genießbar machen.

Tippi Hedren und Rod Taylor eröffnen den Film im Stile einer belanglosen screwball comedy, um dann über ein Psychodrama bis hin zum Horrorthriller zu sich zu finden. Auch die nach wie vor beeindruckenden Toneffekte mit sehr präsentem Vogelkrächzen und das apokalyptische Ende können den Eindruck nicht verstellen, dass dieser Genre-Mix zu unausgegoren geraten ist. Das von Alfred Hitchcock zuhauf angewendete Rückprojektionsverfahren (Darsteller agieren im Studio vor einer Leinwand) zaubert heute gar eher ein Lächeln aufs Gesicht des Cineasten. Weiteres von mir – insbesondere im Hinblick auf die Psychologie der Figuren – hier.

Unheimliche Begegnung der dritten Art (USA/GB 1977)

Ein Film, der öfter als „Klassiker“ gehandelt wird, aber dank Steven Spielbergs nerviger, übertriebener Heile-Welt-Inszenierung keiner ist. Die ersten zwei Drittel des mit den Entdeckungen eines französischen Wissenschaftlers (Francois Truffaut) alternierenden, zergliedert wirkenden Plots um den freakigen Familienvater Richard Dreyfuss, der ebenso wie andere ein paar Lichter von Alienraumschiffen am Himmel sieht und fortan mit Kartoffelbrei und anderen Dingen seine Vision eines zylinderförmigen Berges baut, wirken zuweilen unfreiwillig komisch. Doch ab dem Zeitpunkt, als er sich in die abgesperrte Bergregion Wyomings begibt, wo Militärs und Wissenschaftler den ersten Kontakt mit einer außerirdischen Spezies haben, nimmt der Film an Fahrt auf und überspielt endlich seine stetige Gehaltlosigkeit.

Natürlich kommen die Aliens in guter Absicht, anders war es bei Spielberg nicht zu erwarten. Doch zeigt er lieber minutiös die Vorgänge bei der ersten Begegnung, als die „E.T.“-Vorgänger eine – auch nur irgendeine – Botschaft verkünden zu lassen. Anspruchsvoll und ansprechend sind hingegen zumindest Vilmos Zsigmonds mit Farben und Perspektiven spielende, oscarprämierte Kameraarbeit und die bis heute überzeugenden Licht-Spezialeffekte.

Ein Königreich vor unserer Zeit (USA 1989)

In dem hier vorliegenden, von Trash-Papst Roger Corman produzierten Spektakel spielt der zu dieser Zeit im B-Movie-Morast versunkene David Carradine („Kung Fu“) den mittlerweile als Gastwirt arbeitenden Kämpfer „der Finstere“, der zusammen mit einem dicken Zauberer, Nachwuchs-Magier Tyor und einer knapp bekleideten Königin mit prallen Titten drei von bösen Zauberern – u. a. dargestellt von Sid Haig (Captain Spaulding aus „Haus der 1000 Leichen“) – unterjochte Königreiche befreien muss.

Die billigen Ritter- und Zaubererkostüme sehen albern aus, dümmliche Komik durchdringt den Film, was Sprüche wie – übrigens aufgesagt vom beidarmigen Schwertkampf mit einarmigen Fechten verwechselndem Carradine – „Dumme Menschen sind tote Menschen. Die Hausordnung kennst du doch!“ auf die Beschuldigung, er habe jemanden in seiner Spelunke getötet, beweisen. Die Action-Choreografie ist lausig, teilweise aus einem Film namens „Barbarian Queen“ geklaut und die Effekte (meine Highlights: Lichtblitze und ein Gummimonster in einem Verließ, das immer durch Nebelschwaden verdeckt ist) sind richtig schlecht. Dennoch aufgrund einiger leicht bekleideter Mädels, dem freiwilligen Hang zur Lächerlichkeit sowie pubertärer Sex-Thematisierung ein kleiner – sehr kleiner – „Klassiker“ des Fantasy-Trashs.

Kontrapunkt: Auf Messers Schneide, Harte Ziele & Vampirfilme

Und mal wieder – nach einer fast 2-wöchigen Pause – Neues in Sachen „Das habe ich zuletzt gesehen“ von mir. Dieses Mal auch wieder ein breiteres Spektrum, das ich mit den ausgewählten Filmen abdecke: Abenteuerfilm, Actionthriller und zwei Horrordramen, wobei letztere am meisten zu überzeugen vermochten und ich jedermann, der auch nur halbwegs dem Grusel-Genre zugeneigt ist, diese Filme uneingeschränkt empfehlen kann. Den Anfang macht jedoch der zweite Hollywood-Film vom neuseeländischen Filmemacher Lee Tamahori:

Auf Messers Schneide – Rivalen am Abgrund (USA 1997)

… oder: Ein Relikt aus jener längst vergangener Zeit, als Alec Baldwin noch Hauptrollen in größeren Kinoproduktionen spielen durfte.
Hier gibt er den Modefotograf Robert Green, der mit dem betagten Milliardär Charles Morse (dargestellt von Anthony Hopkins) und seiner hübschen jungen Frau (schauspielerisch eher dürftig: Ex-Top-Model Elle MacPherson) in die kanadische Wildnis reist, um dort Fotos zu machen und sich vom Großstadtstress zu erholen. Doch der Urlaub gerät zum Horrortrip, als Robert und Charles während eines Ausflugs mit dem Segelflieger irgendwo in der Wildnis abstürzen und sich von der Außenwelt abgeschnitten mit allerlei hilfreichen Survivaltricks (man siehe und lerne!) wieder in die Zivilisation zurückfinden müssen.

Neben der rauen Natur im Spätherbst mit ihren eisigen Temperaturen und einem Bären, der sie zu verfolgen scheint, sind sie selbst dabei ihre härtesten Gegner im Kampf ums Überleben. Das Beeindruckende: Im Psychoduell mit finaler Botschaft agieren Hopkins und Baldwin durchaus auf schauspielerischer Augenhöhe und der überaus spannende Film lebt von der gleichsam pittoresken wie bedrohlichen Winterlandschaft Kanadas mit all ihren Gefahren. Gutes altmodisches Abenteuerkino mit großem Realismus-Anstrich, wenn auch einige wenige Male etwas konstruiert.

Harte Ziele – Hard Target (USA 1993)

John Woos erster Hollywood-Film beeindruckt mit einem mit Stilmitteln vollgestopften, atemberaubenden Showdown, der unverkennbar seine Handschrift trägt und von seinen späteren Hollywood-Produktionen (Gut und Böse durch eine Wand getrennt Rücken an Rücken kennt man ja auch aus „Face/Off“) wieder aufgegriffen wird. Ein durch die Gegend kämpfender Jean-Claude Van Damme, ein paar fliegende Tauben und noch mehr fliegende Kugeln sind die Hauptbestandteile dieses hin und wieder in logischen Untiefen watenden Action-Spektakels, das in seiner ersten Hälfte leider öfter zum Gähnen anregt.

Es geht um einen Millionär (Lance Henriksen), der gegen Bezahlung Menschenjagden auf Obdachlose organisiert, was irgendwie an die Grundidee von „Hostel“ erinnert. Doch dann kommt Van Damme und macht mit gewagten Stunts und einigen Brutalitäten alles platt. Das ist zwar nicht klug, aber zum Teil sehr kurzweilig und gemessen an dem Müll, in dem der Belgier sonst mitwirkte, schon irgendwie ein kleines Karrierehighlight.

So finster die Nacht (S 2008)

Unkonventioneller Vampirfilm, Nummer 1: Eine ebenso subtil wie unaufgeregt erzählte Romanze zwischen einer 12-jährigen Vampirin namens Eli und dem gleichaltrigen Oskar, der in der Schule von seinen Mitschülern drangsaliert wird. Mit So finster die Nacht gelingt dem bisher eher unbekannten schwedischen Regisseur Tomas Alfredson die außergewöhnliche Leistung, dem buchstäblich ausgebluteten Sub-Genre des Horrorfilms neue Aspekte hinzuzufügen, indem ein wenig mythischer, dafür umso realistischerer Rahmen für diese Geschichte gefunden wird.

Oskar muss sich mit ganz realen Problemen in der Schule herumschlagen und Elis Durst nach Blut wird bisweilen von ihrem Helfer gestillt, wenn der in der eisig-kargen Winterlandschaft Schwedens ahnungslose Mitbürger betäubt und – mit dem Kopf nach unten fixiert – ausbluten lässt. Lange Einstellungen und die allgegenwärtige Kälte erzeugen eine beklemmende Grusel-Stimmung, die frösteln lässt, obwohl oder gerade weil harte Schockeffekte bis zum Finale ausgespart werden und sich die Dramaturgie aufs Nötigste beschränkt. Was jedoch aus diesem unprätentiösen Gruselfilm ein großartiges Horrordrama macht, sind die beiden formidablen jungen Hauptakteure, die den Film souverän tragen.

Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis (USA 1987)

Unkonventioneller Vampirfilm und Lance Henriksen, Nummer 2: Bei einem Anmach-Versuch wird Arzt-Sohn Caleb (Adrian Pasdar) von Vampirin Mae (Jenny Wright) gebissen und verwandelt sich in einen Vampir, der sich seiner neuen „Familie“ (einer Gruppe von Vampiren) unter Führung von Jesse Hooker (Lance Henriksen) anschließen und im Wohnwagen marodierend durchs Land ziehen muss stets auf der Suche nach neuen Opfern.

Zwar gibt die Story des zweiten Films von Kathryn Bigelow („Strange Days“) nicht viel her, dafür gelingt es ihr, dem Genre durch die Romantisierung der Nacht (woran die schweifende Musik von „Tangerine Dream“ nicht unbeteiligt ist), einige Western-Motive sowie einem staubig-dreckigen Look, den man wohl als realistischen Anstrich verstehen kann, neue Facetten abzugewinnen. Irgendwie karg, aber actionreich, dramatisch und wirkungsvoll.

Kontrapunkt: Jahresendefilmflash

Auch ich lasse mich gern beschenken, soviel steht fest. Und wenn mir die potenziell sehenswerten Filme im Kino ausgehen oder mir meine schon recht beachtliche DVD-Sammlung zu langweilig wird, kann ich – die Weihnachtsferien machen’s möglich – immer noch auf die schon leicht angestaubten Video-Aufnahmen von Filmen aus meinem ehemaligen Kinderzimmer oder das Festtags-Fernsehprogramm zurückgreifen. Den Anfang macht jedoch das Kino mit…

Kurzer Prozess – Righteous Kill (USA 2008)

Al Pacino und Robert De Niro – Seite an Seite. Darauf musste man als Cineast lange warten. In „Der Pate 2“ (1974) spielten sie nebeneinander, aber nicht miteinander, in „Heat“ (1995) standen sie auf verschiedenen Seiten des Gesetzes und hatten nur wenige gemeinsame Szenen. In Kurzer Prozess – Righteous Kill ist es nun soweit, dass beide als zwielichtige Detectives einen Serienkiller jagen, der an freigesprochenen Straftätern Selbstjustiz übt und neben ihnen ein Gedicht hinterlässt.

Der konventionelle Plot ist den beiden Altstars nicht würdig, die unentschlossene, behäbige Inszenierung zwischen zynischem Thriller und blutigem Charakterdrama noch weniger. Actionsequenzen oder echte Klasse: Fehlanzeige. Das logisch schlüssige Finale (inklusive überraschende Wendung) entschädigt dann zwar für einige Unzulänglichkeiten, kann aber den Film leider auch nicht retten. Eingehender habe ich mich dazu auf MovieMaze geäußert.

Im Fernsehen:

Dornröschen (DDR 1971)

Auch der kompromisslose Liebhaber einer kleinen Auswahl von Chuck Norris-Filmen lässt sich hin und wieder dazu hinreißen, sich eine Märchenverfilmung im Fernsehen anzusehen. Dabei ist Dornröschen jedoch keine konventionelle Adaption der Geschichte der Gebrüder Grimm.

Deutliche sozialistische Untertöne sind zu erkennen, wenn beispielsweise die zur Geburtsfeier der Prinzessin nicht eingeladene 13. Fee aufgrund ihrer unnützen Tugend des Fleißes (zumindest in Augen des Königs) ausgeladen wird und später durch das Einsammeln aller Spindeln die Wohlfahrt des Landes stark abnimmt. Die notwendige Arbeit des Kollektivs und die klassenlose Gesellschaft werden zudem durch das Ende propagiert, als die vom finanziell wenig betuchten, aber idealistischen Prinzen wiedererweckte Prinzessin dem Volk wieder das Weben beibringt und der blass geschminkte Adel inklusive der König verjagt wird. Ganz nette und aufgrund von Musik und Ausstattung mit nostalgischem Charme gesegnete, aber etwas zu bieder erzählte Märchenvariante für Ideologiekritiker.

Auf DVD:

The Fountain (USA 2005)

Die vorherigen zwei Male fand ich ihn brillant, nun irgendwie etwas zu verwirrend erzählt. Der überwältigende Bildersturm, die opulenten Sets und die pulsierende Musik von Clint Mansell passen jedoch zu der auf drei Zeitebenen erzählten Liebesgeschichte wie die Faust aufs Auge und warten mit einigen Momenten auf, die Gänsehaut hervorrufen.

Man merkt, dass „Requiem for a Dream“-Regiseur Darren Aronofsky mit The Fountain eine visionäre Vorstellung hatte. Man merkt aber auch, dass ihm für deren Verwirklichung der Geldhahn etwas zugedreht wurde: Aus 75 Mio. Dollar Budget im Jahre 2002 blieben zum Drehstart 2004 plötzlich nur noch 35 Mio. Dollar übrig. Dies macht sich insbesondere beim Finale bemerkbar, das irgendwie abgehackt und wenig rund wirkt. Ansonsten aber ein überwältigendes Fest für die Sinne!

In meiner Videosammlung:

Quiero Ser – Gestohlene Träume (MEX/D 1999)

2001 nahm der damals 28-Jährige Filmstudent Florian Gallenberger in Los Angeles den Oscar für den Besten Kurzfilm entgegen – und das völlig zu Recht. Quiero Ser – Gestohlene Träume ist ein brillanter Film, der das Thema Kinderarmut in Mexiko unprätentiös und nicht verklärend, dafür aber umso authentischer und mit einer simplen, aber stark vorgetragenen Botschaft aufgreift.

Zwei arme Brüder sparen auf ein eigenes Gewerbe, doch als der ältere von beiden Geld aus der gemeinsamen Kasse nimmt, um ein Mädchen auszuführen, kommt es zum Bruch. Jahre später treffen sie sich wieder: Aus dem Einen ist ein wohlhabender Geschäftsmann geworden, der Andere verdient weiter seinen Lebensunterhalt als Bettler. Der „amerikanische Traum“ in Mexiko, eingefangen in Bildern, die vor Einblicken in soziale Realität und den Alltag Mexikos nur so strotzen. Weiteres hier.

Auch auf Video rausgekramt:

Die Nacht der Vogelscheuche (USA 1981)

… aka „Die Rache des Gelynchten“
… aka „Nacht für Nacht“
… aka „Scarecrow – Ein Toter schlägt zurück“
… ist ein in Sachen subtilen Spannungsaufbau durchaus vorbildlicher amerikanischer TV-Horrorfilm, in dem ein zu Unrecht beschuldigter geistig Degenerierter mit dem passenden Namen Bubba von vier zwielichtigen Gestalten gelyncht wird und sich dann als Vogelscheuche (in deren „Verkleidung“ hat er sich versteckt, während er erschossen wurde) an seinen freigesprochenen Peinigern rächt. Hin und wieder müssen einige Längen ausgehalten und ein paar dialoglastige Passagen nachgesehen werden, doch ansonsten ist Die Nacht der Vogelscheuche (der deutsche Kabel 1-TV-Titel) ein solider und knackiger, wenn auch eher einfach gestrickter Horrorthriller geworden.

Die Musik ist simpel, aber äußerst wirkungsvoll und furchterregend eingesetzt, die Leistungen der eher unbekannten TV-Schauspieler gehen auch in Ordnung. Für Fans des eher unblutigen, aber spannungsgeladenen 80er-Jahre-Horrorfilms durchaus ein Geheimtipp.

Kontrapunkt: Wing Commander, Geboren am 4. Juli, Team America: World Police & Endlos-Erotikreihe II

Dieses Mal wieder ein paar Ausführungen zu den von mir zuletzt gesehenen Filmen. Und ich konnte es mir diese Woche ganze zwei Mal nicht nehmen lassen, auch längere Kritiken zu den von mir gesehenen „Perlen“ (das ist durchaus ironisch zu verstehen) außerhalb meiner Kolumne hier zu schreiben. Also lege ich mal los…

Wing Commander (USA/L 1999)

Meiner Meinung nach wäre als Alternativtitel für diesen durchaus spaßigen Murks „Sinnlos im Weltall“ angebracht, doch die Beteiligten wollten es anders. Freddie Prinze Jr., Matthew Lillard und Saffron Burrows in den Hauptrollen liefern die miesesten Leistungen ihrer Karrieren ab, die Dialoge sind hirnrissig und erschließen sich mit dem kryptischen Technik-Gefasel wohl nur den Fans der Computerspiel-Vorlage und die Effekte sind zwar reichlich vorhanden, aber qualitativ eher durchwachsen.

Ganz gut dagegen die hohe Frequenz der Actionszenen, die diese ganze Dummheit etwas vergessen und „Wing Commander“ zu einem fast schon kurzweiligen Spektakel macht. Weiteres hier.

Geboren am 4. Juli (USA 1989)

Teil zwei von Oliver Stones Vietnamkriegs-Trilogie, die sich mit dem Schicksal eines versehrten Kriegsheimkehrers und der gesellschaftlichen Reaktion auf den/die Veteranen beschäftigt. Basierend auf der Autobiografie von Soldat Ron Kovic hat der Film Tiefe und zeichnet glaubhaft das Porträt eines sich ideologisch verändernden Menschen, hat jedoch so seine Längen und John Williams‘ extrem unpassende, pathetische Filmmusik erstickt durch ihre Penetranz jegliche Subtilität im Keim.

Doch Tom Cruise müht sich redlich und von Seiten Stones wird dieses Mal auch mehr Wert auf intensives Drama denn Action (das bessere, aber in diesem Kontext unangebrachte Gegenteil: „Platoon“) gelegt. Ambitioniert: ja, aber uneingeschränkt gelungen: nein.

Team America: World Police (USA/D 2004)

Trey Parker und Matt Stone bewiesen schon mit „South Park“, dass ihnen nichts und niemand heilig zu sein scheint und unterhielten den Zuschauer mit den krassen Respektlosigkeiten und Tabubrüchen, die sie minderjährige Zeichentrickfiguren begingen ließen. In Team America: World Police agieren nun Marionetten-Puppen, doch der Humor ist keineswegs subtiler: eine amerikanische Eliteeinheit versucht die Pläne des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il um die Zerstörung von vielen Städten weltweit mit Massenvernichtungswaffen zu vereiteln.

Der hat bereits die F.A.G. (engl.: Schwuchtel), die Film Actors Guild unter Führung von Alec Baldwin für sich gewinnen können. Der Film glänzt mit seinem anarchischen Humor, ist brutal (Puppen werden zuhauf getötet) und hat einen (eigentlich zwei) köstlichen Monolog um das Verhältnis von „Pussies“, „Harte“ und Arschlöcher“ zu bieten, der so absurd-vulgär ist, dass er schon wieder irgendwie cool ist.

Emmanuelle 6 (F 1988)

Jeder heterosexuelle Mann dürfte schon mal etwas von der Emmanuelle-Filmreihe gehört haben und schon einmal über einen der Filme mit Sylvia Kristel in der Titelrolle gestolpert sein. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Jedenfalls stand Frau Kristel für die Teile 5 und 6 der inhaltlich äußerst dürftigen Film-Serie nicht mehr zur Verfügung und andere Frauen mussten für das langweilige Soft-Rumgebumse in der Titelrolle engagiert werden. In Teil 6 fiel die Wahl auf das österreichische Geile-Drecksau-Model Natalie Uher, die zwar ganz nett anzuschauen ist, aber nicht schauspielern kann.

Die Unfähigkeit zieht sich noch weiter durch den Stab (und das ist jetzt mal ausnahmsweise nicht sexistisch-doppeldeutig gemeint): Der Drehbuchautor versagte mit seiner Story um Frauenhandel und anschließendem Trauma der Hauptdarstellerin kläglich, weil sie eine zu lange Anlaufzeit braucht, die Erotik- oder Nacktszenen tauchen in zu niedriger Frequenz auf und Action gibt’s auch keine. Also stinklangweilig die ganze Angelegenheit und schon verwunderlich, dass noch Teil 7 folgte. Etwas detaillierter habe ich mich zu diesem Film einmal mehr in der OFDb geäußert.

Kontrapunkt: Die Fälscher, Silent Movie & Endlos-Erotikreihe

Diese Woche war bei mir nicht wirklich ergiebig, weswegen ich mal von einer Filmwochenrückblick-Belästigung absehe und stattdessen wie gewohnt nur kurz zu drei Filmen meinen Senf dazu geben möchte.

Numero Uno:

Die Fälscher (A/D 2007)

Basierend auf einem Tatsachenbericht wird uns in Die Fälscher die Geschichte einer Handvoll Juden erzählt, die im KZ Sachsenhausen ab 1939 im Auftrag der Nazis versuchen, Pfund- und Dollarnoten zu fälschen, um die Wirtschaft des Feindes zu schwächen. Endlich wird mal wieder eine originelle und kaum wiedergekäute Geschichte im Rahmen des deutschsprachigen Vergangenheitsbewältigungs-Kinos erzählt, dessen Film-Vertreter leider immer noch viel zu oft und unverdient zum Dunstkreis der Oscarnominierten für den besten nicht-englischsprachigen Film gehören.

Das Drehbuch von Regisseur Stefan Ruzowitzky („Anatomie“) stellt einige unbequeme Fragen nach Anpassung und Opportunismus auf Seiten der jüdischen KZ-Häftlinge und eines Nazi-Schergen als Zugeständnis, um überleben zu können, was seinem Film Tiefe gibt. Die Hauptfigur, Fälscher Sorowitsch (Karl Markovics) bleibt jedoch ebenso wie die anderen Figuren auch zu eindimensional gezeichnet; ein Eindruck, der sich durch etwas unterkühlt wirkende, durch Wackelkamera um Realismus bemühte Inszenierung noch verstärkt. Aus diesem Grund ist „Die Fälscher“ ein „nur“ guter Film, dessen Thematik ihm in erster Linie den Oscar einbrachte und (leider) nicht seine Klasse.

Zweitens:
Silent Movie (USA 1976)

Mel Brooks ist einer jener komödiantischen Filmemacher, die eher für anarchisch-brachialen Witz denn hintergründige Satire stehen. Das ist einer der Gründe dafür, dass Silent Movie zwar formal (ja, der Film ist stumm und beinhaltet Zwischentitel – ist aber farbig) durchaus interessant, aber inhaltlich zu gehaltlos geraten ist.

Die Story um einen versoffenen Filmemacher (Mel Brooks), der die Idee hat, mithilfe von großen Stars wie Burt Reynolds oder James Caan anno 1976 einen Stummfilm zu drehen und diese dann nacheinander akquiriert, erinnert eher an eine Nummernrevue, in der sich eine Slapstick-Szene an die andere reiht. Ein paar Zeitraffer hier, ein bisschen Situationskomik da und fertig sind 87 Minuten kurzweilige Belanglosigkeit. „Spaceballs“ und „Die verrückte Geschichte der Welt“ waren da irgendwie besser und noch komischer. Ein Film, der prima dazu geeignet ist, währenddessen Diskussionen über das eigene Magisterarbeitsthema anzustacheln, nicht wahr, Frau Chefin?

Schließlich:
Schulmädchen-Report 11. Teil – Probieren geht über Studieren (BRD 1977)

Warum schaue ich mir ausgerechnet den elften Teil einer extrem populären, aber an sich ebenso total trashigen Aufklärungsfilmreihe an? Nun ja, weil es ausgerechnet diesen in der Erfurter Videothek (Video Buster rocks!) günstig gab (Bild links) und ich gespannt war auf die Rolle von Heiner Lauterbach, der hier zum dritten und letzten Mal in einem der Report-Filme mitwirkte. Allerdings ist dieser (mit Rollenname Achim, der einen auf „lieber Liebe als nur Sex“ macht) die wohl einzige jugendlich aussehende Person, die nur angezogen zu sehen ist, was man von den zahlreichen attraktiven Isc… ähhh… Schulmädchen nicht behaupten kann. Deren entblößte Körper sind dann auch das Highlight dieses in Episoden erzählten Films, der dieses Mal von einer Rahmenhandlung um eine Gruppe von Erwachsenen, die über Jugendschutzgesetze diskutieren, notdürftig zusammengehalten wird.

Bis heute wird bei Cineasten um den Kultfaktor der Filmreihe gestritten. Ach ja: Eine Universität oder (willige) Studentinnen kommen nicht vor, was bei dem Deutsches-Sprichwort-Untertitel schon etwas irritiert. Etwas ausführlicher habe ich mich einmal mehr in der OFDb geäußert.