American Gangster (USA 2007)

Da der Genuss dieses Films schon wieder eine Woche her ist, hier nur eine Kurzkritik zum aktuellen Film von Ridley Scott:

Nach dem Erfolg von Martin Scorsese’s The Departed war eine Welle von Gangsterfilmen samt dualistischer Figurenkonstellation zu erwarten gewesen. Auch James Gray’s We Own The Night wird ein ähnliches Thema aufnehmen. American Gangster von Regiemeister Ridley Scott ist nun das erste Werk dieser Spielart, welches in die diesjährige Oscarsaison startet.

Erzählt wird die Geschichte von Frank Lucas (Denzel Washington), der im New York der späten Sechziger und frühen Siebziger in Harlem zum Drogenboss und Viertelpate aufsteigt. Sein Gegenspieler ist der aufrechte und prinzipientreue Cop Richie Roberts (herausragend normal: Russel Crowe), der für die mit korrupten Kollegen übersäte Drogenfahndung ermittelt.

Der wachsende Dualismus zwischen den beiden Charakteren wird erst vergleichsweise spät im Film offensichtlich. Von Beginn an nutzt Scott, ähnlich wie auch schon Scorsese in The Departed, die Darstellung der familiären und beruflichen Umstände seiner beiden Protagonisten, um zu einer Charakterisierung via Spiegelung zu gelangen.

So sehen wir, wie Lucas mit seiner ganzen Familie ein bilderbuchhaftes Thanksgiving-Fest zelebriert und Roberts derweil in seiner Wohnung irgendwas aus einer Dose mampft.

Die finale Konfrontation zwischen Roberts und Lucas fällt vergleichsweise spannungslos aus. Es ist einfach nicht DER große Moment des Films, wie etwa in Heat die Restaurantsequenz zwischen Pacino und DeNiro.

Unterhaltsam und spannend ist American Gangster auf jeden Fall, was sein Einspielergebnis in den USA wenig überraschend macht. Dennoch verwendet Scott zuviel Zeit für die Mechanismen des Drogenhandels und damit einhergehend des Aufstiegs von Lucas und vergisst währenddessen, den Konflikt zwischen Lucas und Roberts handfester zuzuspitzen. Von der fragwürdigen Verklärung eines Drogenhändlers und Mörders ganz zu schweigen.

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Jenny Jecke (31) hat Medienwissenschaften in Jena studiert. 2007 gründete sie das Blog „the gaffer“, um ihre Besserwisserei in Sachen Film auch im Internet auszuleben. Jenny ist bei Twitter zu finden und arbeitet als Redakteurin bei moviepilot.

3 Antworten auf „American Gangster (USA 2007)“

  1. Das mit dem Thanksgiving-Essen hast du auch bloß von mir ;-). Auch bin ich der Meinung, dass hier eine Stilisierung und Konfrontation der Marke „Gut gegen Böse“ einfach fehl am Platze ist, weil es eben auf realen Begebenheiten beruht und so sicher auch nicht war. Ansonsten soweit Zustimmung. Wann liest man eigentlich mal wieder was von dir in der ofdb?

  2. Deine Kritik im studivz hab ich erst gelesen, nachdem ich hier gepostet habe, also nix da mit abschreiben. ;)

    Wie vorhin schon besprochen, geht es mir nicht um einen Gut-Gegen-Böse-Konflikt, sondern darum, dass die Beziehung zwischen Richie und Lucas nicht genügend ausgebaut wird, um dem Finale etwas Blut (nicht im wörtlichen Sinne) zu verleihen. Hätten sich beide wie die Pest gehasst, hätte das ausgebaut werden können. Hätte der eine für den anderen Respekt empfunden (vgl. wieder Heat), hätte das ebenso weiter ausgebaut werden können (innerer Konflikt? usw.).

    Dem, was Scott uns am Ende präsentiert, fehlt jede Dramatik, alles wird zu schnell, zu einfach aufgelöst, als wäre der Akku beim Dreh bald alle gewesen (und damit hab ich so meine Erfahrungen ;) ).

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