Inception (USA/GB 2010)

Für Meta-Auseinandersetzungen um die Diskussionen, den Hype und den Backlash der Hype-Hasser ist hier leider kein Platz. Christopher Nolans Inception ist ambitioniert bis in die letzte Einstellung, will E- und U-Film sein und bildet somit ein seltenes Geschöpf im Blockbustersommer des Jahres 2010. Ob man im Nachhinein gern das Geld für die Kinokarte ausgegeben hat, wird nicht unwesentlich davon abhängen, wie man zu den anderen Filmen des Regisseurs steht. Das eigentlich Traurige ist nun, dass „Inception“ in Bezug auf die Fähigkeiten seines Machers keinerlei Neuigkeiten bereithält. Wie in vielen seiner Filme baut Nolan ein diegetische Welt, über die nur er die Kontrolle besitzt. So komplex konstruiert ist sie wie die Stadtaufsichten, welche er in „Inception“ so gern einbaut. Diese Kontrolle gibt er ausgerechnet in einem Film, der mit seiner verschachtelten Traumthematik nach einer ausnahmslosen Subjektivität schreit, nie aus der Hand. Man denke dagegen an „Memento“, der seine Wirkung allein aus der Fixierung auf den Blickwinkel der Hauptfigur gezogen hat und ziehen konnte. Während sich Martin Scorsese im ähnlich gelagerten „Shutter Island“  auf Gedeih und Verderb auf die Sicht des Cops Teddy einlässt mit allen Konsequenzen, welche diese Entscheidung mit sich bringt, ist Nolans allwissender Blick zu jeder Zeit zugegen. Selbst im Finale, in dem mehrere Schichten von Träumen-in-Träumen durchlaufen werden, bleibt uns der kalte Blick des Puppenspielers nicht erspart. So souverän diese Parallelmontage auch gehandhabt wird, so einfallslos ist sie im Grunde. Träume sind in „Inception“ nichts weiter als lineare Geschichten, die den Gesetzen der nächst höheren Ebene – des jeweiligen „Levels“ darüber – unterliegen. Wie das Drehbuch wurden sie geplant, verbessert, perfektioniert. Damit gleicht der Film dieses Sommers™ einer Dominokette, eingefangen in einer Mise en abyme.

Der fabelhafte Trailer lügt deshalb ein Werk vor, das keiner zu sehen bekommen wird. Einen Film, in dem die unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Vorstellungskraft erkundet werden, in dem Paris auf den Kopf gestellt wird, nur weil ein Geist es so befiehlt. Die entsprechende Szene in „Inception“ ist dabei nichts anderes als ein überflüssiger Augenschmaus. Ellen Page darf als Architektin der Traumwelten beweisen, was sie drauf hat. Da verbringen die Gedankendiebe sozusagen ein paar Minuten in Q’s Labor. Da werden die Schauwerte angedeutet, bevor das eigentliche Abenteuer losgeht. Für den Rest des Films ist Ariadne (Page) nicht dafür zuständig, den traumatisierten Dieb Cobb (Leonardo DiCaprio) durch ein Labyrinth in die Freiheit zu führen, wie es ihr Name suggeriert. Sie führt uns, die Zuschauer, ein in die Regeln der Inception und hilft mit ihrer endlosen Fragerei, den überladenen Plot und das Vokabular dieser seltsamen Profession zu verstehen. Wie Page werden auch die meisten anderen Darsteller als Randfiguren verschwendet; ganz einfach weil ihnen kein Charakter geschenkt wird. Einzig Tom Hardy als Fälscher innerhalb der Diebesbande kann hier seine eindrucksvolle Visitenkarte hinterlegen und empfiehlt sich als Actionheld, der all das besitzt, was einem wie Sam Worthington fehlt.

Doch reden wir nicht weiter von Schauspielern, denn um die geht es weder Nolan noch seinem Drehbuch. Was „Inception“ in meinen Augen am meisten schadet, ist seine Ausgangsidee: Dass man Träume soweit konstruieren kann, bis ihr künstliches Wesen nicht mehr von der Realität mit all ihren Einschränkungen zu unterscheiden ist. Nur so kann die Diebesbande um Cobb Gedanken stehlen und Ideen in einen fremden Geist implantieren. Kontrolle ist das Stichwort. Die Kontrolle – so schreit das Drehbuch von allen Ecken und Enden – entgleitet Cobb, da sich die Erinnerungen an seine verstorbene Frau (verführerisch wie immer: Marion Cotillard) in seine Arbeit drängen. Die Kontrolle lässt sich der Film-(Traum-)Architekt Nolan jedoch niemals wirklich aus den Händen nehmen. Irrationalität oder Surrealität, die unvorhersehbare Aufhebung der Naturgesetze in absurden Situationen –  eben die Mitbringsel des Unbewussten – werden entweder vollständig ignoriert oder auf den Trainingsplatz verbannt. Stattdessen erstickt „Inception“ all jene faszinierenden Fragen und Geheimnisse um die Funktionsweise des menschlichen Geistes in der langweiligen Ästhetik eines Actionthrillers. Dessen Gesetze verlangen es schließlich so. Diese zu brechen, hieße ein paar Steine aus der Dominokette einfach an einen anderen Ort zu stellen. Sich auch nur im entferntesten der Gefahr zu stellen, das ganze minutiös aufgebaute Kartenhaus mit Namen „Inception“ in sich zusammenfallen zu lassen, ist nicht Nolans Sache. Vielleicht will er es nicht. Vielleicht kann er es gar nicht.

28 Antworten auf „Inception (USA/GB 2010)“

  1. Sich auch nur im entferntesten der Gefahr zu stellen, das ganze minutiös aufgebaute Kartenhaus mit Namen “Inception” in sich zusammenfallen zu lassen, ist nicht Nolans Sache.

    Die Frage ist nur: Will, ja: KANN der Zuschauer dann sowas im Kino sehen? Ich denke nicht, weil dann – konsequent – auch die gesamte Narration diesen Traumgesetzen unterliegen müsste, was endlose Verwirrung mit sich bringen würde. Von daher finde ich Nolans in deinen Augen zu konventionelle oder unoriginelle Lösung der Fantasie-im-Traum-Problematik ganz gut gelöst. Was für ein Genre hast du denn erwartet, wenn du dir den – zugegebenermaßen – etwas irreführenden Trailer anschaust? Fantasy? Ich nicht. Alles eine Sache, was man erwartet. Deswegen fand ich „Inception“ auch großartig und hab ihn mir gestern gleich noch einmal angeschaut (hast mir ja auch nicht gesagt, wann du reinwillst). So! ;-)

  2. @luzifus: Ich habe keine Resnais-Hommage erwartet. Das war klar. Das (amerikanische) Mainstream-Kino der letzten dreißig oder vierzig Jahre hat aber oft genug bewiesen, dass es einen Film gelingen kann, in das Unbewusste hinabzusteigen, ohne surreales Kauderwelsch zu produzieren. Bei Betrachtung von „Inception“ habe ich mich jedoch mehrmals gewundert, warum Nolan Träume wie Computerprogramme behandelt und ihnen damit ihre ganze Faszination und Bedeutung für den Menschen nimmt.

  3. Das (amerikanische) Mainstream-Kino der letzten dreißig oder vierzig Jahre hat aber oft genug bewiesen, dass es einen Film gelingen kann, in das Unbewusste hinabzusteigen, ohne surreales Kauderwelsch zu produzieren.

    Beispiele? Meinst du sowas wie „Sieben“?

  4. @luzifus: Damit meine ich eher Sachen wie The Shining, Donnie Darko, Fight Club, Eternal Sunshine of the Spotless Mind… Da gibt’s einiges.

  5. @Luzifus
    Das hat mich schon im SPON Review aufgeregt: die Meinung, den Zuschauer nur nicht zu überfordern.

    Der kleinste gemeinsame Nenner kann doch nicht das Ziel des „Machers“ sein.

  6. „habe ich mich jedoch mehrmals gewundert, warum Nolan Träume wie Computerprogramme behandelt“

    Vermutlich hat er eine x-beliebige Einführung in die Philosophie des Geistes gelesen und ist bei der computational theory of mind hängen geblieben.

    http://plato.stanford.edu/entries/computational-mind/

    „die Meinung, den Zuschauer nur nicht zu überfordern.“

    Amüsanter Weise fühlten sich recht viele Zuschauer im Saal durch den Film überfordert. Die Leute waren richtig happy als alle zwanzig Minuten ein richtig schwach geschriebener One Liner kam, der ihnen signalisierte das sie jetzt zu recht lachen durften.

    Meiner Meinung nach ist der Film ganz nett (aber mehr auch nicht). Ein gut gemachter Actionfilm mit einer kleine Prise „denk-mal-darüber-nach“. Nichts neues, nicht weltbewegendes, aber mehr hatte ich auch nicht erwartet. Hab mich gut unterhalten gefühlt…

  7. Ehrlich geagt, kann ich Euer Gemähr nicht nachvollziehen. Also ich finde den Film einfach wunderbar. Wie die zahlreichen Diskussionen, nicht nur im Internet, beweisen, ist er ja keineswegs durch die „Kontrolle“ des Herrn Nolan in seiner Wirkung auf die ZuschauerInnen beschränkt. Je mehr dieser Diskus ich verfolge, desto herausragender empinde ich diesen Film. Meiner Meinung hält er ALLES, was er von Anfang an versprach: Faszinierende Gedankenspiele, tolle Action-Szenen und emotionale Tiefe (verkörpert in der Person des Dom Cobb, gespielt vom unvergleichlichen Leonardo *seufz*).
    Diese Review empfinde ich als ziemliche „Hirnwichserei“…irgendwie auch typisch deutsch *lol*.
    „Inception“ ist ein Film, auf den mensch sich auch einlassen musss, um ihn zu genießen. Wer quasi von vorne herein beschließt, sich nur mit den intellektuellen Fragen herumzuplagen, hat schon verloren. Hier gilt viemehr: Sieh hin und staune und lass dich mitreißen….und daneben gibt’s natürlich, das ist ja das ganz Tolle, auch viel „Food for thought“. Ich liiiiiiiiebe diesen Film!

  8. Damit meine ich eher Sachen wie The Shining, Donnie Darko, Fight Club, Eternal Sunshine of the Spotless Mind…

    Bei „Eternal Sunshine…“ stimme ich zu, weil er eben die Prozesse, die gerade im Gehirn vorgehen, visualisiert. „Shining“ und „Donnie Darko“ gelingt jedoch dies nicht, sondern nur die Perspektive „von außen“. Vielleicht wäre dabei noch „Being John Malkovich“ zu nennen und: in diese Ecke (also „von innen“) würde ich dann trotz aller Computerprogrammhaftigkeit auch „Inception“ stellen.

  9. @Dorian: „Hier gilt viemehr: Sieh hin und staune und lass dich mitreißen….“

    Ich staune gern, lass mich gern mitreissen. Deswegen gehe ich ins Kino. Die obige „Hirnwichserei“ ist ein Versuch zu erklären, warum es bei „Inception“ nicht dazu gekommen ist. Das darf ich doch noch, oder?

    @Luzifus: Ich sehe sowohl bei „The Shining“ als auch bei „Donnie Darko“ die Annahme einer Perspektive von innen. Die filmischen Mittel lassen darauf schließen. Es geht ja nicht nur um die Visualisierung von Denkprozessen, sondern auch um Gefühle.

    @Filmhass: Danke für den Link! Kenne mich in dem Bereich der Philosophie nicht besonders gut aus.

  10. Alles signed, exakt den wunden Punkt getroffen: die mechanistische Erkrankung der Phantasie.
    Die Plotverschachtelungen erzeugen eine vordergündigen Eindruck von Komliziertheit, der Komplexität sehr dürftig vortäuscht.
    Am Ende natürlich der erwartbarste, älteste Cliffhanger seit Filme über Traum und Wirklichkeit gedreht werden.

  11. @Sieben Berge: Schön, dass noch jemand zustimmt. ;)
    Den Cliffhanger empfand ich als billige Flucht aus der Verantwortung. Mit Einführung dieses Totems war klar, wohin das führen muss.
    Freue mich aber trotzdem auf deine Kritik!

  12. Hi,

    also hab den Film mal ne Woche sich setzen lassen…

    Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich mir den Film anders vorgestellt hatte, kann nicht sagen wie, aber net so wie er im Endeffekt dann war (Trailer vielleicht der Grund!?).
    Die Review ist vom Standpunkt her vertretbar, wobei ich finde, dass sie sich zu sehr auf Nolan konzentriert, auf sein Regiehandwerk… meiner Meinung nach macht es sich hier auch jemand zu einfach. Der Film ist vom Ansatz her eine erfreuliche Erfrischung für das Mainstream-Kino, denn es kommt heute doch nur noch relativ selten vor, dass ein Film für die Massen a la Avatar über eine simple „die sind gut, die sind böse“ Mechanik hinausgeht. Inception bietet dem Zuschauer eine Handlung die es bisher so noch nicht gab… auch relativ selten, nachdem ganzen Fortsetzungswahn. Da ich noch etwas müde bin und jetzt auch nicht mehr ins Detail gehen will, soll es das mal sein… Nur noch eines vielleicht… finde es super, dass Nolan größtenteils den Film NICHT auf die großen Effekte stützt, sondern nur kurz die Fantasie herauslässt. Und zum Thema Kontrolle: Hat nicht der Regisseur immer die Kontrolle über seinen Film? Egal wie man es wendet? Naja, wie gesagt, Inception bietet Anspruch und etwas Neues, aber leider war auch ich vom Ende enttäuscht. Mir war auch von Anfang an klar, dass der Film so enden würde, genauso wie ich von Anfang an das Ende von Shutter Island erahnt hab (was mich dann auch enttäuscht hat)… irgendwann kommt der Punkt an dem man zuviele Filme gesehen hat, dann kann man das meiste einfach erahnen… wenn am Schluss des Films genau das Gegenteil passiert wäre und man die gewissheit gehabt hätte… dann wäre ich zufrieden gewesen!

  13. Erstmal ein Kompliment ans Cinemaxx:

    Endlich mal die korrekte Leinwandmaskierung, ein scharfes Bild und super Ton, obwohl wir in der vorletzten Reihe in Kino 8 saßen. Das hatte ich in den letzten 10 Jahren nur in den neuen 3D-Kinos.

    Zum Film „INCEPTION“ selbst:

    Ganz klar ein Streifen, der in der oberen Klasse mitspielt – keine Frage. Für mich aber nicht mehr als eine 8 von 10. Dafür fehlte mir dann doch der
    WOW-Effekt. Weiterhin hat der Film für mich einige kleine Problemchen, bzw. nicht der Film, sondern Nolan, sein Team und der Hype.

    Nolans Stil ist mir momentan zu festgefahren. Bedenkt man, dass MEMENTO und PRESTIGE auch von ihm sind und diese völlig unterschiedlich und ohne Handschrift daherkommen, um so mehr fällt auf, dass bei INCEPTION Kamera und Soundtrack nahezu identisch zu seinen beiden Batman-Filmen sind. Das mag Zufall sein, aber ich denke eher, dass hier der kommerzielle Erfolg wieder Anstoß dazu war. Wieder Hans Zimmer am Notenpult, der sich momentan nur noch selbst kopiert (das war mal anders, auch wenn der Stil natürlich
    unverkennbar und leicht verdaulich und gefällig ist), wieder Wally Pfister an der Kamera. Zudem wurden aus beiden Batman-Filmen diverse Schauspieler importiert, so dass ich anfangs echt dachte, ich sitze in BATMAN 3.

    Die Idee mit den Träumen ist cool und ein paar grundlegende Traumdinge wurden ja angerissen. Dennoch ist die Geschichte für Träume viel zu linear und planbar, wie ich finde. Meine Träume gestalten sich fast immer so, dass sich Umgebungen, Menschen und Wesen nach kurzer Zeit blitzartig ändern – hier fehlte mir bei INCEPTION die Spontanität und der Überraschungsmoment. Wo war da der spontane Einsatz der Architektin aus ihrer Trainigsphase? Gut, die Zielperson sollte nichts merken, aber da wurde dennoch einiges an Potential verschenkt. Ein paar Agenten zum Schutz, die in Zeitlupe irgendwo auftauchen und wie wild rumballern…kennt man schon besser. Weiterhin waren mir zu viele Elemente zu nah am Matrix-Plot – die Veränderungen in der Matrix, die Programme (z.B. die Frau an der Bar), die Agenten, das Eintauchen, das Aufwachen bei Gewalt in der anderen Welt, das Orakel, der Auserwählte, der Schlüsselmeister, die Love-Story, etc.

    Ob Nolan die Story wirklich schon so lange im Kopf hatte, mag ich da doch arg bezweifeln. Die Szenen in der Schwerelosigkeit waren definitiv cool und sicher nicht einfach für das Team und die Schauspieler – was aber nochmal ordentlich etwas für den Film rausgehauen hat, waren die letzten Minuten und das Ende. Die Auflösung der INCEPTION und das … Ende waren sehr schön und haben nochmal ne gehörige Portion Emotionen freigesetzt.

    Leider fehlte mir im gesamten Film die Gänsehaut, obwohl der Film ja durchaus spannend war. Dennoch fehlte mir irgendwie der Drive in der Geschichte. Ich fand eher den Anfang interessant, rasant und gelungen und später alles etwas zäh. Ach ja – und die
    schlechte Yoda-Maske vom alten Saito ging auch gar nicht *lach*

    Aber das klingt nun alles so dermaßen negativ, was eigentlich gar nicht so gemeint ist. Ein echt guter Streifen, der mal etwas andere Wege geht, aber auch etwas überbewertet wird, wie ich finde. Ich werde ihn mir sicher noch ein paar Mal in Ruhe auf BluRay anschauen, aber ins Kino muss ich nicht noch einmal – dafür fehlte mir einfach der letzte Kick :)

    DENNOCH gibt es von mir eine klare Empfehlung für INCEPTION! Und wem der Film gefällt, der sollte sich auf alle Fälle auch mal den Directors Cut von „DARK CITY“ besorgen!

  14. Naja…als Cliffhanger würd ich das Ende jetzt nicht bezeichnen. Man sieht deutlich, wie der Kreisel in den letzten Millisekunden anfängt zu trudeln…

    Finde es aber auch schlimm, wieviele sich von Nolan blenden lassen und den Film als Meisterwerk hypen. Mir stecken auch viel zu viele Plot-Details von Matrix und Co drin, als dass ich mehr als 8 von 10 Punkten vergeben könnte. Sehr guter Film, aber kein Meisterwerk…

  15. Eine Wohltat, dein Text – wunderbar klar und zielstrebig auf den Punkt hingeschrieben. Eigentlich so entwaffnend in seiner Argumentation (der ich in jedem Punkt nur heftigst zunicken kann – außer vielleicht der Tatsache, dass mir der Trubel um den Film doch noch ein Extra-Bashing wert wäre weil er etwas symptomatisches an sich hat), dass man sich nur ungläubig fragen möchte, wie man überhaupt verzückt in die Knie gehen kann vor einem Film, der so offensichtlich und mitleidlos seine eigene Prämisse zum Schafott führt.

  16. @Christoph: Vielen Dank für das Lob! Der Hype geht mir auch gewaltig auf die Nerven, was v.a. an der zuweilen arg emotional aufgeladenen Verteidigungshaltung der Inception-Liebhaber liegen dürfte.
    Was mich an der „nolanistischen“ Argumentation jedoch am meisten schockiert hat, ist der Ansatz, Inception sei eine verkappte Metapher für das Filmemachen. Dann wäre der Film eine fantasielose Kunst und Inception ein traurig stimmendes Fazit.

  17. Komisch, ich kann dir weitestgehend zustimmen und doch gefiel mir der Film um einiges besser. Aber deinen Text finde ich auch wunderbar, schön geschrieben =)

    Ich habe mich gestern zum zweiten Mal für diesen Film ins Kino begeben (die beiden Kinokarten waren es auf alle Fälle wert :D) und es hat mir wieder unglaublich gut gefallen. Vielleicht liegt es wirklich an der Erwartung an den Film, wie er Träume handhabt. Ich habe keinen Trailer oder dergleichen gesehen und hatte keine Erwartungen und war einfach baff. Dieses ganze Regelkonstrukt dient ja dem Actionthriller Part im Film und das finde ich überaus exzellent exerziert.
    Aber ich glaube da kann man sich auf sehr vielen Ebenen (höhö) endlos streiten.
    Um deine letzten Sätze zu beantworten – Ich finde: Er wollte es nicht, aber er könnte (vielleicht :D).
    Und bezüglich des Hypes…ja, stört auch irgendwo immer (,,Avatar“…), aber wenn er berechtigt ist – wie hier ;P – stört er nur, wenn beide Seiten ihre Meinung zu extrem durchsetzen wollen…

  18. Ein sehr traurig stimmendes Fazit, in der Tat. Ich habe einst das gleiche über THE PRESTIGE gesagt, aber je länger ich darüber nachdenke, desto weniger traue ich meiner ursprünglichen Aussage über den Weg, auch wenn es Gründe geben könnte (bin darauf in meinem eigenen Text etwas näher eingegangen), warum die gleiche „Masche“ (und als solche muss man sie wohl bezeichnen) dort funktioniert, bzw. legitim ist, während sie im Bezug auf INCEPTION nicht funktionieren kann. Zumindest, wenn man nicht zu den Menschen gehört, die INCEPTION mangels Alternative auf ihre ewige Top10 setzen.
    Die Fantasielosigkeit des Films ist ohnehin mein Königsargument gegen ihn. Ich würde nicht behaupten, selbst besonders surrealistisch zu träumen, aber definitiv nicht kohärent, asexuell oder so, wie Actionszenen in einem Ridley Scott-Film aussehen.

  19. Und zuguterletzt hätte INCEPTION einfach ein wunderbarer Genrefilm sein können, wenn er sich nicht so unfassbar aufgebläht hätte. Ganz normales, ehrliches Genrekino – dafür ist sich Nolan zu fein.

  20. @Khitos: Ich denke mal, der Genuss des Filmes hängt u.a. davon ab, wie man zu dem Regelkonstrukt (und seiner Darlegung) steht. Andernorts wurde der Film mit einem Tutorial für ein Videospiel verglichen und das fasst meine Erfahrung im Kino eben recht gut zusammmen. Ich kenne allerdings auch einige Leute, die von den vielen Regeln und Gesetzen ungeheuer fasziniert waren und nicht – wie ich – entfremdet.
    Trotzdem schön, dass dir der Text gefallen hat. :D

    @Christoph: Für THE PRESTIGE spricht zumindest, dass er, sofern meine Erinnerung mich nicht trügt, weitaus weniger trocken daherkam. Ich muss allerdings zugeben, das der Film mich damals im Kino dank seines seltsam plumpen Twists binnen Sekunden verloren hat.
    Das von dir gewünschte ehrliche Genrekino sehe bei Nolan nur in INSOMNIA aufblitzen. Dort allerdings in Form einer verblassten Kopie eines besseren Films.
    So, ich geh dann mal deine Kritik lesen. ;)

  21. Gut getroffene review. Ich bin voller Vorfreude in diesen Film und wurde nach etwa 20 Min davon überrascht, dass ich mich schlicht langweilte. Und dieses Gefühl ging nicht weg bis zum Ende – Irgendwann dachte ich nur noch ‚oh nee, nicht noch ein Traum und noch einer und noch einer‘. Mir hat glaube ich einfach eine flüssige, spannende und unterhaltsame Geschichte gefehlt. Und zum Ende habe ich mich nur noch gequält und war völlig genervt von dem Geschehen auf der Leinwand. Die Schauspieler haben gut gespielt, aber die Figuren waren irgendwie platt. Die Szenerie war beeindruckend, aber überladen und ich kam mir vor, als ob ich durch ein Filmmuseum geführt werde. Die Actionszenen waren gut insziniert, aber passten irgendwie nicht. Die tragischen Szenen waren sowas von überzeichnet, dass sie schlicht nur noch nervig waren. Alles in allem habe ich mich selten so gelangweilt und habe einfach nur dieses was fuer ein schlechter Film Nachgefühl.

  22. Ich kann zwar einige Punkte der Kritik nachvollziehen (etwa dass Nolan Träume wie Computerprogramme behandelt), aber andere hingegen gar nicht. Ich sehe „Inception“ als einen Film, der dem Hype voll und ganz gerecht wird. Dabei habe auch ich mich über die viel zu euphorische Medienberichterstattung aufgeregt. Aber im Kino war ich dann von der ersten Sekunde an fasziniert von diesem anspruchsvollen, absurden, verwirrenden und schlicht und einfach grandiosen Film.
    Dass die Nebencharaktere leblos sind, finde ich auch gar nicht. Ken Watanabe und Marion Cotillard spielen hervorragend. Einzig auf Ellen Page hätte man zumindest in dieser Rolle verzichten können.

  23. @Alex: Die Diskussionen haben gezeigt, wie weit die Meinungen zum Film auseinander gehen. Das ist auch ok.
    Eines noch zu Ellen Page: Das Problem ist, würde man auf ihre Rolle verzichten, würde Nolans Erzählkonzept in sich zusammenfallen. Das sollte man ihm ankreiden, ob man den Film nun mag oder nicht.

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