Wollmilchcast #43 – Jurassic World 2: Das gefallene Königreich

Wir durchforsten weiter das Werk des Howard-Clans. Nach Solo: A Star Wars Story sprechen wir im neusten Wollmilchcast über Jurassic World 2: Das gefallene Königreich mit der entgrenzenden Großaufnahmendarstellerin Bryce Dallas Howard. Dabei geht es um die N00bs am Ruder des Franchise, poetische Momente, die zu Tränen rühren, und die Action-Inszenierung. Außerdem stellt Wollmilchcaster Matthias von Das Filmfeuilleton Shanghai Express von Josef von Sternberg vor, der im Rahmen einer Retrospektive über Anna May Wong im Arsenal Berlin lief. Eine Prise John Woo gibt es mit der vermeintlichen Pastiche Manhunt ebenfalls, der zur Zeit bei Netflix auf Taubenliebhaber wartet. Viel Spaß!

Shownotes:

  • 00:01:00 – Jurassic World 2: Das gefallene Königreich (!Spoiler!)
  • 00:52:12 – Shanghai Express von Josef von Sternberg
  • 01:04:55 – Manhunt von John Woo

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Intro und Outro: Kai Engel – Slum Canto (aus dem Album Sustains)

Nutzung im Rahmen der CC BY 4.0-Lizenz. (Homepage des Künstlers)

Copyright Titelbild: Universal

Wollmilchcast #38 – Ready Player One (mit Gast: Sascha Brittner von PewPewPew)

Ready Player One IOI Autos

Im Januar hatten wir anlässlich von Die Verlegerin  ausführlich über die Filme von Steven Spielberg gesprochen. Als Sequel folgt jetzt der Podcast über die Verfilmung von Ernest Klines Ready Player One (ein MovRPG?). Matthias von Das Filmfeuilleton und ich können diesmal Sascha Brittner im Wollmilchcast begrüßen, der bei PewPewPew bloggt und im Podcast Kulturindustrie zu hören ist. Dabei diskutierend wir unter anderem, warum ausgerechnet Ready Player One einer der deprimierenderen Filme Spielbergs geworden ist. Viel Spaß!

Shownotes:

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Wollmilchcast #30 – Die Verlegerin und die Spielfilme von Steven Spielberg

Die Journalisten blicken auf die Pentagon Papers

Zwei Filme von Steven Spielberg starten dieses Jahr in den deutschen Kinos. Den ersten haben wir zum Anlass genommen, um auf sein Werk zurückzublicken (was nicht bedeutet, dass wir beim zweiten anders verfahren). Im 30. Wollmilchcast von Matthias von Das Filmfeuilleton und meiner Wenigkeit sprechen wir über die Publizisten-Ode Die Verlegerin (OT: The Post) mit Meryl Streep, Tom Hanks und einem Keller voller bizarrer Perücken. Nach dieser Sektion des verfilmten Pentagon Papers-Skandals erweitern wir unseren Blick, diskutieren Konstanten im Spielfilm-Werk von Spielberg und teilen schlussendlich (und beinahe wagemutig) unsere jeweilige Top 5 der besten Filme des Regisseurs.

Zum Jubiläum gibt es ein Intro, ein neues Bildchen und Überlänge als Bonus.

Shownotes:

00:01:00 – Intro + Die Verlegerin (The Post)

00:31:00 – Die Spielfilme von Steven Spielberg und was sie Innersten zusammenhält

01:43:00 – Unser Top 5 der besten Filme von Steven Spielberg

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Super 8 (USA 2011)

Super 8 Poster

Alles ist da und irgendwie nicht. Viel wurde über das nostalgische Potenzial von J.J. Abrams Super 8 geschrieben, doch positive Etiketten wie das der „Hommage“ verpuffen schon nach wenigen Minuten bei der Entgleisung und Explosion eines Zuges in den Ebenen Ohios. Da können die Kids zuvor noch so oft mit ihren BMX-Rädern rumkurven, Konflikte mit ihren Eltern brodeln lassen und wie halb so große Versionen von Dawson Leery ihre Leidenschaft zum Film pflegen. Bei diesem für den Plot so entscheidenden Zugunglück wird der Zuschauer an den Haaren aus seinen Kindheitserinnerungen gerissen, um fortan wieder hinein gestopft, herausgerissen, hineingestopft zu werden. Das ist das Gefühl, „Super 8“ zu sehen. Man glaubt sich in einem Werk eines besseren Regisseurs wieder zu finden, um dann doch wieder gekniffen zu werden, aufzuwachen und zu erkennen, dass dieser Film „nur“ von einem stillosen Vertreter namens J.J. Abrams gedreht wurde, der statt Staubsauger, hochwertige kinematografische Imitate verscherbelt. „Super 8“ ist nicht das viel gepriesene Sommerkino unserer Kindheit. Das gibt es nicht mehr, außer in beschönigten Erinnerungen und so ist es mühselig und fruchtlos in einem, diesem Film dabei zuzuschauen, wie er verzweifelt versucht, ein anderer sein. Denn J.J. Abrams hat mit Super 8 – und das offenbart sich eben schon bei besagtem Zugunglück – einen für die 2000er Jahre kalkulierten Blockbuster gedreht, keinen für die 70er, auch keinen für die 80er. Das aus diesem Mischvorgang der erinnerten Vergangenheit und der Anforderungen der Gegenwart entstandene Stück Film findet weder hier, noch dort festen Halt, wird schließlich von den Energien auseinandergerissen, die es hier und dort verwurzeln wollen.

Die Liste der Nachrufe auf das moderne Blockbusterkino ist lang und so stürzt man sich freudig auf einen neuen Film, der wie damals sein soll, der den frühen und nicht mehr ganz so frühen Spielberg präsent machen will, besser noch als es eine DVD von „E.T.“ könnte. Ist das gegenwärtige Hollywood-Kino schon so tief unter der Erde, six feet under gewissermaßen, dass man sich als Liebhaber der amerikanischer Mainstream-Kost in die undurchdachte Simulation flüchten muss? Aus Abrams Holodeck hallt laut der Ruf JA und so liefert er uns den jugendlichen Protagonisten mit der zerrissenen Familie, das nicht weniger einsame Alien und die lustigen Kumpels. All das angesiedelt in einer Vorstadt, vollgepackt mit dem wissenden Gezwinker in Richtung früherer Filme des Executive Producers und eigentlich müsste der korrekt erzogene Spielbergianer freudig in seinem Kinosessel herumwippen. Das will uns zumindest Abrams Nachäffen von Shot-Kompositionen und inhaltlichen Motiven seines Mentors glauben machen. Deswegen hat Super 8 zuweilen etwas von einem Jahrmarktsartisten, der einem auf die Hand schaut und erzählt wie das früher war, als wir „Die Goonies“, „E.T.“ und „Jurassic Park“ zum ersten Mal gesehen haben. Was nützen unsere Erinnerungen aus dem Mund eines Fremden? Was nützt letztendlich eine aufgesetzte Referenzsammlung, die sich dermaßen darum bemüht, andere Zeiten heraufzubeschwören, dass sie es verpasst, selbst erinnerungswürdig zu sein, selbst einprägsame Einfälle zu produzieren, echte Emotionen heraufzubeschwören?

Wenn der Zug zu Beginn von Super 8 in einer vollkommen übertriebenen Spektakel-Situation entgleist, durch die Gegend fliegt, explodiert und unseren Protagonisten wie in einem Leslie Nielsen-Film zu verfolgen scheint, hat das nichts mit Spielberg zu tun und alles mit dem jüngeren amerikanischen Blockbusterkino. Das ist aber nicht tot, verändert sich höchstens, genau wie sich Steven Spielberg in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Den Mann, der „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ drehte, gibt es nicht mehr, stattdessen müssen wir uns mit dem „Krieg der Welten“- und „München“-Spielberg begnügen und mit dem allein haben wir schon alle Hände voll zu tun. Davon werden die Reminiszenzen an Sonntagnachmittage im Familienkreis mit der VHS von „E.T.“ nicht geschmälert. Das ist eben so. Die Zeit schreitet voran. Das Kino ebenso. Die Erinnerungen bleiben. Das macht uns aus. Das macht das Kino aus.


Zum Weiterlesen:

Die gesammelten Kritiken zum Film bei Film-Zeit.de.
Ein kleiner Text von mir zum Kino der Nostalgie bei moviepilot.

Diary of the Dave #4

Der Traum eines jeden Möchtegerne-Schriftstellers besteht wohl darin, nach einer orgiastisch-bacchanalischen Party nach Hause in sein Drecksloch zurückzukehren und über das Erlebte, und natürlich über sein Weltschmerz zu schreiben. Alles natürlich bei einem kühlen Bier. À propos… Ahh… Wicki!!!

Wie dem auch sei! Mit Wein, Cola, Chips, Schokolade, Zigaretten und einem Kugelschreiber (spitzer Gegenstand!) bewaffnet bin ich zum Bus gegangen, der mich zum Ort der Vorführung bringen sollte. Wie voll der Bus war. Vor allem mit lauter Mamis (und auch vielen Papis) mit ihrem Nachwuchs und entsprechenden Lokomotionsmitteln (Kinderwagen im Volksmund). Um etwa 18.26 (könnte auch 24 oder 28 gewesen sein) stand ich vor den Räumen von CampusTV. Avantgarde zu sein ist an sich cool, nur dass man dann halt oft auf die anderen, die Nachzügler, die Nachhut warten muss. Aber nicht schlimm. Die anderen Cinephilen trudelten auch ein und wir konnten endlich mit dem Indiana Jones Triple Feature beginnen. Aber natürlich erst, nachdem wir in einem komplizierten Verfahren (Demokratie? Basisautokratie?) unsere Auswahl für das Pizza-Dinner getroffen hatten. Und nach dem Anstoßen auf die gelungene Jobsuche Judiths mit einem Cassis-Prosecco.

Ich hatte bisher nur den dritten Teil vor langer, langer, sehr langer Zeit geschaut. Bruchstücke waren haften geblieben: der Typ der am Schluss im Schnellverfahren altert und wegfault (wie gesagt: sehr lange… ich war noch jung und leicht zu erschrecken), den Einsatz des Regenschirms zur Bekämpfung angreifender Kampfflugzeuge durch Sean Connery, die enge Vater-Sohn-Beziehung, symbolisiert durch Aneinander-auf-Stühlen-angebunden-Sein, während ringsum alles in Flammen aufgeht und die Tatsache, dass die Nazis die Bösen waren. Letzter Punkt hat übrigens beim zweiten Teil irgendwie gefehlt… wie übrigens auch eine kohärente Story. Nun ja… kohärent? Indiana Jones und der Tempel des Todes, kurz gesagt, hat mir am wenigsten gefallen, was auch nicht damit zusammenhing, dass ich meine Pizza zu dem Zeitpunkt schon fertig gegessen hatte. Viele Gags waren etwas ephemer, vom etwas merkwürdigen Bild, das vom Essverhalten der Inder gezeichnet wird, mal ganz abgesehen. Indisches Essen ist nämlich awesome! Ich war übrigens der Meinung, dass der gehirngewaschene Indy sein wahres Ich gefunden hatte: er genoss – zu Recht – wie die hysterische Frau mit der nervenden Stimme langsam in die Lava heruntergelassen wurde. Willie war wirklich das schlechteste Indy-Girl! Die Brücken-Szene gab aber eine ganz neue Perspektive über die Schaukelbrücke im Weimarer Goethe-Park, obgleich, glaube ich, keine Krokodile in der Ilm schwimmen (darüber sollte man nachdenken). So… damit hätten wir glaube ich den schwachen zweiten Teil der Serie besprochen.

Jäger des verlorenen Schatzes und Der letzte Kreuzzug haben eigentlich so ziemlich alles, was ein Film für einen unterhaltsamen Abend mit Freunden, Wein, Chips, Pizza und schwarzem Kaffee so braucht: gute Action, hohes Tempo, Witz und Ironie, ein Held mit Lederjacke, Hut und Peitsche (besser als McGyver mit schweizer Taschenmesser und… Vokuhila), schöne Frauen, Gewalt, Schlangengruben, Cameos, tolle Locations die mit impressionistischen Totalen verarbeitet werden können, Sonnenuntergänge, Sean Connery (nun ja, eigentlich nur der dritte), böse gemeine fiese stinkende lederbemäntelte Nazis, die Deutsch mit amerikanischem Akzent sprechen und am Schluss (spätestens) weggerotzt werden, Schweiß, Blut, Explosionen, Verfolgungsjagden… Hab ich eigentlich schon die Nazis genannt: „Ihr solltet aufhören, Bücher zu verbrennen und sie vielleicht mal lesen“!

Als Historiker müsste ich natürlich was zur Darstellung von Geisteswissenschaftlern in Filmen sagen. Interessant, wie Indy zwischen dem biederen, etwas verklemmten, langweiligen Professor (oder zumindest Dozent) für Archäologie, der mit überdimensionierter Brille (sie wird mit jedem Film größer) und einem Stock im Arsch durch die Gegen wuselt und dem Abenteurer mit Hut, Peitsche und Lederjacke, der spannende (und manchmal potentiell tödliche) Rätsel löst, Leute wegrotzt, Grabschändungen begeht und seinen gestählten Körper für alle möglichen Stunts einsetzt, hin und her springt (hui! langer Satz!). „Das gehört ist Museum!“ „DAS GEHÖRT INS MUSEUM!“ Also ganz ehrlich: ganz ethisch geht er seinem Beruf nicht immer nach (siehe vor allem die body count). Dafür aber cool!

Die völlig entgrenzte Begeisterung für Quellen (i. w. S.) die eigentlich keinen normalen Menschen interessieren (Inschriften auf Schildern, mittelalterliche Kirchenfensterkunst, Kleenex-Fragmente mit irgendwelchen indischen Gottheiten und Halbgottheiten etc.) kann ich aber durchaus nachvollziehen. Dass nicht jedem vor dem Protokoll einer Dorfversammlung in der russischen Pampa während der Revolution das Wasser im Mund zusammenläuft, werde ich wohl vielleicht noch schnell genug merken. (Es ist trotzdem WAHNSINNIG spannend!)

Der Abend endete um 1.30 Uhr morgens. Etwas unglamourös wurde noch der Müll eingesammelt, leere Flaschen beiseite gestellt, angebrochene Chipstüten eingepackt und der Schlüssel beim Pförtner in seiner schalldichten Kabine gebracht. Ins Stadtzentrum laufen, zwei Zigaretten, ein Bier, ein bisschen was schreiben. Und schon hat man einen glücklichen Tag hinter sich. Und eine hoffentlich erholsame, wenn auch nicht besonders lange (Rest-)Nacht vor sich…