Auto-Remakes: Funny Games

Als wir gestern im Seminar über verschiedene Remakekategorien diskutiert haben, fühlte ich mich sogleich genötigt, hier auf den aktuellen Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke (Caché, Die Klavierspielerin) hinzuweisen: Funny Games (2007).

10 Jahre nach Funny Games (1997), einer der besten europäischen Filme der 90er Jahre, hat Haneke ein Remake seines eigenen Films gedreht. Statt Ulrich Mühe und Susanne Lothar spielen nun Tim Roth und Naomie Watts das Ehepaar, welches samt Sohn von zwei geistig derangierten jungen Herren in ihrem Ferienhaus als Geisel genommen wird. Letztere, die im Original von Arno Frisch und Frank Giering gespielt wurden, mimen nun Michael Pitt (Mord nach Plan, Last Days) und Brady Corbet.

Michel Serceau hat den Begriff „Auto-Remake“ als originalgetreue Neuverfilmung durch denselben Regisseur geprägt und seine Bedeutung als Mittel des Regisseurs, sich seiner Kunst bewusst zu werden, herausgestellt. „Gelungen“ ist ein Remake für Serceau, wenn nicht eins zu eins umgesetzt wird, was im Original schon zu sehen war. Die Anpassung an den/einen sozio-historischen Kontext soll das Ziel sein, so dass der Mythos oder die Figuren quasi wiedergeboren werden.

Haneke hat wohl Funny Games eins zu eins nachgedreht, das deutet zumindest diese Review an. Die einzigen Änderungen scheinen die Schauspieler und den Kontext (USA statt Österreich) zu betreffen.

Interessant wird auf jeden Fall die Diskussion darum sein, wie das Spiel mit unserer Medienrezeption, welches der Film wie schon das Original betreiben wird, im amerikanischen Kontext funktioniert.

Die beiden Trailer verdeutlichen noch einmal die Herangehensweise für Hanekes Auto-Remake:

Funny Games (1997):
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=rzpzpe_8gHQ]
Funny Games (2007):
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Ec-70W_K77U]
Ein deutscher Starttermin für Funny Games steht noch nicht fest.

Wizard Swears

Erstmal kein neuer Trailer, dafür etwas zum totlachen. The Mysterious Ticking Noise der Potter Puppet Pals hatte ich ja im September schon gepostet.

Nun gibt’s das neueste Werk von Neil Cicierega: „Wizard Swears“!

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TqTHmzMk0Cw]

Ein paar Highlights:

I mean every word I ever say. Ever. Because I’m Harry Potter!

You sicken me! Hagrid is ten times the man you’ll ever be, Neville!

Lord Voldemort speaking…

I don’t even remember five minutes ago

Dobby’s sock!

American Gangster (USA 2007)

Da der Genuss dieses Films schon wieder eine Woche her ist, hier nur eine Kurzkritik zum aktuellen Film von Ridley Scott:

Nach dem Erfolg von Martin Scorsese’s The Departed war eine Welle von Gangsterfilmen samt dualistischer Figurenkonstellation zu erwarten gewesen. Auch James Gray’s We Own The Night wird ein ähnliches Thema aufnehmen. American Gangster von Regiemeister Ridley Scott ist nun das erste Werk dieser Spielart, welches in die diesjährige Oscarsaison startet.

Erzählt wird die Geschichte von Frank Lucas (Denzel Washington), der im New York der späten Sechziger und frühen Siebziger in Harlem zum Drogenboss und Viertelpate aufsteigt. Sein Gegenspieler ist der aufrechte und prinzipientreue Cop Richie Roberts (herausragend normal: Russel Crowe), der für die mit korrupten Kollegen übersäte Drogenfahndung ermittelt.

Der wachsende Dualismus zwischen den beiden Charakteren wird erst vergleichsweise spät im Film offensichtlich. Von Beginn an nutzt Scott, ähnlich wie auch schon Scorsese in The Departed, die Darstellung der familiären und beruflichen Umstände seiner beiden Protagonisten, um zu einer Charakterisierung via Spiegelung zu gelangen.

So sehen wir, wie Lucas mit seiner ganzen Familie ein bilderbuchhaftes Thanksgiving-Fest zelebriert und Roberts derweil in seiner Wohnung irgendwas aus einer Dose mampft.

Die finale Konfrontation zwischen Roberts und Lucas fällt vergleichsweise spannungslos aus. Es ist einfach nicht DER große Moment des Films, wie etwa in Heat die Restaurantsequenz zwischen Pacino und DeNiro.

Unterhaltsam und spannend ist American Gangster auf jeden Fall, was sein Einspielergebnis in den USA wenig überraschend macht. Dennoch verwendet Scott zuviel Zeit für die Mechanismen des Drogenhandels und damit einhergehend des Aufstiegs von Lucas und vergisst währenddessen, den Konflikt zwischen Lucas und Roberts handfester zuzuspitzen. Von der fragwürdigen Verklärung eines Drogenhändlers und Mörders ganz zu schweigen.

Erste Clips aus Sweeney Todd

Die bisher zurückhaltende Marketingcampagne für Tim Burton’s Sweeney Todd ist nun endlich voll angelaufen. Seit gestern gibt’s online 9 Clips, 3 Featurettes und 2 Behind the Scenes-Filmchen, in denen erstmals der Gesang aller Hauptdarsteller zu hören ist.
Nach zwei Trailern und drei TV-Clips bot das Press Junket in London am vergangenen Wochenende wohl den Anlass, die Werbung endlich auf vollen Touren laufen zu lassen.
Hier also das aktuelle Material:
Der erste deutsche Trailer ist bei MovieMaze.de zu finden.
[Woohoo, anscheinend werden die Songs nicht synchronisiert!]
Musicaltalk.co.uk war beim Press Junket dabei und bietet in seinem aktuellen Podcast Interviews mit Stephen Sondheim, Tim Burton, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Alan Rickman und anderen an.
Wer sich spoilern lassen oder einfach mal reinhören will, wie Depp und Co. gesanglich abschneiden, schaue bitte hier, um die Clips und Featurettes anzuschauen. Das zweite Behind the Scenes-Feature bietet übrigens einen ersten Einblick in das Duett „Pretty Women“ von Rickman und Depp.


Da ich nicht sonderlich spoilersüchtig bin, habe ich nur zwei Clips ausgewählt:
Clip Eins zeigt Adolfo Pirelli (Sasha Baron Cohen, aka Borat) und Sweeney Todd (Johnny Depp) bei einem Rasierwettbewerb. Pirelli ist einfach nur herrlich und Cohen beweist, dass er wirklich singen kann:
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=gF_FgrzcsD0]
Clip Zwei zeigt Oberbösewicht Judge Turpin (Alan Rickman), wie er über seine unbefriedigten sexuellen Fantasien siniert. Das klingt schlimmer, als es ist. Oder auch nicht, es ist schon ziemlich schlimm…
Aber absolut sehenswert!
„You gandered at my ward!“
Wieder ein Eintrag in die Zitatesammlung.
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=3qNbfiLUj2k]

Across the Universe (USA 2007)

„Images of broken light which dance across before me like a million eyes that call me on and on across the universe“

Queen-Musicals, Abba-Musicals, nun sogar ein Udo Jürgens-Musical in Hamburg. Hat man sich erstmal vor einer aufdringlichen TV-Werbeveranstaltung zum Thema in einer einsamen Ecke versteckt, da schleicht sich von hinten schon listenreich die nächste Nostalgieshow an.

Mit Nostalgie hat „Across the Universe“ nicht viel zu tun, auch wenn die hier rekreierte Beatles-Ära ganz genau so aussieht, wie wir Nachgeborene sie uns in den Stunden der Ernüchterung über unsere Gegenwart vorstellen.

Julie Taymors Musical, das zur Abwechslung mal nicht auf einer uninspirierten Bühnenshow basiert, funktioniert im Grunde nach dem in Anlehnung an Rick Altmans Genre-Theorie formulierten Prinzip: „Boy meety girl, boy sings with girl, boy gets girl.“

Besagter Boy ist der britische Hafenarbeiter und Freizeitmaler Jude (Jim Sturgess), der sich in den 60ern nach Amerika einschifft, um zum ersten Mal seinen Vater zu treffen. In Princeton trifft er genau diesen und den abgedrehten Studenten Max (Joe Anderson), dessen Schwester wiederum das Girl mit Namen Lucy (Evan Rachel Wood) ist.

Zusammen geht’s ab ins Demo-geschüttelte New York. In der dortigen WG lernen sie die Sängerin Sadie kennen, eine wilde Mischung aus Led Zep-Sänger Robert Plant und Rockröhre Janis Joplin. Ihr Gitarristenfreund JoJo erinnert auch nicht zufälligerweise an Jimi Hendrix. „Across the Universe“ ist vollgespickt mit Referenzen, die sich nicht nur auf die Beatleshistorie beschränken.

Beginnt der Film noch auf Seiten Lucys mit Songs aus der Frühphase der Beatles, um das geordnete Heim, dessen Fünfzigerjahre-Heile-Welt-Vorstellungen zu unterstreichen, geht’s spätestens in New York ernsthaft zu. Antikriegsdemos und Bürgerrechtsbewegung wechseln sich ab mit Drogentrips aufs Land zu Timothy Leary-ähnlichen Gurus. Natürlich wird alles sehr schnell ernst. Judes neutraler Künstlerstatus kollidiert mit dem politischen Engagement seiner Freundin, Max wird eingezogen, usw.

Die bereits erwähnten Referenzen dehnen sich auch auf die Besetzung aus. So steht auf einmal Joe Cocker an der Ecke und singt seine Interpretation von „With a little Help from my Friends“. Das ist noch akzeptabel, wenn auch ablenkend, schließlich hat der Mann all das miterlebt.

Kommt dann jedoch Doctor Robert alias Bono alias „das ist doch der bebrillte und bemützte Sänger von U2, die in den 80ern ihre besten Alben veröffentlicht haben“ dazu und singt „I am the Walrus“, ist die Begründung seiner Anwesenheit im Film nicht nachvollziehbar und sein Auftritt hat nur noch den „Hey, das ist Bono!“-Effekt.

Sieht man davon ab, den Film wegen seiner Episodenhaftigkeit im Mittelteil (in dem auch Bono auftritt) zu verurteilen, hat man immer noch ein verdammt gutes Musical vor sich stehen. Das liegt einerseits an den Songs („Was kann man da schon bei einem Beatles-Musical falsch machen?“, fragt die aufdringliche Fanstimme in meinem Kopf), andererseits am Einfallsreichtum des Films.

„Across the Universe“ wird nur im seltensten Falle zur Nummernrevue (eben in diesem Drogenmittelteil). Im Endeffekt haben die Lieder alle ihre inhaltliche Funktion zu erfüllen. Am besten und emotional ergreifensten gelingt dies bei Strawberry Fields Forever, Happiness is a Warm Gun und With a little Help from my Friends. Lied und Story stehen in absolutem Einklang miteinander, das eine ergänzt das andere.

Die Visualisierungen der Gesangseinlagen sind allesamt berauschend, wenn auch das ein oder andere Mal unnötig überladen (Being for the Benefit of Mr. Kite, „gesungen“ von Eddie Izzard). Allein die Darstellung der Musterung und des Vietnamkriegs, die zugleich, dank ihrer Universalität, ein Kommentar zur aktuellen politischen Situation sein muss, ist ein deutliches Beispiel für die erfreuliche, detailverliebte Fantasie, die sich nicht in Sentimentalitäten verliert.

Von der Ähnlichkeit Jim Sturgess‘ zu Paul McCartney, über den Bus, der an die Magical Mystery Tour erinnert, bis zum Finale (ich sage nur „Dach!“) ist Across the Universe eine einzige Hymne auf das Schaffen der Beatles und gleichzeitig eine Verortung ihrer Kunst in deren angestammter Zeit. Die Geschichte von Jude und Lucy erzählt uns, warum die Musik der Fab Four am Ende eine solche Evolution unterlief.

Etwas mehr zeitgeschichtliche Konsequenz hätte man Julie Taymor am Ende gewünscht, doch wen interessiert’s… „Nothing’s gonna change my world/Nothing’s gonna change my world.“


Ein Ausschnitt aus I want You (She’s so heavy)“:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=C4YztnK2iKQ]


Wie wär’s jetzt mit einem Kinks-Musical?

Der Titel: „Come Dancing“.
Bitte!