Kurtz & Knapp III

Während das Sommerloch sich in seiner vollen langweiligen Blüte zeigt und die einzigen Lichter am Ende des Tunnels die deutschen Starttermine von “The Dark Knight” und “Tropic Thunder” sind, will ein Blog natürlich gepflegt werden. Um der drohenden Vernachlässigung entgegen zu wirken, erscheint hier daher eine weitere Folge von Kurtz & Knapp. Die bereits vierteilige Sonderauflage über die Filme des Festivals in Bologna ist  aber noch lange nicht an ihrem Ende angelangt, wird also noch fortgesetzt werden.


Once (IRL 2006):

Seinen Oscar für den besten Song hat “Once” zwar verdient, aber zu mehr als einen  85-minütigen Videoclip über zwei musikversessene Aussenseiter reicht es dann doch nicht. Gewisse Ermüdungserscheinungen setzten zumindest bei mir nach dem dritten oder vierten melancholischen Lied ein und wollten nicht mehr verschwinden. “Falling Slowly” bleibt aber wirklich ein tolles Lied.

Kung Fu Panda (USA 2008):

An Pixar kommen die Filme von Dreamworks Animation auch mit Kung Fu Panda noch lange nicht heran, dazu ist die Story zu konventionell; verlässt sich die (visuelle) Charakterisierung der Nebenfiguren noch zu sehr auf die Verwendung unterschiedlicher Tiere. Dafür begeistert die Geschichte des widerwilligen Kung Fu-Heroen Po mit farbenprächtigen Landschaftsanimationen und rasanter Action – der Ausbruch des Bösewichts Tai Lung aus seinem Hochsicherheitsgefängnis sei an dieser Stelle hervorgehoben. Es ist schon ein wenig traurig, wenn der Kampf des Pandas Po mit seinem Meister Shifu um eine Teigtasche nicht nur aufregender, sondern auch besser in Szene gesetzt ist als das ganze “Grabmal des Drachenkaisers”.

Ein Hauch von Zen (RC 1969):

Lange lag die DVD im Regal bis sie dank eiserner Überwindung  und etwas Kaffee endlich im Player landete. “Ein Hauch von Zen” ist ein, trotz anfänglicher Längen, unerreichter Wuxia-Klassiker, der am Ende – nach fast drei Stunden  – alle Genregrenzen hinter sich lässt und Kubrick’sche Größe erreicht. Wer die Inspiration  für Ang Lees “Tiger and Dragon” sehen will, wende sich bitte an den Film von King Hu. Poetisch und einfach nur schön. Wow!

The Heroic Trio (HK 1993):

Dass gute Superheldenfilme nicht nur aus den USA kommen, bewies Johnnie To bereits 1993 mit seinem heroischen Trio. Invisible Woman (Michelle Yeoh), Thief Catcher (Maggie Cheung) und Wonder Woman (Anita Mui) tun sich hier erstmals im Kampf gegen einen machtgierigen Eunuchen, der reihenweise Säuglinge entführt, zusammen. Typisch Hongkong ist “Heroic Trio” dank der Actionchoreographie von Ching Siu Tung (“Hero,” “A Chinese Ghost Story”) und der unvermeidlichen Brutalität (mal wieder wird auch vor Kindern nicht halt gemacht), die in  ähnlichen Mainstreamfilmen aus Hollywood in dieser Form gar nicht auftauchen würde. Auch wenn die düstere Optik von Tim Burton inspiriert zu sein scheint, verkommt Johnnie Tos Heldinnensaga nicht zur bloßen Kopie von Batmans Abenteuern.

“The Heroic Trio” ist Kult und sehr lustig. Dieser einfachen Feststellung kann selbst das hin und wieder antiquiert wirkende Wire-Fu nichts anhaben. Und Anthony Wong darf als hirnlose Bestie Kau seine eigenen Finger verputzen. Lecker, lecker!

My Name is Fame (HK 2006):

In Anbetracht der Tatsache, dass HK-Edelmime Lau Ching Wan Ende der Neunziger in einen Knaller nach dem anderen zu sehen war – von einer Hauptrolle in Ringo Lams “Full Alert” bis hin zu Milkyway-Filmen wie “The Longest Nite” oder “Running out of Time” – ist die Dichte an mittelmäßigen Komödien, die seine Filmografie im neuen Jahrtausend übersät, doch recht überraschend. Da war der Hong Kong Film Award, den Lau für “My Name is Fame” gewann, schon so etwas wie ein dringend nötiges Comeback. Anders als sein Film Alter Ego Poon war Lau bis dahin unzählige Male für den HK-Oscar nominiert gewesen und am Ende immer leer ausgegangen. Dieser Poon, ein Charakterdarsteller mit einem leichten Hang zum Alkoholrausch, ist nach einem solchen Preis für seinen ersten Film als ewiges Talent abgestempelt wurden. Abgehalftert, ohne Aussicht auf gute Rollen, nimmt er die von einer Filmkarriere träumende Faye unter seine Fittiche und entdeckt ganz nebenbei seine Liebe zur Schauspielerei wieder.

Das in “My Name is Fame” von der Filmindustrie gezeichnete Bild einer großen Familie hat nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun. Alles ist in diesem Film nämlich ein bisschen rosa überzeichnet und weit von einer knallharten Satire entfernt. Der Weichzeichner stört nicht weiter, denn Lau sitzt die Rolle wie angegossen. Löblich ist sicher auch die Zeit, die der Film auf den eigentlichen Prozess des Spielens verwendet; von einfachen Aufwärmübungen über den Ideenaustausch mit dem Regisseur bis hin zum Variieren des Spiels von Take zu Take. So ist der Film am Ende v.a. eine Liebeserklärung an die in Hongkong seltene Spezies des Charakterdarstellers, die sich durchkämpft in einer Industrie, welche die Kinosäle mit untalentierten Models und Popsternchen zu füllen sucht.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers (USA/D/CDN 2008)

Eine Filmindustrie, deren Ertrag von ehemals 200 auf 50 Filme im Jahr geschrumpft ist, befindet sich wahrscheinlich in einer Krise. Das Kino der ehemaligen Kronkolonie Hongkong hat also ein Problem. Das Gros der eigenen Werke wird vom heimischen Publikum nicht beachtet, oft auch zurecht, schließlich sind viele dieser Low Budget-Filme einfach schlecht. Gegen die Millionen Dollar schweren amerikanischen Großproduktionen, welche nach der Übergabe Hongkongs an China zum Niedergang dieser einstmals blühenden Industrie beitrugen, kommen heutzutage nur noch Neujahrskomödien und Starvehikel an.

Bestes Beispiel dafür ist die “Infernal Affairs”-Trilogie, deren Ansammlung an HK-Stars fast schon einem verzweifelten Betteln um Aufmerksamkeit gleich kommt. Gleiches gilt für die unzähligen Historienepen, meist koproduziert mit dem Festland, wie “The Warlords”, in dem Jet Li, Takeshi Kaneshiro und Andy Lau um die Gunst des Zuschauers werben. Das Kino der Sonderverwaltungszone hat seit dem Schicksalstag im Juli 1997 vieles von dem verloren, was es einst einzigartig im internationalen Wettbewerb gemacht hat. Wer körperbetonte Kampfsportfilme sehen will, wendet sich an Tony Jaa. Ist man auf gewagte Genremixe aus, sucht man sie ebenfalls in Thailand. Ungewöhnliche Storys jenseits der bekannten Hollywoodformeln findet man seit einigen Jahren auch in Korea, nur eben professioneller produziert auf gleicher Augenhöhe mit der amerikanischen Konkurrenz.

Sind diejenigen, welche Hongkongs Filmwunder in den 80er Jahren mitverantwortet und von diesem am meisten profitiert haben, nach dem Handover nicht nach Hollywood verschwunden (Tsui Hark, John Woo, Chow Yun-Fat), erfreuen sie sich an den Vorstufen der Frührente (Brigitte Lin, Maggie Cheung) oder haben diese Welt ganz verlassen (Leslie Cheung, Anita Mui). Seltsam nur, dass auf der internationalen Bühne kaum ein Hongkonger Star dauerhaftes Glück fand. Während Jackie Chan immerhin mit Buddy Movies einen Fuß in die Tür bekam, litten besonders die Filme der Martial Arts-Legende Jet Li unter der Unfähigkeit amerikanischer Regisseure, seine Talente zu nutzen. Wurde deren zerstückelnde Actioninszenierung doch an Hollywoodstars geprobt, die vom Kämpfen im wahren Leben nicht mal den Hauch einer Ahnung haben. Noch dazu geht “Romeo Must Die”, “Cradle 2 the Grave” und wie sie alle heißen der Einfallsreichtum eines Tsui Hark oder Ronny Yu ab.

Kein Wunder, dass der Erfolg ausblieb. Statt asiatische Stars mit gewagten Projekten dem amerikanischen Publikum zu verkaufen, geht man auf der anderen Seite des großen Teiches nun dazu über, gezielt den lukrativen Absatzmarkt in Fernost anzusprechen. So kommt es, dass der dritte Teil der Mumie-Reihe am Startwochenende in den USA den Dunklen Ritter nicht vom Sockel stürzen kann, sich dafür aber in Hongkong und Korea als Box Office-Gold erweist.

Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers beherbergt schließlich die chinesischen Superstars Jet Li, Michelle Yeoh und Isabella Leong. Die drei werden also letztendlich nach Hollywood gekarrt, um mit ihrer Besetzung in Nebenrollen ihr eigenes, längst erobertes Publikum in die Kinos zu locken. Am Ende verlassen die Stars des HK-Kinos ihre Heimat, um in teuren US-Blockbustern zu ihr zurück zu kehren, die Hongkongs Eigenproduktionen von den Leinwänden vertreiben. Verfolgen die großen Studios diese sich jetzt schon bewährende Taktik weiter, so bleibt nur die Hoffnung, dass die zukünftigen, international besetzten Filme qualitativ mehr aufzuweisen haben, als Rob Cohens Ausflug nach China. Dabei ist die Grundidee, die Abenteuer von Rick und Evey ins Reich der Mitte zu verlegen, noch das beste, was der Reihe passieren konnte. Schon in Die Mumie kehrt zurück erwies sich nämlich der ägyptische Hintergrund als reichlich verbraucht. Nicht zuletzt deshalb versank der Film in einem Meer schlechter Effekte, deren peinlichste Ausgeburt der Skorpionkönig war.

Problem nur, dass der bereits in diesem Teil nervige Sohn des Abenteurerpaares O’Connell nicht über Bord geworfen wurde, sondern im Grabmal noch mehr Platz einnimmt. Gespielt vom 27jährigen Australier Luke Ford, wird Alex O’Connell als überflüssiger zweiter männlicher Actionheld neben Brendan Fraser an den Start gebracht. Dass die beiden als Brüder wesentlich glaubhafter wären, sei mal dahingestellt.

Dieser Alex gräbt im China der späten Vierziger den in Terrakotta versteinerten Drachenkaiser (Jet Li) aus, der dummerweise vom fiesen General Yang (Anthony Wong) zum Leben erweckt wird, um die Herrschaft über China zu erringen. Rick (Fraser) und Evey (Maria Bello) kommen zu Hilfe, John Hannah als Jonathan ist natürlich mit von der Partie. Gemeinsam geht’s nach Shangri-La, um zu verhindern, dass Kaiser Han, der eigentlich dem ersten Kaiser Qin Shi Huang nachempfunden ist, also demjenigen Herrscher, den Jet Li in “Hero” umbringen will – aber das nur am Rande – dass also dieser Tyrann ewiges Leben und was sonst so dazu gehört, erringt.

Der grobe Plot entspricht also dem des ersten Teils. Es gibt einen mörderischen Untoten samt Helfer, zwielichtige Museumsmitarbeiter, geheimnisvolle Wächter des Grabes (Isabella Leong und Michelle Yeoh), sogar einen alten Kumpel, der die O’Connells irgendwo hin fliegt. Da muss man sich unweigerlich fragen, wie Rob Cohen es geschafft hat, seine Mumie sprichwörtlich dermaßen gegen die Wand zu fahren.

Vielleicht kann man den alles durchdringenden Mangel dieses Films an Hand eines Beispiels erklären: Die Helden landen beim sagenumwobenen Tor nach Shangri-La und rüsten sich mit allerhand Maschinenpistolen für den Kampf gegen die Soldaten Yangs. Ganz vielversprechend geht es auch los mit handfesten Schießereien, die Indiana Jones und seine Kristallschädel vor Neid erblassen lassen. Irgendwann kommt Isabella Leongs Figur Lin auf die Idee, in den Bergen des Himalayas nach Hilfe zu rufen. Und was kommt? Yetis! Nicht einer, nicht zwei, sondern drei (!) zottelige Yetis zermalmen die bösen Soldaten.

Die Action hat ein Ende, das C.G.I.-Fest beginnt, denn Cohen versteht es ganz offensichtlich nicht, zwischen Unterhaltung und Maßlosigkeit zu unterscheiden. Dass er das sagenumwobene Shangri-La, das Paradies auf Erden, in genau einer Einstellung zeigt, bestätigt seine Unfähigkeit. Jeder andere Abenteuerfilm würde sich diesen legendären Ort wohl für das Finale aufsparen, für Cohen ist er nur ein Effekt unter vielen.

Natürlich kann man nicht alle Schuld auf den Regisseur abladen, denn die Schwächen des Films sind in all seinen Bereichen zu finden. Das Drehbuch von Alfred Gough und Miles Millar muss als erstes an den Pranger gestellt werden. Schon der Prolog, der erzählt, wie die Hexe Zi Juan (Yeoh) den Kaiser einst verfluchte, vertreibt durch seine platte Schwerfälligkeit jedes Mysterium. Alles, was gezeigt wird, muss aus dem Off noch mal erklärt werden, als handle es sich hier um die Hörfilmfassung. So ergeht es den ganzen 112 Minuten.

Werden die Dialoge nicht gerade durch einen einfallslosen, schon in Dutzenden anderen Filmen gehörten, Oneliner aufgelockert, muss irgendeine (meist chinesische) Figur die Rolle des Basil Exposition übernehmen und uns alle Hintergründe erklären. Selbst wenn die Yetis auftauchen, muss Maria Bello wie eine Führerin im Naturkundemuseum erklären, dass die Viecher in Tibet als Yetis bezeichnet werden.

Dabei hat Bello als Nachfolgerin von Rachel Weisz in der Rolle der Evey schon genug mit der eigenen Fehlbesetzung zu kämpfen. Ein Großteil der Chemie zwischen Fraser und Weisz entstand aus deren Gegensätzen, aus der Kombination des rauen Abenteurers Rick mit dem rehäugigen, naiven Bücherwurm Evey. Bello, beileibe keine schlechte Schauspielerin, verliert im Kampf mit dem britischen Dialekt jede Natürlichkeit und wirkt mit ihrer kühlen, erotischen Ausstrahlung wie eine dem Film Noir entsprungene Femme fatale, die sich unversehens als Mutter eines erwachsenen Sohnes in einem Abenteuerfilm wiederfindet; mit einem Wort: deplatziert.

Ein Glück, dass der Film Jet Li und Michelle Yeoh zusammenbringt, könnte man meinen. Doch Cohen, der es, man weiß nicht wie, geschafft hat, sich als Actionregisseur einen Namen zu machen, versagt selbst, wenn es darum geht, den lang erwarteten Kampf zweier Martial Arts-Haudegen entsprechend mit der Kamera einzufangen. Sicher, der Kampf zwischen Li und Yeoh ist einer der wenigen Höhepunkte des enttäuschenden Films, doch Cohen verwässert die eigenen Schauwerte durch den hastigen Schnitt und die Wackelkamera, die für den Genuss eines Martial Arts-Setpieces nicht geeignet sind. Damit krankt auch dieser Film am bereits oben erwähnten falschen Einsatz der Ikone Jet Li.

Dieser ist als Bösewicht allemal sehenswert, taucht aber im Vergleich zu Arnold Vosloo viel zu selten auf, um ähnlich bedrohlich zu wirken. Meist sehen wir vom Gestaltwandler Han nur sein Terrakotta-C.G.I.-Alter Ego, einen dreiköpfigen Drachen (ein Kopf reicht mal wieder nicht) oder irgendein behaartes Viech, dass den Film auch nicht gerade besser macht.

Yeoh, deren Rolle insgesamt mehr hergibt, besticht durch ihre gewohnte Erhabenheit, der auch schreckliche Dialoge nichts anhaben können. Ohne mit der Wimper zu zucken, spielt sie ihre Filmtochter Isabella Leong an die Wand, deren Hollywood-Debüt im großen und ganzen blass bleibt. Hongkong-Veteran Anthony Wong hat auch schon in besseren (und vielen noch schlechteren) Filmen mitgespielt. Da sich seine erstaunlich große Rolle auf das Schreien von Befehlen, die Darlegung des Plots und eine erinnerungswürdige Todesszene beschränkt, die einem durch Mark und Bein geht, kann auch er seinen bereits in unzähligen Variationen gespielten Bösewichten keine neue Facette hinzufügen.

So bleibt einem am Ende anscheinend nur die Aufzählung von Mängeln, denen Cohen kaum etwas positives entgegen zu setzen hat. Immerhin erreicht der Film einen mäßigen Unterhaltungswert, der immer dann zum Halten kommt, wenn Rick und Co. irgendwie anfangen zu reden und man nur noch mit einem gepflegten Zusammenzucken reagieren kann.

Als großer Sommerblockbuster wird Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers sicher auch in Deutschland seine Zuschauer finden und das nötige Geld für einen vierten Teil einspielen. Wer dagegen Jet Li und Michelle Yeoh kämpfen sehen will, sollte sich “The Tai-Chi Master” besorgen. Um den von der dritten Mumie verursachten Augenkrebs zu kurieren, nehme man des Weiteren eine Dosis Li zu sich (vielleicht “Once Upon a Time in China” oder “Fist of Legend”) gepaart mit etwas Yeoh (“Tiger and Dragon” oder sogar “The Heroic Trio”) und einem gut aufgelegten bösen Wong (“Big Bullet” und für Hartgesottene: “Love to Kill”).

Mit anderen Worten: So ziemlich alles ist ansehnlicher als diese eklatante Verschwendung asiatischer Talente durch einen miserablen amerikanischen Film. Die genannten Empfehlungen vereinigen in sich genau das, was das Hongkong-Kino einmal ausgemacht hat. Und dieses wusste immerhin, wie man das Actionpotenzial eines Jet Li ertragreich nutzt. Ist man unbedingt auf einen Trip amerikanischer Produzenten ins chinesische Milieu aus, so ist Kung Fu Panda garantiert die lohnendere Wahl. Der ist übrigens auch ein Hit in China.

(Erstmals veröffentlicht in der Online-Filmdatenbank am 07.08.2008 )


Zum Weiterlesen:
Kritiken ausgewählter Filme aus der Sonderverwaltungszone Hongkong.
Ein lesenswerter Artikel des Time Magazine über den Zustand der Hongkonger Filmindustrie.
Was ist eigentlich Shangri-La?
Wiki hat die Antwort
– und die BBC auch.

K&K: Edizione Speciale IV

Erpressung [Stummfilm](GB 1929)

Als Großbritanniens erster Tonfilm gilt Alfred Hitchcocks Erpressung (Blackmail), dabei muss man hier eigentlich von zwei Filmen reden. Der eine wurde tatsächlich von der damals neuen Technik gesegnet und bleibt die berühmteste Fassung des Films.

Der andere ist unverdient in Vergessenheit geraten, weil eben der Ton fehlt. Mitten in der Produktion kam nämlich die Idee auf, den Film doch als Talkie zu vermarkten, also wurden Szenen nachgedreht, die Hauptdarstellerin gedubbt usw.

Dabei ist die stumme Fassung von Erpressung ein Juwel für sich, dass bereits alle Markenzeichen Alfred Hitchcocks versammelt: Die effiziente, dennoch pointierte Erzählweise; ein finales setpiece oder Crescendo im und auf dem British Museum; eine Prise raffiniert in Szene gesetzter Gewalt, die mehr Schattenspiel als Kampf ist und natürlich sein persönlicher Cameo-Auftritt.

Allen Hitchcock-Fans und Freunden des stummen Films sei diese Fassung von Erpressung empfohlen, schließlich lässt sich in dieser noch frühen Phase des Regisseurs fast all das auffinden, was zu seiner späteren Berühmtheit beitragen würde. Ungeachtet dessen ist Erpressung, wie jeder gute Hitchcock, spannendes Unterhaltungskino.


Stadt in Angst (USA 1955)

Ein Fremder kommt in die Kleinstadt und wühlt in den dunklen Geheimnissen ihrer Bewohner. John J. Macreedy (Spencer Tracy) will eigentlich nur den Japano-Amerikaner Komoko besuchen, doch was er entdeckt ist ein schreckliches Verbrechen, über das der Mantel des Schweigens gehüllt wurde.

John Sturges CinemaScope-Film kratzt am latenten Rassismus der damaligen amerikanischen Gesellschaft. Schon die Erwähnung der Relocation Camps, in die während des Zweiten Weltkrieges mehr als 100.000 Japaner und Japano-Amerikaner interniert wurden, ist zu dieser Zeit ungewöhnlich. Immerhin hat die offizielle Entschulding 40 Jahre auf sich warten lassen.

Das mit Western-Elementen angereicherte Drama erscheint hin und wieder wie eine CinemaScope-Version von Die 12 Geschworenen, denn Sturges nutzt das Breitwandformat auch in den Kammerspielszenen. Da werden die Einwohner des abgelegenen Örtchens Black Rock über das ganze Bild distanziert voneinander verteilt, denn das Verdrängen des Verbrechens ins Unterbewusstsein hat seinen Preis: Die Zersetzung der Gemeinschaft. Selten ist die Bewältigung eines Traumas so spannend auf die Leinwand gebracht wurden.

Die Kinder von Hiroshima (J 1952)

Eine junge Frau kehrt zurück in ihre Heimat Hiroshima. Als Beobachterin wandelt sie durch die zerstörte Stadt, trifft alte Bekannte und die titelgebenden Kinder, die eigentliche Zukunft nach der Katastrophe.

Symbolisch dicht erzählt Shindo Kaneto von der Bewältigung des Atombombenabwurfs, der das Ende eines Krieges und den Beginn einer neuen Tragödie markieren sollte.

Blicke und Kameraschwenks in den Himmel legen die Last der Angst auf die Figuren, der Furcht vor der Wiederkehr der Unglücks. Die apathische Trauer, welche die ältere Generation im Film übermannt hat, wird nach und nach abgelöst von spielenden Kindern, deren reinigendes Element das Wasser ist. Die Hoffnung lässt die betäubende Starre nicht verschwinden. Und selbst am Ende, wenn es zurück geht ins Leben, bleiben die warnenden Propellergeräusche im Ohr.


Zum Weiterlesen:
Alle Einträge zum Festival Il Cinema Ritrovato in Bologna (2008).

Mamma Mia! (USA/GB/D 2008)

Grüne, maskierte oder betrunkene Superhelden, verpeilte Piraten und die Filme eines Michael Bay, welcher bekanntlich als “Regisseur” bezeichnet wird, zieren zumeist das sommerliche Kinoerlebnis. Dabei vermitteln weder diese Blockbuster noch die wiederbelebten TV-Serien, die sich in den hinteren Rängen der Box Office einfinden, ein Gefühl für die Freuden der sonnigen Jahreszeit.

Die Dichte actionlastiger Abenteuergeschichten, mit deren hanebüchenen Drehbüchern man nicht einmal einen wackligen Stuhl vernünftig stützen könnte, spricht vielmehr dafür, dass die Studiobosse den Zuschauern in den heißen Monaten des Jahres im wesentlichen die Intelligenz absprechen. Gebratene Hirnzellen nehmen C.G.I.-Yetis und Ufos eben, ohne sich zu beschweren, in Kauf.

Freilich erfordert der Genuss eines Musicals ebenso wenig geistige Aufmerksamkeit, sofern es sich nicht um einen potenziellen Oscarbewerber handelt. Andererseits starten diese ja sowieso nur im Winter, was sie aus der Diskussion ausschließt, aber zurück zum eigentlichen Thema: Mamma Mia! ist weder Rheingold noch Götterdämmerung, aber wer braucht die große Kunst, wenn er das große Vergnügen sein eigen nennen darf? Der Verzicht fällt bei 30 Grad im Schatten jedenfalls leicht, denn Mamma Mia! ist für den Sommer geschaffen.

Das auf den Songs der schwedischen Popgiganten ABBA basierende Musical vereinigt in sich die Quintessenz dessen, was so toll am Sommer ist. Jeder Song ist eine Variation des unersetzbaren Gefühls, das einen beschleicht, wenn man aus dem Winterschlaf aufwacht, aus dem Fenster schaut und den ersten strahlenden blauen Himmel seit Wochen sieht; man nach acht Stunden im Büro in die warme Sonne hinaus tritt, wissend, dass nun das Wochenende beginnt und die Welt einem für zwei Tage zu Füßen liegen wird.

Abgesehen von der Tatsache, dass hier Lieder die Hauptrolle spielen, die man einfach kennt, egal ob man ein Stammgast bei Siebziger Jahre-Parties ist oder nicht, ist der Ort der Handlung – eine kleine griechische Insel – der Ferienatmosphäre nicht gerade abträglich. In nahezu jeder Szene entfacht das blau leuchtende Mittelmeer seinen verführerischen Sog, während im Vordergrund Meryl Streep, Julie Walters und Kollegen ihre aufmunternden Gassenhauer trällern. Und das mit einer Spielfreude und Agilität, die wohl nur bei wirklich guten Schauspielern nicht ins Lächerliche abgleitet.

Wer kann schon bei klarem Verstande behaupten, Meryl Streep sei eine schlechte Schauspielerin? Mamma Mia! könnte man auch als die Meryl Streep-Show bezeichnen, denn wieder einmal liefert ein Film den Beweis, dass Musicals für die Leinwand besser auf eben dort beheimatete Stars zurückgreifen sollten. Zwar ist Phyllida Lloyds Verfilmung mit den vielen Massenszenen und choreografierten Tänzen ganz der eigenen Herkunft von der Bühne verpflichtet und im Vergleich zu Sweeney Todd oder Across the Universe recht „klassisch“. So steif und verkitscht wie das Phantom der Oper gerät Mamma Mia! allerdings zu keiner Sekunde.

Das Ensemble bringt schließlich genügend schauspielerische Lebhaftigkeit ins Geschehen, um die bewusst banale Geschichte einer Braut, die zum Missfallen ihrer Mutter drei Männer aus deren Vergangenheit zur ihrer Hochzeit einlädt, zum Augen- und Ohrenschmaus werden zu lassen.

Während ihre männlichen Co-Stars, also die drei potenziellen Väter der Braut (Pierce Brosnan, Stellan Skarsgard (!) und Colin Firth), kaum gesanglich gefordert den Esprit gut gelaunter Urlauber versprühen und sich selbst beim Abspann aus Freude an der Sache für nichts zu schade sind, schmeißt die Streep sich in die Rolle der Donna, als würde der Film sich um die Oscars und nicht nur die Zuschauer bemühen.

Im Gegensatz zu ihrer jungen Gesangspartnerin Amanda Seyfried, die ihre Tochter spielt, weiß Streep mit dem fliegenden Wechsel zwischen dramatischem Ernst und charmanter Selbstironie zu überzeugen. Dabei vermittelt sie stets den Eindruck, als würde das Wissen um den geringen Gehalt dieses Filmes sie nur noch weiter anspornen, alle Zurückhaltung über Bord zu werfen und einfach Spaß zu haben. Einen ähnlichen Habitus merkt man auch Julie Walters und Christine Baranski an, die sich als Donnas beste Freundinnen die Ehre geben.

Diese heitere, ganz und gar nicht alte Garde läuft in Mamma Mia! den seelenlosen Modelkörpern der Jugend problemlos den Rang ab. Befindet sich deren Niveau noch deutlich über High School Musical-Verhältnissen, legt die Verteilung der Gesangspartien, welche abgesehen von der weitgehend überzeugenden Seyfried die Jungschauspieler arg vernachlässigt, doch Zeugnis ab über die wahren Könner im Cast. Gesangliche Perfektion ist in Mamma Mia! zum Glück nicht alles.

Stattdessen erntet der Film verdientermaßen durch seine heiteren Comedy-Einlagen, seine zu Hochform anlaufende Hauptdarstellerin und durch die Tatsache, dass er seinem sommerlichen Starttermin vollkommen gerecht wird, uneingeschränkt Beifall.

Für Interessierte und Sehbehinderte: the gaffer hat ein neues Theme

Da das düstere Dunkelgrau mir auf Dauer etwas zu überladen und depressiv vorkam, gibt’s für the gaffer nun ein neues, helles Theme passend zum Sommer. Zur Zeit bastle ich noch am Header herum, da könnten sich noch Kleinigkeiten ändern. Für Vorschläge bin ich natürlich offen.

Die Übersicht über alle Kritiken und den unvermeidlichen “About me”-Kram findet ihr am oberen Rand der Seite. Alles weitere (Links, Blogs, Aktuelle Beiträge…) versammelt sich wie zuvor auf der rechten Widget-Leiste.