Kontrapunkt: Krieg & Zerstörung

Asche auf mein Haupt, aber ich komme einfach nicht von derartig düsteren Themen weg. Zumal the gaffer diese Woche durch Mitbringen eines ganz bestimmten Films zum DVD-Abend auch ihren Teil dazu beigetragen hat. Aber ich gelobe Besserung: Nächste Woche steht mit „Vernichtung & Exodus“ der Abschluss meiner Kontrapunkt-Quadrilogie an. Oder auch nicht. Muhahaha.

Terminator: Die Erlösung (USA/D/GB/I 2009)

Zugegeben: Man sieht, wohin die 200 Mio. Dollar Budget geflossen sind. Als Action- und Effekteorgie wie als Sci-Fi-Kriegsfilm kann sich der vierte Teil der Maschinen-Saga durchaus sehen lassen. Christian Bale vermag zwar in der Hauptrolle als Menschenretter John Connor, der sich im Jahre 2018 aufmacht, das Terminatorhauptquartier zu zerstören und dort von einer Nachbildung des von einer digitalen Version von Arni verkörperten T-800 aufgelauert wird, nicht wirklich zu schauspielern. Doch zahlreiche, bisher unbekannte Terminator-Modelle (auch Motorräder), hohes Tempo, die nette Postapokalypsen-Atmosphäre und eine schöne Einstellung, als sich John Connor des nachts über die ramponierte Golden Gate Bridge Richtung Skynet begibt, lassen über zahlreiche Logiklöcher, Phrasen-Dialoge (schon bekannt aus den vorangegangenen Teilen) und das leicht verärgernde Ende mit pseudo-humanistischer Botschaft hinwegsehen. Obwohl dem genialen zweiten Teil nicht mal annähernd das Schmieröl gereicht werden kann, gerne noch ein Teil. Dann aber bitte mit (noch) weniger Nahaufnahmen und einer etwas mehr durchdachten Story.

Rescue Dawn (USA 2006)

Christian Bale, die Zweite. Hier spielt er nach wahren Begebenheiten den US-Piloten mit deutschen Wurzeln Dieter Dengler, der während des Vietnamkriegs über Laos abstürzt und in ein Gefangenenlager gesteckt wird. Werner Herzog (der mit dem echten Dieter Dengler befreundet ist) inszenierte Denglers Ausbruch aus dem Lager als bedrückenden Kampf des Menschen gegen die Natur und sich selbst.

Das Problem an der Sache ist nur, dass – wahrscheinlich aus Psychologie- oder Plausibilitätsgründen – zuvor eine Filmstunde im Lager nur herumgelabert und der Fluchtplan ausbaldowert wird. Insbesondere Jeremy Davies mit seinem dummen Gefasel und Rumgefuchtel geht einem dabei ziemlich auf die Nerven. Zudem wird Schauspielern von Bale mit extremem Gewichtsverlust verwechselt, was zwar einen beängstigenden Eindruck hinterlässt, aber ungleich seiner Rolle in „Der Maschinist“ mimische Defizite auffallen. Ein spannend und intensiv erzählter, aber auch anstrengender Brocken von Film.

RobotJox 2 – Krieg der Stahlgiganten (USA 1993)

Die unnötige Fortsetzung eines B-Films, den ich niemals gesehen habe. Im postapokalyptischen 21. Jahrhundert gibt es nach zahlreichen Megaroboterkämpfen um die letzten Rohstoffreserven der Erde nur noch einen davon, der Touristen durch die Gegend kutschiert. Doch irgendwann bringt ein böser Asiate das Ding inklusive Geiseln in seine Gewalt und es ist an einem machohaften Roboterpilot, mit einem alten Megarobot, der unter der Erde begraben liegt, ihn platt zu machen. Selbiger Roboter-Kampf im „Power Rangers“-Style nimmt leider nur 5 Filmminuten ein und ist mit Stop Motion schlecht getrickst. Die Darsteller sind austauschbar, der dünne Plot inklusive der kratzbürstigen Tussi, die der Held dann doch noch abkriegt, ist vorhersehbar und eine echte Endzeit-Atmo kommt nie auf. Zu diesem billigen Anti-„Terminator“- und Pseudo-„Transformers“-Film habe ich mich etwas detaillierter in der OFDb geäußert.

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Lutz Granert (30) hat dasselbe studiert wie die Chefin. Die mal nicht ganz ernst gemeinte, mal tiefgründige Rubrik "Kontrapunkt" ist seit November 2008 legendär. Seit April 2012 ist er Chefredakteur beim multimania-Magazin. Bei Twitter kann man ihm folgen.

3 Antworten auf „Kontrapunkt: Krieg & Zerstörung“

  1. Also Stichwort: Terminator… Ich kann das ausnahmsweise mal dem Herrn Luzifus zustimmen. Schön, auch mal was Positives über den Film zu lesen. Diese Heiligsprechung der ersten Filme geht mir eh auf die Eier, nur weil die halt das Action-Kino revolutioniert haben, sind das keine Geniestreiche. Die Dialoge sind da genauso doof und die Story relativ eindimensional.

    Seit ich als Kind T2 gesehen habe wollte ich einen Film, in dem sich Menschen und Maschinen komplett sinnfrei bekämpfen und das habe ich bekommen, mich dabei bestens amüsiert (auch über die teilweise unfreiwillige Komik) und nie gelangweilt. Toller Look, kurzweilige Unterhaltung, aber beim Nächsten Mal weniger McG und mehr schauspielerisches Talent von Herrn Bale!

  2. „Diese Heiligsprechung der ersten Filme geht mir eh auf die Eier, nur weil die halt das Action-Kino revolutioniert haben, sind das keine Geniestreiche.“

    Doch, doch. ;)

    „Die Dialoge sind da genauso doof und die Story relativ eindimensional.“

    Auch das empfinde ich anders als du.

  3. @ Norman:
    Richtig, grottenschlecht ist Teil 4 nicht, sondern ein akzeptables Stück kurzweiliges Actionkino. Für den „Terminator“-Franchise, den man eben an den tollen ersten beiden Teilen messen muss, ist das allein – und da gebe ich fincher durchaus Recht – etwas zu wenig. Da hätte ruhig mehr kommen können.

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